INTERPHONE-Studie
Mobilfunk - Risikodiskurse
Informationsveranstaltung „Mobilfunk und Gesundheit"
Grenzwertüberschreitung durch Handytelefonate in einem Eisenbahnwaggon
Krebsinzidenz von Anwohnern im Umkreis einer Mobilfunksendeanlage
Einstufung hochfrequenter elektromagnetischer Felder durch die IARC
Neue Frequenzen für die mobile Kommunikation
Beeinflusst Handynutzung die männliche Fruchtbarkeit?
Handys für Kinder nicht sinnvoll
Umfragen Mobilfunk 2003 bis 2006
Einfluss des Mobilfunks auf die menschliche Befindlichkeit
Studien, die öffentliches Interesse geweckt haben
Pränatale und postnatale Exposition bei Mobiltelefon-Nutzung
Bericht zu Emissionsminderungsmöglichkeiten
Dänische Kohortenstudie

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Neue Frequenzen für die mobile Kommunikation: Gesundheitliche Bewertung
Im Sommer 2010 wurde die Versteigerung zusätzlicher Frequenzen für neue mobile Kommunikationstechnologien durch die Bundesnetzagentur abgeschlossen. Mit Hilfe der neuen Frequenzbereiche soll insbesondere in bisher mit schnellen Internetzugängen unterversorgten Gebieten in Deutschland - wie etwa in ländlichen Gemeinden – ein schnellerer Breitband-Internetzugang möglich werden. Versteigert wurden mehrere Frequenzblöcke in den Bereichen um 800 Megahertz /MHz), 1,8 Gigahertz (GHz), 2 GHz und 2,6 GHz. Diese Frequenzbereiche grenzen an die bisher für den Mobilfunk genutzten und im Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramm (DMF) erforschten Frequenzbänder (900/1800 MHz für GSM und um 2 GHz für UMTS).

Der Frequenzbereich um 2,6 GHz liegt oberhalb des lizenzfrei nutzbaren „ISM“-Bandes (Industrial, Scientific and Medical Band) um 2,45 GHz, der zum Beispiel von WLAN und Bluetooth genutzt wird. Der Bereich um 800 MHz wird als „Digitale Dividende“ bezeichnet. Dieser Frequenzbereich wurde bisher unter anderem für die terrestrische Verbreitung von Fernsehprogrammen genutzt. Er wurde durch die Digitalisierung von Rundfunk und Fernsehen für andere Funkanwendungen frei, da die digitale Ausstrahlung der Programme ein wesentlich kleineres Frequenzband benötigt.

Untersuchungen zu gesundheitlichen Risiken

Im Rahmen des 2008 abgeschlossenen Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms (DMF) hat das BfS mögliche gesundheitliche Risiken sowie grundsätzliche biologische Wirkungen und Mechanismen der beim Mobilfunk verwendeten hochfrequenten elektromagnetischen Felder untersucht.

Der im Rahmen des DMF untersuchte Frequenzbereich wurde bewusst breit gefasst und ging in einigen Studien über die aktuell für den Mobilfunk genutzten Bereiche hinaus. Das Ziel: Die Ergebnisse zu den grundsätzlichen biologischen Wirkungen und Mechanismen sollten Aussagekraft für das gesamte Frequenzspektrum der Telekommunikation haben und es ermöglichen, auch die Wirkungen zukünftiger technischer Entwicklungen zu bewerten.

Ergebnisse des DMF lassen sich auf neue Frequenzen übertragen

Aus den Ergebnissen des DMF lassen sich deshalb Schlüsse auf die möglichen gesundheitlichen Risiken durch die elektromagnetischen Felder der neu versteigerten Frequenzbänder ziehen: Da diese Bänder eng bei den derzeit für den Mobilfunk und für andere Funktechnologien genutzten Frequenzbereichen liegen, ist nicht zu erwarten, dass sich ihre biologisch-medizinischen Wirkungen grundsätzlich unterscheiden. Das bedeutet, dass auch für die gesundheitliche Bewertung dieser Frequenzbereiche die Wärmewirkung ausschlaggebend ist. Dass nicht-thermische Wirkungen bisher nicht nachgewiesen werden konnten, solange die Grenzwerte eingehalten werden, gilt auch für diese Frequenzen.

Neuer Mobilfunkstandard LTE

Die Lizenzbedingungen der Bundesnetzagentur schreiben keine bestimmte Technik vor. Um die Frequenzen möglichst effizient zu nutzen und einen schnellen Internetzugang mit einer möglichst hohen Datenübertragungsrate zu erreichen, wird voraussichtlich der neue Mobilfunkstandard „LTE“ (Abkürzung für „Long-Term Evolution“) eingesetzt werden, der bezüglich der Signalform eher dem UMTS-Standard ähnelt als dem gepulsten GSM-Verfahren. Das von LTE genutzte Modulationsverfahren („Orthogonal-Frequency-Division-Multiplexing“, kurz OFDM) wird auch von anderen drahtlosen Übertragungstechniken wie beispielsweise DVB-T und WiMAX verwendet.

Unterschiedlicher Wirkmechanismus für das Übertragungsverfahren von LTE ist unwahrscheinlich

Das Übertragungsverfahren von LTE wurde im Rahmen des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms nicht explizit untersucht. Wissenschaftliche Studien ergaben allerdings bisher keinen Hinweis darauf, dass Wirkungen hochfrequenter elektromagnetischer Felder nur bei bestimmten Frequenzbereichen oder nur bei bestimmten Modulationsarten auftreten – so dass die Ergebnisse des DMF auf LTE übertragbar sind.

Wissenschaftlich gesehen können unterschiedliche Wirkmechanismen für die nicht untersuchten Frequenzbereiche und Modulationsverfahren grundsätzlich nie völlig ausgeschlossen werden – in Anbetracht der zahlreichen nationalen und internationalen Forschungsergebnisse sind sie jedoch unwahrscheinlich.

Langzeitwirkung von Mobilfunkstrahlung wird noch untersucht

Die Frage nach Langzeitwirkungen und Wirkungen auf besonders empfindliche Organismen - wie möglicherweise Kinder - konnte das DMF nicht abschließend beantworten. Da drahtlose digitale Kommunikationstechniken erst seit etwas mehr als zehn Jahren intensiv genutzt werden, sind verlässliche Aussagen über Langzeitwirkung noch nicht möglich.

Aus ethischen Gründen konnten Kinder im Rahmen des DMF mit Ausnahme von epidemiologischen Studien nicht untersucht werden. Die Bewertung des gesundheitlichen Risikos für Kinder basiert daher im Wesentlichen auf Berechnungen und Übertragungen der Ergebnisse von Untersuchungen an Erwachsenen auf Kinder bzw. von jungen Tieren auf Kinder. Diese Übertragungen sind mit Unsicherheiten behaftet. Es ergaben sich aber bislang keine schwerwiegenden Hinweise, dass das mögliche gesundheitliche Risiko für Kinder bisher unterschätzt wurde.

Schutzwirkung bestehender Grenzwerte

Insgesamt gibt es in Anbetracht der Ergebnisse des DMF sowie der aktuellen internationalen Forschung keinen Anlass, die Schutzwirkung der bestehenden Grenzwerte zu bezweifeln. Dies gilt auch für die jetzt versteigerten Frequenzbereiche.

Allerdings sollte aus Sicht des BfS beim Betrieb der bestehenden sowie bei der Entwicklung neuer drahtloser Kommunikationstechniken aus Gründen der Vorsorge darauf geachtet werden, die Strahlenbelastung von Nutzern und Bevölkerung so gering wie möglich zu halten. Dies gilt uneingeschränkt auch für die Techniken, die die erfolgreichen Bieter in den neu versteigerten Frequenzbereichen einsetzen werden.

Grundsätzlich fordert das BfS dazu auf, wesentliche Parameter neuer Techniken rechzeitig bekannt zu geben, damit Wissenschaft und Strahlenschutz Gelegenheit haben, vor der Einführung der neuen Techniken deren Gesundheitsverträglichkeit zu prüfen.


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