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Fragen und Antworten zu Strahlenschutz-Aspekten in Japan
Fragen und Antworten zu Strahlenschutz-Aspekten in Japan

Welche gesundheitlichen Konsequenzen können in der Umgebung des Atomkraftwerks auftreten?

Welche Schutzmaßnahmen wurden in der Umgebung des Reaktors in Japan getroffen?

Wie hoch ist die Strahlenbelastung der japanischen Bevölkerung in der Umgebung des Reaktors?

Welche Grenzwerte gibt es, welche gesundheitlichen Folgen sind möglich?

Mit welcher Strahlenbelastung ist bei Reisen nach Japan zu rechnen, auch durch dortigen Verzehr von in Japan erzeugten Nahrungsmitteln?

Ist für Nachbarländer Japans mit erhöhten Strahlenwerten oder radioaktiven Kontaminationen von Nahrungsmitteln zu rechnen?

Die infolge des Reaktorunfalls in Fukushima in die Atmosphäre freigesetzten radioaktiven Stoffe (Radionuklide) wurden mit dem Wind lokal, regional und global verfrachtet und in der Folge auf der Erdoberfläche deponiert. Wohin welche radioaktiven Stoffe gelangten, hing wesentlich vom Zeitpunkt der Freisetzung und von den dann herrschenden Wetterbedingungen wie Wind und Niederschlägen ab. Strahlenbelastungen für den Menschen entstanden durch das Einatmen und die äußere Bestrahlung durch die in der Luft befindlichen radioaktiven Stoffe, durch die auf den Boden deponierten Radionuklide und im weiteren Verlauf durch die Aufnahme über die Nahrung.

Welche gesundheitlichen Konsequenzen können in der Umgebung des Atomkraftwerks auftreten?

Für die Strahlenbelastung der Bevölkerung in der näheren und ferneren Umgebung um die verunglückten Reaktoren in Fukushima waren zunächst zwei radioaktive Stoffe von besonderer Bedeutung.
  • Zum einen waren dies die radioaktiven Isotope des Jod (unter anderem Jod-131 und Jod-133). Diese Radionuklide bestimmten in den ersten Tagen und Wochen nach dem Unfall wesentlich die Strahlenbelastung. Sie weisen eine relativ kurze Halbwertszeit (Zeit, in der durch radioaktiven Zerfall der Stoffe die Hälfte der Radioaktivität abklingt) von bis zu 8 Tagen auf. Ihre Wirkung kann abgemildert werden, indem gefährdete Personen rechtzeitig hoch-dosiertes nicht-radioaktives Jod einnehmen (Jodtabletten), da so eine Aufnahme und Anreicherung des eingeatmeten oder eventuell mit Nahrung aufgenommenen radioaktiven Jods in der Schilddrüse verhindert wird. Jod reichert sich nur in der Schilddrüse an.
  • Die längerfristig die Strahlenbelastung wesentlich bestimmenden radioaktiven Stoffe sind die Radionuklide des Elements Cäsium (vor allem Caesium-134 und Caesium-137). Diese haben eine Halbwertszeit von bis zu 30 Jahren. Hier gibt es keine Möglichkeit, die Strahlenbelastung durch Verabreichen von Medikamenten oder andere Maßnahmen abzumildern. Cäsium verhält sich im Körper ähnlich wie Kalium. Es gelangt in die Zellen und ist dort an Prozessen zwischen dem Zellinneren und der Zellumgebung beteiligt, die grundsätzlich in allen Körperzellen stattfinden, besonders aber in Muskel- und Nervenzellen. Der Körper scheidet aufgenommenes Cäsium binnen rund 3 Monaten zur Hälfte wieder aus.
Weitere radioaktive Stoffe, die weniger flüchtig sind, erlangen nur dann Bedeutung für den gesundheitlichen Strahlenschutz, wenn es zu explosionsartigen Freisetzungen mit großer Hitzeentwicklung kommt. Hierzu zählen insbesondere die radioaktiven Nuklide des Elements Strontium sowie die von Plutonium.
  • Strontium verhält sich im Körper ähnlich wie Kalzium, das heißt, es reichert sich insbesondere in den Knochen an.
  • Plutonium lagert sich gewöhnlich an Staubpartikel an und kann somit eingeatmet werden und sich dann in der Lunge ablagern. Geringere Anteile können von dort in den Körper gelangen. Plutonium lagert sich dann vornehmlich an Knochen und in der Leber ab. Bei über Lebensmittel aufgenommenem Plutonium wird der überwiegende Teil in der Regel wieder ausgeschieden. Der verbleibende Anteil wird jedoch ähnlich wie nach dem Einatmen an Knochen und in der Leber abgelagert.
Im Gegensatz zu den flüchtigen radioaktiven Stoffen ist die Verweilzeit von Strontium und Plutonium im Körper sehr lang und beträgt Jahre bis Jahrzehnte. Die lange Verweilzeit und die Art des radioaktiven Zerfalls (Alpha-Strahlung) von Plutonium führen dazu, dass bereits kleinste aufgenommene Mengen gesundheitliche Relevanz haben. Plutonium ist unabhängig von der Radioaktivität überdies ein sehr giftiges Schwermetall.

Diese beiden Stoffe sind nach den dem BfS vorliegenden Informationen nicht oder nur in sehr geringen Mengen in die unmittelbarer Umgebung der Unglücksreaktoren frei gesetzt worden.

Welche Schutzmaßnahmen wurden in der Umgebung des Reaktors in Japan getroffen?

Als Schutzmaßnahme war eine Evakuierung im Umkreis um den Reaktor erforderlich; in welchem Radius die Evakuierung erfolgte, wurde aufgrund der vorgefundenen Situation von den Katastrophenschutzbehörden entschieden. Tatsächlich wurde zunächst der 2-Kilometer-Umkreis (11. März, 20:50 Uhr), dann der 10-Kilometer-Umkreis (12. März, 5:00 bis 17:00 Uhr) und schließlich der 20-Kilometer-Umkreis um den Reaktor (12. März, 18:25 Uhr) evakuiert. In einem Umkreis bis 30 Kilometer wurde die Bevölkerung aufgefordert, in Gebäuden zu bleiben (15. März, 11:00 Uhr).

Später wurde auch eine Region außerhalb des 20-Kilometer-Umkreises evakuiert, in der Dosiswerte gemessen wurden, die zu einer Belastung von mehr als 20 Millisievert pro Jahr geführt hätten. Die Evakuierungsmaßnahmen betrafen nach Informationen des BfS etwa 156.000 Personen. Ein Teil der Bevölkerung konnte nach Dekontaminationsmaßnahmen wieder in ihre Häuser zurückkehren. Bei Personen, die den Evakuierungsbereich verließen, wurden Messungen der äußeren Strahlenbelastung durchgeführt, um gegebenenfalls geeignete Maßnahmen, zum Beispiel die Entsorgung kontaminierter Kleidungsstücke, ergreifen zu können.

Das Inverkehrbringen und der Verkauf radioaktiv kontaminierter Lebensmittel wurde untersagt und vom Verzehr selbst erzeugter Lebensmittel aus belasteten Regionen abgeraten, da die Aufnahme von radioaktiven Stoffen mit der Nahrung auch längerfristig als relevante Quelle von Strahlenexpositionen zu betrachten und daher zu vermeiden ist.

Wie hoch ist die Strahlenbelastung der japanischen Bevölkerung in der Umgebung des Reaktors?

Tabelle 1
WHO-Schätzung: Zusätzliche Strahlenbelastung nach dem Unfall in Fukushima (effektive Dosis im ersten Jahr für alle Altersgruppen)
Dosis-Bandbreite
in Millisievert
Region
10 - 50
Zwei der ausgewählten Ortschaften der am meisten betroffenen Gegenden der Präfektur Fukushima
1 - 10 Rest der Präfektur Fukushima
0,1 - 10
Nachbarpräfekturen von Fukushima
0,1 - 1 Alle anderen Präfekturen
Tabelle 2
Zusätzliche Strahlenbelastung in den von der WHO betrachteten Regionen und Altersgruppen (geschätzte Schilddrüsendosis bei Kindern und Erwachsenen)
Dosis-Bandbreite
in Millisievert
Kinder
Erwachsene
100 - 200
Säuglinge in einer der ausgewählten Ortschaften der am meisten betroffenen Gegenden der Präfektur Fukushima
-
10 - 100
Rest der Präfektur Fukushima
die am meisten betroffenen Gegenden der Präfektur Fukushima
1 - 10 Rest von Japan Rest der Päfektur Fukushima und Rest von Japan
Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat im Sommer 2012 die zusätzlichen Strahlenbelastungen (Expositionen) der japanischen Bevölkerung nach dem Unfall in Fukushima abgeschätzt. Dazu hat die WHO die zusätzliche Strahlenbelastung durch
  • die vorbeiziehende radioaktive Wolke (externe Strahlenbelastung),
  • Inhalation während des Durchzugs der radioaktiven Wolke (interne Strahlenbelastung),
  • Oberflächenkontamination (externe Strahlenbelastung),
  • Inhalation von abgelagerten radioaktiven Partikeln (interne Dosis),
  • Verzehr kontaminierter Lebensmittel (interne Dosis)
für die Altersgruppen
  • Säuglinge,
  • Kinder und
  • Erwachsene
in den folgenden Regionen betrachtet:
  • die am meisten betroffenen Gegenden der Präfektur Fukushima,
  • der Rest der Präfektur Fukushima,
  • benachbarte Präfekturen,
  • der Rest Japans,
  • benachbarte Länder und
  • der Rest der Welt.
Die WHO hat die Strahlenbelastung in Bandbreiten abgeschätzt (siehe Tabelle 1), um so zu verdeutlichen, dass die Schätzungen keine exakten Werte darstellen. Die Strahlenbelastung wird als effektive Dosis in der Einheit Millisievert (mSv) angegeben. Sievert ist die Maßeinheit der effektiven Strahlendosis (1 Sievert (Sv) = Tausend Millisievert (mSv) = 1 Million Mikrosievert (µSv) = 1 Milliarde Nanosievert (nSv)).

Vergleichswerte zur Strahlenbelastung

Die gesamte natürliche Strahlenbelastung in Deutschland beträgt durchschnittlich 2,1 Millisievert im Jahr (sogenannte effektive Dosis). Je nach Wohnort, Ernährungs- und Lebensgewohnheiten liegt sie im Einzelnen zwischen 2 und 3 Millisievert, kann aber in Ausnahmefällen bis zu 10 Millisievert reichen.

Auf den Menschen wirkt heutzutage neben der natürlichen Strahlung auch Strahlung aus medizinischen (zum Beispiel Röntgenuntersuchungen, Computertomographien) und technischen Anwendungen ein. Im Durchschnitt beträgt die Strahlenbelastung aus künstlichen Quellen in Deutschland zirka 2,0 Millisievert (2009: 1,8 Millisievert) pro Jahr.

Vergleichswerte zur Schilddrüsendosis

Anders als bei der Hintergrundstrahlung können zur Schilddrüsendosis keine Vergleichswerte genannt werden, die sich aus natürlicher Strahlenbelastung ergeben, da für die Schilddrüsendosis das radioaktive Iod-131 von Bedeutung ist, das natürlicherweise nicht vorkommt und mit einer Halbwertzeit von etwa 8 Tagen nach knapp drei Monaten vollständig zerfallen ist. Entsprechend lassen sich Vergleichswerte für die Schilddrüsendosis nur aus anderen Ereignissen zeigen, insbesondere dem Reaktorunfall von Tschernobyl und den oberirdischen Atombombentests.

Nach Tschernobyl erreichten die Schilddrüsendosen dabei kurz nach dem Unfall in der Stadt Gomel etwa bis zu 1 Sv, in anderen Regionen (Zhytomyr, Kiew, Minsk) lagen sie zwischen 100 und 200 mSv.

In der Umgebung des sowjetischen Atomwaffentestgeländes in Kasachstan lag die durchschnittliche Schilddrüsendosis bei einer dort untersuchten Bevölkerungsgruppe bei 349 mSv mit einem Maximum von 722 mSv bei denjenigen Personen, die zum Zeitpunkt der Exposition (Strahlenbelastung) jünger als 5 Jahre waren.

Im Bikini Atoll lagen die Dosen teilweise noch darüber und erreichten bei Erwachsenen Werte über 7.000 mSv, für Kinder bis hin zu dem dreifachen Wert.

Strahlenbelastungen für Japans Nachbarstaaten und den Rest der Welt

In beiden Fällen basieren die Dosisabschätzungen der WHO unter anderem auf Messungen, die in Japan durchgeführt wurden. Die für Japans Nachbarstaaten und den Rest der Welt geschätzten Strahlenbelastungen liegen deutlich unter den für Japan geschätzten Strahlenbelastungen.

Zur Einordnung dieser Werte siehe auch "Welche Grenzwerte gibt es, welche gesundheitlichen Folgen sind möglich?"

Abschätzung möglicher gesundheitlicher Gefahren und Risiken

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) führte mit Hilfe unabhängiger internationaler Experten auch erste Abschätzungen der gesundheitlichen Risiken (veröffentlicht am 28. Februar 2013) durch. An diesen internationalen Expertengruppen waren Mitarbeiter des Bundesamts für Strahlenschutz, das für den Bereich Strahlenschutz und Gesundheit WHO-Kooperationszentrum ist, beteiligt.

Dieser Bericht zu den gesundheitlichen Risiken kommt zu folgenden Schlüssen:

  1. Für die japanische Bevölkerung sind keine deterministische Effekte (zum Beispiel Gewebereaktionen) und keine Zunahme der Säuglingssterblichkeit oder des Auftretens von Fehlgeburten, angeborener Fehlbildungen, Entwicklungsstörungen oder kognitiven Beeinträchtigungen zu erwarten, da die Strahlendosen dafür zu gering sind;
  2. außerhalb von Japan ist kein Anstieg gesundheitlicher Risiken durch die Katastrophe von Fukushima zu erwarten; 
  3. In den am stärksten betroffenen Regionen Japans in der Präfektur Fukushima sind jedoch für bestimmte Altersgruppen und Geschlechter rechnerisch aufgrund der dort aufgetretenen erhöhten Strahlenbelastung Risikoerhöhungen für bestimmte Krebsarten zu erwarten; 
  4. Lebensmittel und Umwelt müssen auch in Zukunft überwacht werden.


Die Risikoabschätzung wurde in vier Schritten durchgeführt:

  1. Identifizierung der Strahlenquellen;
  2. Identifizierung der Gesundheitsschädigungen, für die ein wissenschaftlich gesicherter Zusammenhang mit ionisierende Strahlung besteht; 
  3. erste Abschätzung der für die Lebenszeit resultierenden Organdosen für die Allgemeinbevölkerung aus verschiedenen geografischen Gebieten (zum Beispiel für die am stärksten betroffene Gebiete in der Präfektur Fukushima, für den gesamten Rest Japans und für den Rest der Welt); 
  4. Berechnung der mit der Strahlung verbundenen zu erwartenden lebenslangen Erhöhung der Krebsinzidenz im Vergleich zur spontanen Krebsinzidenz.
Die in dem Bericht präsentierten Angaben zu den Gesundheitsrisiken stellen keine genauen Vorhersagen dar, sondern vielmehr eine Aussage zur Größenordnung der zu erwartenden Gesundheitsrisiken, da sie auf vorläufigen Dosisabschätzungen beruhen, die auf den bis zum September 2011 verfügbaren Daten basieren.

Die Beziehung zwischen Krebsrisiko und Strahlenbelastung ist komplex und hängt von Faktoren wie Krebsart, Geschlecht und dem Alter ab, in dem die Person einer Strahlenbelastung ausgesetzt sind. So führt eine Strahlenbelastung im Säuglings- oder Kindheitsalter im Allgemeinen zu einer stärkeren Risikoerhöhung als im Erwachsenenalter. Es wurden geschlechtsspezifisch die Lebenszeitrisiken für die Gesamtheit aller soliden Tumoren berechnet, sowie für Leukämie, Schilddrüsenkrebs und für Frauen zusätzlich die Erhöhung des Brustkrebsrisikos. Dabei wurden drei unterschiedliche Altersgruppen betrachtet (zum Zeitpunkt des Unglücks 1, 10 oder 20 Jahre alt). Zudem wurde das Gesundheitsrisiko für Notfallarbeiter des Kernkraftwerks, die zum Zeitpunkt des Unglücks 20, 40 oder 60 Jahre alt waren, berechnet.

In den zwei am stärksten betroffenen Regionen der Präfektur Fukushima betrug die effektive Strahlendosis 25 bzw. 12 mSv.

Für die Region mit der höchsten Dosis (25 mSv) ist das zusätzliche Lebenszeitrisiko für Leukämie, Brustkrebs, Schilddrüsenkrebs und die Gesamtheit aller soliden Tumoren am stärksten erhöht:

für Jungen,
die zum Zeitpunkt des Unfalls ein Jahr alt waren, ist das lebenslange Leukämierisiko um bis zu 7 Prozent erhöht im Vergleich zur spontanen Krebsrate;

für Mädchen,
die zum Zeitpunkt des Unfalls ein Jahr alt waren, ist das lebenslange Brustkrebsrisiko um bis zu 6 Prozent im Vergleich zu spontanen Krebsrate erhöht.
Für die Gesamtgruppe der soliden Tumoren ist das Lebenszeitrisiko bei Mädchen, die zum Zeitpunkt des Unfalls 1 Jahr alt waren, um bis zu 4 Prozent erhöht im Vergleich zur spontanen Krebsrate.
Das lebenslange Schilddrüsenkrebsrisiko erhöht sich für die Mädchen, die zum Zeitpunkt des Unfalls 1 Jahr alt waren, um bis zu 70 Prozent im Vergleich zur spontanen Krebsrate.

In den Gebieten mit der zweithöchsten Dosis (12 mSv) beträgt die erwartete Erhöhung der Krebsraten etwa die Hälfte der Werte in der am stärksten betroffenen Region. In den Gebieten mit der dritthöchsten Dosis (3-5 mSv) beträgt die Erhöhung des Risikos etwa ein Viertel bis ein Drittel im Vergleich zur am stärksten betroffenen Region.

Außerhalb der am stärksten betroffenen Regionen der Präfektur Fukushima, das heißt für den Rest Japans und den Rest der Welt, wird kein beobachtbarer über die natürlichen Schwankungen der Spontanraten hinausgehender Anstieg der Krebsraten erwartet.

Die Risiken für Leukämie, Schilddrüsenkrebs und solide Tumoren, für die Notfallarbeiter des Fukushima-Daiichi Kernkraftwerks sind im Vergleich zu den Spontanraten erhöht.

Der WHO-Bericht ist zu finden auf der Internetseite der WHO.

Fukushima Health Management Survey

Um die tatsächlichen gesundheitlichen Auswirkungen der Strahlenexposition nach dem Reaktorunfall zu untersuchen, führt die Gesundheitsbehörde der Präfektur Fukushima seit September 2011 den Fukushima Health Management Survey durch. Er umfasst
  • alle Einwohner der Präfektur sowie
  • diejenigen, die zum Zeitpunkt des Unfalls in der Präfektur wohnten, aber danach verzogen sind, und
  • die Personen, die nach dem Unfall zugezogen sind.
Die Grundgesamtheit des Survey beträgt somit 2.057.053 Personen aller Altersklassen, die in einer langfristigen Kohortenstudie hinsichtlich ihrer gesundheitlichen Entwicklung untersucht werden sollen. Als erster Schritt werden eine Befragung zum Verhalten kurz nach dem Unfall sowie eine Ganzkörpermessung durchgeführt. Auf dieser Basis wird versucht, die tatsächliche Strahlenbelastung bestmöglich individuell abzuschätzen. Für einen Teil der Kohorte erfolgt dann in regelmäßigen Abständen eine detaillierte Erfassung des Gesundheitszustands. Dazu werden auch die Schilddrüsen von 370.000 Personen, die zum Zeitpunkt des Unfalls höchstens 18 Jahre alt waren, untersucht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass bedingt durch günstige Winde und durch die Evakuierungsmaßnahmen die zusätzliche Strahlenbelastung der Bevölkerung in Japan insgesamt und mit Ausnahmen in der Region Fukushima nach dem Fukushima-Unfall relativ gering war. Gesundheitliche Auswirkungen in der Region Fukushima sind nicht auszuschließen. Sie dürften aber auf der Basis der Abschätzungen der Strahlenbelastungen relativ gering und auf die am meisten betroffenen Gegenden begrenzt sein. Durch den Umfang des Fukushima Health Management Survey wird es möglich sein, auch relativ geringe Risiken nachzuweisen.

Es ist davon auszugehen, dass in der Region hergestellte Lebensmittel auch längerfristig stärker kontaminiert sein werden. Eine weitere Überwachung der Lebensmittel auf radioaktive Kontaminationen ist dort erforderlich.

Aktuelle Informationen zur Strahlung (die so genannte Gamma Ortsdosisleistung, in Mikrosievert pro Stunde) außerhalb der Evakuierungszone können auf der Internetseite des japanischen Wissenschaftsministeriums eingesehen werden.

Welche Grenzwerte gibt es, welche gesundheitlichen Folgen sind möglich?

Grenzwerte bestehen in Deutschland für Menschen, die durch ihre berufliche Tätigkeit Strahlung ausgesetzt sind, sowie für die allgemeine Bevölkerung.
  • Für beruflich strahlenexponierte Personen wie Mitarbeiter kerntechnischer Anlagen oder Flugpersonal gelten 20 Millisievert pro Jahr als gesetzlicher Grenzwert. Über ein Berufsleben hinweg dürfen hier nicht mehr als 400 Millisievert zusammenkommen.
  • Für die Bevölkerung ist die maximale Belastung durch alle kerntechnischen und sonstigen Anlagen zur Erzeugung ionisierender Strahlung und zum Umgang mit radioaktiven Stoffen auf 1 Millisievert pro Jahr festgelegt.
Für die Bevölkerung kann die Strahlenbelastung durch einen Reaktorunfall insbesondere im Nahbereich des Unglückreaktors eine Höhe erreichen, die längerfristig zu einem nachweisbar erhöhten Leukämie- und Krebsrisiko, hier insbesondere der Schilddrüse der Betroffenen führt. Diese Erkrankungen treten häufig erst Jahre bis Jahrzehnte nach der Strahlenexposition ein, und die Wahrscheinlichkeit für das Erkranken hängt von der Höhe der Strahlenbelastung ab.

In der unmittelbaren Umgebung eines Reaktors kann bei einer Kernschmelze möglicherweise auch eine sehr hohe Strahlenbelastung auftreten, die zu akuten Strahlenkrankheiten führen kann. Ist ein Mensch einer Strahlung in Höhe von über 500 Millisievert ausgesetzt, können gesundheitliche Schäden bereits innerhalb von Stunden, Tagen oder Wochen auftreten.

Grundsätzlich gilt: Es gibt keinen Wert, unter dem radioaktive Strahlung kein gesundheitliches Risiko beinhaltet. Allerdings steigt die Wahrscheinlichkeit gesundheitlicher Folgen (insbesondere von Krebserkrankungen) mit der Höhe der erfahrenen Strahlenbelastung.

Einige wichtige Dosis- und Grenzwerte:

Dosis
0,01 mSv pro Jahr Höchste jährliche Dosis einer Person im Umkreis eines Kernkraftwerks unter Normalbedingungen
0,01-0,03 mSv Dosis bei einer Röntgenaufnahme des Brustkorbs (Thorax)
Bis zu 0,1 mSv Dosis durch Höhenstrahlung bei einem Flug von München nach Japan
1 mSv pro Jahr Grenzwert (maximal zulässige Dosis) für die jährliche Strahlenexposition einer Person der Normalbevölkerung aus Tätigkeiten, u.a. aus dem Betrieb kerntechnischer Anlagen in Deutschland
2 mSv pro Jahr Durchschnittliche jährliche Dosis einer Person in Deutschland aus künstlichen Quellen, vornehmlich Medizin (Wert für 2009 = 1,8 mSv)
2 mSv in 50 Jahren Gesamte Dosis für eine Person im Voralpengebiet auf Grund des Reaktorunfalls von Tschernobyl für den Zeitraum 1986-2036
2-3 mSv pro Jahr
Durchschnittliche jährliche Strahlenexposition der Bevölkerung in Deutschland aus natürlichen Quellen
10-20 mSv Ungefähre Dosis für eine Ganzkörper-Computertomographie eines Erwachsenen
20 mSv pro Jahr
Grenzwert (maximal zulässige Dosis) der jährlichen Strahlenexposition für beruflich strahlenexponierte Personen in Deutschland
100 mSv
Schwellendosis für angeborene Fehlbildungen oder Tod des Foetus
100 mSv Bei dieser Dosis treten in einer Bevölkerungsgruppe etwa 1% zusätzliche Krebs- und Leukämiefälle auf
250 mSv Grenzwert (maximal zulässige Dosis) für eine Person beim Einsatz lebensrettender Maßnahmen oder zur Vermeidung großer Katastrophen in Deutschland
400 mSv Grenzwert (maximal zulässige Dosis) für die Berufslebensdosis bei beruflich strahlenexponierten Personen in Deutschland
500 mSv*
Bei akuter Exposition treten ab dieser Schwellendosis Hautrötungen auf
1000 mSv* Bei akuter Exposition treten ab dieser Schwellendosis akute Strahleneffekte auf (zum Beispiel Übelkeit, Erbrechen)
1000 mSv Bei dieser Dosis treten in einer Bevölkerungsgruppe etwa 10% zusätzliche Krebs- und Leukämiefälle auf
3000 – 4000 mSv Ohne medizinische Eingreifen sterben bei dieser Dosis 50% der exponierten Personen nach 3-6 Wochen, wenn es sich um eine in kurzer Zeit erfahrene Strahlenbelastung handelte
> 8.000 mSv Ohne entsprechende medizinische Behandlung bestehen nur geringe Überlebenschancen, wenn es sich um eine in kurzer Zeit erfahrene Strahlenbelastung handelte

* Um die Vergleichbarkeit mit den ansonsten in Sievert (Sv) angegebenen Messwerten zu ermöglichen, ist der Wert hier ebenfalls in Sievert angegeben; wissenschaftlich präziser wäre die Angabe in Gray (Gy).

Mit welcher Strahlenbelastung ist bei Reisen nach Japan zu rechnen, auch durch dortigen Verzehr von in Japan erzeugten Nahrungsmitteln?

Durch den Reaktorunfall von Fukushima wurden Gebiete hoch kontaminiert, die sich insbesondere nordwestlich von der Anlage erstrecken. Betroffen ist vor allem die Provinz Fukushima. Dort verursacht das in der Umwelt abgelagerte Cäsium-137 immer noch eine merkliche Erhöhung der Umgebungsstrahlung. Durch intensive Dekontaminationsmaßnahmen wie das Abtragen des Oberbodens und die gründliche Reinigung von Dächern und Straßen mittels Hochdruckreinigern ließ sich die unfallbedingte künstliche Strahlenbelastung mittlerweile deutlich verringern. Trotzdem bleiben noch einige hoch kontaminierte Gebiete (die evakuierten Gebiete, kreisförmig bis in eine Entfernung von 20 Kilometern um den Unfallreaktor und im Nordwesten des Unfallreaktors bis in zirka 40 Kilometern Entfernung) gesperrt. Die japanischen Behörden streben langfristig eine Beschränkung der äußeren Strahlenbelastung durch den Unfall von Fukushima von nicht mehr als 1 Millisievert pro Jahr an. Dieser Wert entspricht in etwa der natürlichen externen Strahlung.
  • Bei einem vierwöchigen Aufenthalt in der Präfektur Fukushima (zum Beispiel in die Stadt Fukushima-City) erhalten die Reisenden derzeit durch die dort abgelagerten Radionuklide in den stärker belasteten Regionen im Osten eine Strahlenbelastung unter 0,4 Millisievert und in den niedriger belasteten Gebieten im Westen und Süden der Präfektur Fukushima unter 0,1 Millisievert in diesem Zeitraum. Fukushima-City liegt etwa 60 Kilometer nordwestlich vom Unfallreaktor und damit in einem stärker belasteten Gebiet.
  • In den benachbarten Präfekturen ist eine Strahlenbelastung von maximal 0,2 Millisievert, in den meisten Gebieten jedoch von deutlich unter 0,1 Millisievert pro Monat zu erwarten.
  • In allen anderen Landesteilen von Japan ist bei einer vierwöchigen Reise mit einer Strahlenbelastung von unter 0,1 Millisievert, meist sogar von weniger als 0,01 Millisievert zu rechnen.
Bei den Nahrungsmitteln gilt derzeit ein Grenzwert von 100 Becquerel pro Kilogramm Cäsium. Die meisten Nahrungsmittel sind jedoch nicht oder nur sehr gering kontaminiert.
Die Aufnahme von 80.000 Becquerel Cäsium-137 mit der Nahrung entspricht einer Strahlenbelastung von etwa einem Millisievert. Der Verzehr von 500 Gramm Reis mit 100 Becquerel pro Kilogramm Cäsium 137 würde beispielsweise zu einer Dosis von ungefähr 0,0006 Millisievert führen. Die Strahlenbelastung durch den Verzehr kontaminierter Nahrungsmittel liegt daher während einer vierwöchigen Reise weit unter 0,1 Millisievert.

Weitere Informationen finden Sie unter 'Die radiologische Situation in Japan'.
In den Nachbarländern Japans (wie zum Beispiel Korea, China, Russland, Philippinen) wurden keine erhöhten Strahlenwerte festgestellt. Auch in den nördlich von Japan gelegenen Gebieten von Russland, in denen kurz nach dem Unfall Spuren von Radioaktivität in der Luft nachgewiesen werden konnten, war zu dieser Zeit keine Erhöhung der Dosisleistung erkennbar.

Bei der Überwachung der Radioaktivität in Nahrungsmitteln in den Nachbarländern Japans zeigte sich unter vielen Tausenden von Messungen nur in sehr vereinzelten Importproben eine Überschreitung von Höchstwerten.
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