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Das radioaktive Edelgas Radon: Geruchlos, geschmacklos, als Gesundheitsrisiko selten wahrgenommen

Wie gesellschaftliche Wahrnehmungen Herausforderungen und Aufgaben des Bundesamtes für Strahlenschutz seit über 25 Jahren prägen

Ausgabejahr 2015
Datum 26.10.2015

Etwa fünf Prozent aller Lungenkrebstodesfälle in Deutschland gehen auf das natürliche radioaktive Edelgas Radon zurück – das sind über 1.900 Tote jährlich. Radon in Wohnhäusern ist damit die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs nach dem Rauchen.

Radon kann in Gebäude gelangen und sich in der Innenraumluft anreichern. Dass das geschmack- und geruchlose Gas am meisten zur natürlichen Strahlenbelastung beiträgt, war und ist nur wenigen bewusst. "Wenn die Wahrnehmung eines Problems in den Hintergrund tritt, ist es umso wichtiger, als Fachbehörde mit wissenschaftlichen Erkenntnissen verlässlich dazu beizutragen, dass der Schutz der Bürgerinnen und Bürger verbessert wird", sagt Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS), anlässlich der Vorstellung der Sonderausgabe des Jahresberichtes zu 25 Jahren BfS.

Über das gesundheitliche Risiko von Radon hat das BfS seit Anfang der 1990er Jahre wissenschaftlich belegte Erkenntnisse zusammengetragen. Maßgebend war vor allem die international viel beachtete Langzeitstudie unter Uran-Bergarbeitern, die sogenannte "Wismut–Studie". Auch an der Europäischen Studie zum Radonrisiko in Wohnungen war das BfS zentral beteiligt.

Die Studienergebnisse zur Bewertung des Radonrisikos, wie auch die Mitwirkung des BfS in internationalen Institutionen und Gremien wie

  • der Weltgesundheitsorganisation (WHO),
  • der Internationalen Atomenergieorganisation (IAEA) sowie
  • der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP)

hatten maßgeblichen Anteil daran, dass heute Referenzwerte für Radon in Wohnhäusern empfohlen werden.

Die neue europäische Grundnormenrichtlinie für den Strahlenschutz, die bis Februar 2018 im deutschen Recht umgesetzt sein muss, sieht für Radon in Wohnhäusern und an Arbeitsplätzen einen Referenzwert von maximal 300 Becquerel pro Kubikmeter Luft vor. Aus fachlichen Gesichtspunkten sprechen sich das BfS und die WHO für einen Wert von 100 Becquerel aus. Schon ab einer Konzentration von 100 Becquerel ist statistisch ein erhöhtes Gesundheitsrisiko nachweisbar. Die Diskussion um die Höhe eines deutschen Referenzwertes ist noch nicht abgeschlossen.

Wie Wahrnehmung und wissenschaftliche Erkenntnis eines Problems auseinanderfallen können

"Beim Thema Radon zeigt sich, wie Wahrnehmung und wissenschaftliche Erkenntnis eines Problems auseinanderfallen können. Es ist eine Erfahrung, die das Bundesamt für Strahlenschutz in verschiedenen Themenbereichen gesammelt hat und die sich wie ein roter Faden durch die 25 Jahre seines Bestehens zieht“, sagt Wolfram König.

Beim gesellschaftlich prominent wahrgenommenen Thema Atomenergie setzt sich König ebenfalls für erhöhte Aufmerksamkeit ein: "Wir müssen dafür Sorge tragen, dass auch nach 2022, wenn das letzte Kernkraftwerk abgeschaltet ist, die Sicherheitskultur insgesamt nicht vernachlässigt wird." Mit dem Ausstieg allein sind die Sicherheitsfragen der Atomenergie nicht gelöst, so König.

Das BfS wurde 1989 unter anderem als Antwort auf die Krisensituation nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl gegründet. Verschiedene Expertenstimmen, die zum Teil widersprüchlich waren, sorgten damals für Verunsicherung unter Bürgerinnen und Bürgern. Ziel der Gründung des BfS war es, Fachwissen und Zuständigkeiten in einer Behörde zu bündeln, um den Strahlenschutz in Deutsch-land zu verbessern.

"Zentrale Aufgabe einer wissenschaftlich-technischen Fach-behörde bleibt, Erkenntnisse immer wieder zu hinterfragen, die Bevölkerung auch bei komplexen Herausforderungen mitzunehmen und aktiv an der inhaltlichen wie organisatorischen Weiterentwicklung mitzuwirken, um den bestmöglichen Schutz für Mensch und Umwelt zu gewährleisten", so König.

Sonderausgabe des Jahresberichtes (http://www.bfs.de/jahresbericht)

Video mit Meilensteinen aus 25 Jahren BfS

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Stand: 26.10.2015

© Bundesamt für Strahlenschutz