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An das Bundesamt für Strahlenschutz werden häufig Fragen
nach schädlichen Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder – vor
allem des Mobilfunks – aber auch niederfrequenter elektrischer und magnetischer
Felder auf Tiere und Pflanzen gerichtet. Die Fragen beziehen sich auf einen
möglichen Einfluss der elektromagnetischen Felder in der Umwelt auf Nutztiere,
aber auch auf Vögel und Fledermäuse sowie auf Bäume.
Für das Bundesamt für Strahlenschutz sind neben möglichen
gesundheitlichen Risiken für den Menschen auch die Wirkungen auf die Umwelt von
Bedeutung. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand gibt es keine
wissenschaftlich belastbaren Hinweise auf eine Gefährdung von Tieren und
Pflanzen durch elektromagnetische Felder unterhalb der Grenzwerte. Im Rahmen des Deutschen
Mobilfunk Forschungsprogramms wurden keine Vorhaben zur Auswirkung hochfrequenter Felder auf Nutztiere und Pflanzen durchgeführt, da das Programm primär auf Fragestellungen zu möglichen Wirkungen auf den Menschen ausgerichtet war.
Im Folgenden wird der wissenschaftliche Kenntnisstand zu den möglichen Auswirkungen elektromagnetischer Felder auf die belebte Umwelt zusammengefasst und bewertet:
Wirkungen hochfrequenter Felder
Wirkungen niederfrequenter Felder
Literatur
Hochfrequente Felder
Eine aktuelle Übersichtsarbeit zum Einfluss von
Basisstationen des Mobilfunks auf die Umwelt publizierte Balmori (2009). In
dieser Arbeit fasst er zunächst eigene Beobachtungen an Vögeln zusammen (s.u.),
um dann auf andere Gruppen von Lebewesen im breitesten Sinn einzugehen. Bei den
beschriebenen Beobachtungen wird über Einzelfälle berichtet, eine Objektivierung der Beobachtungen fehlt und somit ist eine Systematik nicht erkennbar. Weiterhin werden experimentelle Arbeiten über den Einfluss nieder- und hochfrequenter elektrischer, magnetischer und elektromagnetischer Felder auf diverse Organismen zitiert ohne die aufgeführten Arbeiten einer wissenschaftlichen Diskussion zu unterziehen. Eine Beurteilung der Qualität der Studien ist nicht erfolgt. Die Vorgehensweise Einzelbeobachtungen mit Labordaten zu verknüpfen ohne jede einzelne
Studie einer fachlichen Beurteilung zu unterwerfen und die Gesamtschau auf
Vollständigkeit und Nachvollziehbarkeit zu prüfen ist wissenschaftlich fragwürdig. Somit sind auch das Ergebnis und die Schlussfolgerungen der Übersichtsarbeit als fragwürdig zu charakterisieren.
Ähnlich fragwürdig im wissenschaftlichen Sinne geht Warnke (2008) in seinem Buch über Bienen, Vögel und Menschen vor. Kenntnisse zur Orientierung vieler Tierarten und zum Einfluss statischer Magnetfelder (z.B. Erdmagnetfeld) werden direkt auf mögliche Auswirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder des Mobilfunks übertragen. Da die Wirkmechanismen bei statischen Magnetfeldern und hochfrequenten elektromagnetischen Feldern unterschiedlich sind, ist eine Übertragung der Ergebnisse jedoch nicht zulässig. Ebenso wenig zulässig ist es, Ergebnisse zur Orientierung von Tieren nach dem Magnetfeld auf den Menschen zu übertragen, da dem Menschen
entsprechende Wahrnehmungsorgane für statische Felder fehlen, und diese demzufolge auch nicht gestört werden können.
Im Folgenden wird auf einige bedeutsame Tiergruppen und
Pflanzen detailliert eingegangen.
Im Rahmen des Forschungsvorhabens "Untersuchungen zum
Einfluss elektromagnetischer Felder von Mobilfunkanlagen auf Gesundheit,
Leistung und Verhalten von Rindern" wurde im Auftrag des Bayerischen
Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen in den Jahren 1998
bis 2000 durch die Universitäten Gießen und München eine Untersuchung in 38
landwirtschaftlichen Betrieben in Bayern und Hessen durchgeführt (sog. Bayerische Rinderstudie). Auf allen beteiligten Bauernhöfen wurde die elektrische Feldstärke gemessen. Bei Milchleistung, Fruchtbarkeit und Ausschüttung von Schlafhormonen waren bei allen untersuchten Rinderherden keine Auffälligkeiten durch den Einfluss des Mobilfunks erkennbar. Beobachtete Fehlbildungen waren auf das Auftreten einer Viruserkrankung (Bovine Virusdiarrhoe) zurückzuführen. Für Stresssymptome aufgrund von Mobilfunkeinwirkungen gab es keine statistisch abgesicherten Hinweise. Lediglich beim Wiederkauverhalten und Liegeverhalten zeigten vier der acht untersuchten Herden Auffälligkeiten (Wenzel et al. 2002). Der Zusammenhang zum Mobilfunk blieb allerdings unklar, da mögliche Störgrößen bzw. weitere Einflussfaktoren nicht ausreichend kontrolliert werden konnten. Ein Gefährdungs-Szenario durch Mobilfunk ist nach Auswertung der Studie nicht erkennbar. Insgesamt zeigen die vorgelegten Ergebnisse, dass Feldversuche dieser Art in landwirtschaftlichen Betrieben kein geeignetes Mittel sind, um den Einfluss elektromagnetischer Felder von Mobilfunkanlagen auf die Gesundheit von Rindern mit ausreichender Sicherheit zu belegen oder zu widerlegen.
In der Schweiz wurde durch die Forschungsstiftung Mobilkommunikation in den Jahren 2005 –
2006 eine Pilotstudie zu einer geplanten Rinderstudie durchgeführt. Es wurden
rechnerische und messtechnische Verfahren festgelegt, die eine möglichst
belastbare Expositionsbestimmung für freilaufende Kühe gewährleisten. Dabei
zeigte sich, dass die freilaufenden Rinder auf Schweizer Bauernöfen überwiegend
gering exponiert sind. Eine Folgestudie wurde nicht realisiert.
Im Umkreis von Basisstationen wurde anekdotisch in Spanien
und Belgien die Abnahme von Spatzen (Balmori und Hallber 2007, Everaert und
Bauwens 2007) sowie ebenfalls in Spanien eine verminderte
Reproduktionsfähigkeit von Weißstörchen (Balmori 2005) beschrieben. In
Deutschland wurden von den Landesbehörden für Umweltschutz und von den Vogelwarten keine vergleichbaren Beobachtungen gemeldet. Im Rahmen einer aktuellen Studie (Reijt et al. 2007) wurde das Brutverhalten von Meisen in der Umgebung einer militärischen Radar-Sendanlage in Polen untersucht. Die elektromagnetischen Felder führten nicht zu einer Abnahme der Meisenpopulation. Die Zahl der besetzten Brutkästen, sowie die Zahl der Eier und der Jungvögel waren nicht beeinflusst. Das Verhältnis der untersuchten Meisenarten war in exponierten und nicht exponierten Bereichen unterschiedlich, dies kann aber auch eine Folge der strukturellen Unterschiede im Mikrohabitat sein.
Aus der Bevölkerung gibt es vereinzelte Meldungen über
Probleme mit der Orientierung von Brieftauben in der Nähe von Basisstationen.
Der Großteil der Taubenzüchter hat derartige Probleme nicht beobachtet. Die
Vogelwarte Sempach hat 1999 um den Schweizer Kurzwellensender Schwarzenburg
eine Studie zur Orientierung von Brieftauben durchgeführt. Alle Tauben konnten
sich einwandfrei orientieren, brauchten aber bei eingeschaltetem Sender
geringfügig länger und änderten ihre Flughöhe. Die Tiere konnten sich an den
Sender gewöhnen und zeigten dann keine Unterschiede im Verhalten mehr (Steiner
und Bruderer, 2002). Ob es sich bei den beschriebenen Beobachtungen um kausale
Zusammenhänge handelt, bleibt unklar. Eine Gefährdung der Vogelbestände
bedeuten sie nicht.
Vögel können das Erdmagnetfeld wahrnehmen und sich danach
orientieren. Das zugehörige Sinnesorgan ist in der Netzhaut lokalisiert und
basiert auf einer Reaktion von Radikal-Paaren. Diese Reaktion kann unter
Laborbedingungen durch schwache Wechselfelder im Frequenzbereich von 0,1 – 10
MHz gestört werden. Frequenzen über 25 MHz, wie sie für den Mobilfunk verwendet
werden, interferieren mit diesem System nicht (Ritz et al. 2004).
Einige wenige Studien untersuchten die Embryonalentwicklung
von Küken unter Exposition mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern. In
einigen Fällen wurden Expositionsanlagen verwendet, die zu einer deutlichen
Erwärmung der Eier, begleitet von einer erhöhten Sterblichkeit der Embryonen
führten (Thalau et al. 2003). In anderen Untersuchungen wurden kommerzielle
Telefone zur Exposition benutzt, bei denen die Exposition nicht genau definiert
war und ein Einfluss niederfrequenter Felder nicht ausgeschlossen werden konnte
(Batellier et al. 2007). In der letztgenannten Studie wurden jeweils 60 Eier
exponiert und 60 scheinexponiert und das ganze Experiment viermal wiederholt.
In zwei Wiederholungen war die Sterblichkeit der Embryonen unter Exposition signifikant erhöht, in den anderen beiden nicht. Aus diesen Ergebnissen können
insgesamt keine belastbaren Schlüsse gezogen werden.
Im Rahmen des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms wurden
Studien an Labornagern
durchgeführt. Es konnten keine Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer
Felder auf die Labornager nachgewiesen werden.
Es gibt einige vereinzelte Meldungen aus der Bevölkerung
über Störungen von Fledermäusen durch elektromagnetische Felder von
Mobiltelefonen oder Basisstationen. Laut Informationen von
Umweltschutzorganisationen und Behörden gibt es aber keine Anzeichen dafür,
dass elektromagnetische Felder von Mobilfunkbasisstationen Fledermäusen
schaden. Infolge von Schutzmaßnahmen steigt die Zahl der Fledermäuse seit dem
Jahr 2000 stetig an (LfU 2006). Im Zusammenhang mit Mobilfunkbasisstationen
sind in erster Linie Baumaßnahmen auf Dachstühlen und Kirchtürmen
problematisch, bei denen Sommer- und Winterquartiere von Fledermäusen zerstört
werden (Diefenbacher et al. 2003). Weiterhin können an solchen Standorten die
Tiere, falls sie infolge der Störungen ihre Lebensräume nicht verlassen haben,
die Sicherheitsabstände unterschreiten und in unmittelbare Nähe der Sender
gelangen, wodurch sie thermischen Einflüssen ausgesetzt werden. Nicholls und Racey (2007) untersuchten den Zusammenhang zwischen dem Verhalten von Fledermäusen und elektromagnetischen Feldern anhand der Aktivität von fünf Fledermausarten in der Umgebung von zehn Radaranlagen in Schottland. Die Fledermäuse mieden die unmittelbare Nähe der Sender mit Feldstärken über 2 V/m. Welcher Mechanismus diesem Vermeidungsverhalten zugrunde liegen könnte, wurde nicht untersucht. Es wird vermutet, dass Fledermäuse entweder die durch elektromagnetische Felder verursachte Erwärmung wahrnehmen und meiden oder auf dem Prinzip des sog. „Mikrowellenhörens“ (Lin und Wang, 2007), das ebenfalls thermisch bedingt ist, starke gepulste Felder akustisch wahrnehmen können.
Als erste befassten sich bereits 1981 Gary und Westerdahl mit dem möglichen Einfluss hochfrequenter Felder (2,45 GHz) auf die Orientierung
von Bienen. Es wurden 6000 einzelne Bienen markiert, exponiert oder
scheinexponiert, und deren Orientierungsverhalten beobachtet. Es konnte kein
Einfluss der Exposition festgestellt werden. An der Universität Koblenz wurde
das Rückkehrverhalten von Bienen unter dem Einfluss hochfrequenter
elektromagnetischer Felder in einer Pilotstudie (2005) und einer Folgestudie
(2006) untersucht (siehe http://agbi.uni-landau.de/materialien.htm).
Zur Exposition diente eine unter dem Bienenstock angebrachte DECT-Basisstation.
Dies ist einerseits eine unrealistische Situation, aus der direkte Schlüsse
über Auswirkungen von Mobilfunk-Basisstationen nicht gezogen werden können,
andererseits kann ein Einfluss niederfrequenter Felder, die durch die
Stromversorgung der DECT-Basisstation entstehen, nicht ausgeschlossen werden.
Es ist bekannt, dass sich Bienen nach dem Erdmagnetfeld orientieren können (Hsu
und Li 1994; Hsu et al. 2007), ob diese Orientierung durch niederfrequente
Felder gestört wird, wurde nicht untersucht. Die Pilotstudie zeigte bei den
exponierten Bienen einen Verlust der zurückkehrenden Tiere von bis zu 70%. Dies
war signifikant mehr als bei den nicht exponierten Bienen. Allerdings war die
Zahl der untersuchten Bienenstöcke klein. In der Folgestudie wurde die Zahl der
Experimente erhöht, die in der Pilotstudie gefundene Tendenz wurde zwar
bestätigt, die Ergebnisse waren aber nicht signifikant. Es kehrten etwa 60% der
nicht exponierten und 50% der exponierten Bienen zurück. Auf eine drastische
Störung der Orientierung von Bienen durch hochfrequente elektromagnetische
Felder kann aus diesen Studien nicht geschlossen werden. Weiterhin war das Rückkehrverhalten deutlich schlechter als in der Arbeit von Gary und Westerdahl (1981), wo etwa 80% der exponierten sowie scheinexponierten Bienen in den Stock zurückkehrten, was insgesamt auf weitere Störgrößen in den Untersuchungen von Hsu und Mitarbeitern hindeutet.
Untersuchungen zum Einfluss elektromagnetischer Felder des
Mobilfunks auf frei lebende Insekten sind nicht bekannt. Da die Fruchtfliege
Drosophila ein etabliertes Modell in der Entwicklungsbiologie darstellt, wurde
mehrfach der Einfluss elektromagnetischer Felder von Endgeräten auf
Fruchtfliegen bei SAR Werten von bis zu 4 W/kg untersucht. In vielen Fällen
wurde dabei eine verringerte Überlebensrate sowie eine Beeinträchtigung der
Fortpflanzung und der Embryonalentwicklung festgestellt. Viele der Studien
wiesen methodische Mängel auf. Z.B. wurden häufig nur mangelhafte Angaben zur
Exposition gemacht und kommerzielle Mobiltelefone anstatt definierter
Expositionsanlagen verwendet (z.B. Weisbrot et al. 2003, Panagopoulos et al.
2004, 2007a,b). Dabei ist ein Einfluss der Wärme sowie der niederfrequenten
elektromagnetischen Felder der Batterie nicht auszuschließen. Eine aktuelle
Arbeit (Lee et al., 2007) hat eine Anlage mit gut definierter Exposition
verwendet und bei 4 W/kg nach 12 Stunden eine verringerte Überlebensrate
gefunden. Bei 1,6 W/kg war dieser Effekt auch nach 30 Stunden nicht vorhanden.
Expositionen dieser Intensität treten nur in unmittelbarer Nähe der Endgeräte
auf, in der Umwelt kommen sie nur in der unmittelbaren Umgebung von
Basisstationen vor. Daher ist eine Schädigung von Insektenpopulationen infolge
von elektromagnetischen Feldern des Mobilfunks nicht zu erwarten.
Für Untersuchungen an Insekten gilt, dass die
Expositionssituation, und somit auch die Ergebnisse, nicht direkt zwischen
Säugetieren und Insekten vergleichbar sind. Für den Menschen gilt eine maximale
Teilkörperexposition im Kopf und Rumpf von 2 W/kg und in den Extremitäten von 4
W/kg als unbedenklich, denn sie führt höchstens zu einer geringfügigen
Erwärmung des Gewebes, die im normalen physiologischen Bereich liegt und durch
die Thermoregulation ausgeglichen wird. Dabei wird die meiste Energie in den
oberflächennahen Geweben, wie Haut, Bindegewebe, Fett usw. absorbiert, innere
Organe werden kaum belastet. Bei Insekten ist die Situation umgekehrt, die
dünne Kutikula absorbiert nur wenig, die meiste Energie wird von inneren
Organen aufgenommen. Infolge der Körpergröße handelt es sich bei Insekten immer
um eine Ganzkörperexposition. Weiterhin besitzen Insekten nicht die Fähigkeit
zur Thermoregulation. Deswegen ist es sehr wahrscheinlich, dass eine anhaltende
Exposition mit 4 W/kg auf dem thermischen Weg zu Schädigungen bei Insekten führen würde, auf eine Teilkörperexposition beim Menschen sind diese Ergebnisse nicht übertragbar. Eine Ganzkörperexposition mit 4 W/kg führt auch bei Labornagern zu einer verstärkten thermoregulatorischen Antwort und zu Verhaltensänderungen (ICNIRP,1999).
Starke hochfrequente elektromagnetische Felder (weit
oberhalb der Grenzwerte) können genutzt werden, um Holzschädlinge abzutöten.
Damit kann auf giftige Chemikalien verzichtet und die Umwelt geschont werden.
Zu diesem Thema liegen einige Studien vor, die sich mit
möglichen negativen Effekten auf Waldbäume befassten. In mehreren in der
Schweiz durchgeführten systematischen Langzeituntersuchungen um Radio- und
Fernsehsender (Joos et al. 1988, Stäger et al. 1989) bzw. unter mehrjähriger
Exposition mit 2450 MHz bei Leistungsflussdichten von 0.007 – 300 W/m2 (Schmutz
et al. 1996) konnten keine negativen Einflüsse auf Fichten, Tannen, Föhren und
Buchen festgestellt werden. Um einen litauischen Radarsender wurde eine
Verminderung des Dickenwachstums bei Kiefern beobachtet (Balodis et al. 1996).
Das Wachstum von Flechten, die sensible Indikatoren für Umweltstress sind,
wurde durch Expositionen mit hochfrequenten elektromagnetischen Feldern
unterhalb der geltenden Grenzwerte nicht beeinflusst (Urech et al. 1996).
Im Rahmen einer dreijährigen Studie (Götz et al., 2001)
wurde die Wirkung elektromagnetischer Felder auf Buche und Fichte geprüft,
wobei während der Vegetationsperioden ganze Kronenbereiche definierter
Bestrahlung durch Radar ausgesetzt wurden. Morphologische und physiologische
Parameter wie Trieblänge und -durchmesser, Trockenmasse und Länge von Nadeln
und Blättern, Blattfläche, Photosynthese, Effizienz der CO2-Aufnahme,
Transpiration sowie Leitfähigkeit der Spaltöffnungen der Blätter für
Wasserdampf wurden zwischen bestrahlten und nichtbestrahlten Kronenbereichen
verglichen. Die Analyse ergab keine Einflüsse der Radarbestrahlung auf
Photosynthese und Wasserverbrauch sowie das Zuwachsverhalten der Versuchsbäume.
Unter den gegebenen Bedingungen stellen elektromagnetische Felder kein
offensichtliches Schädigungsrisiko für Waldbäume dar. Welche Einflussfaktoren
zur Schädigung von Bäumen führen, wird im jährlichen Berichten
des BMU zum Waldzustand dargestellt.
Zusätzlich zu Freilanduntersuchungen an Bäumen wurden einige Laborstudien an Pflanzen durchgeführt. Vian et al. (2006) und Roux et al. (2009) fanden in zwei aufeinander folgenden Arbeiten an Tomaten unter GSM bei 5 V/m eine erhöhte Expression eines bestimmten Stressgenes und Veränderungen im
Energiemetabolismus, die ebenfalls mit Stress zu tun haben könnten. Allerdings
handelt es sich bei den Veröffentlichungen um zwei Kurzmitteilungen, die keiner
wissenschaftlichen Begutachtung unterzogen wurden; aus den Angaben zur
Exposition geht nur hervor, dass in der Expositionsanlage mit erheblichen
Reflexionen zu rechnen war. Insgesamt ähnelte die beobachtete Reaktion der
Tomaten in ihrem Umfang der Reaktion auf Kälte oder eine Verletzung. Die
kroatische Arbeitsgruppe um M. Tkalec (Tkalec et al. 2005, 2007, 2009) führte mehrere Untersuchungen zum Einfluss von Mobilfunk im Frequenzbereich von 400 bis 1900 MHz und bei Feldstärken von 23 bis 390 V/m auf Wasserlinse und Zwiebel durch. Bei der Wasserlinse wurden unter verschiedenen Frequenzen, Modulationen und Feldstärken Veränderungen der Aktivität oxidativer Enzyme, die in verschiedene Richtungen gingen, und in einigen Expositionssituationen auch eine Verringerung des Wachstums beobachtet. Die Effekte hingen nicht systematisch mit Frequenz, Feldstärke und Expositionsdauer zusammen und waren überwiegend gering (um 10%). Bei Zwiebeln wurde kein Einfluss auf Keimung und Wurzelwachstum festgestellt, aber es wurden bestimmte Veränderungen der Chromosomen während der Zellteilung beobachtet, die allerdings keinen Einfluss auf die weitere Entwicklung hatten. Alle fünf Studien haben gemeinsam, dass nicht verblindet und keine SAR Werte angegeben wurden. Engelmann et al. (2008) untersuchten die Genexpression in pflanzlichen Zellkulturen (Acker-Schmalwand, Arabidopsis thaliana) unter UMTS bei 2 und 0,75 W/kg. Aus dem gesamten Genom der Pflanze regelten nach 24 h nur 10 Gene geringfügig hoch. Es handelte sich nicht um stress-relevante Gene, sondern um solche, die an Reaktionen auf Licht beteiligt sind. Schwerwiegende physiologische Konsequenzen erwarten die Autoren aufgrund dieser Ergebnisse nicht. Das Fazit dieser wenigen, bislang nicht reproduzierten Arbeiten ist, dass es zwar möglich ist, dass Pflanzen auf elektromagnetische Felder im Bereich der Grenzwerte physiologisch reagieren können, schädliche Effekte aber nicht zu erwarten sind.
Niederfrequente Felder
Einige Meerestiere, wie z.B. Haie und Fische, können mit
speziellen Sinnesorganen Magnetfelder wahrnehmen. Diese Wahrnehmung kann u.U.
durch künstliche statische oder niederfrequente Magnetfelder, z.B. von Unterseekabeln zur Übertragung von elektrischer Energie, gestört werden. Näheres hierzu siehe unter http://www.bfs.de/en/elektro/nff/papiere/Grundsatzpapier.pdf
Unter den Säugetieren haben nur einige wenige Nagetiere
(z.B. Nacktmull, siehe Kimchi & Terkel, 2001) und Fledermäuse (Holland et
al., 2008) die Fähigkeit sich nach dem Erdmagnetfeld zu orientieren. Die
Orientierung kann möglicherweise durch künstliche statische oder niederfrequente
Felder gestört werden, dies wurde aber bislang nicht untersucht. Begall et al
(2008) behaupten in einer aktuellen Arbeit aufgrund von Satellitenbildern, dass
sich Wiederkäuer wie z.B. Rinder und Rehe im Freien bevorzugt in Nord-Süd
Richtung ausrichten. Zugrunde liegen soll ein magnetischer Sinn. Ein Organ, in
dem sich dieser befinden soll, wird nicht benannt. Dieselben Autoren (Burda et
al. 2009) behaupten, die bevorzugte Ausrichtung wäre in der Nähe von Hochspannungsleitungen gestört. Andere Einflussfaktoren wie z.B. Sonne, Wärme und Wind, wurden zwar diskutiert, aber in die Auswertung der Daten nicht mit einbezogen. Aus diesem
Grund bleiben die genannten Behauptungen rein hypothetisch.
Ein positiver Einfluss von Magnetfeldern auf Keimrate und
Keimungsgeschwindigkeit wurde für verschiedene Pflanzenarten beschrieben,
allerdings überwiegend bei Magnetfeldstärken oberhalb der für den Menschen
gültigen Grenzwerte. Reina et al. (2001) fanden eine erhöhte Wasseraufnahme in
Salatsamen unter Magnetfeldeinfluss ab 1000 µT. Die Wasseraufnahme ist für die
Keimung entscheidend und könnte stimulierende Einflüsse erklären. Ob der Effekt
auch bei Flussdichten unterhalb der Grenzwerte auftritt, wurde in der Arbeit
nicht untersucht. Ruzic et al. (1998) beschrieben eine stimulierende Wirkung
auf die Keimung von Fichtensamen bei einer magnetischen Flussdichte von 26 µT
bei 50 Hz, die sich allerdings unter simuliertem Wasserstress in eine hemmende
Wirkung umkehrte.
In Bezug auf die Beeinflussung des Pflanzenwachstums sind
die Ergebnisse nicht konsistent. In einigen Arbeiten werden wachstumsfördernde
Effekte beschrieben, z.B. auf das Wurzelwachstum bei Gartenkresse (Stenz et al.
1998) bei einer elektrischen Feldstärke von 0,1 V/cm oder eine erhöhte
Aminosäureaufnahme in Bohnenwurzeln bei 10 µT bei 50 Hz (Stange et al. 2002).
Demgegenüber wurden in anderen Arbeiten wachstumshemmende Effekte gefunden,
z.B. eine Abnahme von Gewicht und Längenwachstum in Distel und Linse bei einer
Exposition mit 15 µT bei 50 Hz (Picazo et al. 1999). Soja et al.
(2001) untersuchten in einer fünfjährigen Feldstudie den Einfluss von
Hochspannungsleitungen auf Wachstum und Ertrag von Winterweizen und Mais bei
magnetischen Flussdichten von 4,5; 3,6; 2,6 und 0,8 µT und fanden für Weizen
bei der höchsten Exposition eine Ertragsminderung um etwa 7%, wobei die
Einbußen auf Jahre mit erhöhtem Trockenheitsstress zurückgingen. Die Detektierbarkeit des Feldeffekts im Vergleich mit den viel stärkeren Einflussfaktoren Klima und Niederschlag lag an der Grenze der statistischen Signifikanz. Eine umfassende Studie von Potts et al. (1997) an Rettich fand nach Exposition mit 60 Hz und 0,15; 1,5; 20 und 78,3 µT keinen Einfluss auf Stängel- oder Blattlänge, Gewicht von Wurzeln, Stängel oder Blatt, oder auf Chlorophyllgehalte.
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