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Granitplatten im Haushalt?
Am 3. Dezember 2008 berichtete die "Süddeutsche Zeitung" über Radioaktivität von Granitplatten im Haushalt [1]. Dieser Artikel bezog sich auf einen ähnlichen Beitrag der "New York Times" vom 24. Juli des gleichen Jahres [2].

Beide Berichte thematisierten eine mögliche Belastung der Bewohner privater Haushalte durch dort verbaute Granitplatten - sowohl durch die Gammastrahlen der natürlichen radioaktiven Stoffe aus der Uran- und Thoriumzerfallsreihe sowie Kalium-40, als auch durch das austretende Radon.

Natürliche Radioaktivität

Seit jeher ist der Mensch der Strahlung natürlicher radioaktiver Stoffe ausgesetzt. Darunter sind zum Beispiel die Nuklide der Uran- und Thoriumzerfallskette und das Kalium-40, die man in allen Böden und Gesteinen findet. Infolge der Verwendung von Gesteinen und Erden zur Herstellung von Baumaterialien oder bei dem direkten Einbau als Natursteine in Häusern führen diese Radionuklide zu einer Strahlenexposition der Bewohner. Für die Höhe des Radionuklidgehaltes spielen die Geologie und der Ursprung eine große Rolle.

Seit mehr als 20 Jahren werden in Deutschland Untersuchungen und Bewertungen der radioaktiven Stoffe in Baumaterialien durchgeführt. Beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) liegen von mehr als 1.500 Proben von Natursteinen, Baumaterialien und mineralischen Reststoffen Daten der spezifischen Aktivitäten der relevanten Radionuklide vor. Diese Untersuchungen bestätigten, dass im Durchschnitt etwa ein Fünftel der jährlichen natürlichen Strahlenexposition in Deutschland auf Baumaterialien zurückzuführen ist [3].

Radon

Radon ist ein Teil der natürlichen Zerfallsketten von Uran und Thorium. Im Gegensatz zu den anderen Nukliden dieser Zerfallsketten ist Radon ein Edelgas, kann aus den Gesteinen und Baumaterialien austreten und in die Raumluft gelangen. Die Zerfallsprodukte des Radons sind wiederum radioaktiv und können nach dem Einatmen in der Lunge bleiben.

Radon und seine Zerfallsprodukte sind als Ursache für Lungenkrebs bekannt. Etwa 10 Prozent der Lungenkrebsfälle in Deutschland sind radonbedingt, was etwa 2.000 Erkrankungen pro Jahr entspricht. Das Risiko, wegen Radon in der Raumluft an Lungenkrebs zu erkranken, hängt von der langjährigen Innenraumkonzentration ab.

Umfangreiche Untersuchungen in Deutschland haben allerdings gezeigt, dass in der weit überwiegenden Zahl der Fälle nicht das aus den Baustoffen austretende Radon, sondern das aus dem Baugrund über den Keller in das Haus eintretende Radon die Ursache für eine erhöhte Innenraumkonzentration darstellt [4]. Nur in ganz seltenen Fällen sind die verwendeten Baumaterialien die Quelle erhöhter Innenraumkonzentrationen. In den letzten Jahren hat das BfS neue Untersuchungen zur Radonabgabe aus Baumaterialien und Natursteinen (darunter auch Granit) durchgeführt, die dies bestätigten.

Granit

Als Granit bezeichnet man Gesteine, die unterirdisch in größeren Tiefen aus flüssigem Magma erstarrt sind. Granite weisen häufig höhere Gehalte an den Nukliden der Uran- und Thoriumzerfallsketten und von Kalium-40 im Vergleich mit anderen Baustoffen auf. Sie bestehen zwar überwiegend aus Quarz, Feldspäten und dunklen, eisen- oder magnesiumhaltigen Mineralen; ihre Zusammensetzung kann jedoch in weiten Bereichen, je nach Geologie und Herkunft, variieren. Dies wird an der unterschiedlichen Färbung und Struktur sichtbar.

Im Handel wird aus Erwägungen, die sich an den speziellen Anwendungen, der Verarbeitung und Pflege der Materialien orientieren, nicht immer die korrekte Gesteinsbezeichnung verwendet. Es muss sich also bei "Granit" nicht unbedingt um Granitgestein handeln, sondern diese Bezeichnung wird auch für Gneise, Diorite, Granodiorite und andere Gesteine verwendet.

Für die Bewertung des Radionuklidgehaltes von Baumaterialien gibt es derzeit keine verbindliche Rechtsgrundlage. Allerdings empfiehlt die Europäische Union (EU) in ihrer Veröffentlichung "Radiation Protection 112" [5] eine einfach zu handhabende Methode, die auf der Grundlage der ermittelten spezifischen Aktivitäten der relevanten Radionuklide und spezieller Modellannahmen eine orientierende Bewertung ermöglicht. Danach sind die vom BfS untersuchten Granite selbst bei großflächiger Anwendung in Gebäuden uneingeschränkt verwendbar. Über die Verwendung von Graniten mit besonders hohen Radionuklidgehalten im Wohnbereich in Deutschland liegen dem BfS keine Erkenntnisse vor.

Empfehlungen

  • Wenn Sie sich für Granite im Wohnbereich interessieren und die Strahlenexposition berücksichtigen wollen, fragen Sie den Lieferanten oder den Hersteller nach den Radionuklidkonzentrationen. Diese sind oftmals den Herstellern aus Zulassungsverfahren und Importrichtlinien von Drittländern oder zur Abgrenzung gegenüber Mitbewerbern bekannt.
  • Lassen Sie die Radonkonzentration in Ihrem Haus messen. Eine erhöhte Radonkonzentration in der Wohnung stellt unabhängig von der Herkunft eine Gesundheitsgefährdung der Bewohner dar. Messlabore, die sich in Deutschland einer Qualitätssicherung unterwerfen, nehmen an den jährlichen Vergleichsmessungen für passive Radondetektoren des BfS teil [6].



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