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Übersichtsarbeiten und Bewertungen nationaler und internationaler Gremien

  • Die bisher vorliegenden wissenschaftlich publizierten Arbeiten zum Zusammenhang zwischen männlicher Fruchtbarkeit und elektromagnetischen Feldern von Handys wurden von einigen Autoren zusammengefasst und von nationalen und internationalen Gremien bewertet.
  • Nationale und internationale Gremien kommen zu dem Ergebnis, dass aus den veröffentlichten Studien keine belastbaren Schlüsse hinsichtlich der Wirkung hochfrequenter Felder auf die männliche Fruchtbarkeit gezogen werden können.
  • Die SSK stützt sich auf die Ergebnisse aus dem Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramm, die keine negativen Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf die Reproduktion zeigen, und sieht keinen weiteren Forschungsbedarf.
  • Außerdem publizierten einzelne Wissenschaftler Übersichtsarbeiten. Sie kommen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen.

Der Zusammenhang zwischen männlicher Fruchtbarkeit und elektromagnetischen Feldern von Handys wird bereits seit über fünfzehn Jahren intensiv untersucht. Die bisher vorliegenden wissenschaftlich publizierten Arbeiten wurden von einigen Autoren zusammengefasst und von nationalen und internationalen Gremien bewertet.

Bewertung internationaler Gremien

Organisationen wie die Internationale Kommission zum Schutz vor nicht-ionisierender Strahlung (ICNIRP [1]), die Weltgesundheitsorganisation (WHO [2]), das Scientific Committee on Emerging and Newly Identified Health Risks (SCENIHR [3]) der EU, die britische Health Protection Agency (HPA [4]), der schwedische Scientific Council on Electromagnetic Fields (SSM [5]) sowie die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK [6]) kommen dabei einheitlich zu dem Schluss, dass viele Studien negative Einflüsse zeigen. Sie sind aber widersprüchlich, durch erhebliche methodische Mängel belastet und geben keine ausreichenden Informationen zu methodischen und technischen Aspekten und zur tatsächlichen Stärke der elektromagnetischen Felder. Deshalb können aus diesen Studien keine belastbaren Schlüsse gezogen werden. Auf gar keinen Fall sind sie als Nachweis negativer Effekte elektromagnetischer Felder auf die Fruchtbarkeit zu werten.

Studien, die qualitativen Ansprüchen genügen, zeigen überwiegend keine Effekte

Die wenigen Studien, die den qualitativen Ansprüchen einer guten wissenschaftlichen Praxis entsprechen, zeigen überwiegend keine Effekte. ICNIRP, WHO und HPA ziehen aus diesen Tatsachen den Schluss, dass weitere Forschung auf diesem Gebiet gerechtfertigt ist, sie wird aber nicht mit hoher Priorität empfohlen. Die SSK stützt sich demgegenüber auf die Ergebnisse aus dem Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramm, die keine negativen Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf die Reproduktion zeigen, und sieht keinen weiteren Forschungsbedarf.

Einzelne Übersichtsarbeiten und Meta-Analysen

Einzelne Wissenschaftler, die Übersichtsarbeiten publizierten, kommen zu unterschiedlichen Ergebnissen:

La Vignera et al. [7] fassen die vorliegenden Ergebnisse zusammen, die überwiegend eine Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit zeigen, ohne sie zu kommentieren und zu bewerten.

Agarwal et al. [8] und Kesari et al. [9, 10] []fassen Tier- und Laborstudien zusammen und stützen sich überwiegend auf eigene Forschungsergebnisse. Sie postulieren einen starken negativen Einfluss elektromagnetischer Felder auf die Fruchtbarkeit, vor allem auf die Spermienqualität und den Hormonstatus. Im Vordergrund stehen negative Wirkungen von Endgeräten wie Handy, Laptop, WLAN-Router. Als Wirkmechanismus wird oxidativer Stress angegeben. Stoffe mit antioxidativen Eigenschaften, wie Melatonin und grüner Tee, sollen vor den Schäden schützen.

Merhi [11] kommt dagegen in einer kritischen und bewertenden Übersichtsarbeit - ähnlich wie internationale Gremien - zu dem Ergebnis, dass die vorliegenden Arbeiten widersprüchlich sind und weitere Forschung notwendig ist.

Naziroglu et al. [12] kommen zu dem Schluss, dass elektromagnetische Felder oxidativen Stress in den reproduktiven Organen von Tieren verursachen, der zu einer Beeinträchtigung der Fertilität führen kann. Bisher gibt es dafür aber keinen Nachweis, daher ist weitere Forschung nötig.

Adams et al. [13] schließen aus einer Meta-Analyse von Laborstudien an menschlichen Spermien, dass eine Exposition mit Handys die Spermienqualität negativ beeinflusst. Dabei wurden auch Studien berücksichtigt, die nicht peer-reviewed publiziert wurden, und solche die weit oberhalb der Grenzwerte durchgeführt wurden und thermische Effekte zeigen.

Liu et al. [14] schlussfolgern aufgrund einer quantitativen Meta-Analyse ausgewählter Publikationen, dass aktuelle Studien auf einen schädlichen Einfluss der Exposition durch Handys hindeuten und fordern weitere Forschung.

Houston et al. [15] werteten 27 Studien aus. Die Mehrzahl davon kommt zu dem Ergebnis, dass elektromagnetische Felder die männlichen Reproduktionsorgane schädigen und vor allem zu verminderter Lebensfähigkeit und Beweglichkeit von Spermien, oxidativem Stress und DNA Schädigung führen. Aspekte der Studienqualität, wie z.B. Expositionsanlagen und Verblindung, wurden nicht betrachtet.

Zwei aktuelle afrikanische Studien [16, 17] schließen aus Tier- Labor und Humanstudien, dass hochfrequente elektromagnetische Feder das männliche Reproduktionssystem schädigen. Azab et al. [17] konzentrieren sich dabei vor allem auf histologische Veränderungen. Als Wirkmechanismus wird oxidativer Stress genannt.

Singh et al. [18] kommen ebenfalls zu dem Schluss, dass hochfrequente Felder die Fruchtbarkeit negativ beeinflussen und mittels oxidativem Stress auch zu DNA Schäden führen. Zusätzlich werden negative Wirkungen auf die weibliche Fruchtbarkeit (Oestrus, Embryonalentwicklung) zusammengefasst.

In einem sehr umfassenden Review konzentrieren sich Santini et al. [19] auf die Rolle von Mitochondrien und den Weg, wie oxidativer Stress zur Schädigung der männlichen und weiblichen Geschlechtsorgane führen kann. Es werden Wirkungen hoch- und niederfrequenter Felder zusammengefasst. Auf kontroverse Ergebnisse und Interpretationen wird hingewiesen und weitere Forschung gefordert.

Literatur (Volltext oft gebührenpflichtig)

[1] ICNIRP (2009) Exposure to high frequency electromagnetic fields, biological effects and health consequences (100 kHz-300 GHz) - Review of the Scientific Evidence and Health Consequences. Munich: International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection

[2] WHO (2010). WHO Research Agenda for Radiofrequency Fields.

[3] SCENIHR (2015) Opinion on Potential health effects of exposure to electromagnetic fields (EMF).H

[4] HPA (2012) Health effects from radiofrequency electromagnetic fields. Report of the Advisory Group on Non-ionising Radiation. Documents of the Health Protection Agency

[5] SSM (2016) Recent Research on EMF and Health Risk - Eleventh report from SSM’s Scientific Council on Electromagnetic Fields

[6] SSK (2011) Biologische Auswirkungen des Mobilfunks - Gesamtschau - Stellungnahme der Strahlenschutzkommission

[7] La Vignera S, Condorelli RA, Vicari E, D'Agata R, Calogero AE (2011) Effects of the exposure to mobile phones on male reproduction: A review of the literature. J. An-drol. 33(3): 350 - 356]

[8] Agarwal A, Singh A, Hamada A, Kesari K (2011) Cell phones and male infertility: a review of recent innovations in technology and consequences. Int. Braz. J. Urol. 37(4): 432 – 454

[[9] Kesari KK, Kumar S, Nirala J, Siddiqui MH, Behari J (2012) Biophysical evaluation of radiofrequency electromagnetic field effects on male reproductive pattern. Cell Biochem Biophys. 56(2): 85 - 96

[10] Kesari KK, Agarwal A, Henkel R (2018). Radiations and male fertility. Reprod Biol Endocrinol 16(1): 118

[11] Merhi ZO (2012) Challenging cell phone impact on reproduction: A Review. J. Assist. Reprod. Genet. 29(4): 293 – 297

[12] Nazıroğlu M, Yüksel M, Köse SA, Özkaya MO (2013) Recent reports of Wi-Fi and mobile phone-induced radiation on oxidative stress and reproductive signaling pathways in females and males. J Membr Biol. 246(12): 869 - 875.

[13] Adams JA, Galloway TS, Mondal D, Esteves SC, Mathews F (2014) Effect of mobile telephones on sperm quality: A systematic review and meta-analysis. Environ Int. 70: 106 - 112

[14] Liu K, Li Y, Zhang G, Liu J, Cao J, Ao L, Zhang S (2014) Association between mobile phone use and semen quality: a systemic review and meta-analysis. Andrology 2(4): 491 - 501

[15] Houston B, Nixon B, King BV, De Iuliis G, Aitken RJ (2016) The effects of radiofrequency electromagnetic radiation on sperm function. Reproduction 152: R263 - R276.

[16] Adah A.S., Adah D.I., Biobaku K.T., A.B. A (2018). Effects of electromagnetic radiations on the male reproductive system. Anatomy Journal of Africa 7(1).

[17] Azab E.A., Khalat A.M., Ebrahim S.A., M.O. A (2018). Electromagnetic Fields and Its Harmful Effects on the Male Reproductive System. Bioscience and Bioengineering 4(1).

[18] Singh R, Nath R, Mathur AK, Sharma RS (2018). Effect of radiofrequency radiation on reproductive health. Indian J Med Res 148 (Suppl): S92-S99

[19] Santini SJ, Cordone V, Falone S, Mijit M, Tatone C, Amicarelli F, Di Emidio G (2018). Role of Mitochondria in the Oxidative Stress Induced by Electromagnetic Fields: Focus on Reproductive Systems. Oxid Med Cell Longev 2018: 5076271

Ein schneller Einstieg ins Thema

Stand: 20.10.2020

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