Überwachung des fliegenden Personals
 Strahlenbelastung beim Fliegen

Abbildung 1: Strahlenbelastung in unterschiedlichen Höhen (für eine größere Ansicht auf die Grafik klicken)

Mittlere Jahresdosis in verschiedenen Tätigkeitsbereichen

Abbildung 2: Mittlere Jahresdosis beruflich strahlenexponierter Personen in verschiedenen Tätigkeitsbereichen
(für eine größere Ansicht auf die Grafik klicken)

Verteilung der Jahresdosis beruflich strahlenexponierter Personen in verschiedenen Bereichen

Abbildung 3: Verteilung der Jahresdosis beruflich strahlenexponierter Personen in verschiedenen Bereichen
(für eine größere Ansicht auf die Grafik klicken)

In großen Höhen wirkt deutlich mehr Höhenstrahlung auf den Menschen ein als am Boden. Piloten und flugbegleitendes Personal können, vor allem wenn sie häufig Langstrecken auf den nördlichen Polrouten fliegen, Strahlendosen erhalten, die durchaus vergleichbar sind mit Dosiswerten von Berufsgruppen, die ionisierende Strahlung einsetzen oder die mit radioaktiven Quellen umgehen.

Strahlenschutzüberwachung des fliegenden Personals

Die EU-Richtlinie 96/29 EURATOM verlangt eine Strahlenschutzüberwachung des fliegenden Personals. In Deutschland wurde diese Forderung mit der Novelle der Strahlenschutzverordnung in nationales Recht umgesetzt: Überwachungspflichtig ist Luftfahrtpersonal dann, wenn es in einem Beschäftigungsverhältnis gemäß deutschem Arbeitsrecht steht und während der Flüge durch Höhenstrahlung eine effektive Dosis von mehr als 1 Millisievert im Kalenderjahr erhalten kann.

Für diese Beschäftigten ist die Strahlenexposition zu ermitteln, zu begrenzen und unter Berücksichtigung des Einzelfalls zu reduzieren. Die Betreiber von Flugzeugen sind verpflichtet, seit August 2003 die Dosiswerte zu ermitteln und durch eine entsprechende Planung des Personaleinsatzes und der Flugrouten die Strahlendosis ihrer Beschäftigten zu reduzieren.

Strahlenschutzregister des BfS erfasst Strahlenbelastung des Cockpit- und Kabinenpersonals deutscher Luftfahrtgesellschaften

Das Strahlenschutzregister (SSR) des BfS erfasst für alle beruflich strahlenexponierten Personen die jährlich gemessenen oder berechneten Dosiswerte. Es überwacht unter anderem die Einhaltung der Grenzwerte der zulässigen Jahresdosen und die Berufslebensdosis. Seit Mitte 2003 wird im Strahlenschutzregister auch das fliegende Personal erfasst.

Da die physikalischen Bedingungen auf Flügen sehr genau bekannt sind, wird die Strahlenbelastung pro Flug anhand von Flugdaten berechnet. Dazu dürfen die Fluggesellschaften die vom Luftfahrtbundesamt zugelassenen Computerprogramme einsetzen. Die Programme ermitteln auf der Basis von physikalischen Messungen (zum Beispiel der Neutronenflussdichte in Flughöhen) und anhand der Flugdaten (zum Beispiel Start- und Zielflughafen, Flugdauer und -höhe) die effektive Dosis, die aus diesem Flug resultiert.

Die Fluggesellschaften melden die errechneten Werte an das Luftfahrtbundesamt, das die Aufsicht über das fliegende Personal führt und unter anderem die Einhaltung von Dosisgrenzwerten überwacht. Dies gewährleistet auch für das fliegende Personal eine rechtlich abgesicherte Strahlenschutzüberwachung. Das Luftfahrtbundesamt übermittelt jeweils die Monatsdosen der Beschäftigten an das Strahlenschutzregister des BfS.

Berufsgruppe mit höchster Strahlenbelastung in Deutschland

Das fliegende Personal stellt mit rund 36.000 Beschäftigten etwa zehn Prozent aller beruflich strahlenschutzüberwachten Personen, die im Strahlenschutzregister des BfS geführt werden. Diese tragen mit einer Kollektivdosis von cirka 78 Personen-Sievert zu mehr als der Hälfte der Kollektivdosis aller beruflich strahlenexponierten Personen in Deutschland bei.

Cockpit- und Kabinenpersonal zählen zu den Berufsgruppen mit der höchsten durchschnittlichen Strahlenexposition. Abbildung 2 zeigt, dass das fliegende Personal im Vergleich mit anderen strahlenexponierten Berufsgruppen mit einer durchschnittlichen effektiven Jahresdosis von 2,35 Millisievert nach den Kategorien "Industrielle Radiographie" und "Kerntechnik, Instandhaltung und Reinigung" zu einer der am stärksten strahlenexponierten Berufsgruppen zählt. Die durchschnittliche Strahlenbelastung des medizinischen Personals liegt im Vergleich dazu mit 0,5 Millisievert effektiver Dosis pro Jahr deutlich niedriger.

Charakteristisch ist der Unterschied bei den Dosisverteilungen, wie Abbildung 3 zeigt: Beim fliegenden Personal (blaue Balken) ist die Anzahl der betroffenen Personen bei einer Jahresdosis von 1,5 bis 2,0 Millisievert am höchsten, während in anderen beruflichen Bereichen die Anzahl der betroffenen Personen bei einer Dosis von 0,0 bis 0,5 Millisievert maximal ist und mit zunehmender Dosis exponentiell abfällt. Jedoch treten beim fliegenden Personal sehr selten Jahresdosen über 5 Millisievert auf.

Analyse: Berufliche Strahlenbelastung des fliegenden Personals in Deutschland 2004-2009

Der Bericht des Strahlenschutzregisters "Die berufliche Strahlenexposition des fliegenden Personals in Deutschland 2004-2009" analysiert die Strahlenbelastung des Cockpit- und Kabinenpersonals deutscher Luftfahrtgesellschaften. Kernergebnis der Analyse: Die Strahlenbelastung des fliegenden Personals ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – sowohl insgesamt, als auch pro Person. Mit durchschnittlich 2,35 Millisievert effektiver Dosis pro Person lag die mittlere Strahlenexposition (Strahlenbelastung) im Jahr 2009 um 20 Prozent höher als noch 2004. Die Bandbreite reichte von weniger als 0,2 Millisievert bis zu Spitzenwerten von sieben Millisievert pro Jahr.

Hauptursache für den Anstieg der Strahlenbelastung ist die kosmisch bedingte Höhenstrahlung, die aufgrund des aktuellen Sonnenzyklus in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Höhenstrahlung entsteht, wenn kosmische Strahlung aus dem Weltraum in die Atmosphäre eintritt. Wie viel kosmische Strahlung in die Atmosphäre gelangen kann, hängt eng mit der Sonnenaktivität zusammen, die in einem rund elfjährigen Zyklus zu- und abnimmt: Ist die Sonnenaktivität hoch, lenkt der Sonnenwind einen großen Teil der kosmischen Strahlung ab. Ist sie niedrig, sind auch der Sonnenwind und die Ablenkung schwächer, die Höhenstrahlung steigt an. Im Untersuchungszeitraum 2004 bis 2009 hat die Sonnenaktivität kontinuierlich abgenommen, so dass die Strahlendosis bei den Flügen zunahm. Die Strahlenbelastung aus der Höhenstrahlung hängt von Flugroute, -höhe und dem Datum des Fluges ab.

Unterschiede hinsichtlich Geschlecht und Alter

Deutliche Unterschiede in der Strahlenbelastung zeigt die Auswertung für 2009 hinsichtlich der Geschlechter der Beschäftigten: Männliche Flugbegleiter hatten mit durchschnittlich 2,9 Millisievert effektive Dosis pro Jahr die höchste Strahlenbelastung. Die höhere Strahlenbelastung dieser Gruppe könnte darauf hinweisen, dass männliche Flugbegleiter familiär ungebundener sind als ihre Kolleginnen und deshalb mehr zeitaufwändige Langstreckenflügen absolvieren können, die meist auch mit mehr Strahlenbelastung verbunden sind.

Beim Alter waren unterschiedliche Gruppierungen zu beobachten: Jüngere Flugbegleiterinnen, die vermutlich familiär ungebundener sind als ältere Kolleginnen und häufiger auf den dosisintensiveren Langstrecken über die Polrouten eingesetzt werden, hatten oft höhere Dosiswerte als ihre Kolleginnen mittleren Alters. Bei den Pilotinnen und Piloten wurden in der jüngeren Altersgruppe dagegen niedrigere Werte verzeichnet als bei ihren älteren Kolleginnen und Kollegen. Auch hier können unterschiedliche Einsatzprofile die Differenzen erklären: Ein Großteil der jungen Pilotinnen und Piloten fliegt vorwiegend auf Kurz- und Mittelstrecken, die auch den überwiegenden Teil aller Flüge ausmachen. Nur ein vergleichsweise kleiner Teil wird, und das meist auch später, hauptsächlich im Interkontinentalverkehr eingesetzt.

Strahlenbelastung minimieren, um möglichen Gesundheitsgefahren vorzubeugen

Die Höhenstrahlung lässt sich in Flugzeugen nicht wirkungsvoll abschirmen. Wichtig ist daher, dass Strahlenschutzmaßnahmen bei den logistischen Anforderungen des Flugbetriebs angemessen berücksichtigt werden.

Strahlenschutzüberwachte Personen des fliegenden Personals im europäischen Vergleich

Im europäischen Vergleich hat Deutschland auch beim fliegenden Personal die höchste Zahl an strahlenschutzüberwachten Personen. Im Vergleich mit den mittleren Jahresdosiswerten jener europäischen Länder, die eine amtliche Dosisermittlung des fliegenden Personals durchführen, liegt Deutschland im Mittelfeld.

Strahlenexposition des fliegenden Personals im europäischen Vergleich
(Quelle: "Die berufliche Strahlenexposition des fliegenden Personals in Deutschland 2004-2009 (Bericht des Strahlenschutzregisters)")
LänderJahrPersonenKollektivdosis:
arithmetisches Mittel
(in Millisievert)
Kollektivdosis:
Maximum
(in Millisievert)
Belgien
2007
214
1,85 < 6,0
Dänemark 2009
3.824 1,8
6,0
Deutschland 2009
36.596 2,35
7,0
Finnland
2007
3.708 2,1
5,1
Irland
2008
9.726 2,4
≤ 6,0
Litauen
2009
213 k.A.
k.A.
Niederlande
2007
11.113 1,73 < 6,0
Polen
2007
1.217 k.A. k.A.
Portugal
2007
2.639 k.A. k.A.
Slowenien
2009
322 1,16 1,74
Spanien
2007
1.649 k.A. k.A.
Schweden
2008
1.431 2,55 5,43
Tschechische Republik
2009
2.158 1,09 3,95
Vereinigtes Königreich
2004/2005
22.000 2,0 k.A.



Weitere Informationen