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Kernwaffenteststoppabkommen
- für eine friedlichere und sichere Welt
Der Vertrag und seine
Überwachung
Nach langjährigen
Bemühungen der internationalen Staatengemeinschaft wurde am 24.
September 1996 der Vertrag über das umfassende Verbot von
Nuklearversuchen (Comprehensive Test-Ban Treaty CTBT) zur
Unterzeichnung aufgelegt. Er verbietet nukleare
Versuchsexplosionen und soll die Weiterentwicklung und Verbreitung
dieser Waffen verhindern.
Die Vertragsorganisation
(CTBTO) mit Sitz in Wien baut zur Zeit mit Hilfe der Signatarstaaten
ein weltweites Überwachungssystem mit einem Netz von 321
Messstationen. Es ist in der Lage, eine nukleare Explosion an jedem
Ort der Erde mit hoher Wahrscheinlichkeit zu entdecken, zu
identifizieren und auch zu lokalisieren. Dieses System beruht auf 170
Seismographen in der Erde, 11 Unterwassermikrophonen in den Ozeanen,
60 Infraschallmikrophonen in der Atmosphäre und 80
Spurenmessstationen für Radioaktivität in Luft. Eine davon
ist die Station Schauinsland des BfS.

Anzahl der weltweit
durchgeführten Kernwaffenversuche bis 1998 (Quelle: Center for
Monitoring Research, Arlington, USA)

Das Internationale Messnetz IMS (eine größere Darstellung erhalten Sie durch Anklicken der Grafik)
Die Bedeutung von
Radioaktivitätsmessungen
Während die anderen drei Techniken
(Seismik, Infraschall und Hydroakustik) zeitnah Explosionen mit einer
Stärke über 1 kt TNT Äquivalent registrieren und
lokalisieren können, kommt der Radionuklid-Messtechnik die
Aufgabe zu, den nuklearen Charakter einer Explosion zweifelsfrei
nachzuweisen. Detoniert ein nuklearer Sprengkörper, so entsteht
eine Vielzahl radioaktiver Spaltprodukte. Die überwiegende Zahl
der so gebildeten Radionuklide kommt in der Natur nicht vor und
unterscheiden sich auch signifikant in ihrer Zusammensetzung von
Radioaktivität aus Kernkraftwerken. Eine grobe Eingrenzung des
Freisetzungsortes ist mit Hilfe von Luftmassen-Analysen möglich.
Was wird gemessen?
An allen 80 Stationen wird die Luft auf
Spuren von aerosolgebundenen Gammastrahlern untersucht. An 40 von den
80 Stationen, darunter auch auf dem Schauinsland, wird zusätzlich
nach den Xenon-Isotopen 131m, 133, 133m und 135 gefahndet.
Radioaktive Edelgase wurden in das Messsystem einbezogen, weil diese
auch bei unterirdischen und verdeckten Tests in die Atmosphäre
entweichen können und damit das Risiko für einen
potentiellen Vertragsbrecher erhöhen, entdeckt zu werden.
Mindestanforderungen an die technische Ausstattung der Messstationen
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Aerosole
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Edelgase
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Messtechnik
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Reinstgermaniumdetektor
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Reinstgermaniumdetektor oder Beta /
Gamma-Koinzidenz
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Luftdurchsatz
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Mind. 500 m3/h
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mind. 0,4 m3/h
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Nachweisgrenze
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10 - 30 µBq/m3 bezogen auf
Barium-140
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1 mBq/m3 bezogen auf Xenon-133
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Auswertung der Daten
Sämtliche Messdaten werden über
ein satellitengestütztes Kommunikationssystem an das
Internationale Datenzentrum der CTBTO in Wien übermittelt. Dort
werden sie ausgewertet, an die Unterzeichnerstaaten verteilt und
archiviert.

Automatisches System RASA zur
Messung partikelgebundener Radioaktivität. Das Gerät wurde
vom PNNL in den USA entwickelt.

Automatisches System SPALAX zur
Messung von radioaktivem Xenon. Das Gerät wurde von der
französischen Atomenergiebehörde CEA entwickelt.
Die Station Schauinsland
Die Messstation Schauinsland des
Fachgebietes SW 3.5 "Atmosphärische Radioaktivität und
Spurenanalyse" ist eine von 80 gegenwärtig im Aufbau
befindlichen Messstationen für Radioaktivität weltweit, die
den Kernwaffenteststopp (Comprehensive Nuclear Test-Ban Treaty, CTBT)
überwachen werden.
Durch ihre exponierte Lage in 1200 m
Höhe auf dem Kamm des Hochschwarzwaldes eignet sich die Station
Schauinsland gut für die Messung von radioaktiven Spuren, die in
hohen Luftschichten schnell über große Entfernungen
transportiert werden.

Die Messstation
Schauinsland
Zur Zeit sind auf der Station
Schauinsland zwei Messsysteme installiert:
- Ein Messgerät für
partikelgebundene Radioaktivität: Es handelt sich dabei um das
U.S.-amerikanische System RASA. Das
System RASA wurde im Dezember 2004 von der Vertragsorganisation
zertifiziert und läuft nun im bestimmungsgemäßen Betrieb (s. Grafik 1).
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Das französische System SPALAX für Radioxenon. Das System SPALAX wird
gegenwärtig im Rahmen eines internationalen Edelgasexperimentes
(INGE) betrieben. Die Messung der radioaktiven Edelgase (Xenon 131m,
Xenon 133m, Xenon 133 und Xenon 135) hat ein besonderes Gewicht, da
auch bei Unterirdischen Versuchen häufig Radioxenon in geringen
Mengen austritt und bei entsprechenden Empfindlichen Messungen
nachgewiesen werden kann. Wichtig ist hierbei, dass die Messungen
klar zwischen Verdachtsmomenten und sonstigen zivilen Quellen
verlässlich unterscheiden können (s. Grafik 2).
Beteiligung des BfS am Aufbau des
Verifikationssystem
Neben dem Betrieb einer Messtation
(Schauinsland) ist das BfS mit weitergehenden Frage des
Verifikationssystems befasst:
-
Kontrollmessungen von Edelgasproben
anderer Stationen zur Qualitätssicherung
-
Weiterentwicklung der Edelgasmessungen:
Im Rahmen des "International Noble Gas Experiment (INGE)"
wurde in einem aufwändigen Vergleichsexperiment sämtliche
vier zur Zeit produzierten automatischen Edelgasmesssysteme an einem
Ort, nämlich in Freiburg, betrieben, erprobt und die Ergebnisse
verglichen.
-
Untersuchung des anthropogenen
Untergrundes von Radioxenon aus zivilen Quellen: Die Verhältnisse
der gemessenen Xenonisotope (Xenon 131m, Xenon 133m, Xenon 133 und
Xenon 135) ermöglicht es, zwischen Spuren aus Kernwaffentests
und anderen Quellen zu unterscheiden. Hierfür ist auch eine gute
Kenntnis der Häufigkeit und Charakteristik von Entlassen aus
zivilen Quellen wichtig.
Weitere deutsche Beteiligung an der
Verifikation des CTBT
Die Bundesanstalt für
Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) betreibt ein seismisches Array
in Freyung (48,9 N, 13,7 O). Dort befindet sich auch eine
Infraschallstation. Ferner werden eine weitere Infraschallstation in
der Antarktis bei der Georg-von-Neumeyer-Station (70,6 S 8,4 W) sowie
gemeinsam mit Südafrika eine seismische Hilfsstation an der
Station SANAE (71,7 S 2,9 W) betrieben.
In der BGR ist auch das nationale
Datenzentrum, welches Daten aus allen weltweit installierten
seismischen Stationen sowie den Infraschall- und
Unterwasserschallstationen analysieren kann. Für die Auswertung
der Radioaktivitätsmessungen aus dem weltweiten Messnetz ist
jedoch das BfS fachlich zuständig.
Links für weitergehende
Informationen:
Grafik 1: Messergebnisse der CTBT-Station Schauinsland für das Radionuklid Be-7
Die CTBT-Station Schauinsland hat bisher keine frischen Spaltprodukte
aus Kernwaffentests nachweisen können. Gelegentlich werden Spuren von
Cäsium-137 in Konzentrationen von wenigen Mikrobecquerel pro Kubikmeter
nachgewiesen, die auf resuspendiertes Material aus dem Reaktorunglück
von Tschernobyl und aus den oberirdischen Kernwaffentests in den 1950er und
1960er Jahren zurück zu führen sind. Im Routinebetrieb werden praktisch
ausschließlich natürlich vorkommende Radionuklide gemessen. Das
Diagramm zeigt beispielhaft die Aktivitätskonzentration des kosmogenen
Radionuklids Be-7 an. Die gemessenen Werte schwanken um eine typischen
Mittelwert von 3,6 Millibecquerel pro Kubikmeter. Be-7 wird in der
Stratosphäre und hohen Troposphäre durch die Höhenstrahlung gebildet
und gelangt je nach Turbulenz der Atmosphäre in unterschiedlicher
Konzentration zur Station. Die kontinuierliche Zeitreihe dokumentiert
die ständige Betriebsbereitschaft des Systems.
Grafik 2: Zeitreihe der mit SPALAX gemessenen Xe-133 Aktivitätskonzentrationen
Zeitreihe der mit SPALAX gemessenen Xe-133 Aktivitätskonzentrationen
(Tagesmittel) im Vergleich zu den Messwerten des manuellen
Edelgassystems des BfS (Wochenmittel). Der an der Station gemessene
Untergrundpegel beträgt ca. 1 mBq/m³. Es werden auch kurzzeitige
Erhöhungen von bis zu 250 mBq/m³ gemessen. Neben dem Hauptisotop Xe-133
werden gelegentlichauch die Isotope Xe-131m, Xe-133m und Xe-135 im
Bereich von bis zu einigen mBq/m³ nachgewiesen. Anhand der Verhältnisse
dieser Isotope können Emissionen von zivilen Quellen und aus
Nukleartests unterscheiden werden. Die bisherigen Messungen sind
ausschließlich auf zivilen Anlagen in Mitteleuropa zurückzuführen.
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