Nuklearspezifische Gefahrenabwehr

Abbildung 1: Dekontamination während der RASPAD-Übung

Abbildung 1: Dekontamination während der RASPAD-Übung
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Abbildung 2: Aerogamma-Messsystem des BfS in einem Hubschrauber der Bundespolizei

Abbildung 2: Aerogamma-Messsystem des BfS in einem Hubschrauber der Bundespolizei

Die Nuklearspezifische Gefahrenabwehr (NGA) hilft bei der Bewältigung von Situationen, in denen radioaktive Stoffe unbefugt gehandelt oder missbräuchlich verwendet wurden. Auch wenn durch den Verlust oder Fund radioaktiver Stoffe möglicherweise Rechtsgüter in Gefahr geraten, müssen Polizei- und Strahlenschutzbehörden zusammenarbeiten.

BfS unterstützt die zuständigen Behörden

Wenn die zuständigen Behörden die Situation nicht mehr alleine bewältigen können, kann das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) helfen. Die "Arbeitsgruppe Nuklearspezifische Gefahrenabwehr" (AG-NGA) bereitet das Bundesamt für Strahlenschutz auf derartige Fälle vor.

Das BfS kann durch
  • Personal,
  • physikalisches, chemisches und medizinisches Fachwissen sowie
  • Messtechnik
unterstützen, wenn die Gefahren rein radiologischer Natur sind.

Die "Zentrale Unterstützungsgruppe des Bundes für gravierende Fälle nuklearspezifischer Gefahrenabwehr" (ZUB)

Bund und Länder können von der dafür eingerichteten "Zentralen Unterstützungsgruppe des Bundes für gravierende Fälle nuklearspezifischer Gefahrenabwehr" (ZUB) Hilfe erhalten. In dieser Gruppe arbeiten Spezialkräfte
zusammen, um unter anderem der Polizei das Arbeiten unter Strahlenschutzbedingungen zu ermöglichen.

Ein Beispiel: Im Dezember 2006 unterstützten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BfS im Rahmen der ZUB die zuständige Behörde in Hamburg während eines Einsatzes, in dem Spuren von Polonium-210 festgestellt wurden (siehe Jahresbericht des BfS 2007).

Aufgaben des Bundesamtes für Strahlenschutz in der ZUB

Das BfS
  • hilft bei der Bewertung der radiologischen Lage unter Missbrauchsgesichtspunkten,
  • berät Entscheidungsträger in allen Fragen des Strahlenschutzes und der Gefährdung durch radioaktive Stoffe,
  • stimmt sich mit ausländischen Behörden und internationalen Organisationen auf dem Feld der NGA ab (siehe Jahresbericht des BfS 2008),
  • hilft, radioaktive Stoffe zu erkennen, Nuklide zu identifizieren und deren Aktivität abzuschätzen,
  • hilft, den Strahlenschutz für die Einsatzkräfte zu gewährleisten,
  • bewertet die radioaktiven Stoffe, die bei dem Ereignis eine Rolle spielen,
  • beurteilt die Kritikalität und mögliche Risiken,
  • stellt Vorhersagen zur Ausbreitung und Strahlenexposition bereit,
  • hilft bei der Abschätzung radiologischer Auswirkungen einer Detonation,
  • berät beim Abtransport des radioaktiven Materials und bei der Durchführung von Dekontaminationsmaßnahmen,
  • organisiert Informationsveranstaltungen und
  • führt gemeinsam mit den Sicherheitsbehörden praktische Übungen durch.
Auf derartige Einsätze kann sich das BfS nur durch intensive interne Übungen und Schulungen sowie Übungen mit den Partnern der ZUB vorbereiten.

Spezialkräfte üben regelmäßig gemeinsam

Spezialkräfte der ZUB führen einmal pro Jahr gemeinsam mit einem Bundesland eine "Vollübung" durch, bei der ein fiktives NGA-Szenario durchlaufen wird.

Im Jahr 2011 wurde mit dem Land Hessen geübt ("RASPAD"-Übung). Diese Übung umfasste das ganze Spektrum der nuklearspezifischen Gefahrenabwehr. Sie hat gezeigt, dass Einsätze der nuklearspezifischen Gefahrenabwehr immer mit dem Thema "Notfallschutz" zusammenhängen: Sowohl die nuklearspezifische Gefahrenabwehr als auch der Notfallschutz nutzen ähnliche messtechnische Systeme sowie vergleichbare Strategien und Konzepte.

Aerogamma-Messsysteme zum Beispiel liefern Informationen über das Vorkommen und die Verteilung von Gammastrahlung. Diese Systeme können für den Notfallschutz (zum Beispiel bei Bodenkontamination) und im NGA-Fall (zum Beispiel für die Suche nach umschlossenen, hochradioaktiven Quellen) eingesetzt werden.

Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima berieten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der AG-NGA die deutsche Botschaft in Tokio. Auch dieser Einsatz hat gezeigt, dass die NGA und der nukleare Notfallschutz aufgrund ihrer kurzfristigen Einsatzfähigkeit und operativen Erfahrung einen wichtigen Beitrag zur Bewältigung solcher Gefährdungslagen leisten.