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Fragen und Antworten zu Strahlenschutz-Aspekten in Japan
Fragen und Antworten zu Strahlenschutz-Aspekten in Japan

Welche gesundheitlichen Konsequenzen können in der Umgebung des Kernkraftwerks auftreten?

Welche Schutzmaßnahmen wurden in der Umgebung des Reaktors in Japan getroffen?

Wie hoch ist die Strahlenbelastung der japanischen Bevölkerung in der Umgebung des Reaktors?

Welche Grenzwerte gibt es, welche gesundheitlichen Folgen sind möglich?

Mit welcher Strahlenbelastung ist bei Reisen nach Japan zu rechnen, auch durch dortigen Verzehr von in Japan erzeugten Nahrungsmitteln?

Ist für Nachbarländer Japans mit erhöhten Strahlenwerten oder radioaktiven Kontaminationen von Nahrungsmitteln zu rechnen?

Die infolge des Reaktorunfalls in Fukushima in die Atmosphäre freigesetzten radioaktiven Stoffe (Radionuklide) wurden mit dem Wind lokal, regional und global verfrachtet und in der Folge auf der Erdoberfläche deponiert. Wohin welche radioaktiven Stoffe gelangten, hing wesentlich vom Zeitpunkt der Freisetzung und von den dann herrschenden Wetterbedingungen wie Wind und Niederschlägen ab. Strahlenbelastungen für den Menschen entstanden durch das Einatmen und die äußere Bestrahlung durch die in der Luft befindlichen radioaktiven Stoffe, durch die auf den Boden deponierten Radionuklide und im weiteren Verlauf durch die Aufnahme über die Nahrung.

Welche gesundheitlichen Konsequenzen können in der Umgebung des Kernkraftwerks auftreten?

Für die Strahlenbelastung der Bevölkerung in der näheren und ferneren Umgebung um die verunglückten Reaktoren in Fukushima waren zunächst zwei radioaktive Stoffe von besonderer Bedeutung. Zum einen waren dies die radioaktiven Isotope des Jod (unter anderem Jod-131 und Jod-133). Sie weisen eine relativ kurze Halbwertszeit (Zeit, in der durch radioaktiven Zerfall der Stoffe die Hälfte der Radioaktivität abklingt) von bis zu 8 Tagen auf. Die längerfristig die Strahlenbelastung wesentlich bestimmenden radioaktiven Stoffe sind die Radionuklide des Elements Cäsium (vor allem Caesium-134 und Caesium-137). Diese haben eine Halbwertszeit von bis zu 30 Jahren.

Weitere radioaktive Stoffe, die weniger flüchtig sind, erlangen nur dann Bedeutung für den gesundheitlichen Strahlenschutz, wenn es zu explosionsartigen Freisetzungen mit großer Hitzeentwicklung kommt. Hierzu zählen insbesondere die radioaktiven Nuklide des Elements Strontium sowie die von Plutonium. Diese beiden Stoffe sind nach den dem BfS vorliegenden Informationen nicht oder nur in sehr geringen Mengen in die unmittelbarer Umgebung der Unglücksreaktoren frei gesetzt worden.

Mehr zu den gesundheitlichen Konsequenzen in der Umgebung des Kernkraftwerks Fukushima Daiichi erfahren Sie im Artikel Gesundheitsfolgen.

Welche Schutzmaßnahmen wurden in der Umgebung des Reaktors in Japan getroffen?

Als Schutzmaßnahme war eine Evakuierung im Umkreis um den Reaktor erforderlich; in welchem Radius die Evakuierung erfolgte, wurde aufgrund der vorgefundenen Situation von den Katastrophenschutzbehörden entschieden. Tatsächlich wurde zunächst der 2-Kilometer-Umkreis (11. März, 20:50 Uhr), dann der 10-Kilometer-Umkreis (12. März, 5:00 bis 17:00 Uhr) und schließlich der 20-Kilometer-Umkreis um den Reaktor (12. März, 18:25 Uhr) evakuiert. In einem Umkreis bis 30 Kilometer wurde die Bevölkerung aufgefordert, in Gebäuden zu bleiben (15. März, 11:00 Uhr).

Später wurde auch eine Region außerhalb des 20-Kilometer-Umkreises evakuiert, in der Dosiswerte gemessen wurden, die zu einer Belastung von mehr als 20 Millisievert pro Jahr geführt hätten. Die Evakuierungsmaßnahmen betrafen nach Informationen des BfS etwa 156.000 Personen. Ein Teil der Bevölkerung konnte nach Dekontaminationsmaßnahmen wieder in ihre Häuser zurückkehren. Bei Personen, die den Evakuierungsbereich verließen, wurden Messungen der äußeren Strahlenbelastung durchgeführt, um gegebenenfalls geeignete Maßnahmen, zum Beispiel die Entsorgung kontaminierter Kleidungsstücke, ergreifen zu können.

Das Inverkehrbringen und der Verkauf radioaktiv kontaminierter Lebensmittel wurde untersagt und vom Verzehr selbst erzeugter Lebensmittel aus belasteten Regionen abgeraten, da die Aufnahme von radioaktiven Stoffen mit der Nahrung auch längerfristig als relevante Quelle von Strahlenexpositionen zu betrachten und daher zu vermeiden ist.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung der japanischen Bevölkerung in der Umgebung des Reaktors?

Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat im Sommer 2012 die zusätzlichen Strahlenbelastungen (Expositionen) der japanischen Bevölkerung nach dem Unfall in Fukushima abgeschätzt. Um die tatsächlichen gesundheitlichen Auswirkungen der Strahlenexposition nach dem Reaktorunfall zu untersuchen, führt die Gesundheitsbehörde der Präfektur Fukushima seit September 2011 den Fukushima Health Management Survey durch.

Mehr zur Höhe der Strahlenbelastung der japanischen Bevölkerung in der Umgebung des Reaktors erfahren Sie im Artikel Gesundheitsfolgen.

Welche Grenzwerte gibt es, welche gesundheitlichen Folgen sind möglich?

Grenzwerte bestehen in Deutschland für Menschen, die durch ihre berufliche Tätigkeit Strahlung ausgesetzt sind, sowie für die allgemeine Bevölkerung.
  • Für beruflich strahlenexponierte Personen wie Mitarbeiter kerntechnischer Anlagen oder Flugpersonal gelten 20 Millisievert pro Jahr als gesetzlicher Grenzwert. Über ein Berufsleben hinweg dürfen hier nicht mehr als 400 Millisievert zusammenkommen.
  • Für die Bevölkerung ist die maximale Belastung durch alle kerntechnischen und sonstigen Anlagen zur Erzeugung ionisierender Strahlung und zum Umgang mit radioaktiven Stoffen auf 1 Millisievert pro Jahr festgelegt.
Für die Bevölkerung kann die Strahlenbelastung durch einen Reaktorunfall insbesondere im Nahbereich des Unglückreaktors eine Höhe erreichen, die längerfristig zu einem nachweisbar erhöhten Leukämie- und Krebsrisiko, hier insbesondere der Schilddrüse der Betroffenen führt. Diese Erkrankungen treten häufig erst Jahre bis Jahrzehnte nach der Strahlenexposition ein, und die Wahrscheinlichkeit für das Erkranken hängt von der Höhe der Strahlenbelastung ab.

In der unmittelbaren Umgebung eines Reaktors kann bei einer Kernschmelze möglicherweise auch eine sehr hohe Strahlenbelastung auftreten, die zu akuten Strahlenkrankheiten führen kann. Ist ein Mensch einer Strahlung in Höhe von über 500 Millisievert ausgesetzt, können gesundheitliche Schäden bereits innerhalb von Stunden, Tagen oder Wochen auftreten.

Grundsätzlich gilt: Es gibt keinen Wert, unter dem radioaktive Strahlung kein gesundheitliches Risiko beinhaltet. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Folgen (insbesondere von Krebserkrankungen) mit der Höhe der erfahrenen Strahlenbelastung.

Einige wichtige Dosis- und Grenzwerte:

Dosis
0,01 mSv pro Jahr Höchste jährliche Dosis einer Person im Umkreis eines Kernkraftwerks unter Normalbedingungen
0,01-0,03 mSv Dosis bei einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thorax)
Bis zu 0,1 mSv Dosis durch Höhenstrahlung bei einem Flug von München nach Japan
1 mSv pro Jahr Grenzwert (maximal zulässige Dosis) für die jährliche Strahlenexposition einer Person der Normalbevölkerung aus Tätigkeiten, u.a. aus dem Betrieb kerntechnischer Anlagen in Deutschland
2 mSv pro Jahr Durchschnittliche jährliche Dosis einer Person in Deutschland aus künstlichen Quellen, vornehmlich Medizin (Wert für 2009 = 1,8 mSv)
2 mSv in 50 Jahren Gesamte Dosis für eine Person im Voralpengebiet auf Grund des Reaktorunfalls von Tschernobyl für den Zeitraum 1986-2036
2-3 mSv pro Jahr
Durchschnittliche jährliche Strahlenexposition der Bevölkerung in Deutschland aus natürlichen Quellen
10-20 mSv Ungefähre Dosis für eine Ganzkörper-Computertomographie eines Erwachsenen
20 mSv pro Jahr
Grenzwert (maximal zulässige Dosis) der jährlichen Strahlenexposition für beruflich strahlenexponierte Personen in Deutschland
100 mSv
Schwellendosis für angeborene Fehlbildungen oder Tod des Foetus
100 mSv Bei dieser Dosis treten in einer Bevölkerungsgruppe etwa 1% zusätzliche Krebs- und Leukämiefälle auf
250 mSv Grenzwert (maximal zulässige Dosis) für eine Person beim Einsatz lebensrettender Maßnahmen oder zur Vermeidung großer Katastrophen in Deutschland
400 mSv Grenzwert (maximal zulässige Dosis) für die Berufslebensdosis bei beruflich strahlenexponierten Personen in Deutschland
500 mSv*
Bei akuter Exposition treten ab dieser Schwellendosis Hautrötungen auf
1000 mSv* Bei akuter Exposition treten ab dieser Schwellendosis akute Strahleneffekte auf (zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen)
1000 mSv Bei dieser Dosis treten in einer Bevölkerungsgruppe etwa 10% zusätzliche Krebs- und Leukämiefälle auf
3000 – 4000 mSv Ohne medizinische Eingreifen sterben bei dieser Dosis 50% der exponierten Personen nach 3-6 Wochen, wenn es sich um eine in kurzer Zeit erfahrene Strahlenbelastung handelte
> 8.000 mSv Ohne entsprechende medizinische Behandlung bestehen nur geringe Überlebenschancen, wenn es sich um eine in kurzer Zeit erfahrene Strahlenbelastung handelte

* Um die Vergleichbarkeit mit den ansonsten in Sievert (Sv) angegebenen Messwerten zu ermöglichen, ist der Wert hier ebenfalls in Sievert angegeben; wissenschaftlich präziser wäre die Angabe in Gray (Gy).

Mit welcher Strahlenbelastung ist bei Reisen nach Japan zu rechnen, auch durch dortigen Verzehr von in Japan erzeugten Nahrungsmitteln?

Durch den Reaktorunfall von Fukushima wurden Gebiete hoch kontaminiert, die sich insbesondere nordwestlich von der Anlage erstrecken. Betroffen ist vor allem die Provinz Fukushima. Dort verursacht das in der Umwelt abgelagerte Cäsium-137 immer noch eine merkliche Erhöhung der Umgebungsstrahlung. Durch intensive Dekontaminationsmaßnahmen wie das Abtragen des Oberbodens und die gründliche Reinigung von Dächern und Straßen mittels Hochdruckreinigern ließ sich die unfallbedingte künstliche Strahlenbelastung mittlerweile deutlich verringern. Trotzdem bleiben noch einige hoch kontaminierte Gebiete (die evakuierten Gebiete, kreisförmig bis in eine Entfernung von 20 Kilometern um den Unfallreaktor und im Nordwesten des Unfallreaktors bis in zirka 40 Kilometern Entfernung) gesperrt. Die japanischen Behörden streben langfristig eine Beschränkung der äußeren Strahlenbelastung durch den Unfall von Fukushima von nicht mehr als 1 Millisievert pro Jahr an. Dieser Wert entspricht in etwa der natürlichen externen Strahlung.
  • Bei einem vierwöchigen Aufenthalt in der Präfektur Fukushima (zum Beispiel in die Stadt Fukushima-City) erhalten die Reisenden derzeit durch die dort abgelagerten Radionuklide in den stärker belasteten Regionen im Osten eine Strahlenbelastung unter 0,4 Millisievert und in den niedriger belasteten Gebieten im Westen und Süden der Präfektur Fukushima unter 0,1 Millisievert in diesem Zeitraum. Fukushima-City liegt etwa 60 Kilometer nordwestlich vom Unfallreaktor und damit in einem stärker belasteten Gebiet.
  • In den benachbarten Präfekturen ist eine Strahlenbelastung von maximal 0,2 Millisievert, in den meisten Gebieten jedoch von deutlich unter 0,1 Millisievert pro Monat zu erwarten.
  • In allen anderen Landesteilen von Japan ist bei einer vierwöchigen Reise mit einer Strahlenbelastung von unter 0,1 Millisievert, meist sogar von weniger als 0,01 Millisievert zu rechnen.
Bei den Nahrungsmitteln gilt derzeit ein Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm Cäsium. Die meisten Nahrungsmittel sind jedoch nicht oder nur sehr gering kontaminiert.
Die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium-137 mit der Nahrung entspricht einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 500 Gramm Reis mit 100 Becquerel pro Kilogramm Cäsium 137 würde beispielsweise zu einer Dosis von ungefähr 0,0006 Millisievert führen. Die Strahlenbelastung durch den Verzehr kontaminierter Nahrungsmittel liegt daher während einer vierwöchigen Reise weit unter 0,1 Millisievert.

Weitere Informationen finden Sie unter 'Die radiologische Situation in Japan'.
In den Nachbarländern Japans (wie zum Beispiel Korea, China, Russland, Philippinen) wurden keine erhöhten Strahlenwerte festgestellt. Auch in den nördlich von Japan gelegenen Gebieten von Russland, in denen kurz nach dem Unfall Spuren von Radioaktivität in der Luft nachgewiesen werden konnten, war zu dieser Zeit keine Erhöhung der Dosisleistung erkennbar.

Bei der Überwachung der Radioaktivität in Nahrungsmitteln in den Nachbarländern Japans zeigte sich unter vielen Tausenden von Messungen nur in sehr vereinzelten Importproben eine Überschreitung von Höchstwerten.
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