Unfall in Fukushima
BfS-Bericht Unfallablauf und -ursachen
Notfallschutz für Kernkraftwerke
Radiologische Situation in Japan
Fallout im Vergleich
Fragen und Antworten zu Strahlenschutz-Aspekten in Japan
Fragen und Antworten zu Strahlenschutz-Aspekten in Deutschland und Europa
Fragen und Antworten zu kerntechnischen Aspekten des Unfalls in Fukushima
Fragen und Antworten zur kerntechnischen Sicherheit in Deutschland
Stellungnahme zur Jodblockade
dpa-Interview mit BfS-Präsident König zu Fukushima

Kerntechnik > Nukleare Unfälle > Fukushima > Stellungnahme zur Jodblockade

Stellungnahme zur Jodblockade
Radiojod kann über das Einatmen sowie über den Verzehr von Lebensmitteln und Trinkwasser in den Körper gelangen. Die rechtzeitige Einnahme von Jodtabletten schützt die Schilddrüse gegen die Aufnahme von Radioiod. Ziel der Jodblockade ist die Verminderung des Risikos für Schilddrüsenkarzinome nach Strahlenbelastung mit radioaktivem Jod. Kinder und Jugendliche sind hier insbesondere gefährdet.

Zur Jodblockade der Schilddrüse ist eine hohe Dosis von Kaliumjodid notwendig. Hohe Gaben von Kaliumjodid sind allerdings auch mit gesundheitlichen Risiken verbunden. Insbesondere bei Erwachsenen leidet ein zu beachtender Anteil der Bevölkerung in Deutschland an einer latenten Hyperthyreose, d.h. einer Überfunktion der Schilddrüse, ohne dass bereits Krankheitszeichen bestehen. Diese latente Hyperthyreose kann durch Einnahme hoher Dosen von Kaliumiodid in eine Hyperthyreose mit Krankheitszeichen übergehen, die bis zu akutem Herz-Kreislauf-Versagen reichen können. Weitere Nebenwirkungen wie Überempfindlichkeit gegen Iod sind bekannt.

Es sind daher Nutzen und Risiken einer Kaliumjodidgabe zur Jodblockade der Schilddrüse abzuwägen.
  • Eine Iodblockade der Schilddrüse wird nur dann empfohlen, wenn für Kinder und Jugendliche bis unter 18 Jahre eine Schilddrüsendosis von 50 mSv erwartet wird. Dieser Wert gilt auch für schwangere Frauen.
  • Für Erwachsene ab 19 bis 45 Jahre gilt ein Wert für die zu erwartende Schilddrüsendosis von 250 mSv.
  • Personen über 45 Jahren wird von einer Einnahme von Kaliumjodidtabletten zur Schilddrüsenblockade abgeraten. Für sie überwiegen die Risiken von Nebenwirkungen den Nutzen der Vermeidung eines erhöhten Risikos für Schilddrüsenkrebs.

Aufgrund der Nebenwirkungen wird von einer Eigenmedikation dringend abgeraten.


Druckversion