Mobilfunk - Risikodiskurse
Informationsveranstaltung „Mobilfunk und Gesundheit"
Dänische Handykohortenstudie
Exposition von Personen in Räumen mit metallischen Wänden
Krebsinzidenz von Anwohnern im Umkreis einer Mobilfunksendeanlage
Gesundheitliche Auswirkungen von TETRA
Gesundheitsschäden durch drahtlose Kommunikationstechnologien
Handynutzung und männliche Fruchtbarkeit
Handys für Kinder nicht sinnvoll
Umfragen Mobilfunk 2003 bis 2006
Einfluss des Mobilfunks auf die menschliche Befindlichkeit
Studien_EMF
Pränatale und postnatale Exposition bei Mobiltelefon-Nutzung
Bericht zu Emissionsminderungsmöglichkeiten
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Gesundheitliche Auswirkungen von TETRA
Bisheriger Kenntnisstand aus der Literatur

Das britische „National Radiological Protection Board“ hat 2001 einen Bericht zu möglichen gesundheitlichen Einflüssen von TETRA verfasst und weitere Forschung empfohlen (NRPB, 2001). Da das TETRA-Signal mit 17,6 Hz gepulst ist, sollten auch mögliche Einflüsse dieser Pulsung untersucht werden. Inhaltlich konzentrierte man sich auf neurophysiologische Einflüsse auf Zellebene, es wurde die elektrische Aktivität von Zellen des Herzmuskels und des Gehirns sowie die neuronale Aktivität von Hirnschnitten unter TETRA-Exposition untersucht. Hierbei wurde bei einem SAR-Wert von 0,4 W/kg kein Effekt gefunden (Green et al. 2005). Der ausgewählte SAR-Wert beruht auf Messungen im homogenen Phantom und soll der realen Exposition im Gehirn entsprechen. In einer Probandenstudie wurde bei 120 gesunden Testpersonen kein Einfluss von TETRA auf den Blutdruck, die Blutparameter und das Herz-Kreislaufsystem gefunden (Barker et al. 2007).

In Großbritannien wurde eine Probandenstudie (Smith et al. 2005) zu Kognition unter TETRA Exposition durchgeführt; diese ist bisher nicht peer-reviewed publiziert, der Abschlussbericht liegt aber vor. Es wurden 40 erwachsene gesunde Männer untersucht. In den Situationen TETRA links oder rechts (1,4 W/kg, gemittelt über 10 g Gewebe) sowie Scheinexposition links oder rechts haben alle Probanden im Abstand von jeweils einer Woche drei Serien kognitiver Tests durchgeführt. Insgesamt wurden 22 Tests aus den Bereichen Reaktionszeiten, Aufmerksamkeit, Wahrnehmung und Gedächtnis durchgeführt. Zusätzlich wurden die Befindlichkeit und das Auftreten eventueller Symptome abgefragt. Es zeigten sich drei signifikante Veränderungen unter TETRA-Exposition, zwei davon verschwanden nach einer Korrektur für multiple Tests. Die eine verbliebene Signifikanz bezog sich auf verbales Gedächtnis. Die verschlechterte Leistung zeigte sich ausschließlich bei rechtsseitiger Exposition, wobei die verbale Informationsverarbeitung in der linken Hemisphäre lokalisiert ist. Da andere Tests zum Gedächtnis keinen Effekt zeigten, ist dieses Ergebnis vorsichtig zu interpretieren. Das EEG wurde in dieser Studie nicht untersucht.

Weiterhin wird in Großbritannien eine prospektive Kohortenstudie an bis zu 100.000 Nutzern von TETRA-Geräten mit einer Laufzeit von 15 Jahren (bis 2018) durchgeführt. In dieser Studie werden Krebserkrankungen, die allgemeine Mortalität, und weitere Erkrankungen untersucht. Eine Pilotstudie wurde bereits in den Jahren 2003 – 2005 durchgeführt (Airwave health monitoring programme, Pilot Report, 2006). Hierbei wurde in zwei Bezirken auch eine sehr ausführliche Expositionsbestimmung der Nutzer durchgeführt. Zusätzlich zur Kohortenstudie wurden für eine Laboruntersuchung (Wallace et al., 2010) ca. 130 Gesunde und ca. 50 Personen mit Symptomen, die subjektiv auf eine TETRA-Exposition zurückgeführt wurden (Elektrosensible), rekrutiert. Es wurden das Wohlbefinden und das Auftreten von Symptomen unter einer simulierten Exposition mit einer TETRA-Basisstation untersucht, und zwar in einem doppelblinden Verfahren (weder die Testperson noch die Forscher wussten, wann die Basisstation sendete) und in einem offenen Provokationstest, bei dem alle Beteiligten von der Exposition wussten. Im offenen Provokationstest fühlten sich Elektrosensible deutlich schlechter und empfanden mehr Symptome als Gesunde, unter doppelblinden Bedingungen gab es zwischen beiden Gruppen keinen Unterschied. Keine der Gruppen konnte erkennen, wann die Basisstation eingeschaltet war. Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass nicht die Exposition selber, sondern die Kenntnis der Exposition mit einer daraus resultierenden Erwartungshaltung die Symptome verursacht. Zusätzlich wurden computergestützte Kognitionstests zu Gedächtnis und Aufmerksamkeit durchgeführt, die separat publiziert werden sollen.

Eine weitere Studie zu Kognition wurde in Dänemark durchgeführt (Riddervold et al. 2010). Es wurden 53 junge, gesunde männliche Probanden rekrutiert und 45 min entweder mit TETRA exponiert (420 MHz, 2 W/kg) oder scheinexponiert (random, cross over, doppelblind). Es wurden Kognitionstests durchgeführt (Gedächtnisleistung, Reaktionszeit) und es wurde das Wohlbefinden abgefragt. Es wurden keine signifikanten Unterschiede infolge der Exposition gefunden, weder bei den Kognitionstests noch beim Auftreten subjektiver Symptome. Die Testpersonen konnten nicht unterscheiden, wann sie tatsächlich exponiert waren und wann nicht.

In Deutschland hat die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin mehrere Studien zu TETRA durchgeführt. Diese sind aber bisher nur als Tagungsbeiträge publiziert (Eggert et al. 2002, Ullsperger et al. 2003). Es wurden Kognitionstests (Reaktionszeiten, Gedächtnis) durchgeführt, motorisch evozierte Potentiale abgeleitet und im Ruhezustand autokinetische Tests durchgeführt. Es wurden junge, gesunde Probanden im Alter von 20-30 Jahren untersucht. Die Ergebnisse zum autokinetischen Test haben bei 30 Testpersonen keinen Einfluss von TETRA gezeigt. Eine Pilotstudie an 10 Probanden zeigte ebenfalls keinen Einfluss auf motorisch evozierte Potentiale. Die Untersuchung weiterer EEG Parameter wurde zwar angekündigt, bisher liegen hierzu aber keine Angaben vor. Die Ergebnisse der Kognitionstests wurden ebenfalls noch nicht publiziert. Es wurde bei allen Experimenten mit einem maximalen SAR-Wert von 1,35 W/kg (gemittelt über 1 g Gewebe) bzw. 0,832 W/kg (gemittelt über 10g Gewebe) exponiert, dieser Wert wurde für eine Eindringtiefe von etwa 17 mm berechnet und könnte in etwa der Hirnrinde entsprechen. An der Kopfoberfläche betrug der SAR-Wert um 2 W/kg.

Um wissenschaftliche Unsicherheiten bei der Bewertung der Exposition durch TETRA- Anwendungen weiter zu reduzieren, führt das BfS in Zusammenarbeit mit der BDBOS Forschungsvorhaben durch:

  1. Probandenstudie zur Untersuchung des Einflusses der für TETRA genutzten Signalcharakteristik auf kognitive Funktionen
  2. TETRA: Modellierung von SAR-Werten im gesamten Körper und detailliert im Kopfbereich unter besonderer Berücksichtigung des Auges.

Literatur

Airwave health monitoring programme, Home office pilot report, 2006, Imperial College London, http://www.police-health.org.uk/

Barker AT, Jackson PR, Parry H, Coulton LA, Cook GG, Wood SM (2007) The effect of GSM and TETRA mobile handset signals on blood pressure, catechol levels and heart rate variability. Bioelectromagnetics 28(6): 433 – 438

Eggert S, Hentschel K, Ruppe I, Neuschulz H, Kaul G, Goltz S Kersten N(2002) Influence of electromagnetic fields emitted by handheld mobile radio of the tetra system on cognitive performance and well-being of humans.
Bioelectromagnetics Society Annual Meeting, Quebec, Canada.

Green AC, Scott IR, Gwyther RJ, Peyman A, Chadwick P, Chen X, Alfadhl Y, Tatterstall JE (2005) An investigation of the effects of TETRA RF fields on intracellular calcium in neurones and cardiac myocytes. Int J Radiat Biol. 81(12): 865 – 885

NRPB (2001) Possible health effects from terrestrial trunked radio (TETRA). Report of an advisory group on non-ionizing radiation.

Riddervold IS, Kjærgaard SK, Pedersen GF, Andersen NT, Franek O, Pedersen AD, Sigsgaard T, Zachariae R, Mølhave L, Andersen JB (2010) No effect of TETRA hand portable transmission signals on human cognitive function and symptoms. Bioelectromagnteics, Epub ahead of print, DOI 10.1002/bem20571

Smith RN, Tattersall JEH, Bowditch SC, Holden SJ, Green AC, Scott IR, Harrison PK, Low DA, Smith SJR, Grose RI, Mifsud NCD (2005) An Investigation of the Effects of the Airwave TETRA Signal on Cellular Calcium and Brain Function. Dstl/CR15728 Issue 1.0 Biomedical Sciences Dstl Porton Down, Salisbury. Home Office under Order/ Contract reference CS652 http://police.homeoffice.gov.uk/publications/operational-policing/tetra-dstl-final-report/

Wallace D, Eltiti S, Ridgewell A, Garner K, Russo R, Sepulveda F, Walker S, Quinlan T, Dudley S, Maung S, Deeble R, Fox E (2010) Do TETRA (Airwave) Base Station Signals Have a Short-Term Impact on Health and Well-Being? A Randomized Double-Blind Provocation Study. Environ Health Perspect. doi: 10.1289/ehp.0901416

Ullsperger P, Fruede G, Erdmann U, Eggert S (2003) Influence of electromagnetic fields of the tetra communication system on bioelectrical brain activity of healthy participants. Bioelectromagnetics Society Annual Meeting, Hawaii, USA

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