Im geologischen Untergrund wird ständig
das natürlich radioaktive Edelgas Radon gebildet, das teilweise in die
luftgefüllten Porenräume der Gesteine und Böden freigesetzt wird. In
Deutschland sind in der Bodenluft Radonkonzentrationen in einem Bereich
von weniger als 10 000 bis 100 000 Becquerel pro Kubikmeter (Bq/m3)
üblich, lokal können aber auch deutlich höhere Konzentrationen
vorkommen. Aus dem Baugrund gelangt Radon ins Freie und auch in
Gebäude, wenn der bodenberührende Gebäudebereich (z.B. Keller und nicht
unterkellerte Räume) nicht ‚dicht’ ist. Welche Radonkonzentrationen in
einem Gebäude auftreten, wird durch die Radonbildung im Baugrund, die
den Radontransport bestimmenden Eigenschaften der dort vorkommenden
Materialien und die Bauweise bestimmt. Bei einer Radonkonzentration in
der Bodenluft von 100 000 Bq/m3 reichen bereits geringe
Luftmengen aus, um in einem Raum die Radonkonzentration deutlich zu
erhöhen. Deshalb ist die Dichtheit des Bauwerkes im erdberührten
Bereich von besonderem Einfluss auf die Höhe der Radonkonzentrationen
in einem Gebäude. Risse in Mauerwerk oder Bodenplatte, undichte Fugen
zwischen Bauwerksteilen, ungenügend abgedichtete Kabel- oder
Rohrdurchführungen und andere „Schwachstellen“ im Bauwerk begünstigen
das Eindringen des Radons in das Haus. Dagegen bieten Häuser mit einem
Beton- Plattenfundament und dem heute üblichen fachgerechten Schutz
gegen Bodenfeuchtigkeit dem Radon aus dem Baugrund nur wenige
Eindringmöglichkeiten.
Erhöhte Radonkonzentrationen können nicht nur in Räumen mit direktem
Kontakt zum Baugrund, sondern auch in anderen Gebäudebereichen
auftreten. Vom Baugrund in das Gebäudeinnere gelangendes Radon kann
sich vor allem über Treppenaufgänge, Kabelkanäle und
Versorgungsschächte, aber auch durch Geschossdecken in die höher
gelegenen Räume des Hauses ausbreiten. Die meisten Häuser in
Deutschland sind in kompakter Bauweise bei überwiegender Verwendung
mineralischer Baustoffe errichtet. In den Baumaterialien wird, wie in
Böden und Gesteinen, Radon gebildet, das teilweise in die Häuser
freigesetzt wird. Werden Baustoffe mit erhöhter Radonfreisetzung
verwendet, kann das höhere Radonkonzentrationen in den Räumen zur Folge
haben. In Deutschland spielt die Belastung durch Baumaterialien eine
geringe Rolle. Der Jahresmittelwert der Radonkonzentration beträgt in
Wohnräumen durchschnittlich 50 Bq/m3. In Gebieten mit
höheren Radonkonzentrationen in der Bodenluft und guten Wegsamkeiten
für Radon, sind in Gebäuden häufiger erhöhte Radonkonzentrationen
anzutreffen. Jahresmittelwerte über 1000 Bq/m3 sind jedoch auch dort selten.
Aufgrund des von Standort zu Standort unterschiedlichen Radonvorkommens
im Baugrund und den speziellen baulichen Gegebenheiten sind die
Radonkonzentrationen in Gebäuden unterschiedlich. Auch die
Lebensgewohnheiten der Bewohner, vor allem das Lüftungsverhalten
beeinflussen die Radonkonzentrationen. Wie die Situation in einem Haus
tatsächlich ist, kann nur durch Messungen geklärt werden. Da im Winter
in der Regel höhere Konzentrationen auftreten als in den wärmeren
Jahreszeiten sollten diese möglichst über den Zeitraum von einem Jahr
in Aufenthaltsräumen durchgeführt werden (z. B. in Wohnzimmer,
Schlafzimmer, Kinderzimmer). Mit der Bewertung der Radonsituation eines
Hauses sollten nur solche Firmen und Institutionen beauftragt werden,
die einschlägige Erfahrungen aufweisen und in ein behördliches Programm
zur Qualitätssicherung der Radonmessungen eingebunden sind.
Neuere Untersuchungen zeigen, dass bei langjährigem Aufenthalt in
Räumen das zusätzliche Risiko an Lungenkrebs zu erkranken um 10% pro
Anstieg der Radonkonzentration um 100 Bq/m3 zunimmt. Da
Radon in allen Gebäuden vorkommt, stellt es ein wichtiges
Gesundheitsproblem dar. Deshalb ist es erforderlich, die
Radonkonzentrationen in Räumen, in denen sich Personen nicht nur
vorübergehend aufhalten, zu senken. Da die Radonmenge, die durch
Luftaustausch mit der Außenluft in das Gebäude gelangt und aus
Baumaterialien freigesetzt wird, kaum reduziert werden kann, ist eine
generelle Verringerung der Radonkonzentrationen in Bereiche deutlich
unter 100 Bq/m3 in Deutschland praktisch nicht realisierbar. Oberhalb von 100 Bq/m3
kommt der überwiegende Teil des Radons meist aus dem Untergrund. In
solchen Fällen sollten deshalb immer Maßnahmen zur Senkung der
Radonkonzentration in Betracht gezogen werden.