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Ultraschallaufnahme eines Fötus in der Gebärmutter (Für eine größere Darstellung klicken Sie auf das Bild)
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Die Ultraschalldiagnostik (Sonographie) ist das am weitesten
verbreitete bildgebende Untersuchungsverfahren in der Medizin. Seit ihrer
Einführung vor etwa 50 Jahren in der Geburtshilfe und Gynäkologie hat sich die
Sonographie in fast allen medizinischen Fachbereichen durchgesetzt.
Haupteinsatzgebiete sind u.a. die Gynäkologie einschließlich der
Schwangerenvorsorge, die Gastroenterologie und die Kardiologie. Aber auch in
der Pädiatrie, Orthopädie, Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde sowie in der Angiologie
und Gefäßchirurgie ist sie zu einem unentbehrlichen diagnostischen Instrument
geworden.
Vorteile
Vorteile gegenüber anderen diagnostischen Methoden sind
insbesondere die vielseitigen Anwendungsmöglichkeiten, die Wirtschaftlichkeit
sowie die geringe Belastung für den Patienten. Für den Arzt ist die
Ultraschall-Diagnostik somit hervorragend geeignet, über die körperliche
Untersuchung hinaus "in den Patienten" hineinzuschauen.
Zunehmend
werden radiologische Untersuchungsverfahren durch sonographische ersetzt, da
hier, im Gegensatz zu den Verfahren mit ionisierender Strahlung, unterhalb
bestimmter Expositionsschwellenwerte biologische Schädigungen ausgeschlossen
werden können.
Verfahren
Neben dem üblicherweise verwendeten zweidimensionalen
Schnittbildverfahren, dem sog. B-Mode-Verfahren (B = brightness =
Helligkeit), gibt es spezielle Verfahren zur Erfassung der Blutflussgeschwindigkeit
in Gefäßen, die sog. Doppler-Verfahren. Das B-Bild ermöglicht einen Blick auf
die anatomischen Verhältnisse sowie ggf. auf pathologische Veränderungen in den
Organen und Geweben.
Demgegenüber ermöglicht die Doppler-Sonographie auch
Aussagen über die Funktion, insbesondere in Hinblick auf den Blutfluss in
großen und kleinen Gefäßen. Die Farbdoppler-Technik gibt diese Informationen
farbkodiert wieder. Mit der Duplex-Sonographie, bei der gleichzeitig die
Information eines B-Bildes und einer Doppler-Messung gewonnen wird, können
anatomische und funktionelle Informationen auf einem Schnittbild dargestellt
werden.
Mögliche Nebenwirkungen
Für die Abschätzung des Gefahrenpotentials sind die
Schallfeldparameter Schalldruck bzw. mittlere Schallintensität von großer
Bedeutung. Überschreiten diese Parameter Grenzwerte, können Organe bzw. Gewebe
mechanisch durch die Kavitation oder thermisch durch eine Temperaturerhöhung
aufgrund von Schallabsorption geschädigt werden.
In der Literatur bestehen
allerdings große Spannbreiten bei der Festlegung dieser Grenzwerte. Als
weiterhin mögliche schädliche Wirkungen werden diskutiert: die Auslösung von
Mutationen oder angeborene Fehlbildungen.
Kavitation
Schallwellen sind an Materie gebundene Wellen, die sich in
eine Richtung ausbreiten. Betrachtet man einen Punkt eines beschallten
Volumens, so wechseln dort in zeitlicher Folge Druckmaxima und -minima einander
ab. In diesem Wechselfeld können sich im Gewebe Hohlräume bilden, die zu
Schwingungen angeregt werden. Diesen Vorgang nennt man Kavitation. Sie tritt
erst ab einem bestimmten Unterdruck auf, und gilt deshalb als
Schwellenphänomen.
Bei Überschreitung des Schwellenwerts können große Scher-
und Torsionskräfte auftreten, die biologische Membranen belasten oder zerstören
können.
Extremfall
Im Extremfall kann es zu einer explosionsartigen
Vergrößerung der Hohlräume mit anschließendem Kollaps kommen. Dabei können
räumlich eng begrenzt hohe Drücke und Temperaturen auftreten. Durch solche
Ereignisse können im beschallten Gewebe Nekrosen und Gewebeeinblutungen
hervorgerufen werden. Wichtig für die klinische Anwendung ist dabei, dass die
Kavitationsschwelle reduziert ist, wenn in dem beschallten Gewebe bereits Luft
oder Gas enthalten ist.
Natürlicherweise ist dies in Organen wie der Lunge oder
dem Darm der Fall. In diesem Zusammenhang sind aber insbesondere auch die in
letzter Zeit zunehmend häufig eingesetzten Ultraschall-Kontrastmittel zu
nennen, bei denen der kontrastverstärkende Effekt durch gasgefüllte
"Bubbles" erzielt wird. Die Beurteilung der Patientensicherheit im
Zusammenhang mit derartigen Kontrastmitteln ist noch nicht abschließend
geklärt.
Grenzwerte
Die Strahlenschutzkommission gibt als Grenzwert für die
absolute Schalldruckamplitude einen Wert von 5 MPa an, bei lufthaltigem
Gewebe 1 MPa (Lunge) bzw. 2 MPa (Darm). Unterhalb dieser Grenzwerte
können kavitationsbedingte Schädigungen in Organen und Geweben ausgeschlossen
werden.
Eine Gewebeschädigung durch Kavitation mit Geräten der medizinischen
Ultraschalluntersuchung gilt als ausgeschlossen. Dies gilt auch - bei
sachgemäßer Handhabung, d. h. optimierter Einstellung - für die Doppler-
Sonographie (pulse wave Doppler), die den höchsten Druck aller sonographischer
Verfahren erreicht.
Anwendung
Eine klinische Anwendung, bei der die Kavitation einen gewollten
Effekt darstellt, ist die Zerstörung von Nierensteinen mit hochenergetischen
Ultraschallimpulsen (Schockwellen). Dieses Verfahren arbeitet mit negativen
Spitzendruckwerten über 10 MPa. Bei positiven Druckmaxima von 10 MPa
wurden an der Niere keine Schäden gesetzt.
Thermische Effekte
Die Absorption von Ultraschallenergie führt zu einer
Erwärmung des beschallten Gewebes. Die Temperaturerhöhung ist umso höher, je
höher die Schallintensität am Untersuchungsort, die Ultraschallfrequenz und der
Absorptionskoeffizient des Gewebes ist.
Thermische Schäden können bei Patienten ohne Fieber oberhalb
einer lokalen Temperaturerhöhung von 2°C über der normalen Körpertemperatur von
37°C nicht ausgeschlossen werden. Für das embryonale oder fetale Gewebe
empfiehlt die SSK einen niedrigeren Wert. Beim Erwachsenen sind kurzfristige
Überwärmungen oftmals harmlos. Beim Embryo dagegen können sie zu Fehlbildungen
wie einem zu kleinem Gehirn, Herzfehlern oder Lippenkiefergaumenspalten führen.
Verfahren der Ultraschall-Diagnostik
Fast alle in der medizinischen Diagnostik eingesetzten
Ultraschallverfahren basieren auf der Impuls-Echo-Technik. Es werden kurze
Ultraschallimpulse in den Körper gesendet und die an internen Grenzflächen
reflektierten bzw. gestreuten Signale ("Echos") empfangen. Aus der
Laufzeit zwischen dem Beginn des Sendeimpulses und dem Eintreffen des Echos
kann bei bekannter Schallgeschwindigkeit die Entfernung eines Organs bestimmt
werden.
Abhängig von der Fragestellung werden Ultraschallfrequenzen
im Bereich von 2 - 50 MHz und verschiedene Scanverfahren
(linear-scan, convex-scan, sector-scan) eingesetzt. Je höher die Frequenz,
desto besser die Auflösung senkrecht zum Schallstrahl, aber auch desto geringer
die Eindringtiefe ins Körpergewebe. Deshalb können tief liegende Organe nur mit
niedriger Frequenz und niedrigerem Auflösungsvermögen dargestellt werden.
Das Signal/Rausch Verhältnis des empfangenen Signals
bestimmt den Bildkontrast. Es kann durch Erhöhung der akustischen Ausgangsleistung
verbessert werden. Der eingestellte Wert der Ausgangsleistung sollte niedrig
genug sein, um die Patientensicherheit zu gewährleisten, aber doch so hoch,
dass der Anwender einen möglichst hohen Informationsgehalt für die Diagnostik
erhält.
B-Mode-Verfahren
Ein wichtiger und häufiger Einsatzbereich dieses Verfahrens
ist die Schwangerschaftsvorsorge.
Das B-Mode-Verfahren liefert zweidimensionale Schnittbilder.
Dazu muss der darzustellende Körperquerschnitt mit dem Ultraschallstrahl
abgescannt werden. Die Temperaturerhöhung im Gewebe ist dabei minimal. Da eine
Patientengefährdung durch Kavitation, wie oben erwähnt, ebenfalls nicht gegeben
ist, sind B-Mode-Verfahren im Hinblick auf eine Patientenschädigung als sicher
zu betrachten.
M-Mode- oder Time-Motion-Verfahren
Das M-Mode-Verfahren findet besonders in der Kardiologie
Anwendung. Dabei wird die Bewegung der Herzklappen und -wände qualitativ und
quantitativ erfasst. Es stellt den Abstand der reflektierenden Strukturen vom
Schallkopf im Zeitverlauf dar. M- und B-Mode-Verfahren sind bezüglich der im
Gewebe absorbierten Schallenergie und damit bezüglich des Risikopotentials
ähnlich zu bewerten.
Doppler-Verfahren
Beim Doppler-Verfahren wird die Frequenzänderung des Echos
gegenüber dem eingestrahlten Signal gemessen. Sie entsteht bei der Reflexion am
bewegten Objekt (Doppler-Effekt) und ermöglicht die Ermittlung von
Bewegungsrichtung und Geschwindigkeit des Objekts. Beispiele sind die im Blut
fließenden Erythrozyten bzw. die Bewegung des Herzens. Entsprechend der
Messtiefe und der Dämpfung durch das vorgelagerte Gewebe kann eine für die
Bildgüte optimale Sendefrequenz eingestellt werden.
- Pulsed wave-Doppler (pw-Doppler)
Beim pw-Doppler wird mit deutlich höherer Intensität
untersucht als beim B-Mode-Verfahren. Das beschallte Volumen ist viel kleiner
und wird während der ganzen Untersuchung beschallt. Im Vergleich zum
B-Mode-Verfahren kann es zu einer beträchtlichen Erhöhung der eingestrahlten
Ultraschallenergie kommen. Die Gefahr einer Überwärmung im beschallten Volumen
ist bei unsachgemäßer Handhabung nicht auszuschließen. Der pw-Doppler erreicht
bezüglich der Kavitation den höchsten Druck aller sonographischer Verfahren.
Bei sachgemäßer Einstellung ist dieses Verfahren aber als sicher einzustufen.
Eine strenge Indikationsstellung muss allerdings gefordert werden.
- Continous wave-Doppler (cw-Doppler)
Beim cw-Doppler können alle im Schallfeld sich bewegenden
Strukturen dargestellt und sehr hohe Fliessgeschwindigkeiten, z. B. bei einer
Herzklappenstenose, analysiert werden. Hinsichtlich der möglichen
Nebenwirkungen gilt das gleiche wie für den pw-Doppler.
- Duplex- und Farb-Doppler-Verfahren (cD-Verfahren)
Beide Verfahren stellen eine Kombination aus
B-Mode-Verfahren und pw-Doppler dar. Mit dem B-Bild gewinnt der Anwender eine
Übersicht zum schnellen Auffinden der Doppler-Messstelle. Das Risikopotential
des Duplex-Verfahren ist ähnlich wie beim pw-Doppler einzuschätzen. Beim
Farb-Doppler-Verfahren wird die Geschwindigkeit von bewegten Objekten farbkodiert
dargestellt. Wegen des größeren Untersuchungsvolumens ist hier das
Risikopotential geringer als beim konventionellen Duplex-Verfahren.
Empfehlungen für die Ultraschall-Exposition des Patienten
Ultraschall kann diagnostisch dann gefahrlos angewendet
werden, wenn das Ultraschallfeld weder Kavitation im Körpergewebe hervorruft
noch eine bedenkliche Temperaturerhöhung bewirken kann.
Die Anzeige von Indizes
für die thermische und nichtthermische Einwirkung von Ultraschallfeldern auf
den Patienten ermöglicht dem Anwender bei der Ultraschalluntersuchung die
Kontrolle der Exposition des Patienten im Ultraschallfeld. Gemäß der Norm IEC
60601-2-37 müssen diese Indizes beim diagnostischen Einsatz von medizinischen
Ultraschallgeräten zum Schutz des Patienten angezeigt werden.
Qualitätsmanagement
Wichtiges Element des Qualitätsmanagements der
deutschlandweit mehr als 40.000 installierten Ultraschallgeräte in der
medizinischen Diagnostik ist die Kontrolle der Leistungsmerkmale während der
Lebensdauer eines Geräts, nicht nur, um eine Gefährdung der Patienten
auszuschließen, sondern auch um die Zuverlässigkeit der Diagnose zu
gewährleisten.
Bei der Ausbildung der Ärzte ist es u. a. wichtig zu vermitteln,
dass bei der Abschätzung des Gefährdungspotentials die Höhe des Schallpegels
entscheidend ist und sie nicht durch eine kürzere Anwendungsdauer kompensiert
werden kann.
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