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Wir haben zuviel Radon in unseren Innenräumen. Dabei lässt sich das
radioaktive Edelgas - die zweithäufigste Ursache für
Lungenkrebs - meist mit einfachen, preiswerten und wenig
aufwändigen Maßnahmen deutlich reduzieren. "Beton-Plattenfundamente und
Abdichtungen gegen Bodenfeuchte bieten einen wirkungsvollen Schutz
gegen das Eindringen von Radon", erläutert ein Sprecher des Bundesamtes
für Strahlenschutz (BfS). Besonders wichtig ist auch das Abdichten von
Leitungsdurchführungen im Mauerwerk im erdberührendem Gebäudebereich.
Sinnvoll kann auch die Installation eines Zu- und Abluftsystems sein.
Der Einbau einer dicht schließenden Kellertür trägt dazu bei, die
Ausbreitung von Radon in höhere Etagen zu verhindern. Über die
vielfältigen technischen Maßnahmen - wie den Einsatz von Folien,
dichtenden Anstrichen bis hin zu lüftungstechnischen Maßnahmen
informiert auch das zusammen mit dem Bundesministerium für Umwelt,
Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) vom BfS herausgegebene
"Radon-Handbuch".
Nachhaltig und kostengünstig sind Maßnahmen zur Radonverminderung,
wenn diese vorsorglich bereits beim Neubau von Häusern ergriffen
werden. "Die Kosten liegen dann in vielen Fällen bei maximal
2.000 Euro für ein Haus mit 100 m2 Grundfläche",
so heißt es aus dem BfS. Das BMU bereitet deshalb einen Gesetzentwurf
für Radon in Aufenthaltsräumen vor. Grundlage ist die wissenschaftliche
Erkenntnis, dass es ab einer Radonkonzentration von 100 Becquerel
pro Kubikmeter (Bq/m3) zu einer signifikanten Erhöhung des
Krebsrisikos kommt. Aber auch in bestehenden Häusern kann die
Radonkonzentration meist mit geringem finanziellen Aufwand reduziert
werden. So kann in vielen Fällen mit Hilfe eines in die
Keller-Außenwand eingebauten kleinen Ventilators ein Über- oder
Unterdruck erzeugt werden, der das Radon am Eindringen in das Haus oder
seine Weiterverbreitung im Haus verhindert. In Deutschland und einigen
anderen Ländern haben sich auch sogenannte "Radonbrunnen" bewährt.
Dabei wird, ähnlich wie bei Überläufen zum Abpumpen von Grundwasser,
ein quadratischer Schacht im Boden angelegt, in dem sich das Radon
sammelt und dann unter der Bodenplatte abgesaugt. In gleicher Weise
wirken Drainagerohre unter der Bodenplatte, an die ein leichter
Unterdruck angelegt wird. "Mit solchen lüftungstechnischen Maßnahmen
kann man oft schon für geschätzte 1.000 Euro gute Ergebnisse bei der
Radonminimierung erzielen", so der BfS-Sprecher. Maßnahmen zur
Reduzierung der Radonkonzentration lassen sich übrigens auch
kostensparend mit ohnehin fälligen Renovierungsarbeiten verbinden. Das
Thema Radon sollte beispielsweise berücksichtigt werden, wenn der
Keller gegen Feuchte besser isoliert werden soll.
Einen Überblick über die Verteilung der Radonkonzentration in einem
Meter Tiefe im Erdboden in Deutschland bietet die Radon-Karte des BfS,
die im Internet unter http://www.bfs.de/ion/radon/radonatlas.html zur Verfügung steht. Die Radonkonzentration in Gebäuden unterliegt
allerdings starken zeitlichen Veränderungen. Entscheidende
Einflussfaktoren sind dabei die jahreszeitlichen und täglichen
Wetterveränderungen in Kombination mit den individuellen Gewohnheiten
bei der Lüftung und Raumnutzung. In Abhängigkeit vor allem von den
speziellen Baugrundbedingungen an den Hausstandorten und den
Bauwerkseigenschaften können die Radonkonzentrationen auch bereits
innerhalb einer Ortschaft stark variieren. Da sich die
Radonkonzentrationen selbst zwischen benachbarten Häusern stark
unterscheiden können, ist die Situation nur durch Messung zuverlässig
zu ermitteln.
Radon kann man auf verschiedene Weise messen. Es gibt Methoden für
Fachleute und auch ganz einfache, von jedermann handhabbare
Messeinrichtungen (Exposimeter). Für die Bewertung der Radonsituation
eines Hauses empfiehlt das BfS Messungen über einen längeren Zeitraum
in einem Wohnraum und einem Schlafraum. Messungen im Kellergeschoss
geben wichtige Informationen über die Bedeutung von Radon aus dem Boden
für das betreffende Haus. Radonexposimeter können bei einer Reihe von
Messstellen bezogen werden. Landesmessstellen und Stiftung Warentest
erteilen Auskunft über kompetente Messinstitutionen.
Das Radon-Handbuch kann für 10 Euro unter folgender Adresse bestellt werden:
Wirtschaftsverlag NW
Verlag für neue Wissenschaft GmbH
Postfach 10 11 10
27511 Bremerhaven
Fax: 0471 / 945 44-88
Email: info@nw-verlag.de.
Hintergrund:
Radon:
Radon ist ein natürliches radioaktives Edelgas, das beim
spontanen radioaktiven Zerfall von Uran entsteht und praktisch überall
in unterschiedlichen Konzentrationen in der Umwelt vorkommt. Die Höhe
der Radonkonzentration in Aufenthaltsräumen hängt neben den
geologischen Bedingungen des Baugrundes von einer Vielzahl von Faktoren
ab (Dichtigkeit der bodenberührenden Teile des Hauses, Nutzung der
Räume, Lüftungsgewohnheiten etc.). Die Hauptursache für
Radonkonzentrationen von über 100 Bq/m3 in
Aufenthaltsräumen ist in Deutschland Radon aus dem Gebäudeuntergrund.
Der bundesweite Durchschnittswert der Radonkonzentration in Wohnräumen
liegt bei etwa 50 Bq/m3.
Studie:
Eine im Dezember 2004 im British Medical Journal
vorgestellte europaweite Studie zeigt, dass etwa neun Prozent aller
Lungenkrebsfälle auf Radon in Aufenthaltsräumen zurückzuführen sind.
Radon ist damit die häufigste, umweltbedingte Lungenkrebsursache im
Innenraumbereich. Insgesamt betrachtet verursacht nur das Rauchen mehr
Lungenkrebsfälle.
Das BfS hat daher einen neuen Zielwert für die Radonkonzentration in der Raumluft von 100 Bq/m3 ermittelt. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nennt einen Zielwert in gleicher Höhe.
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