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Probandenstudie zur Untersuchung des Einflusses der für TETRA genutzten Signalcharakteristik auf kognitive Funktionen
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Laufzeit01.10.2009 - 30.09.2013
ProjektleitungCharité - Universitätsmedizin Berlin
KooperationspartnerIMST GmbH, Kamp Lintfort
Seibersdorf Labor GmbH
Hintergrund
In den vergangenen Jahren wurden international mehrere Studien zum
Einfluss der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks auf die geistige
Leistungsfähigkeit und auf das Gehirn im Wachzustand und im Schlaf
durchgeführt. Hierbei wurden, unterhalb der für die Öffentlichkeit
gültigen maximalen Exposition durch Handys von 2 W/kg, keine
gesundheitlich relevanten Einflüsse gefunden.
In Deutschland wird aktuell für Behörden und Organisationen mit
Sicherheitsaufgaben ein neues Digitalfunknetz aufgebaut, das nach dem
TETRA-Standard arbeitet. TETRA (Terrestrial Trunked Radio) verwendet
einen Frequenzbereich um 400 MHz. Die Wirkungen der Exposition durch
TETRA Signale auf den Menschen sind wesentlich weniger erforscht als
die durch den Mobilfunk. Ergebnisse des Deutschen Mobilfunk
Forschungsprogramms haben gezeigt, dass dieselbe absorbierte Leistung
(SAR-Werte) bei Frequenzen um 400 MHz zu einer stärkeren Erwärmung des
Gewebes führt als bei den Mobilfunkfrequenzen. Für Berufsgruppen, die
den TETRA-Funk verwenden (beispielsweise Polizei, Feuerwehr), ist nach
den derzeitigen Arbeitsschutzregelungen grundsätzlich eine lokale
Exposition von bis zu 10 W/kg zulässig. Um wissenschaftliche
Unsicherheiten über die Auswirkungen dieser Funkanwendung weiter zu
verringern, werden mögliche Wirkungen elektromagnetischer Felder der
Endgeräte auf den Menschen untersucht.
Zielsetzung
In der vorliegenden Studie werden mögliche Einflüsse einer Exposition
mit dem TETRA-Signal (Scheinexposition, SAR-Werte von 1,5 W/kg und 6
W/kg) auf die Gehirnaktivität von Menschen untersucht. Es handelt sich
um eine Probandenstudie an gesunden jungen Männern, die vorzugsweise
aus der Gruppe der potenziellen zukünftigen Nutzer und beruflich
Exponierten stammen.
- Es werden Tests durchgeführt, die Rückschlüsse auf Reaktionsgeschwindigkeit und Genauigkeit,
akustische und visuelle Informationsverarbeitung,
Konzentrationsfähigkeit, Gedächtnis und Belastbarkeit zulassen.
- Das Wach-EEG (Elektroenzephalogramm, zur Untersuchung der
Gehirnaktivität) in unterschiedlichen Situationen (Ruhe, bei
Bearbeitung von Tests) wird aufgezeichnet und ausgewertet.
- Der
Einfluss einer TETRA Exposition auf die Schlafqualität und das
Schlaf-EEG wird untersucht, sowie die Befindlichkeit und Belastbarkeit
am folgenden Tag.
Die Ergebnisse werden in Bezug auf ihre gesundheitliche Bedeutung für berufliche Nutzer bewertet.
Probandenrekrutierung
Für die Studie werden männliche Polizeibeamte und Polizeischüler im
Alter von 18-30 Jahren gesucht, die möglichst nicht im Nachtdienst
tätig sind, rechtshändig und Nichtraucher sind.
Informationen für Interessierte
Zwischenergebnisse
1. Aktueller Stand der internationalen Forschung
Andere europäische Staaten nutzen bereits seit einiger Zeit
TETRA-Funknetze für ihre Sicherheitsbehörden oder bauen, ähnlich wie
Deutschland derzeit landesweite Netze auf. Einige dieser Länder begleiten die Einführung des TETRA-Standards
mit wissenschaftlichen Untersuchungen. Zu Beginn der vorliegenden Studie haben die Wissenschaftler der Charité Berlin eine Literaturstudie zu gesundheitlichen Auswirkungen des Digitalfunks durchgeführt und dabei Angaben aus Publikationen und Berichten über die einzelnen nationalen Forschungsergebnisse zusammengetragen. Insgesamt liegen wesentlich weniger Daten vor als zu den Mobilfunkstandards.
Die wenigen bisher publizierten Ergebnisse zeigen keinen gesundheitsrelevanten Einfluss von TETRA. In einer Studie wurden geringfügige Veränderungen der Gedächtnisleistung beschrieben. Infolge der hohen Anzahl durchgeführter Tests könnte diese Beobachtung auch zufällig sein und muss verifiziert werden.
2. Expositionsanlage
In der vorliegenden Studie sollen Testpersonen mit einem TETRA-Signal
bei SAR-Werten von 1,5 W/kg und 6 W/kg am Kopf exponiert werden. Eine
entsprechende Expositionsanlage wurde von der IMST GmbH (Kamp Lintfort)
hergestellt und charakterisiert. Es handelt sich um eine linksseitig
flach am Kopf getragene Antenne, die eine mit einem TETRA-Endgerät
verursachte Exposition simulieren soll. Sie kann bequem bis zu acht
Stunden, auch während des Schlafes, getragen werden. Die tatsächliche
Exposition einzelner Hirnareale wurde detailliert von der Seibersdorf
Labor GmbH berechnet.
3. Temperaturwahrnehmung
Die Expositionsanlage verursacht in der höchsten Leistungsstufe, die zu
einer Exposition von 6 W/kg führt, am Kopf eine oberflächliche
Erwärmung von fast 1°C. Da die Studie verblindet durchgeführt werden
soll (es wissen also weder der Proband noch der direkt beteiligte
Wissenschaftler, wann welche Exposition stattfindet), war es wichtig zu
prüfen, ob diese Erwärmung durch die Testpersonen wahrgenommen werden
kann. Hierzu wurde eine Vorstudie durchgeführt. Es hat sich
herausgestellt, dass die Probanden subjektiv nicht in der Lage sind,
die tatsächliche Temperaturerhöhung richtig einzuschätzen, ein
Entblindungsrisiko (also das Erkennen der spezifischen Exposition durch
die Probanden) besteht also nicht.
Fragen und Antworten zur Studie
Wie ist der Studienablauf?
Es werden insgesamt 30 Personen getestet. Jeder Studienteilnehmer wird
zu Beginn befragt und untersucht und verbringt dann einen Nachmittag
und eine Nacht zur Eingewöhnung im Labor. Tagsüber werden Tests am
Computer durchgeführt, nachts wird der Schlaf untersucht. Nach dieser
Vorbereitungsphase verbringt jeder Proband neun Nachmittage und neun
Nächte, jeweils im Abstand von einer Woche, im Labor. Dabei wird jeder
Proband je dreimal mit 1,5 W/kg und 6 W/kg exponiert und
scheinexponiert (Antenne befindet sich am Kopf, aber es findet keine
Exposition statt). Die Studiendauer erstreckt sich somit pro Person
über 20 Wochen. Weder die Probanden noch die Wissenschaftler, die die
Probanden direkt untersuchen, wissen, wann welche Exposition
stattfindet (doppelte Verblindung). Die Reihenfolge der Expositionen
wird für jeden Probanden nach dem Zufallsprinzip bestimmt. Erst wenn
alle Untersuchungen ausgewertet sind, werden die Ergebnisse und die
jeweilige Exposition zusammengeführt. Diese Maßnahmen dienen der
Qualitätssicherung.
Bei Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben arbeiten auch viele Frauen, warum werden nur Männer untersucht?
Die Studiendauer erstreckt sich pro Person über 20 Wochen. Bei Frauen
wird der Schlaf stark vom Zyklus beeinflusst. Es wäre in der Auswertung
schwierig, die durch den Zyklus verursachten Schwankungen von einem
möglichen Einfluss des TETRA-Signals zu trennen.
Viele Angehörige von Behörden und Organisationen mit
Sicherheitsaufgaben sind älter, warum werden nur junge Probanden
untersucht?
Die Gruppe der 18- bis 30-jährigen jungen Männer ist in der
Schlafforschung eine etablierte homogene Vergleichsgruppe, zu der es
bereits viele Untersuchungen gibt. Es wird deswegen am Ende der Studie
möglich sein, die Ergebnisse mit Referenzdaten der entsprechenden
Bevölkerungsgruppe zu vergleichen. Die Schlafstruktur hängt stark vom
Alter ab. Unterschiedliche Altersgruppen sollten deswegen nicht in
einer Untersuchung gemischt werden.
Während des Schlafes wird nicht telefoniert, warum wird der Schlaf unter dem Einfluss des Signals eines Endgerätes untersucht?
Der Schlaf ist ein sehr komplexer biologischer Prozess, der vom
zentralen Nervensystem kontrolliert wird. Er ist ein gut definierter
biologischer Zustand, der sensibel auf äußere Einflüsse reagiert und
ist somit ein geeignetes Modell, um einen möglichen Einfluss auf das
Gehirn zu untersuchen. Das Schlaf-EEG ist sehr genau beschreibbar und
wesentlich besser zur Untersuchung geringfügiger Auswirkungen geeignet
als das Wach-EEG, das sehr unterschiedlich und stark von
Sinneswahrnehmungen und anderen Einflüssen wie z.B. Motivation
beeinflusst werden kann. Weiterhin ist die Frage offen, ob eine
Exposition kurz vor dem Einschlafen einen Einfluss auf den Schlaf haben
könnte. Deswegen wird bereits vor Schlafbeginn exponiert.
Warum gelten für beruflich Exponierte höhere Grenzwerte als für die allgemeine Bevölkerung?
Grenzwerte
schützen grundsätzlich vor bekannten gesundheitlichen Auswirkungen
elektromagnetischer Felder. Zwischen dem Schwellenwert für
nachgewiesene negative gesundheitliche Auswirkungen und dem Grenzwert
liegt immer ein Sicherheitsfaktor. Für die allgemeine Bevölkerung ist
dieser Sicherheitsfaktor höher, um auch den Schutz besonders
empfindlicher Personen (Kinder, Jugendliche, alte und kranke Menschen)
zu gewährleisten. Bei beruflich Exponierten handelt es sich dagegen in
der Regel um gesunde Erwachse, besonders empfindliche
Bevölkerungsgruppen müssen nicht berücksichtigt werden. Die berufliche
Exposition ist nicht dauerhaft, sondern auf die Arbeitszeiten
beschränkt. Aus diesen beiden Gründen wird für beruflich Exponierte ein
geringerer Sicherheitsfaktor verwendet.
Weitere Informationen
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