Software-basierte Sicherheitsleittechnik
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Software-basierte Sicherheitsleittechnik für Kernkraftwerke

Kernkraftwerk Isar 1: Blick in die Warte
Quelle: E.ON Kernkraft GmbH, Kernkraftwerk Isar (Für eine größere Darstellung Bild anklicken)

Die Sicherheitsleittechnik überwacht und begrenzt automatisch die Werte der Sicherheitsparameter (Drücke, Temperaturen, Füllstände, Neutronenflussdichte etc.). Sie löst weiterhin bei Grenzwertüberschreitung Sicherheitsmaßnahmen, wie Leistungsabsenkung, Turbinenschnellschluss oder Reaktorschnellabschaltung aus. Beim Bau der Kernkraftwerke wurden fest verdrahtete leittechnische Einrichtungen mit analoger Relais- und Transistortechnik eingesetzt. Diese Bauteile sind heute nur noch sehr aufwendig instandzusetzen oder herzustellen. Die Umrüstung der Leittechnik auf eine Technik, mit der Messwerte und Betriebsdaten software-basiert verarbeitet werden, hat deshalb auch in den in Deutschland betriebenen Kernkraftwerken begonnen - zunächst beschränkt auf Bereiche mit geringer Sicherheitsbedeutung.

Das BfS unterstützt das BMU, die Genehmigungsanforderungen an software-basierte Sicherheitsleittechnik für den Einsatz in Kernkraftwerken festzuschreiben, die Nachweismethoden weiter zu entwickeln sowie ggf. anstehende bundesaufsichtliche Stellungnahmen zum Einsatz dieser Technik für Funktionen mit hoher Sicherheitsbedeutung (Reaktorschutz) vorzubereiten. Dazu initiiert und begleitet das BfS einschlägige Forschungsvorhaben und beteiligt sich an den Beratungen entsprechender in- und ausländischer Fachgremien mit z.T. eigenen Fachbeiträgen.

Leitlinien, Regeln und Standards

Die Anforderungen an software-basierte Sicherheitsleittechnik werden derzeit weltweit in einzelnen Ländern sowie auch in internationalen Gremien als Leitlinien (Reaktorsicherheitskommission, RSK; International Atomic Energy Agency, IAEA; European Commission, EC)  sowie als Regeln und Standards (Kerntechnischer Ausschuss, KTA;  International Electrotechnical Commission, IEC) festgeschrieben. In Deutschland wird bei  Beteiligung des BfS auf Basis der Ergebnisse dieser Regelwerksentwicklung eine geschlossene Verfahrensweise für den Sicherheitsnachweis für software-basierte Sicherheitsleittechnik entwickelt.

Arbeitsergebnisse internationaler Gremien

Fachbericht "Licensing of safety critical software for nuclear reactors"
(Ein Klick auf das Bild führt zum Bericht)

Ein aktuelles Beispiel dazu ist der Bericht "Licensing of safety critical software for nuclear reactors. Common positions of seven European nuclear regulators and authorised technical support organisations. Revision 2010". Dieses Dokument enthält die Arbeitsergebnisse einer Gruppe von Experten aus den atomrechtlichen Behörden und Sachverständigenorganisationen AVN (Belgien), BfS (Deutschland), CSN (Spanien), ISTec (Deutschland),  NII (Großbritannien), SSM (Schweden) und STUK (Finnland). Die Arbeiten zu den früheren Berichtsversionen von 2000 und 2007 wurden von der Europäischen Kommission (EC) und der Western European Nuclear Regulators' Association (WENRA) unterstützt.

Der Bericht enthält gemeinsame technische Positionen zu einem Satz wesentlicher Genehmigungsaspekte, die bei der Entwicklung und dem Einsatz von Software für sicherheitskritische Leittechnikfunktionen in Kernkraftwerken aufgetreten sind. Die gemeinsamen Positionen und empfohlenen Praktiken des im Mai 2000 publizierten Konsensusberichts der Europäischen Kommission "Common position of nuclear regulators for the licensing of safety critical software for nuclear reactors (EUR 19265)" sind in überarbeiteter Fassung Bestandteil der neuen Berichtsversion. Diese ist jetzt erweitert um die Position zur Qualifizierung von software-basierten Leittechnikkomponenten wie Transmitter und Stellantriebe, die im Kraftwerk außerhalb der zentralen Leittechnik installiert sind.

Licensing of safety critical software for nuclear reactors. Common positions of seven European nuclear regulators and authorised technical support organisations
Revision 2010 (PDF, 763 kB, nur in englisch, nicht barrierefrei)

Der Fachbericht ist zu finden in DORIS, dem "Digitalen Online Repositorium und Informations-System" des Bundesamtes für Strahlenschutz. Bitte beziehen Sie sich beim Zitieren dieses Dokuments auf folgende URN: urn:nbn:de:0221-201101244617.

Forschungsvorhaben zur Thematik software-basierte Sicherheitsleittechnik:

Zuverlässigkeitsbewertung von rechnergestützter Sicherheitsleittechnik und Aspekte des Sicherheitsnachweises für den Einsatz dieser Technik in kerntechnischen Anlagen

Aus der vorliegenden Betriebserfahrung (einschließlich Instandhaltung) und Erfahrungen bei Um- und Nachrüstung der Leittechnik in deutschen Kernkraftwerken sowie unter Berücksichtigung des einschlägigen internationalen Erfahrungsaustausches werden die Anforderungen an den Sicherheitsnachweis für den Einsatz rechnergestützter Leittechnik für Funktionen mit Sicherheitsbedeutung zusammengestellt und bewertet. Die nachfolgend aufgelisteten Berichte behandeln dazu jeweils Einzelaspekte der Zuverlässigkeitsbewertung.

Zusammenstellung sicherheitstechnischer Anforderungen an Interfaces der Mess- und Stelltechnik in softwarebasierten Leittechnik-Systemen mit sicherheitstechnischer Bedeutung in Kernkraftwerken

Die Leittechnik analoger Bauart in Kernkraftwerken wird zunehmen durch Einrichtungen zur digitalen Übertragung und Verarbeitung von Mess- und Stellsignalen ersetzt. Aus sicherheitstechnischen Gründen erfordert dies den Einsatz geeigneter Interfaces zwischen den örtlichen und den zentralen Anlagenteilen sowie einen konsistenten Satz sicherheitstechnischer Anforderungen an die Datenübertragung und die Hard- und Software der Interfaces. Anhand zweier Typvertreter werden die sicherheitstechnischen Eigenschaften von Busverbindungen aufgezeigt und bewertet.

Sicherheitsnachweis für rechnergestützte Sicherheitsleittechnik mit vorgefertigter Software zum Einsatz in KKW

Der Sicherheitsnachweis für software-basierte Leittechnik wird strukturiert und der Bezug zu den Anforderungen des detaillierten Fachregelwerks systematisch dargestellt. In der Systematik sind insbesondere die einschlägigen DIN IEC Normen zur software-basierten Leittechnik berücksichtigt - das sind internationale IEC Standards, die in das deutsche Normenwerk übernommen worden sind. In der Systematik wird außerdem die Komplexität einzelner Nachweisziele dargestellt, so dass sie dazu beitragen kann, beim Sicherheitsnachweis Interpretationsspielräume zu identifizieren und ergebnisorientiert zu bewerten.

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