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Gibt es einen
Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und niederfrequenten
Magnetfeldern in der Umgebung von Hochspannungsleitungen?
Seit Jahren wird kontrovers über mögliche Gesundheitsrisiken durch niederfrequente Magnetfelder des Haushaltsstroms (50 Hz) und elektrifizierter Verkehrssysteme (16,7 Hz) diskutiert. In den USA wurden bereits 1979 erste epidemiologische Arbeiten über einen möglichen Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und der Nähe von Hochspannungsleitungen vorgelegt. Seitdem beschäftigten sich zahlreiche Studien mit dieser Frage.
Die in großer Zahl vorliegenden Studienergebnisse wurden von Wissenschaftlern in vielen Ländern bewertet. Weltweit anerkannte
Strahlenschutzgremien wie die Internationale Kommission zum Schutz vor
nichtionisierender Strahlung (ICNIRP), die englische Gesundheitsbehörde (HPA)
oder die deutsche Strahlenschutzkommission (SSK) und das Bundesamt für
Strahlenschutz (BfS) kamen übereinstimmend zum Schluss, dass ein Zusammenhang
zwischen einer Exposition durch magnetische Felder, wie sie im Alltag auftritt,
und einem vermehrten Auftreten von Krebs bei Erwachsenen nicht erwiesen ist.
Die WHO hat dies in einem Fact Sheet mit dem Titel “Electromagnetic fields and
public health - exposure to extremely low frequency fields” bekräftigt (siehe
auch „WHO
aktualisiert die Risikobewertung von niederfrequenten Feldern“).
Mehrere neuere epidemiologische Studien zeigen dagegen einen Zusammenhang zwischen Leukämie im Kindesalter und niederfrequenten
Magnetfeldern unterhalb der Grenzwerte. Eine dieser Studien wurde vom Bundesamt
für Strahlenschutz in Auftrag gegeben (sog. Michaelis-Studie).
In der Untersuchung wurden die niederfrequenten Magnetfelder in der häuslichen
Umgebung von 514 an Leukämie erkrankten Kindern gemessen. Als Kontrollgruppe
dienten 1301 gesunde Kinder.
Die Ergebnisse der Messungen zeigen - in Übereinstimmung mit den Ergebnissen einer umfangreichen Untersuchung, die zuvor vom BfS
durchgeführt wurde, dass die Felder - gemessen über 24 Stunden -
im Durchschnitt in Wohnungen bei 0,05 Mikrotesla (µT) liegen. In der
Studie werden Haushalte als exponiert bezeichnet, die eine durchschnittliche
Exposition von mehr als 0,2 µT aufweisen. Zu dieser Gruppe gehörten
allerdings nur sehr wenige Haushalte in Deutschland. Hochspannungsleitungen
waren nur in knapp einem Drittel der Fälle für Magnetfeldexpositionen über 0,2
µT verantwortlich. Andere relevante Feldquellen waren z.B. Steigleitungen und
veraltete Elektroinstallationen in den untersuchten Wohnungen.
Ein statistischer Zusammenhang mit der Leukämierate
zeigte sich bei einem Wert von über 0,4 µT. Wie bei allen epidemiologischen
Studien ist auch in diesem Fall eine Ursache-Wirkungs-Beziehung durch diesen
statistischen Zusammenhang nicht nachgewiesen. Ein biologischer
Wirkungsmechanismus, der die Entstehung von Leukämie oder die Förderung des
Wachstums von Leukämie-Zellen durch niederfrequente Magnetfelder erklären
würde, konnte bisher nicht gefunden werden. Die Autoren der Studie stellen
fest, dass höchstens 1% der Leukämiefälle bei Kindern durch eine erhöhte
Exposition gegenüber niederfrequenten Magnetfeldern zu erklären wären, wenn
tatsächlich ein ursächlicher Zusammenhang bestünde (siehe „Biologische und
gesundheitliche Wirkungen von niederfrequenten elektrischen und magnetischen
Feldern“).
Auf welche Weise eine Exposition mit niederfrequenten
Magnetfeldern in einem sehr niedrigen Intensitätsbereich zu einem erhöhten
Leukämierisiko führen könnte, ist nicht bekannt. Möglicherweise spielen andere,
bisher nicht bekannte Risikofaktoren für eine Leukämieerkrankung bei Kindern
eine Rolle. Nach einer wissenschaftlichen Bewertung der neueren Literatur zu Leukämien im Kindesalter und niederfrequenten Magnetfeldern stufte die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) der Weltgesundheitsorganisation (WHO) 2001 niederfrequente Magnetfelder als „möglicherweise krebserzeugend“ ein. Nach einer erneuten Überprüfung
im Jahr 2007 bestätigte die WHO die Einstufung.
Obwohl epidemiologische Studien keinen kausalen Zusammenhang zeigen können, sind die Ergebnisse dieser Studien wichtige Hinweise, die die Notwendigkeit von Vorsorgemaßnahmen
aufzeigen.
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