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Antrittsrede von Dr. Inge Paulini im BfS

Auf einem Festakt mit rund 50 Gästen aus Politik und verschiedenen Organisationen hielt Dr. Inge Paulini am 26. April 2017 in Salzgitter ihre Antrittsrede als neue Präsidentin des Bundesamts für Strahlenschutz.

Anfang 26.04.2017
Ort Bundesamt für Strahlenschutz, Salzgitter

Dr. Inge Paulini bei ihrer Antrittsrede Antrittsrede von Inge PauliniDr. Inge Paulini, Präsidentin des BfS

An dieser Stelle grüße ich ganz besonders herzlich alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesamtes für Strahlenschutz – hier in Salzgitter ebenso wie in Berlin, München, Freiburg, Bonn und Rendsburg. Ich freue mich sehr, dass auch die Kolleginnen und Kollegen, die heute nicht in Salzgitter dabei sein können, diese Veranstaltung per Liveübertragung verfolgen können.

Auch möchte ich die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit und der Bundesgesellschaft für Endlagerung begrüßen.

Dank für Vertrauen und Unterstützung

Zunächst möchte ich mich bei Ihnen, Frau Bundesministerin Hendricks, für Ihre freundlichen Worte bedanken sowie Ihnen und dem Bundeskabinett für das Vertrauen danken, das Sie in mich setzen. Ich verspreche Ihnen, dass ich alles mir Mögliche tun werde, um diesem Vertrauen gerecht zu werden.

Mein herzlicher Dank geht auch an Wolfram König, dem ich nun an der Spitze des BfS nachfolgen darf. Als klar wurde, dass ich mit der Leitung des BfS betraut werden würde, hast Du, Wolfram, mir gleich zur Seite gestanden, um mir den Einstieg in dieses Amt so leicht wie möglich zu machen. Zudem ist es maßgeblich auch Dir zu verdanken, dass ich die Leitung einer Institution übernehme, die in Politik und Öffentlichkeit als glaubwürdiger und unabhängiger Akteur wahrgenommen wird.

Ebenso bedanke ich mich bei Ihnen, Herr Nimbach - Sie sind mir seit der Kabinettsentscheidung sehr freundlich und offen entgegengekommen und haben mich in den vergangenen Wochen bereits tatkräftigst unterstützt.

Berührungspunkte zu verschiedenen Themen des BfS

Nun einige Worte zu meiner Person: Ich wurde gefragt, ob ich mir vorstellen könne, das BfS zu leiten – und meine erste spontane Reaktion war "Ich kenne den Strahlenschutz doch kaum". Dann wurde mir aber schnell klar, dass es für diese Aufgabe zwar einen wissenschaftlichen Hintergrund braucht, um mit den Themen des Hauses proaktiv und aktiv umgehen zu können. Aber genauso wichtig sind Verwaltungs- und Führungserfahrung, Erfahrungen in der wissenschaftlichen Politikberatung, in der Kommunikation mit der Öffentlichkeit und nicht zuletzt auch mit der Wirtschaft. All das kann ich vorweisen. Also habe ich mit gutem Gewissen zugesagt.

Bei näherem Hinsehen fand ich auch eine Reihe von Berührungspunkten zu verschiedenen Themen des BfS in meinem Werdegang - zum Beispiel den Gesundheitsschutz in Innenräumen, die Vielfache Chemikalienunverträglichkeit oder MCS, die viele Ähnlichkeiten zur Elektrosensibilität aufweist, den Verbraucherschutz und die Kommunikation mit der Öffentlichkeit.

Neuorientierung der Behörde

Frau Hendricks und Herr König haben bereits an den Jahrestag von Tschernobyl erinnert. Die Reaktorkatastrophe am 26. April 1986 war der Anlass für die Gründung des BfS im Jahr 1989. Die Organisationsstrukturen wurden damals angepasst, um den Strahlenschutz von Mensch und Umwelt zu verbessern. Auch heute befindet sich das BfS in einer – gleich mehrfachen – Umbruchsituation, die eine Neuorientierung erfordert – sowohl organisatorisch als auch fachlich:

Erstens geht mit den gesetzlichen Änderungen in den Bereichen Strahlenschutz und Endlagerung eine Aufteilung der Aufgaben auf insgesamt drei Institutionen einher: auf das Bundesamt für Strahlenschutz, das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) und die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE). Für das BfS eröffnet sich mit der neuen Struktur auch die Chance, sich als zentrale Fachbehörde des Bundes für den Strahlenschutz neu aufzustellen. BfE und BGE befinden sich noch im Aufbau, das BfS in der Neuorientierung. Das ist für alle Kolleginnen und Kollegen in allen drei Institutionen eine große Herausforderung. Für eine Übergangszeit stehen dem BfE und der BGE die Querschnittsbereiche des BfS noch zur Seite, die damit drei im Wandel befindliche Einrichtungen unterstützen. Das erfordert eine große Leistung der Kolleginnen und Kollegen!

Zweitens gibt es auch fachliche Änderungen: Mit dem neuen Strahlenschutzgesetz sollen erstmals alle Bereiche des Schutzes vor ionisierender Strahlung systematisch in einem Gesetz zusammengefasst werden. Damit kommen veränderte und neue inhaltliche Aufgaben auf das BfS zu, zum Beispiel im nuklearen Notfallschutz und im medizinischen Strahlenschutz. Wenn das Gesetz noch vor der Sommerpause verabschiedet wird, treten die Veränderungen im Notfallschutz bereits dieses Jahr in Kraft. Viele andere Neuregelungen sollen bis Ende 2018 umgesetzt sein. Für das BfS gibt es also viel zu tun!

Drittens erinnert uns der Jahrestag von Tschernobyl an die gesellschaftliche Bedeutung, die dem Strahlenschutz zukommt. Seit Tschernobyl sind 31 Jahre vergangen. Für viele Menschen fühlt sich das lang an. Dieser Zeitraum entspricht aber gerade mal der Halbwertszeit von Cäsium-137, das damals in großen Mengen freigesetzt wurde.

Dieses Beispiel zeigt die Bedeutung der Arbeit des BfS. Mit ihrer guten fachlichen Arbeit erfüllen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BfS den öffentlichen Auftrag, die Menschen und die Umwelt vor möglichen Schäden durch ionisierende und nicht ionisierende Strahlung zu schützen. Dies kann nur dann gut gelingen, wenn die gesellschaftliche Aufmerksamkeit für die Themen des BfS vorhanden ist. Guter Strahlenschutz muss also sichtbar sein! Hier hat das BfS bereits wichtige Beiträge geleistet. Durch die große Aufmerksamkeit für die Entsorgungsthemen wurden andere wichtige Arbeitsgebiete des BfS bislang allerdings politisch und öffentlich weniger stark wahrgenommen. Dies ist eine der großen Chancen, die ich in der Verteilung der Aufgaben auf drei Institutionen sehe. Hier können und hier sollten wir als BfS noch präsenter werden.

Wandel als Chance

Solche Zeiten des Wandels können unbequem sein. Ich bin mir aber sicher: Sie sind immer auch mit Chancen verbunden. Und nicht zuletzt deswegen stehe ich heute hier: Ich möchte diese Chancen, mit Ihnen gemeinsam, nutzen! Jetzt ist ein guter Zeitpunkt, um uns gemeinsam zu überlegen: Wie soll es mit dem BfS weitergehen? Worum sollen wir uns nun vordringlich – und überhaupt – kümmern? Bis zum Jahresende 2017 wird es sicher sehr darum gehen, dass die neue Struktur uns allen vertraut und selbstverständlich wird. Gleichzeitig möchte ich bis dahin auch strategische Weichen stellen. Besonders wichtig sind mir dabei die folgenden Punkte:

  1. Als Ressortforschungseinrichtung kann das BfS nur dann gute Politikberatung leisten, wenn die wissenschaftliche Basis stimmt. Ich freue mich, dass wir auf einer guten Grundlage aufbauen: Das BfS und seine wissenschaftliche und technische Expertise haben einen guten Ruf. Der Wissenschaftsrat hat das BfS zuletzt im Jahr 2014 evaluiert und dies bestätigt. Nun gilt es, die vorhandene Fachkompetenz mittel- und langfristig zu erhalten und sie an neue Bedarfe anzupassen.

  2. Im Sinne des bestmöglichen und vorsorgenden Verbraucher- und Gesundheitsschutzes muss das BfS bei Bedarf auch neue Themen aufgreifen. Auf jeden Fall muss es kritische Fragen stellen und neue Antworten finden. Es sollte in gesellschaftlichen Veränderungsprozessen für die Lebenswirklichkeit der Menschen passende Lösungsvorschläge entwickeln und auch in den Prozessen selbst unterstützend tätig werden. Das BfS hat bereits gute Erfahrungen mit Dialogangeboten gemacht, z.B. beim Strahlenschutz im Stromnetzausbau. Hieran sollten wir anknüpfen und weiter mit den Menschen ins Gespräch kommen oder im Gespräch bleiben.

  3. Die Kooperation und die Vernetzung mit unseren vielen Partnern, national wie international, sind für mich zentral. Sie sollen intensiv weitergeführt und – wo sinnvoll oder erforderlich – ausgebaut werden. Ganz besonders wichtig ist mir in diesem Kontext die enge und gute Zusammenarbeit mit dem BMUB.

Neue Themen und aktuelle Entwicklungen

Und welche Themen setzt die neue Präsidentin? Das mögen sich einige von Ihnen fragen. Vor einer endgültigen Festlegung möchte ich zunächst das Haus, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und ihre Themen kennenlernen.

Auch müssen wir eine ganze Reihe aktueller Entwicklungen ins Auge fassen, nicht zuletzt im Kontext des neuen Strahlenschutzgesetzes. Beispiele dafür sind die zunehmende Digitalisierung aller Lebensbereiche und deren Folgen, die Energiewende und der Strahlenschutz beim Ausbau der Stromnetze, die Entwicklungen in der Medizin, besonders auch im Hinblick auf die zunehmende Individualisierung, und die Weiterentwicklung des nuklearen Notfallschutzes.

Bitte verstehen Sie diese Themen nur als erste Überlegungen. Für die Entwicklung eines strategischen Programms für das BfS werden wir uns vertieft austauschen.

Zukünftige Ziele gemeinsam entwickeln

Zum Schluss noch einige Worte zu unserer Zusammenarbeit, sowohl an die externen Partner, aber auch ganz besonders an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im BfS gerichtet: Ich lege viel Wert auf offenen Austausch. Ich werde Ihnen zuhören und von Ihnen lernen, und unsere zukünftigen Ziele mit Ihnen gemeinsam entwickeln. Ich werde für alle – auch für die Personalvertretungen – eine offene Tür und ein offenes Ohr haben.

Mir ist es sehr wichtig, Sie mit der Zeit alle kennenzulernen und ich fange gleich damit an: Morgen und übermorgen werden Wolfram König und ich Sie zum Auftakt dieses Prozesses gemeinsam in Freiburg und in München und in der kommenden Woche in Berlin besuchen. Nach Bonn und Rendsburg komme ich sobald wie möglich.

Um erfolgreich zu sein, bin ich auf Ihre Kooperation, Ihre Unterstützung und Ihre Loyalität angewiesen. Darum bitte ich Sie – und darauf setze ich. Ich freue mich sehr auf meine Arbeit im BfS und auf die Zusammenarbeit mit Ihnen allen.

Herzlichen Dank!

Stand: 27.04.2017

© Bundesamt für Strahlenschutz