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Nukleare Entsorgung

Lagerung - Transport - Überwachung radioaktiver Abfälle

Nukleare Entsorgung

Zwischenlager Nord bei Lubmin (Gemeinde Rubenow)

Das Zwischenlager Nord (ZLN) ist eine Einrichtung zur Behandlung und Lagerung aller Arten radioaktiver Abfälle in der Gemeinde Rubenow (Amt Lubmin) im Landkreis Ostvorpommern (Land Mecklenburg-Vorpommern). Es liegt direkt am Betriebsgelände der stillgelegten Kernkraftwerke Greifswald, Lubmin (ehemals VEB Kombinat Kernkraftwerk Bruno Leuschner) und wird von der Zwischenlager Nord GmbH, einer 100-Prozent-Tochter der Energiewerke Nord GmbH betrieben. Diese ist zu 100 Prozent Eigentum des Bundes (vertreten durch das Bundesministerium der Finanzen) und größter staatlicher Besitzer von radioaktiven Abfällen.

Das Zwischenlager wurde zwischen 1994 und 1997 errichtet, um die beim Rückbau der ehemaligen DDR-Kernkraftwerke Greifswald (Rubenow) und Rheinsberg anfallenden radioaktiven Abfälle aufzunehmen. Es besteht aus einem achtschiffigen Hallenkomplex zur Lagerung radioaktiver Abfälle, an den ein weiterer Teil mit Behandlungseinrichtungen zur Konditionierung radioaktiver Abfälle angeschlossen ist. Die Hallen 1 bis 7 dienen der Aufnahme nicht-wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle, die Halle 8 der Aufnahme von Kernbrennstoffen.

Genehmigungs- und Aufsichtsbehörde für die Hallen 1 bis 7 sowie die Behandlungseinrichtungen des Zwischenlagers Nord ist das Ministerium für Inneres und Sport Mecklenburg-Vorpommern. Die Aufbewahrung von Kernbrennstoffen in Halle 8 hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) nach Paragraph 6 des Atomgesetzes genehmigt. Genehmigungsbehörde nach Paragraph 6 Atomgesetz ist seit dem 30. Juli 2016 das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE), das diese Aufgabe vom bis dahin zuständigen BfS übernommen hat. Atomrechtliche Aufsichtsbehörde ist das Ministerium für Inneres und Sport Mecklenburg-Vorpommern.

Aufbewahrung von Kernbrennstoffen in Halle 8

Die Aufbewahrungsgenehmigung des BfS vom 5. November 1999 gilt bis zum 31. Oktober 2039. Sie gestattete ursprünglich nur die Aufbewahrung von Kernbrennstoffen aus den stillgelegten DDR-Kernkraftwerken Greifswald und Rheinsberg.

Eine Einlagerung von Abfällen aus Westdeutschland ist später vom Betreiber des Zwischenlagers beantragt worden: Mit Änderungsgenehmigungen vom 24. Februar 2009 und vom 30. April 2010 hat das BfS auf Antrag der ZLN Zwischenlager Nord GmbH gestattet, HAW-Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe sowie Brennstäbe aus dem ehemaligen Kernforschungszentrum Karlsruhe und Brennstäbe des Forschungsschiffes "Otto Hahn" aufzubewahren.

Als zuständige Genehmigungsbehörde muss das BfE (bzw. bis 29. Juli 2016 das BfS) eine Aufbewahrungsgenehmigung erteilen, wenn ein Antragsteller alle Genehmigungsvoraussetzungen des Atomgesetzes erfüllt (sogenannter "gebundener Verwaltungsakt"). Prüfkriterium ist dabei die Sicherheit der Aufbewahrung, nicht jedoch die Herkunft der aufbewahrten Stoffe.

Staatliche Verwahrung von Kernbrennstoffen

In Halle 8 des Zwischenlagers Nord ist ein kleiner Platz für die staatliche Verwahrung von Kernbrennstoffen, die seit dem 30. Juli 2016 Aufgabe des BfE ist, reserviert: Als Notfallvorsorge für den Fall, dass beispielsweise bei Grenzkontrollen kleinere Mengen an Kernbrennstoffen aufgefunden werden, muss der Staat die sichere Aufbewahrung sicherstellen (Staatliche Verwahrung nach Paragraph 5 Atomgesetz (AtG)). Hierfür sind vorsorglich drei Behälterstellplätze im Zwischenlager Nord angemietet, die aber derzeit nicht genutzt werden. Konkrete Planungen für eine Einlagerung von Kernbrennstoffen bestehen nicht.

Lagerbelegung

Lagerbelegung

Aktuell befinden sich Kernbrennstoffe in insgesamt 74 Castor-Behältern in Halle 8 des Zwischenlagers Nord:

  • 59 Behälter mit Brennelementen aus dem Kernkraftwerk (KKW) Greifswald
  • 6 Behälter mit Brennelementen aus dem KKW Rheinsberg
  • 4 Behälter mit Brennstäben aus Karlsruhe und dem Forschungsschiff "Otto Hahn"
  • 5 Behälter aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe
  • Weitere Einlagerungen sind nicht vorgesehen.

Aufbewahrungsgenehmigungen

Erteilte Aufbewahrungsgenehmigungen

Mit der ersten erteilten Genehmigung genehmigte das BfS der Energiewerke Nord GmbH und der ZLN Zwischenlager Nord GmbH, Kernbrennstoffe in Form von bestrahlten Brennelementen und Regelelement-Brennstoffteilen sowie sonstige radioaktive Stoffe, wie betriebliche Abfälle, aufzubewahren.

Mit der 1. Änderungsgenehmigung wurde gestattet, einen Transport- und Lagerbehälter CASTOR 440/84 mvK mit weiteren im Rahmen der Stilllegung und des Abbaus des Kernkraftwerks Rheinsberg zu entsorgenden Kernbrennstoffen (Sonderbrennelemente) und sonstigen radioaktiven Stoffen sowie weiteren sechs vor Erteilung der Aufbewahrungsgenehmigung bereits im KKR sowie im KGR beladen Transport- und Lagerbelältern CASTOR 440/84 in Halle 8 des Zwischenlagers Nord einzulagern.

Mit der erteilten 2. Änderungsgenehmigung wurde das Verfahren zur Behältertrocknung geändert.

3. Änderungsgenehmigung zur Aufbewahrungsgenehmigung vom 5. November 1999 für das Transportbehälterlager des Zwischenlagers Nord in Rubenow vom 19. Dezember 2005

Die durch das BfS erteilte 3. Änderungsgenehmigung vom 19.12.2005 betrifft die Staatliche Verwahrung in Halle 8 des Zwischenlagers Nord. Nach Beendigung der Staatlichen Verwahrung wurde die Genehmigung mit Schreiben der Energiewerke Nord GmbH vom 8. November 2008 zurückgegeben. Diese Genehmigung ist damit erloschen. Daher wird auf eine Veröffentlichung der 3. Änderungsgenehmigung an dieser Stelle verzichtet.

Mit der 4. Änderungsgenehmigung wurde ergänztes Inventar in Transport- und Lagerbehältern CASTOR 440/84, Kernbrennstoffe in drei Transport- und Lagerbehältern CASTOR KRB-MOX und die Lagerung von 10 leeren Transport- und Lagerbehältern mit Innenkontaminationen gestattet.

Mit der 5. Änderungsgenehmigung wurden Änderungen und Ergänzungen der Anlagensicherung genehmigt.

Mit der 6. Änderungsgenehmigung dürfen auch Kernbrennstoffe in Form von HAW-Glaskokillen aus der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe, sogenannte VEK-Kokillen in fünf Transport- und Lagerbehältern der Bauart CASTOR HAW 20/28 CG SN 16 in Halle 8 des Zwischenlagers Nord eingelagert werden. Die 6. Änderungsgenehmigung enthält eine Klarstellung zum Verzicht auf die 3. Änderungsgenehmigung.

Die 7. Änderungsgenehmigung gestattet die Aufbewahrung bestrahlter und unbestrahlter Kernbrennstoffe aus der kompakten, natriumgekühlten Kernreaktoranlage (KNK) sowie bestrahlter und unbestrahlter Kernbrennstoffe aus dem Betrieb des Forschungsschiffes "Otto Hahn" in 4 Transport- und Lagerbehältern CASTOR KNK in Halle 8 des Zwischenlagers Nord.

Genehmigungsverfahren

Aktuelles Genehmigungsverfahren

Erweiterung des baulichen Schutzes des Transportbehälterlagers des Zwischenlagers Nord

Mit Schreiben vom 30. Juni 2011 hat die Energiewerke Nord GmbH die Erweiterung des baulichen Schutzes des Transportbehälterlagers des Zwischenlagers Nord gegen Störmaßnahmen oder sonstige Einwirkungen Dritter ( SEWD ) beantragt. Die Nachrüstung dient der Optimierung der Sicherungsmaßnahmen. Zur Realisierung der Maßnahmen ist neben einer atomrechtlichen Genehmigung durch das BfE u.a. auch eine eine baurechtliche Genehmigung durch den Landkreis Vorpommern-Greifswald erforderlich.

In einem solchen Genehmigungsverfahren ist der Antragsgegenstand nach dem Stand von Wissenschaft und Technik zu prüfen. Darüber hinaus ist für das Änderungsvorhaben die UVP-Pflicht festzustellen, d.h. ob eine Umweltverträglichkeitsprüfung mit einem Öffentlichkeitsbeteiligungsverfahren erforderlich ist. Mit Schreiben vom 20. Juli 2015 hat die Energiewerke Nord GmbH ihren Antrag für die darin gewählte Variante allerdings zurückgezogen. Die weiteren Planungen zum Vorgehen obliegen dem Betreiber EWN. Dem BfE liegen keine weiteren Informationen dazu vor.

Stand: 20.09.2016

Übergang der Fachaufgaben von BfS auf das BfE

Am 30.07.2016 ist das "Gesetz zur Neuordnung der Organisationsstruktur im Bereich der Endlagerung" in Kraft getreten. Es sieht vor, die staatlichen Aufgaben der Aufsicht und Genehmigung im Bereich der Kerntechnik, der Zwischenlagerung, der Standortauswahl und der Endlagerüberwachung mehrheitlich in einer neuen Behörde zu bündeln, dem Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE).

Mit Inkrafttreten des Gesetzes wurden die entsprechenden Fachaufgaben des BfS auf das BfE übertragen. Damit das BfE sofort arbeitsfähig ist, unterstützt das BfS das BfE für eine Übergangszeit.

Die Internetseiten werden derzeit gemeinsam von BfS und BfE überarbeitet. In dieser Zeit finden Sie alle Informationen zu den Themen Kerntechnische Sicherheit, Nukleare Entsorgung und Endlagerüberwachung weiterhin auf den Internetseiten des BfS.

© Bundesamt für Strahlenschutz