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No English version available. Bei der Verwendung von Gesteinen und Erden zu Bauzwecken können
in diesen Materialien enthaltene oder aus ihnen freigesetzte
Radionuklide zu einer Strahlenexposition der Bevölkerung führen. Von
besonderer Bedeutung sind dabei die Radionuklide aus den radioaktiven
Zerfallsreihen des Uran-238 und des Thorium-232 sowie das Kalium-40.
Ursache der durch natürliche Radionuklide in Baustoffen verursachten Strahlenexposition beim Aufenthalt in Gebäuden sind:
- die von den Radionukliden in den Baumaterialien ausgehende, von außen auf den Körper wirkende Gammastrahlung sowie
- die Inhalation des aus den Baumaterialien in die Räume freigesetzten Radons und seiner Zerfallsprodukte.
Untersuchung und Bewertung
Seit mehr als 20 Jahren werden in Deutschland Untersuchungen und
Bewertungen der radioaktiven Stoffe in Baumaterialien durchgeführt.
Beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) liegen von mehr als 1500 Proben
von Natursteinen, Baumaterialien und mineralischen Reststoffen Daten
der spezifischen Aktivitäten der relevanten Radionuklide vor. An einer großen Anzahl von Proben wurde zusätzlich die Radonfreisetzung
bestimmt.
Spezifische Aktivitäten natürlicher Radionuklide
in Natursteinen, Baumaterialien und Reststoffen |
| Material |
Radium-226 in Bq/kg
Mittelwert (Bereich)
|
Thorium-232 in Bq/kg
Mittelwert (Bereich)
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Kalium-40 in Bq/kg
Mittelwert (Bereich)
|
| Granit |
100 (30 - 500) |
120 (17 - 311) |
1000 (600 - 4000) |
| Gneis |
75 (50 - 157) |
43 (22 - 50) |
900 (830 - 1500) |
| Diabas |
16 (10 - 25) |
8 (4 - 12) |
170 (100 - 210) |
| Basalt |
26 (6 - 36) |
29 (9 - 37) |
270 (190 - 380) |
| Granulit |
10 (4 - 16) |
6 (2 - 11) |
360 (9 - 730) |
| Kies, Sand, Kiessand |
15 (1 - 39) |
16 (1 - 64) |
380 (3 - 1200) |
| Natürlicher Gips, Anhydrit |
10 (2 - 70) |
< 5 (2 - 100) |
60 (7 - 200) |
| Tuff, Bims |
100 (< 20 - 200) |
100 (30 - 300) |
1000 (500 - 2000) |
| Ton, Lehm |
< 40 (< 20 - 90) |
60 (18 - 200) |
1000 (300 - 2000) |
| Ziegel, Klinker |
50 (10 - 200) |
52 (12 - 200) |
700 (100 - 2000) |
| Beton |
30 (7 - 92) |
23 (4 - 71) |
450 (50 - 1300) |
| Kalksandstein, Porenbeton |
15 (6 - 80) |
10 (1 - 60) |
200 (40 - 800) |
| Schlacke aus Mansfelder Kupferschiefer |
1500 (860 - 2100)
|
48 (18 - 78) |
520 (300 - 730) |
| Gips aus der Rauchgasentschwefelung |
20 (< 20 - 70) |
< 20 |
< 20 |
| Braunkohlenfilterasche |
82 (4 - 200) |
51 (6 - 150) |
147 (12 - 610) |
Der Mittelwert der durch die natürlichen Radionuklide in den
Baumaterialien bedingten Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) in Gebäuden
beträgt rund 80 Nanosievert pro Stunde (nSv/h). Werte der ODL über 200
nSv/h sind selten.
Das durch radioaktiven Zerfall aus Radium-226 entstehende Radon-222 ist
aus der Sicht des Strahlenschutzes von besonderem Interesse. Nach
aktuellen Erkenntnissen werden in Deutschland einige Prozent der
Lungenkrebserkrankungen der Bevölkerung der Belastung durch Radon und
seine Zerfallsprodukte in Gebäuden zugeschrieben.
Radon von besonderer Bedeutung
Die Radonfreisetzung aus Baumaterialien wird durch die spezifische
Aktivität des Radium-226 und andere, den Radontransport bestimmende
Materialeigenschaften (z. B. Porosität) bestimmt. Untersuchungen
zeigen, dass die in Deutschland in großen Mengen traditionell
verwendeten Baustoffe Beton, Ziegel, Porenbeton und Kalksandstein im
Allgemeinen nicht die Ursache für Überschreitungen des vom Bundesamt
für Strahlenschutz empfohlenen Jahresmittelwertes der
Radonkonzentration in Aufenthaltsbereichen sind.
Dieser soll 100 Bq/m3 (vgl. Infoblatt "Natürliche Radioaktivität in Baumaterialien") nicht überschreiten. Der Beitrag des
Radon-222 aus Baumaterialien zur Radonkonzentration in Wohnräumen
liegt bei maximal 70 Bq/m3. Bei aktuell im Handel erhältlichen Baumaterialien wurden Werte deutlich unter 50 Bq/m3 bestimmt.
Höhere Radonkonzentrationen bei einzelnen Baumaterialien
Freisetzungsraten von Radon, die höhere Konzentrationen im Raum zur
Folge haben können, wurden in Deutschland vereinzelt an Rückständen der
Verbrennung von Kohlen mit erhöhter Uran-/Radiumkonzentration (früher
unter der Bezeichnung "Kohleschlacke" regional als Füllung von
Geschossdecken verwendet) und in Ausnahmefällen an Natursteinen mit
erhöhten spezifischen Aktivitäten des Radium-226 gemessen. Erhöhte
Radonkonzentrationen in Häusern aus Mansfelder Kupferschlacke wurden
trotz der vergleichsweise hohen spezifischen Aktivität des Radium-226
in diesem Material nicht ermittelt. In einigen Ländern wurden höhere
Radonkonzentrationen in Häusern festgestellt, in denen so genannte
Chemiegipse (Rückstände der Phosphoritverarbeitung) und auch bei
Leichtbetonen festgestellt, die unter Verwendung von Alaunschiefer
hergestellt wurden. Vereinzelt findet man auch überdurchschnittliche
Radonkonzentrationen in den traditionellen Gebieten des Bergbaus, wenn
Abraum oder Reststoffe der Erzverarbeitung mit erhöhter
Radiumkonzentration als Baumaterial, als Beton- oder
Mörtelzuschlagstoff sowie zur Fundamentierung bzw. Hinterfüllung beim
Hausbau verwendet wurden.
Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden in Deutschland keine Materialien
zu Bauzwecken verwendet, die infolge erhöhter Thoriumkonzentrationen zu
aus der Sicht des Strahlenschutzes relevanten Expositionen durch
Radon-220 (Thoron) und seine Zerfallsprodukte in Räumen führen könnten.
Industrierückstände als Sekundärrohstoff
In einigen Rückständen aus industriellen Prozessen reichern sich die
natürlichen radioaktiven Stoffe an. Bei Verwendung dieser Rückstände,
z. B. ihrem Einsatz als Sekundärrohstoff im Bauwesen, sind erhöhte
Strahlenexpositionen der Bevölkerung nicht auszuschließen. Um dies zu
vermeiden, werden im Teil A der Anlage XII der Strahlenschutzverordnung
(StrlSchV) [1] die Rückstände genannt, bei deren Verwertung oder Deponierung
Gesichtspunkte des Strahlenschutzes beachtet werden sollten. Durch die
ebenfalls in Anlage XII der StrlSchV festgelegten Überwachungsgrenzen
für die Verwertung dieser Materialien wird gesichert, dass der für
Einzelpersonen der Bevölkerung geltende Richtwert der effektiven Dosis
von 1 mSv pro Jahr nicht überschritten wird.
Gemäß der Bauproduktenrichtlinie (89/106/EWG) [2] darf in den
Mitgliedstaaten der Europäischen Union ein Bauprodukt nur dann in
Verkehr gebracht werden, wenn es die wesentlichen Anforderungen an
Hygiene, Gesundheit und Umweltschutz, unter anderem bezüglich der
Freisetzung gefährlicher Strahlen, erfüllt. Diese Richtlinie wird mit
dem Bauproduktengesetz [3] umgesetzt.
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Medianwerte der spezifischen Aktivität natürlicher Radionuklide in Naturwerksteinen
(Für eine größere Darstellung Bild anklicken)
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Natürliche Radionuklide in Naturwerksteinen
Da heute in allen Bereichen des Bauens im Hausinneren und im
Freien verstärkt Naturwerksteine Anwendung finden, wurde durch das BfS
mit Unterstützung des Deutschen Naturwerkstein-Verbandes e.V. im Jahr
2006 eine Reihe marktgängiger Fliesen und anderer Plattenmaterialien
unterschiedlichster Herkunft auf die Gehalte natürlicher Radioaktivität
untersucht und aus Strahlenschutzsicht bewertet.
Im Vordergrund standen gammaspektrometrische Messungen der spezifischen
Aktivitäten des Radium-226, Kalium-40 und Thorium-232. Die Ergebnisse
sind in der Grafik zusammengefasst. Die dargestellten Medianwerte (Zentralwerte) bedeuten, das die Hälfte der untersuchten Proben über diesem Wert liegt und 50 Prozent darunter.
Die Materialgliederung erfolgt an dieser Stelle nach der
Gesteinsart. Es muss darauf hingewiesen werden, dass im Handel aus
Erwägungen, die sich an den speziellen Anwendungen, der Verarbeitung
und Pflege der Materialien orientieren, nicht immer korrekte
Gesteinsbezeichnungen verwendet werden. So muss es sich bei "Granit"
nicht unbedingt um Granitgestein handeln, sondern diese Bezeichnung
wird auch für Gneise, Diorite, Granodiorite und andere Gesteine
verwendet.
Spezifische Aktivitäten der untersuchten Naturwerksteine
Die spezifischen Aktivitäten der untersuchten Naturwerksteine liegen
für Kalium-40 im Bereich zwischen 10 Bq/kg und 1600 Bq/kg, für
Radium-226 zwischen kleiner als 10 Bq/kg und 355 Bq/kg und für Thorium-232 zwischen kleiner als 10 Bq/kg und 330 Bq/kg.
Zum Vergleich und zur Ergänzung wird auf die oben gezeigte Tabelle
und die von Pavlidou et al. [4] veröffentlichten Werte hingewiesen.
Die mögliche Strahlenexposition durch die einzelnen Materialien
hängt neben der Radionuklidkonzentration und der Radonfreisetzung von
der Art ihrer Verwendung ab.
EU-Empfehlung "Radiation Protection 112"
Für ihre Bewertung gibt es noch keine verbindliche Rechtsgrundlage.
Allerdings ist in der EU-Empfehlung "Radiation Protection 112" [5] eine einfach zu handhabende
Methode empfohlen worden, die auf der Grundlage der ermittelten
spezifischen Aktivitäten der oben angegebenen Radionuklide und
spezieller Modellannahmen eine orientierende Bewertung ermöglicht. Wenn
man sich dabei an dem allgemein akzeptierten Wert der effektiven Dosis
von 1 mSv/a für Personen der Bevölkerung durch Radionuklide natürlichen
Ursprungs (außer Radon) orientiert ist festzustellen, dass die untersuchten, aktuellen Baumaterialien und - selbst bei großflächiger Anwendung - auch die untersuchten Naturwerksteine in Gebäuden uneingeschränkt verwendbar sind.
[1] Verordnung über den Schutz vor Schäden durch ionisierende Strahlen
(Strahlenschutzverordnung - StrlSchV) vom 20. Juli 2001 (BGBl. I S.
1714)
[2] Lutz, H.; Springborn, M.: Die Bauproduktenrichtlinie -
Gegenüberstellung und Abweichungen, Ernst & Sohn, Verlag für
technische Wissenschaften GmbH, Berlin
[3] Gesetz über das Inverkehrbringen von und den freien
Warenverkehr mit Bauprodukten zur Umsetzung der Richtlinie 89/106 EWG
des Rates vom 21. Dezember 1988 zur Angleichung der Rechts- und
Verwaltungsvorschriften der Mitgliedsstaaten über Bauprodukte
(Bauproduktengesetz - BauPG) vom 10. August 1992 (BGBl. I, S.149)
[4] Pavlidou, S.;Koroneos, A.; Papastefanou, C.; Christofides,
G.; Stoulos, S.; Vavelides, M. : Natural Radioacvtivity of Granites
Used as Building Materials in Greece. Bulletin of the Geological
Society of Greece, Vol. XXXVI, 2004
[5] European Commission: Radiation Protection 112 „Radiological
protection principles concerning the natural radioaactivity of building
materials“, Luxembourg: Office for Official Publications of the
European Communities, 2000, ISBN 92-828-8376-0
Weitere Informationen
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