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Kerntechnik > Stilllegung > Internationaler Informationsaustausch

Internationaler Informationsaustausch zur Stilllegung

Zu den Ländern mit zahlreichen Stilllegungsprojekten zählen neben Deutschland auch die USA, Großbritannien und Frankreich. Darüber hinaus gibt es eine Reihe von Ländern, die zwar Kernenergieprogramme haben, in denen aber weniger oder noch keine Stilllegungserfahrungen vorliegen.

Deshalb haben verschiedene internationale Organisationen wie

  • die Internationale Atomenergie-Behörde ("International Atomic Energy Agency", IAEA) mit Sitz in Wien,
  • die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ("Organisation for Economic Co-operation and Development", OECD),

oder aber auch für den europäischen Raum

  • die Europäische Kommission (EC) und
  • die "Western European Nuclear Regulators' Association" (WENRA)

stilllegungsspezifische Programme zum Informationsaustausch aufgesetzt. Bei einigen dieser Programme sind Mitarbeiter des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) vertreten. Im Folgenden wird ein Überblick über die stilllegungsspezifischen Aktivitäten dieser Institutionen gegeben.

Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA)

Logo der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) Die meisten stilllegungsrelevanten Aktivitäten der IAEA finden in der Abteilung für Abfall und Umwelt ("Waste and Environmental Safety Section") des Bereichs für nukleare Sicherheit ("Department of Nuclear Safety and Security") statt. Hierzu zählen
Mitarbeiter des BfS sind am DRiMa-Projekt, bei der Revision von Sicherheitsstandards sowie im Rahmen der Joint Convention beteiligt.

Daneben befasst sich auch die Abteilung für Abfalltechnologien ("Waste Technology Section") des Bereichs für Kernenergie ("Department of Nuclear Energy") sowie in geringerem Umfang der Bereich für technische Zusammenarbeit ("Department of Technical Co-Operation") mit technischen Aspekten der Stilllegung.

Hervorzuheben ist das „Gemeinsame Übereinkommen über die Sicherheit der Behandlung abgebrannter Brennelemente und über die Sicherheit der Behandlung radioaktiver Abfälle“ ("Joint Convention on the Safety of Spent Fuel Management and on the Safety of Radioactive Waste Management"), welches sich auch auf die Stilllegung erstreckt. Jedes teilnehmende Land ist verpflichtet, alle drei Jahre einen nationalen Bericht zu erstellen, der dokumentiert, welche Maßnahmen getroffen werden, um die Verpflichtungen aus dem Übereinkommen umzusetzen. Entsprechend seinen Aufgaben ist das BfS bei der Erstellung von Teilen des Berichtes beteiligt. Während der ebenfalls alle drei Jahre stattfindenden Überprüfungstagung werden dieser Bericht beziehungsweise die getroffenen Maßnahmen im Rahmen einer Präsentation von dem jeweiligen teilnehmenden Land dargestellt und anschließend diskutiert. Die fünfte Überprüfungstagung findet im Mai 2015 statt.

Zu erwähnen ist noch das "International Decommissioning Network" (IDN), ein internationales Informationsnetzwerk, welches als Forum für Betreiber und Behördenvertreter zum Austausch von praktischen Erfahrungen im Bereich der Stilllegung gegründet wurde.

Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD)

Logo der Nuclear Energy Agency (NEA) Die Nuclear Energy Agency (NEA) ist die Nuklearenergiebehörde der OECD mit Sitz in Paris. Die meisten Arbeiten zur Stilllegung sind in einer Untergruppe, dem Kommittee für radioaktives Abfallmanagement ("Radioactive Waste Management Committee" (RWMC), angesiedelt.

Der Arbeitsgruppe für Stilllegung und Abbau (Working Party on Decommissioning and Dismantling (WPDD)), einer Untergruppe des RWMC, kommt hierbei eine zentrale Rolle bei den Stilllegungsaktivitäten zu. In der WPDD treffen sich Stilllegungsexperten aus unterschiedlichen Bereichen (Regulatoren, Betreiber, Dienstleister et cetera) aus OECD-Ländern unter Beteiligung von Vertretern anderer internationaler Organisationen wie zum Beispiel der IAEA. Die Schwerpunkte der Arbeiten sind
  • die Analyse von Stilllegungsverfahren,
  • Strategien und Regulierung,
  • Reststoff- und Abfallmanagement einschließlich der Freigabe von Gebäuden und Stoffen sowie
  • Finanzierungsfragen.
Weitere hier nicht aufgeführte Arbeitsgruppen der WPDD befassen sich jeweils für einen bestimmten Zeitraum mit ausgewählten stilllegungsrelevanten Themen. Mitarbeiter des BfS sind bei den jährlich stattfindenden Hauptsitzungen der WPDD vertreten.

Als gemeinsames Projekt der OECD-NEA mit Bezug zur Stilllegung ist das Programm zur internationalen Zusammenarbeit bei der Stilllegung ("International Co-operative Programme on Decommissioning" (CPD)) zu nennen, welches den Informationsaustausch über den Stilllegungsbetrieb bei existierenden Stilllegungsprojekten zum Nutzen von zukünftigen Stilllegungsprojekten zum Ziel hat.

Europäische Kommission (EC)

Europaflagge Gegenwärtig richtet sich die politische Linie der Europäischen Union (EU) hinsichtlich der Stilllegung hauptsächlich auf das Management von Finanzmitteln für die Stilllegung. Zentrale Fachbeiträge zur Richtlinienarbeit werden durch eine Gruppe der europäischen Regulatoren ("European Nuclear Safety Regulators Group" (ENSREG)) geleistet, an der Leiter der atomrechtlichen Behörden aus allen Mitgliedsländern teilnehmen. Eine von drei ENSREG-Arbeitsgruppen befasst sich auch mit der Stilllegung und beobachtet, wie sich in den Mitgliedsländern die Finanzierung der Stilllegung und des Abfallmanagements entwickelt. Die ENSREG erstattet dem Ministerrat und dem Europäischen Parlament Bericht.

Weiterhin hat die Kommission ein Unterstützungsprogramm ("Nuclear Decommissioning Assistance Programme") ins Leben gerufen, welches finanzielle Unterstützung für Stilllegungsprojekte in Litauen, der Slowakischen Republik sowie Bulgarien gemäß deren Beitrittsverträgen bereitstellt. Weiterführende aktuelle Informationen finden sich auf der Internet-Seite des EU-Kommissariats für Energie.

Western European Nuclear Regulators' Association (WENRA)

Logo der Western European Nuclear Regulators' Association (WENRA)

Die "Western European Nuclear Regulators' Association" (WENRA) ist ein Zusammenschluss der Chefs der nuklearen Aufsichtsbehörden Westeuropas mit dem Ziel, die Anforderungen an die Sicherheit kerntechnischer Anlagen zu harmonisieren. Hierzu werden internationale Regeln für die Sicherheit von kerntechnischen Anlagen – so genannte "Referenzniveaus" – aufgestellt, die vom nationalen Gesetzgeber sinngemäß übernommen und vollzogen werden können. Die WENRA erarbeitet Referenzniveaus für die Bereiche Reaktorsicherheit, Stilllegung und Entsorgung radioaktiver Abfälle.

Gesamtzyklus des WENRA-/WGWD-Prozesses zur Sicherheit in der Stilllegung

Gesamtzyklus des WENRA-/WGWD-Prozesses zur Sicherheit in der Stilllegung (für eine größere Ansicht auf die Grafik klicken)

Die Arbeitsgruppe für Abfall und Stilllegung ("Working Group on Waste and Decommissioning" (WGWD)) hat die Referenzniveaus für die Sicherheit bei der Stilllegung von kerntechnischen Anlagen entwickelt und beschlossen. Hierauf aufbauend sollen nationale Aktionspläne erstellt werden, in denen diejenigen Referenzniveaus, die aktuell noch nicht in den jeweiligen Regelwerken umgesetzt sind, auf freiwilliger Basis in die nationalen Regelwerke eingearbeitet werden.

Der Gesamtzyklus des WENRA-/WGWD-Prozesses zur Sicherheit in der Stilllegung ist in der Abbildung skizziert.



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