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Ionising Radiation > BfS Papers on the Topic > Nuklearspezifische Gefahrenabwehr
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Schutz der Bevölkerung vor den Folgen einer Schmutzigen Bombe
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No English version available.
Rede Wolfram König auf 2. Berliner Fachkongress über Nationale Sicherheit und Bevölkerungsschutz
Wer in Internet-Suchmaschinen den Begriff "Dirty Bomb" eingibt, erhält
siebenstellige Trefferraten. Dies zeigt die Verbreitung des Begriffs
und der Diskussion um die hiervon ggf. ausgehenden Gefahren. Im
Sprachgebrauch der Internationalen Atomenergie-Organisation IAEA sind
Schmutzige Bomben Vorrichtungen mit konventionellem Sprengstoff, dem
radioaktive Stoffe beigemischt oder beigefügt sind. Der konventionelle
Sprengstoff soll dazu dienen, die radioaktiven Stoffe in der Umwelt
großräumig zu verteilen. In den USA spricht man daher von Vorrichtungen
zur Ausbringung und Verbreitung von Radioaktivität (Radioactive
Dispersion Devices, RDD), in Deutschland von USBV-A. Diese Abkürzung
steht für Unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtung, das "A" in
diesem Zusammenhang für atomar.
Die Verwendung einer Schmutzigen Bombe und vergleichbare Szenarien
gelten derzeit als wahrscheinlichster Fall einer vorsätzlich
missbräuchlichen Verwendung radioaktiven Materials. Andere Szenarien
wie die Verwendung einer Nuklearwaffe oder einer improvisierten
Kernwaffe werden demgegenüber bislang für sehr viel unwahrscheinlicher
gehalten. Zur Wahrscheinlichkeit eines Dirty-Bomb-Szenarios nur so viel:
1. Aus allgemein zugänglichen Quellen kann der Schluss gezogen werden,
dass Terrorgruppen die Verwendung radioaktiver Stoffe in Betracht
ziehen.
2. Radioaktive Stoffe haben weltweit eine weite Verbreitung in Medizin, Technik und Forschung.
Unabhängig von der Wahrscheinlichkeit eines solchen Szenarios ist das
Bedrohungspotenzial einer Schmutzigen Bombe zu analysieren. Das
Bundesamt für Strahlenschutz kommt dabei zu dem Ergebnis, dass die
radiologischen Gefahren einer Schmutzigen Bombe im Allgemeinen
überschätzt werden. Dies bezieht sich wohlgemerkt auf die
radiologischen Gefahren, zur Beurteilung anderer Gefahrenaspekte ist
das BfS nicht unmittelbar berufen. Zu diesem Ergebnis gelangt das BfS
auf der Grundlage von Abschätzungen der radiologischen Konsequenzen
plausibler Anschlagsszenarien. Hierzu zunächst einige Grundlagen:
Gesundheitsschäden durch radioaktive Stoffe können auf verschiedenen
Wegen verursacht werden. Erreicht die Strahlung von radioaktiven
Stoffen den Menschen von außen, spricht man von Direktstrahlung. Werden
radioaktive Stoffe in den menschlichen Körper aufgenommen und "strahlen
fortan von innen", spricht man von Inkorporation, die wiederum auf zwei
unterschiedlichen Wegen erfolgen kann: durch Inhalation (Aufnahme über
die Atemwege) oder durch Ingestion (Aufnahme mit der Nahrung). Bei der
Explosion einer Schmutzigen Bombe und der Dispersion (Verteilung) der
verwendeten Radionuklide können die in der Nähe befindlichen Menschen
auf dreierlei Weise betroffen sein.
Drei Wege der Einwirkung auf den Menschen
1) Das dispergierte Material befindet sich in der Umgebung, strahlt und
führt zu einer direkten Strahlenbelastung der Personen. Die Intensität
der Strahlung ist abhängig vom Abstand zu den verteilten radioaktiven
Stoffen. Daher ist für die Bewertung wichtig zu wissen, ob der
radioaktive Stoff fein verteilt oder in größeren Partikeln vorliegt.
2) Die feine Verteilung ist auch von Interesse für die Frage der
Inhalation, dem zweiten Wirkungsweg der radioaktiven Stoffe. Können die
Täter diese so fein verteilen, dass ihre Teilchen lungengängig sind
(d.h. kleiner sind als etwa 2 Mikrometer und so über die Atemwege in
die Lunge gelangen können), so erfolgt eine zusätzliche
Strahlenbelastung von innen.
3) Der dritte Weg, die Inkorporation, spielt für terroristische
Anschlagsszenarien – im Gegensatz zur Situation beim sogenannten
"Allgemeinen Notfallschutz", der Unfälle in kerntechnischen Anlagen im
In- und Ausland umfasst - nur eine sehr untergeordnete Rolle. Bei
terroristischen Anschlagsszenarien kann davon ausgegangen werden, dass
es gelingt, die betroffenen Personen in kurzer Zeit aus dem – räumlich
eher beschränkten - betroffenen Gebiet zu evakuieren. Damit kann durch
Maßnahmen der Katastrophenschutzorganisationen weitgehend verhindert
werden, dass etwa Lebensmittel aus dem betroffenen Bereich verzehrt
werden.
Analyse mit „LASAIR“
Das BfS hat mit LASAIR, einem Programmsystem zur Simulation der
Ausbreitung und Inhalation von Radionukliden, ein EDV-Programm
entwickelt, um die atmosphärische Verteilung von Radionukliden und die
hieraus resultierende Strahlendosis für den Menschen abschätzen zu
können. Das Programm arbeitet auf der Basis eines sog.
Lagrange-Partikelmodells. Die Dosisbelastung wird im Wesentlichen
errechnet in Abhängigkeit von den Parametern Menge und Art des
radioaktiven Stoffes, Menge und Art des verwendeten Sprengstoffes,
Wetter am Ort einschließlich weiterer Entwicklung sowie der Orographie,
d.h. der Rauigkeit und Beschaffenheit des Geländes.
Dieses Programm stellt das BfS auch anderen Behörden zur Verfügung. Es
erlaubt auch bereits vor der Freisetzung die Bewertung der potenziellen
Strahlenbelastung der Bevölkerung durch Direktstrahlung und hier
sinnvollerweise nur durch Inhalation. Kern-Parameter sind Menge und Art
des verwendeten radioaktiven Stoffes. Der potenzielle Täter wird sich
zur Herstellung einer Schmutzigen Bombe mutmaßlich radioaktiver Stoffe
bedienen, die in Technik oder Medizin Anwendung finden.
Erster Baustein eines Schutzes vor den Folgen einer solchen Waffe ist
daher der physische Schutz der vorhandenen radioaktiven Stoffe, um
deren missbräuchliche Verwendung auszuschließen. Das BfS und die
anderen atomrechtlichen Genehmigungsbehörden prüfen die Einhaltung
dieser Anforderungen unter dem Stichwort "Sicherung kerntechnischer
Anlagen" nach einem zwischen den Innen- und Umweltbehörden des Bundes
und der Länder abgestimmten Regelwerk. Der Internationalisierung des
Terrorismus wird hierbei durch Programme wie die "Globale Initiative
zur Bekämpfung des Nuklearterrorismus" begegnet, bei der künftig eine
Reihe von Staaten beim Schutz von zivilen Atomanlagen zusammenarbeiten
wollen. Dies ist das, was wir in Deutschland und innerhalb anderer
Staaten leisten können. Es kann aber nicht den Schmuggel radioaktiver
Stoffe verhindern.
Einsatz radioaktiver Stoffe in Industrie und Medizin
Welche radioaktiven Stoffe finden Anwendung in Medizin und Technik, die
potenziell als Strahlenquellen für schmutzige Bomben missbraucht werden
könnten? Um einen Eindruck von der technischen Einsatzbreite derartiger
Quellen außerhalb von kerntechnischen Einrichtungen zu vermitteln, hier
ein paar Beispiele: Für Werkstoffprüfungen ist Iridium-192 das weitaus
am häufigsten verwendete Radionuklid. Es ist besonders geeignet für
Prüfungen an 1 bis 7 cm dicken Eisenteilen und besitzt eine sehr hohe
spezifische Aktivität, so dass die Strahlenquelle in ihren Abmessungen
sehr klein gehalten werden kann. Das am zweithäufigsten verwendete
Kobalt-60 wird vorzugsweise bei Eisenteilen größerer Dicken, zwischen 5
und 15 cm, eingesetzt. Die heute üblicherweise eingesetzten
spezifischen Aktivitäten liegen im Bereich von etwa 7 bis 15
Tera-Becquerel pro Gramm.
Füllstandmessgeräte in Silos arbeiten in der Regel mit Gammastrahlern
(Kobalt-60 und Cäsium-137) mit einer Aktivität bis zu 1 Giga-Becquerel.
Zur Messung wird die von der Dichte abhängige Absorption der
ionisierenden Strahlung herangezogen. Zur Dicken- und Dichtemessung
werden im Wesentlichen die Radionuklide Krypton-85, Strontium-90 und
Promethium-147 als Betastrahler und Kobalt-60 und Cäsium-137 als
Gammastrahler benutzt. Die Aktivitäten liegen etwa zwischen 370
Mega-Becquerel und 370 Giga-Becquerel. Geräte mit Betastrahlung werden
in der Papier-, Textil-, Gummi- und Kunststoffindustrie eingesetzt,
solche mit Gammastrahlung in der Holz-, Schaumstoff- und Stahlindustrie
zur Dickemessung, in der Lebensmittelindustrie und chemischen Industrie
zur Dichtemessung. In der medizinischen Anwendung sind es ebenfalls
Kobalt-60 und Cäsium-137, die das größte Missbrauchspotenzial
darstellen.
Evakuierung nur als Ausnahme
Auf dieser Basis lassen sich die radiologischen Konsequenzen für die
Bevölkerung beim Einsatz einer solchen Quelle in einer Schmutzigen
Bombe abschätzen. Hierbei zeigt sich Folgendes: Selbst für größere
Cäsium-137-Quellen lägen auch in unmittelbarer Nähe des
Freisetzungsortes, d.h. außerhalb des unmittelbaren Wirkkreises der
Explosion, die Dosiswerte für die Bevölkerung so niedrig, dass
spezielle Maßnahmen des Strahlenschutzes, wie etwa ein Verbleib im Haus
oder gar eine Evakuierung, nicht erforderlich wären. Etwas anderes gilt
im Fall einer Verwendung von Plutonium-239, das bekanntermaßen eine
wesentlich höhere Radiotoxizität aufweist als alle anderen zu
berücksichtigenden Nuklide. Hier sind Szenarien denkbar, bei denen in
der näheren Umgebung bis zu wenigen Kilometern Entfernung vom
Freisetzungsort Maßnahmen des Notfallschutzes erforderlich werden, da
Effektivdosiswerte um 100 mSv für die sich dort aufhaltenden Personen
nicht ausgeschlossen werden können. Plutonium-239 wird jedoch weder in
der Industrie noch in der Medizin eingesetzt, es entsteht in
kerntechnischen Anlagen und seine missbräuchliche Verwendung setzt
einen Zugang zu besonders gesicherten Anlagen voraus.
100 mSv Effektivdosis ist der Wert, der auch im Katastrophenschutz als
Richtwert Anwendung findet um zu bestimmen, wann nach einem
kerntechnischen Unfall eine Evakuierung der Bevölkerung durchzuführen
ist. Seine strahlenhygienische Begründung erfährt dieser Wert dadurch,
dass oberhalb dieses Wertes direkte akute gesundheitliche Wirkungen
nicht ausgeschlossen werden können. Zusammengefasst bedeutet das:
Schmutzige Bomben unter Verwendung von in Industrie und Medizin
eingesetzten radioaktiven Stoffen würden demnach selbst in
unmittelbarer Nähe zum Freisetzungsort aus radiologischer Sicht keine
Gesundheitsgefährdung für große Teile der Bevölkerung hervorrufen. Das
radiologische Gefährdungspotenzial einer Schmutzigen Bombe ist
beschränkt.
Ängste der Bevölkerung als nicht zu unterschätzende Gefahr
Die Explosion einer Schmutzigen Bombe würde aber voraussichtlich zu
großer Besorgnis in der Bevölkerung führen und – aus Unkenntnis über
die tatsächlichen Gefahren und die Assoziationen mit atomaren
Explosionen – zu Überreaktionen. Maßnahmen zur Abwehr dieser Bedrohung
sind daher in besonderer Weise geboten. Für den Laien ist die von einer
Schmutzigen Bombe ausgehende Strahlung eine unbekannte Größe. Die
Mechanismen der wahrscheinlichen Reaktion der Bevölkerung sind bekannt:
Assoziationen mit bekannten Folgen radioaktiver Strahlung führen zu
psychosozialen Effekten wie Unsicherheit (Autoritarismus, Aggression),
Überforderung (Distress, Überlauf), Angst und überschießenden
Reaktionen (Hysterie, Hyperaktivität und Überkommunikation).
Insbesondere die Assoziation mit Kernwaffen, mit den verheerenden
Folgen der Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki, mit der
latenten Bedrohungssituation während des Kalten Krieges, verbunden mit
dem Gefühl der persönlichen Ohnmacht in Bezug auf die
Gefahrenwahrnehmung – wir haben keine Sinnesorgane für diese Art
Strahlung – stellt uns vor besondere Herausforderungen. Die
Glaubwürdigkeit und damit die Handlungsfähigkeit der staatlichen Organe
kann in solchen Situationen Schaden nehmen. Aufklärung über die
tatsächliche Bedrohung, deren Abwehr sowie – hoffentlich niemals – die
Folgenbeherrschung sind daher die logischen weiteren Bausteine einer
umfassenden Vorsorgestrategie.
Offene Information unabdingbar
Ausgehend vom Erkenntnisstand im allgemeinen Notfallschutz hat das BfS
auch für den Bereich der terroristischen Bedrohungen Untersuchungen zu
den Methoden einer notwendigen Information der Öffentlichkeit in
Auftrag gegeben. In dem zugegebenermaßen nicht besonders griffig
titulierten Vorhaben "Öffentlichkeitsarbeit und Maßnahmen bei
außerordentlichem (nicht auf kerntechnische Anlagen bezogenem)
nuklearen Notfallschutz bei neuen Bedrohungsformen:
Informationsvorsorge und bewältigung im Falle von
Nuklearterrorismus" werden diese Fragestellungen derzeit untersucht.
Der erste Zwischenbericht liegt seit August 2006 vor. Er zeigt deutlich
auf, dass auch die gesellschaftliche Diskussion um die Risiken der
Kernkraft eine in diesem Zusammenhang wichtige Größe ist, weil sie die
Kommunikationsfähigkeit der Betroffenen (Politik, staatliche Organe und
Bürger) beeinflusst.
Neben der Entwicklung von Strategien für eine Öffentlichkeitsarbeit
nach einem Ereignis kommt der vorsorgenden Information eine ebenso hohe
Bedeutung zu. Mit ihr muss es den staatliche Organen gelingen, das
Vertrauen der Bevölkerung zu erlangen, das diese im Falle eines
Ereignisses dringend benötigen, damit die auf Grund der Reaktionen der
Bevölkerung zu befürchtenden Folgen ähnlich niedrig bleiben wie die
radiologischen Konsequenzen.
Auf operativer Seite sind die deutschen Sicherheitsbehörden,
einschließlich des BfS, auf die Abwehr einer Anschlagssituation unter
Verwendung einer Schmutzigen Bombe gut vorbereitet. Der Prävention
gegen den illegalen Erwerb und den missbräuchlichen Einsatz solcher
Quellen kommt ein hoher Stellenwert zu. Die in der Bundesrepublik auf
den hier einschlägigen Gebieten bereits getroffenen Maßnahmen begründen
einen im europäischen Vergleich hohen Standard. Europäische Initiativen
zur Angleichung der in den Mitgliedsstaaten noch unterschiedlichen
Standards sind eingeleitet. Darüber hinaus wurden von den
Sicherheitsbehörden des Bundes und der Länder Maßnahmen ergriffen, um
die Möglichkeit und potenziellen Folgen eines solchen, gegenwärtig noch
hypothetischen, Ereignisses weiter zu verringern.
Zentrale Unterstützungsgruppe des Bundes
Zwei präventive Maßnahmen wurden bereits erwähnt: Die Sicherung
kerntechnischer Einrichtungen sowie die hoffentlich bereits vor einem
Ereignis erfolgte Aufklärung der Bevölkerung über das Ausmaß einer
entsprechenden Bedrohung. Mit dem Register über hochradioaktive
Strahlenquellen, dem sogenannten HRQ-Register, führt das Bundesamt für
Strahlenschutz seit kurzem ein weiteres wichtiges Element der
Prävention. In ihm werden alle einzelnen radioaktiven Quellen ab einer
bestimmten (isotopabhängigen) Aktivität geführt, so dass der
jederzeitige Nachweis ihres Verbleibs geführt werden kann. Zugriff auf
das Register haben die deutschen Sicherheitsbehörden.
Das zentrale Element zur Bekämpfung der Nuklearkriminalität bleibt
jedoch die polizeiliche Arbeit. Für sie sind die Bundesländer
zuständig. Auf diesem Feld, das als "Nuklearspezifische Gefahrenabwehr"
bezeichnet wird, werden die polizeilichen Dienststellen unterstützt
durch die Strahlenschutzbehörden der Länder. Der Bund bietet ergänzende
Unterstützung an in Form der "Zentralen Unterstützungsgruppe des Bundes
für gravierende Fälle der nuklearspezifischen Gefahrenabwehr", kurz
ZUB. Selbstverständlich würde jeder ernsthafte Verdacht eines
terroristischen Anschlags auf ein Ziel in Deutschland, bei dem der
Einsatz radioaktiver Stoffe zu besorgen ist, als ein gravierender Fall
betrachtet werden.
In der ZUB arbeiten Bundeskriminalamt, Bundespolizei und das BfS
zusammen. Sie ist durch ihre ständige Bereitschaft in der Lage,
jederzeit die Arbeit aufzunehmen. Zu ihren Aufgaben gehören die
Detektion radioaktiver Stoffe, die Bestimmung des Nuklids und der
Aktivität (d.h. ihrer Größenordnung), die Abschätzung möglicher
radiologischer Folgen und schließlich die wirkungsvolle Begegnung der
Bedrohung durch polizeiliche Maßnahmen. Wesentlich für die ZUB ist,
dass in ihr gemeinsam Handlungskonzepte für die in Erwägung gezogenen
Szenarien entwickelt, laufend aktualisiert und durch ständiges Training
erprobt werden.
Mit der Entwicklung Schritt halten
Sollten die Präventivmaßnahmen fehlschlagen, wären außerdem (neben den
forensischen Experten) die Rettungsdienste und
Katastrophenschutzeinrichtungen der Länder und des Bundes gefragt.
Wesentlich wäre weiter eine umfassende und erprobte
Krisenkommunikation, die den Sorgen der Bevölkerung und der – und dies
ist zu betonen –Einsatzkräfte Rechnung trägt.
Die Aufgaben des Bundesamts für Strahlenschutz liegen in diesem Fall in
erster Linie in der radiologischen Beratung der Entscheidungsträger des
Bundes auf den Gebieten Medizin und Strahlenschutzmaßnahmen. Darüber
hinaus hält das Amt seine operativ tätigen Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter auch für diesen Fall bereit. Auf Anforderung kann so zum
Beispiel Unterstützung bei Dekontaminationsmaßnahmen geleistet werden.
Im Hinblick auf die eingangs beschriebenen, beschränkten radiologischen
Folgen eines Dirty-Bomb-Szenarios sind wir in Deutschland ausreichend
vorbereitet. Leider verlangt die ständige Anpassung des internationalen
Terrorismus an die ergriffenen staatlichen Abwehrmaßnahmen auch die
laufende Weiterentwicklung unserer Möglichkeiten, etwa in
messtechnischer oder logistischer Hinsicht. Und dies wird auch in
Zukunft seinen Preis haben.
Zusammenfassend ist festzuhalten:
1. Die Abschätzungen der radiologischen Konsequenzen von
Dirty-Bomb-Szenarien zeigen, dass Besorgnis erregend hohe Dosiswerte
nur für Personen zu erwarten wären, die sich in einem sehr kleinen
Umkreis um den Explosionsort aufhalten.
2. Die subjektive Wahrnehmung der durch ein Dirty-Bomb-Ereignis
hervorgerufenen gesundheitlichen Risiken würde bei einer Vielzahl von
Menschen das tatsächliche Strahlenrisiko deutlich übersteigen und
könnte so zu vergleichsweise hohen Sekundärfolgen führen.
3. Die Abwehr der Bedrohung durch eine Schmutzige Bombe erfordert
staatliches Tätigwerden und zwar durch operative Maßnahmen zur Abwehr
solcher Bedrohungen, operative Maßnahmen zur Bewältigung solcher
Ereignisse, präventive Kommunikation zur richtigen Einordnung der mit
einem solchen Ereignis verbundenen Risiken und eine umfassende
Krisenkommunikation.
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