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BfS bündelt internationale Kompetenzen für biologische Dosimetrie

Dr. Ulrike Kulka (BfS) Dr. Ulrike KulkaDr. Ulrike Kulka, Leiterin des Fachgebiets Biologische Dosimetrie im BfS

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) setzt sich für ein internationales Netzwerk für individuelle Dosisbestimmungen nach einem Strahlenunfall ein. Um nach einem größeren Strahlenunfall bei möglichst vielen betroffenen Personen die potenziell erhaltene individuelle Strahlendosis effizient abschätzen zu können, wurde 2017 unter Federführung des BfS das Netzwerk RENEB (Running the European Network of Biological and Physical Retrosprective Dosimetry) e.V. ins Leben gerufen.

Bei der ersten Hauptversammlung des Netzwerks am 10. Juni 2018 in Neuherberg wurde Dr. Ulrike Kulka, Leiterin des Fachgebiets Biologische Dosimetrie im BfS, zur Vorsitzenden gewählt.

Biologische Dosimetrie ermöglicht Einschätzung erhaltener Strahlendosen

Nach einem großen Strahlenunfall oder einem terroristischen Anschlag unter Verwendung von radioaktivem Material kann eine große Anzahl von Personen ionisierender Strahlung ausgesetzt werden. Um Betroffene optimal zu versorgen, muss eine individuelle Dosisrekonstruktion durchgeführt werden. Diese ist auch nötig, um Personen zu identifizieren, die angeben, Strahlensymptome aufzuweisen, ohne möglicherweise einer entsprechenden Dosis ausgesetzt gewesen zu sein. Dabei spielt die biologische Dosimetrie eine wichtige Rolle, vor allem bei unklaren Bestrahlungssituationen oder widersprüchlichen Befunden.

Grundlage dafür ist die Erfassung von biologischen Veränderungen, die durch ionisierende Strahlung in der Erbsubstanz entstehen und sich zum Beispiel als Chromosomenveränderungen in weißen Blutkörperchen nachweisen lassen. Mit Hilfe der biologischen Dosimetrie kann die individuelle Strahlendosis auch dann abgeschätzt werden, wenn die Dosis selbst direkt nicht mehr gemessen werden kann oder widersprüchliche Angaben vorliegen.

Vernetzung auf europäischer Ebene verbessert den internationalen Notfallschutz

Da die Kapazität eines einzelnen Labors alleine bei einem großen Strahlenunfall nicht ausreicht, werden die Ressourcen fachkundiger Labore in Europa in dem Netzwerk RENEB gebündelt. Die insgesamt 26 beteiligten Organisationen aus 16 europäischen Ländern sind bereit, sich bei einem größeren Strahlenunfall gegenseitig zu unterstützen.

Bei der ersten Hauptversammlung des Netzwerks wurde ein Arbeitsschwerpunkt für die nächsten zwei Jahre festgelegt: Gemeinsam wollen die Partnerlabore die Grundlagen zur Dosisabschätzung im Falle von Vorkommnissen mit Neutronenstrahlung klären. Dafür werden Blutzellen mit Neutronenstrahlung in unterschiedlichen Dosen bestrahlt und die Auswirkungen in sogenannten Dosiswirkungskurven festgehalten. Neben den RENEB-Partnern sind die Physikalisch-Technische Bundesanstalt in Braunschweig und die Columbia University New York (USA) an dem Projekt beteiligt.

BfS organisiert weiteren Experten-Austausch auf internationaler Ebene

Bei weiteren internationalen Treffen kamen im Juni 2018 mehr als 150 Experten aus dem Bereich biologische und retrospektive physikalische Dosimetrie in München zusammen.

Gruppenbild mit Teilnehmern des WHO BioDoseNet MeetingBeim Treffen des WHO BioDoseNet begrüßte das BfS Vertreter internationaler Behörden, Universitäten und Forschungseinrichtungen

  • So wurde bei der EPR BioDose Konferenz, die vom BfS gemeinsam mit dem Helmholtz Zentrum München und dem Bundeswehrinstitut für Radiobiologie ausgerichtet wurde, unter anderem über das Thema Biomarker (charakteristische biologische Merkmale, die als Referenz für Prozesse und Krankheitszustände im Körper verwendet werden können) in der biologischen und EPR- (retrospektive physikalische) Dosimetrie diskutiert.
  • Beim Treffen des WHO BioDoseNet kamen Vertreter internationaler Behörden, Universitäten und Forschungseinrichtungen zusammen, um Erfahrungen austauschen und Weiterentwicklungen auf diesem Gebiet auch in strukturschwachen Ländern voranzutreiben. Als Kooperationszentrum der Weltgesundheitsorganisation (WHO) auf dem Gebiet Notfallschutz hat das BfS das Treffen organisiert.

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Stand: 03.07.2018

© Bundesamt für Strahlenschutz