BfS errichtet auf der zum Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) gehörenden Schachtanlage Marie in Beendorf ein Abwetterbauwerk


No English version available.

Das ERAM wurde in der ehemaligen Kali- und Steinsalzgrube Bartensleben bei Morsleben eingerichtet. Bis 1998 wurden dort radioaktive Abfälle eingelagert. Die Einlagerungsbereiche befinden sich in ca. 500 m Tiefe im Bereich der 4. Sohle der Grube Bartensleben. Die darüber liegenden Sohlen sind frei von radioaktiven Abfällen.

Die Grube Bartensleben ist mit der benachbarten Grube Marie in Beendorf unter Tage verbunden. In der Grube Marie befinden sich keine radioaktiven Abfälle. Die Gruben sind vom jeweiligen Betriebsgelände über Tage über je einen Schacht erreichbar. Das Betriebsgelände über Tage, der Schacht und die Grube werden zusammen als Schachtanlage bezeichnet. Die Schachtanlage Marie dient als 2. Zugang zum ERAM und als Fluchtschacht.

Die verbrauchte Luft (bergmännisch: Abwetter) aus den Einlagerungsbereichen wird über den Schacht Bartensleben nach über Tage abgeleitet. Diese Abwetter enthalten neben konventionellen Schadstoffen wie Dieselabgase auch radioaktive Gase und Partikel, die aus den radioaktiven Abfällen stammen.

Der Schacht Marie dient u. a. dazu, Abwetter aus den nicht mit radioaktiven Abfällen belegten oberen Sohlen der Grube Bartensleben und aus der Grube Marie abzuleiten.

Es ist technisch nicht möglich, die Luft aus den Einlagerungsbereichen abzusaugen und vollständig über Schacht Bartensleben abzuleiten. Ein geringer Teil der radioaktiven Gase und Partikel gelangt mit den Abwettern in die Grube Marie und wird dort über den Schacht abgegeben.

Die Art und Menge der mit den Abwettern in die Umgebung abgeleiteten radioaktiven Stoffe werden bisher am Schacht Bartensleben und auf den Verbindungsstrecken zur Grube Marie messtechnisch erfasst und im Hinblick auf die Einhaltung der zulässigen Werte kontrolliert.

Auf der Schachtanlage Marie war ein Abwetterkamin vorhanden, der oberhalb des Schachtgebäudes endete und dafür sorgen sollte, dass die Abgabe der Abwetter in Höhe des Gebäudedaches erfolgt. Tatsächlich wurden die Abwetter aber nicht vollständig über den Abwetterkamin an die Umgebung abgegeben, da er zu klein dimensioniert war und als sogenanntes passives Abwetterbauwerk keinen eigenen Ventilator hatte.

Die für die Genehmigung zum Betrieb des ERAM zuständige Behörde, das Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt (MLU) des Landes Sachsen-Anhalt, hat nachträgliche Auflagen zur Verbesserung der Abwetterführung über den Schacht Marie erlassen. Im Zusammenhang damit erfolgte der Bau des Abwetterbauwerks auf der Schachtanlage Marie.

Im März 2008 wurde mit den Baumaßnahmen begonnen. Das Abwetterbauwerk ist vom Landkreis Ohrekreis geprüft und baurechtlich genehmigt worden. Das Bauwerk besteht aus dem Abwetterkanal, dem Abwettergebäude und dem 30 m hohen Abwetterschlot. Das Abwettergebäude enthält zwei Ventilatoren und Schalldämpfer sowie Einrichtungen zur radiologischen Abwetterüberwachung. Die zwei parallel arbeitenden Ventilatoren dienen der Erzeugung eines Unterdrucks in der Schachthalle und dem Absaugen der Wetter aus der Schachtröhre. Eine Belastung der Umgebung durch die Abwetter ist nicht zu erwarten. Abweichungen vom genehmigten Zustand werden messtechnisch erfasst, so dass Gegenmaßnahmen jederzeit ergriffen werden können. Das Abwetterbauwerk wird voraussichtlich im Oktober 2009 fertiggestellt werden.