Grenzwerte im beruflichen Strahlenschutz

Dosisgrenzwerte (im Kalenderjahr) nach § 55 Strahlenschutzverordnung bzw. § 31a Röntgenverordnung


Beruflich strahlenexponierte Personen

Personen unter 18 Jahren

Effektive Dosis
20 Millisievert
1 Millisievert
Organdosis: Augenlinse
150 Millisievert
15 Millisievert
Organdosis: Haut, Hände, Unterarme, Füße und Knöchel
500 Millisievert
50 Millisievert
In Deutschland sind etwa 400.000 Personen beruflich strahlenschutzüberwacht. Sie arbeiten zum Beispiel
  • mit Röntgengeräten,
  • handhaben umschlossene hochradioaktive Quellen,
  • offene radioaktive Stoffe oder
  • sind am Arbeitsplatz einer erhöhten zivilisatorischen Umgebungsstrahlung (zum Beispiel Kernkraftwerk) ausgesetzt. 
Einer erhöhten natürlichen Umgebungsstrahlung sind beruflich strahlenschutzüberwachte Personen zum Beispiel
  • durch Radon in Bergwerken, Schauhöhlen
  • bei der Trinkwassergewinnung oder
  • durch die kosmisch bedingte Höhenstrahlung beim Fliegen ausgesetzt.
Die zulässige berufliche Strahlenexposition ist für diese Personen begrenzt und wird behördlich überwacht.

Grenzwert der effektiven Dosis pro Jahr

Der Grenzwert der effektiven Dosis für beruflich strahlenexponierte Personen beträgt in allen europäischen Ländern 20 Millisievert pro Kalenderjahr (in den Vereinigten Staaten von Amerika 50 Millisievert pro Jahr). Neben dem Grenzwert für die effektive Dosis sind zum Schutz einzelner Körperteile unterschiedliche Grenzwerte für Organdosen pro Kalenderjahr definiert.

Besondere Grenzwerte Jugendliche unter 18 Jahren

Für Jugendliche sind weitere Grenzwerte festgelegt. Für Personen unter 18 Jahren darf die beruflich bedingte Strahlenexposition die effektive Dosis von 1 Millisievert pro Kalenderjahr nicht überschreiten. Für Ausbildungszwecke kann bei 16- bis 18-jährigen die zuständige Behörde einen Grenzwert von 6 Millisievert festlegen, falls dies nötig ist. Für diesen Personenkreis gelten auch niedrigere Organdosisgrenzwerte. Für Jugendliche an Arbeitsplätzen mit natürlich vorkommenden radioaktiven Stoffen sind abweichende Grenzwerte festgelegt.

Grenzwerte für beruflich strahlenexponierte Frauen

Für beruflich strahlenexponierte Frauen, die nicht schwanger sind, gelten die gleichen Dosisgrenzwerte wie für Männer. Allerdings darf bei gebärfähigen Frauen die Organdosis der Gebärmutter 2 Millisievert pro Monat nicht überschreiten.

Ab Bekanntgabe einer bestehenden Schwangerschaft darf das ungeborene Kind bis zu seiner Geburt keine höhere Strahlendosis als 1 Millisievert erhalten (siehe auch "Strahlenthemen: Schwangerschaft und Strahlenschutz").

Grenzwert Berufslebensdosis

Zusätzlich zu den in den EURATOM-Grundnormen festgelegten Grenzwerten gilt in Deutschland auch ein Grenzwert Berufslebensdosis, das heißt, für die Summe der in allen Berufsjahren erhaltenen einzelnen effektiven Dosiswerte. Dieser Grenzwert beträgt 400 Millisievert.

Grenzwertüberschreitungen

Falls ein Grenzwert überschritten wird, untersucht die zuständige Aufsichtsbehörde die Ursache. Abhängig von der Ursache kann sie
  • für ein einzelnes Jahr eine effektive Dosis von 50 Millisievert zulassen, wobei in den fünf Folgejahren zusammengenommen 100 Millisievert nicht überschritten werden dürfen,
  • Auflagen erteilen,
  • Tätigkeiten verbieten,
  • Bußgelder festsetzen und
  • Genehmigungen entziehen.
Grenzwertüberschreitungen sind äußerst selten. In den letzten Jahren wurden jeweils weniger als zehn Überschreitungen pro Jahr festgestellt. Im Allgemeinen liegen die tatsächlichen Expositionen stets weit unterhalb der Grenzwerte. Dies hat seine Ursache im Gebot der Optimierung. Das heißt, in Europa ist im Strahlenschutz zusätzlich zur Dosisbegrenzung immer auch das Gebot der Dosisvermeidung zu befolgen:
Auch unterhalb eines Grenzwerts ist die Strahlenexposition so gering wie vernünftigerweise erreichbar zu halten, wobei der Stand von Wissenschaft und Technik zu beachten und die Umstände des Einzelfalls zu berücksichtigen sind.
Die Wirksamkeit dieses Optimierungsgebots (des so genannten "ALARA-Prinzips") ist offensichtlich:
  • 99 Prozent der Überwachten haben eine Jahresdosis unter 3 Millisievert;
  • die durchschnittliche effektive Dosis aller Exponierten beträgt 0,6 Millisievert, das heißt,
  • der Grenzwert von 20 Millisievert wird im Mittel nur zu drei Prozent ausgeschöpft.

Dosimetrie

Die Strahlenexposition am Arbeitsplatz wird mit amtlich zugelassenen Dosimetern gemessen. In den meisten Fällen werden dazu Filmdosimeter verwendet. Diese Dosimeter werden von behördlich bestimmten Messstellen ausgegeben und in der Regel monatlich ausgewertet. Von der gemessenen Dosis wird der Dosisanteil der natürlichen Umgebungsstrahlung abgezogen.

Gehen Beschäftigte mit offenen radioaktiven Stoffen um, besteht die Möglichkeit, dass Radionuklide in den Körper aufgenommen werden (zum Beispiel über Mund und Nase oder durch die Haut). Diese Personen werden zusätzlich von behördlich bestimmten Inkorporationsmessstellen regelmäßig beziehungsweise bei besonderem Anlass überwacht. Alle Messstellen übermitteln ihre Dosisfeststellungen regelmäßig an das Strahlenschutzregister im BfS.

Das Luftfahrt-Bundesamt führt die Aufsicht über das fliegende Personal und überwacht unter anderem die Einhaltung von Dosisgrenzwerten. Die Dosiswerte für fliegendes Personal werden von den Fluggesellschaften mit Hilfe von zugelassenen Programmen ermittelt und an das Bundesamt gemeldet. Das Luftfahrt-Bundesamt übermittelt jeweils die Monatsdosen der Beschäftigten an das Strahlenschutzregister des BfS.


Weitere Informationen