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Pressemitteilung 028 vom 02.05.2002

Schutz des medizinischen Personals vor Strahlenexposition muss verbessert werden
BfS stellt Grenzwertüberschreitungen bei medizinischem Personal fest

Bei bestimmten strahlentherapeutischen Maßnahmen in der Medizin sind verstärkt Strahlenschutzmaßnahmen zu ergreifen, um die Belastung des medizinischen Personals durch Betastrahlung zu senken. In diesem Zusammenhang muss auch die Ermittlung der Dosis durch Betastrahlung, die Beta-Dosimetrie, verbessert werden. Zu dieser Einschätzung gelangt das Bundesamt für Strahlenschutzes (BfS) nach ausführlichen Messungen in medizinischen Einrichtungen. Das BfS hat festgestellt, dass der Grenzwert für die Hautdosis beim medizinischen Personal teilweise deutlich überschritten wurde - insbesondere bei der Behandlung entzündlicher Gelenkerkrankungen durch Injektion von radioaktiven Lösungen.

Bei der Betastrahlung handelt es sich um Teilchenstrahlung in Form von Elektronen (Betateilchen). Das Durchdringungsvermögen von Betateilchen beträgt in Luft einige Zentimeter bis Meter, in Weichteilgewebe oder Kunststoff wenige Millimeter bis Zentimeter. Im Unterschied zu Betastrahlung ist die Gammastrahlung eine elektromagnetische Wellenstrahlung. Sie ist von gleicher physikalischer Natur wie das sichtbare Licht, allerdings erheblich energiereicher und mit hohem Durchdringungsvermögen in Materie. Zur Abschirmung von Gammastrahlung müssen deshalb Materialien wie beispielsweise Blei und Beton verwendet werden. Abgesehen von der Art der Entstehung ist Gammastrahlung mit der Röntgenstrahlung vergleichbar.

Das BfS widmet sich seit einigen Jahren verstärkt der Ermittlung und Bewertung von Strahlenexpositionen sowohl bei Patienten, als auch beim strahlenexponierten medizinischen Personal. Zumeist wird in der medizinischen Diagnostik und Therapie Gammastrahlung verwendet. Der Einsatz von Betastrahlern hat jedoch in den letzten Jahren deutlich zugenommen.

Betastrahler zeichnen sich dadurch aus, dass ihre Strahlung nur eine geringe Reichweite im Körpergewebe aufweist. Bei gezielter Injektion in den Krankheitsherd kann die Strahlung dort unmittelbar wirken und so einen hohen medizinischen Nutzen für die Patienten bringen. Betastrahler wie Erbium-169, Rhenium-186 oder Yttrium-90 haben sich bei der Radiosynorviothese, einer Behandlungsmethode für entzündliche Gelenkerkrankungen, bewährt. Bei der Behandlung von wiederholt auftretenden Verengungen der Blutgefäße - der endovaskulären Brachytherapie - werden Betastrahler wie z. B. Rhenium-188, Strontium-90 / Yttrium-90 oder Phosphor-32 erfolgreich eingesetzt. Zur Therapie von Augentumoren wird auch Ruthenium-106 / Rhodium-106 verwendet.

Für fast alle vom BfS untersuchten Arbeitsplätze in der Medizin ist folgendes charakteristisch: Sehr hohe Aktivitäten müssen bei minimalen Abständen zwischen der Strahlenquelle und der Haut des medizinischen Personals gehandhabt werden. Zudem ist das Risiko einer Kontamination - also einer Verunreinigung mit dem radioaktiven Stoff - bei diesem Umgang mit offenen Betastrahlern hoch.

Das BfS hat äußerst empfindliche Messmittel eingesetzt, sogenannte Dünnschicht-Thermolumineszenz-Dosimeter (TLD). Diese wurden an den Körperteilen befestigt, an denen erhöhte Expositionen zu erwarten waren. Es wurden wiederholt deutliche Überschreitungen des Grenzwertes für die Teilkörperdosis der Haut gemessen. Am stärksten sind die Fingerspitzen von Daumen und Zeigefinger des medizinischen Personals, Radiochemiker und Schwestern exponiert. Ursache dafür ist unter anderem das - wenn auch nur kurzzeitige - Fixieren der Kanülen direkt mit der Hand beim Injizieren der Arzneimittel oder bei der Vorbereitung der Spritzen. Außerdem wurden Hautkontaminationen festgestellt, durch die Hautdosen in der gleichen Größenordnung wie durch Direktstrahlung verursacht auftraten.

Der direkte Kontakt zwischen den Händen und Behältnissen, die radioaktive Lösungen enthalten, muss möglichst vermieden werden. Werden beispielsweise geeignete Plexiglas-Abschirmungen für die Behältnisse mit radioaktiven Substanzen verwendet oder distanzhaltende Manipulatoren wie z.B. Zangen und lange Pinzetten eingesetzt, verringert sich die Exposition deutlich. Derartige Schutzmaßnahmen müssen konsequent beim Umgang mit Betastrahlern umgesetzt werden.

Das Tragen von neuartigen Fingerring-Dosimetern zur Erfassung der Beta-Exposition ist an den betroffenen Arbeitsplätzen nach Einschätzung des BfS ebenfalls zu empfehlen.

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