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Nukleare Entsorgung

Lagerung - Transport - Überwachung radioaktiver Abfälle

Nukleare Entsorgung

Wie werden radioaktive Stoffe transportiert?

  • Jährlich werden in Deutschland insgesamt mehr als eine halbe Million Versandstücke mit radioaktiven Stoffen transportiert.
  • Den zahlenmäßig größten Anteil an den Transporten haben radioaktive Stoffe für Mess-, Forschungs- und medizinische Zwecke.
  • Beim Transport ist wesentlich, dass die Sicherheit durch das Versandstück selbst gewährleistet wird.
  • Im Rahmen des Gefahrgutrechts ist das BfE zuständig für die Erteilung von Bauart-Zulassungen für Transportbehälter (sogenannte Versandstückmuster).

Die Anwendung von radioaktiven Stoffen in vielen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens, zum Beispiel Medizin (Diagnostik, Therapie), Technik (Durchstrahlungsprüfungen), Forschung oder Energiegewinnung (Ver- und Entsorgung von Kernkraftwerken) erfordert oftmals, diese radioaktiven Stoffe zu transportieren. Den zahlenmäßig größten Anteil an den Transporten haben radioaktive Stoffe für Mess-, Forschungs- und medizinische Zwecke. Jährlich werden in Deutschland insgesamt mehr als eine halbe Million Versandstücke mit radioaktiven Stoffen transportiert.

Im Blickpunkt der Öffentlichkeit stehen jedoch hauptsächlich die sogenannten "CASTOR-Transporte". CASTOR ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung "Cask for Storage and Transport of Radioactive Material" und kennzeichnet verschiedene Behälterbauarten. Diese Behälter werden zum Beispiel für den Transport und die Zwischenlagerung bestrahlter Brennelemente und hoch radioaktiver Abfälle aus der Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen verwendet. Weiterhin wurden derartige Behälter zum Transport bestrahlter Brennelemente von deutschen Kernkraftwerken zu den Wiederaufarbeitungsanlagen in Frankreich und Großbritannien eingesetzt. Im Rahmen der Konsensvereinbarung zum Atomausstieg zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgungsunternehmen wurden die Transporte zur Wiederaufarbeitung am 30.06.2005 eingestellt.

Konzept des "sicheren Versandstücks"

Beim Transport ist wesentlich, dass die Sicherheit durch das Versandstück selbst gewährleistet wird. Grundlage dafür sind die Empfehlungen der Internationalen Atomenergie-Organisation (International Atomic Energy Agency – IAEA), die weltweit in den gesetzlichen Vorschriften für den Transport radioaktiver Stoffe umgesetzt wurden.

Die Sicherheitsphilosophie der Gefahrgutbeförderungsvorschriften beruht auf dem Konzept des "sicheren Versandstücks", das weitgehend verkehrsträgerunabhängig mit geringen operativen und administrativen Maßnahmen befördert werden kann. Dementsprechend werden in Abhängigkeit von der Art und Menge (Gefährdungspotential) des zu transportierenden radioaktiven Stoffes sicherheitstechnische Anforderungen an das Versandstück (Verpackung und Inhalt) gestellt ("abgestufte" Verpackungsanforderungen). Diese reichen von allgemeinen Anforderungen für freigestellte Versandstücke mit sehr begrenztem Inhalt bis hin zu unfallsicheren Typ B und Typ C Versandstücken mit radioaktiven Stoffen hoher Aktivität. CASTOR-Behälter gehören beispielsweise zu den Typ-B-Versandstücken, den sogenannten "unfallsicheren Verpackungen". Diese Behälter müssen den Auswirkungen selbst schwerster Unfälle standhalten können und dabei ihre Sicherheitsfunktion hinsichtlich

  • des Einschlusses des radioaktiven Inhaltes (Dichtheit),
  • der Abschirmung der radioaktiven Strahlung,
  • der Ableitung der vom Inhalt ausgehenden Wärme und
  • des Ausschlusses des Entstehens einer nuklearen Kettenreaktion (Kritikalitätssicherheit)

beibehalten. Solche Typ-B-Versandstücke unterliegen der Zulassungspflicht durch das BfE. Die Erfüllung der gesetzlich geforderten Typ-B-Eigenschaften der Behälter muss vor ihrer amtlichen Zulassung nachgewiesen werden, wobei verschiedene Methoden, wie Originaltests, Modelltests und theoretische Nachweise zur Anwendung kommen.

Die technische Sicherheit bei der Beförderung radioaktiver Stoffe wird somit in erster Linie durch die Eigenschaften des Versandstücks gewährleistet.

Zulassung von Transportbehältern

Im Rahmen des Gefahrgutrechts ist das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE) zuständig für die Erteilung von Bauart-Zulassungen für Transportbehälter (sogenannte Versandstückmuster). Es hat diese Aufgabe am 30. Juli 2016 vom bis dahin zuständigen Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) übernommen. Das BfE prüft dabei die radiologischen Aspekte wie die Strahlenabschirmung und die Kritikalitätssicherheit.

Mechanische und thermische Eigenschaften, Dichtheit und Qualitätssicherung werden eigenständig von der Bundesanstalt für Materialforschung und -prüfung (BAM) begutachtet und durch ein Prüfungszeugnis bestätigt. Auf Basis dieser beiden Untersuchungen erteilt das BfE die Zulassung.

Genehmigung von Kernbrennstoff-Transporten

Das BfE ist nach dem Atomrecht außerdem zuständig für die Genehmigung von Transporten mit Kernbrennstoffen und Großquellen. Auch diese Aufgabe hat das BfE am 30. Juli 2016 vom BfS übernommen. Transportgenehmigungen werden nur erteilt, wenn die Vorschriften des Atomrechts und des Gefahrgutrechts eingehalten werden. Nähere Angaben über die von BfE und BfS erteilten gültigen Beförderungsgenehmigungen können auch einer Übersichtstabelle entnommen werden.

Die Aufsicht über Kernbrennstoff-Transporte ist wie folgt geregelt:

  • Die atom- und gefahrgutrechtliche Aufsicht über Transporte von Kernbrennstoffen obliegt den Landesbehörden für die Verkehrsträger Straße, Binnengewässer und See.
  • Für Lufttransporte sind die Landesbehörden ebenfalls zuständig für die atomrechtliche Aufsicht, während die gefahrgutrechtliche Aufsicht dem Luftfahrt-Bundesamt obliegt.
  • Für die atom- und gefahrgutrechtliche Aufsicht über Transporte mit der Bahn ist das Eisenbahn-Bundesamt verantwortlich.
Stand: 23.11.2016

Übergang der Fachaufgaben von BfS auf das BfE

Am 30.07.2016 ist das "Gesetz zur Neuordnung der Organisationsstruktur im Bereich der Endlagerung" in Kraft getreten. Es sieht vor, die staatlichen Aufgaben der Aufsicht und Genehmigung im Bereich der Kerntechnik, der Zwischenlagerung, der Standortauswahl und der Endlagerüberwachung mehrheitlich in einer neuen Behörde zu bündeln, dem Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE).

Mit Inkrafttreten des Gesetzes wurden die entsprechenden Fachaufgaben des BfS auf das BfE übertragen. Damit das BfE sofort arbeitsfähig ist, unterstützt das BfS das BfE für eine Übergangszeit.

Die Internetseiten werden derzeit gemeinsam von BfS und BfE überarbeitet. In dieser Zeit finden Sie alle Informationen zu den Themen Kerntechnische Sicherheit, Nukleare Entsorgung und Endlagerüberwachung weiterhin auf den Internetseiten des BfS.

© Bundesamt für Strahlenschutz