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Nukleare Entsorgung

Lagerung - Transport - Überwachung radioaktiver Abfälle

Nukleare Entsorgung

Was sind Endlager?

  • Ein Endlager ist ein Lagerort für eine sichere, zeitlich unbeschränkte und wartungsfreie Aufbewahrung von Schadstoffen.
  • Für die Endlagerung radioaktiver Abfälle unterscheidet man in Deutschland zwischen wärmeentwickelnden radioaktiven Abfällen und solchen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung.

Karte mit den Standorten Asse, Morsleben und Konrad Karte mit den Standorten Asse, Morsleben und Konrad

Ein Endlager ist ein Lagerort für eine sichere, zeitlich unbeschränkte und wartungsfreie Aufbewahrung von Schadstoffen. Wegen der mit ihnen verbundenen Gefahren über Jahrtausende müssen radioaktive Abfälle sicher endgelagert werden. Die Menschen nutzen radioaktive Stoffe in vielfältiger Weise zum Beispiel zur Erzeugung von Strom, in der Medizin und der Industrie. Dabei fallen radioaktive Abfälle an.

Radioaktive Abfälle

Für die Endlagerung radioaktiver Abfälle unterscheidet man in Deutschland zwischen wärmeentwickelnden radioaktiven Abfällen und solchen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung.

  • Zu den wärmeentwickelnden radioaktiven Abfällen gehören vor allem die abgebrannten Brennelemente sowie hochradioaktive flüssige Abfälle (Spaltproduktlösungen) aus der Wiederaufarbeitung abgebrannter Brennelemente, die aufkonzentriert und in Glas eingeschmolzen werden (Glaskokillen).
  • Andere radioaktive Rohabfälle, wie ausgediente Werkzeuge und Anlagenteile, Putzlappen, verbrauchte Filter oder Rückstände aus der Abwasserbehandlung, zählen zu den Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung.

Herkunft radioaktiver Abfälle in Deutschland

Radioaktive Reststoffe und Abfälle fallen in Deutschland hauptsächlich an

  • im Zusammenhang mit der Stromerzeugung durch Kernkraftwerke,
  • bei Stilllegung und Abbau kerntechnischer Einrichtungen,
  • bei Forschungs- und Entwicklungsarbeiten sowie
  • in Industrie und Medizin.

Die Menge an Abfällen aus der Medizin ist dabei zu vernachlässigen, sie beträgt weniger als 0,5 Volumen-Prozent.

Die bei der Wiederaufarbeitung von abgebrannten Brennelementen aus deutschen Kernkraftwerken in Frankreich und England anfallenden Abfälle werden vertragsgemäß nach Deutschland zurückgeliefert und müssen endgelagert werden. Hinzu kommen die abgebrannten Brennelemente, die ohne Wiederaufarbeitung als wärmeentwickelnde radioaktive Abfälle (hochradioaktive Abfälle) direkt endgelagert werden.

Endlager und Endlagerprojekte

Sowohl Betrieb, Aufsicht und Genehmigung von Endlagern als auch Standortsuche nach einem Endlager sind staatliche Aufgaben. Die atomrechtliche Aufsicht über bestehende Endlager- und Stilllegungsprojekte sind in einer Behörde gebündelt, dem Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Das BfE reguliert und beaufsichtigt künftig auch die Standortsuche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle.

In Deutschland ist derzeit das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) für die Errichtung, den Betrieb und die Stilllegung von Endlagern zuständig. Die operativen Aufgaben der Standortsuche, der Errichtung und des Betriebs der Endlager sowie der Schachtanlage Asse II und des Bergwerks Gorleben sollen laut Gesetz an eine staatseigene Gesellschaft übergeben werden, die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE mbH). Die BGE mbH befindet sich derzeit in der Gründungsphase. Nach Sicherstellung der Handlungsfähigkeit sollen die entsprechenden Aufgaben vom BfS auf die BGE mbH übertragen werden.

Bis zur Aufgabenübertragung auf die BGE mbH bleibt das BfS für diese Aufgaben zuständig. Die Zuständigkeit umfasst

Während in Morsleben und in der Asse bereits radioaktive Abfälle lagern (Einlagerung in der Asse von 1967 bis 1978; Einlagerung in Morsleben von 1971 bis 1991 und von 1994 bis 1998), wurden die Erkundungsarbeiten am Standort Gorleben mit In-Kraft-Treten des Standortauswahlgesetzes am 27. Juli 2013 beendet. Konrad hingegen wird derzeit zum Endlager umgerüstet und ist das bisher einzige Endlager, das nach Atomrecht genehmigt wurde. Für das Endlager Morsleben gilt die Dauerbetriebsgenehmigung vom 22. April 1986 gemäß §57a AtG als fiktiver Planfeststellungsbeschluss fort.

Konrad

Endlager Konrad

In der Zeit zwischen 1975 und 1982 wurde das ehemalige Eisenerzbergwerk Konrad in Salzgitter auf seine Eignung als Endlager für radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung (schwach- und mittelradioaktive Abfälle) untersucht. 1982 wurde der Antrag auf Einleitung eines Planfeststellungsverfahrens gestellt. 2002 erteilte das Niedersächsische Umweltministerium den Planfeststellungsbeschluss (Genehmigung).

Über 30 Jahre nach den ersten Voruntersuchungen und 5 Jahre nach dem Planfeststellungsbeschluss hat das Bundesverwaltungsgericht mit Beschlüssen vom 26. März 2007 die Beschwerden gegen die Nichtzulassung der Revision gegen die Urteile der Vorinstanzen zurückgewiesen. Damit wurde der Planfeststellungsbeschluss bestätigt. Im Mai 2007 wurde mit der Umrüstung zum Endlager Konrad begonnen.

Das Endlager Konrad ist in Deutschland das erste nach Atomrecht genehmigte Endlager. Damit unterscheidet es sich grundlegend von den bisherigen Endlagerprojekten in Deutschland. Der Planfeststellungsbeschluss für Konrad sieht ein Einlagerungsvolumen von maximal 303.000 Kubikmetern schwach- und mittelradioaktiver Abfälle vor. Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung müssen bis zur Inbetriebnahme des Endlagers Konrad am Entstehungsort der Abfälle oder in zentralen Lagern zwischengelagert werden.

Morsleben

Endlager Morsleben

Von 1971 bis 1991 sowie von 1994 bis 1998 wurden in dem von der ehemaligen DDR errichteten Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben (ERAM) schwach- und mittelradioaktive Abfälle eingelagert. Nach der Wiedervereinigung hat die Bundesrepublik Deutschland 1990 das Endlager für radioaktive Abfälle Morsleben von der DDR übernommen. Seitdem ist das Bundesamt für Strahlenschutz für den Betrieb der Anlage verantwortlich.

Bis 1998 nutzte die Bundesrepublik Deutschland Morsleben weiter als Endlager für schwach- und mittelradioaktive Abfälle. Nach einer Neubewertung verzichtete das Bundesamt für Strahlenschutz 2001 unwiderruflich auf die Annahme weiterer radioaktiver Abfälle und deren Endlagerung im Endlager Morsleben, da diese sicherheitstechnisch nicht mehr vertretbar ist.

Das Endlager Morsleben soll stillgelegt werden. Das BfS hat die atomrechtliche Stilllegung des Endlagers Morsleben beim Ministerium für Landwirtschaft und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt (MLU) beantragt. Im dafür erforderlichen Planfeststellungsverfahren begann im Oktober 2009 die Öffentlichkeitsbeteiligung mit der Auslegung der Planunterlagen. Insgesamt wurden ca. 15.000 Einwendungen erhoben. Im Oktober 2011 fand der Erörterungstermin unter der Leitung der Planfeststellungsbehörde, dem MLU, statt. Im Rahmen dieses Termins erörterten das BfS als Antragsteller und die Einwender unter Verhandlungsleitung des MLU an 9 Verhandlungstagen die eingereichten Einwendungen.

Im Rahmen der Planungen zur Stilllegung des ERAM wurde ein Stilllegungskonzept erarbeitet, um das Endlager so zu verschließen, dass von diesem auch langfristig keine Gefahr für Mensch und Umwelt ausgeht. Dabei wurden unterschiedliche Stilllegungsoptionen geprüft und eine weitgehende Verfüllung in Verbindung mit der Abdichtung der Schächte Bartensleben und Marie als das am besten geeignete Konzept für die zu erwartende Entwicklung des Endlagers nach der Stilllegung ausgewählt. Mit dem Konzept der weitgehenden Verfüllung der Grubenbaue soll der langzeitsichere Abschluss der radioaktiven Abfälle von der Biosphäre erreicht werden. Als zusätzliche Maßnahme ist die Abtrennung der Einlagerungsbereiche West-Südfeld und Ostfeld durch Abdichtungsbauwerke geplant.

Asse II

Schachtanlage Asse II

Die Schachtanlage Asse II bei Wolfenbüttel ist ein über 100 Jahre altes Kali- und Steinsalzbergwerk. Zwischen 1967 und 1978 wurden dort über 125.000 Fässer (rund 47.000 Kubikmeter) mit schwach- und mittelradioaktiven Abfälle eingelagert. Um die langfristige Sicherheit von Mensch und Umwelt bei der Stilllegung der Schachtanlage zu gewährleisten, sollen sie wieder geborgen werden. Dies schreibt das Atomgesetz vor. Mit breiter Mehrheit stimmte der Bundestag im April 2013 einer entsprechenden Gesetzesänderung ("Lex Asse") zu.

Die Anlage steht vor zwei zentralen Herausforderungen: Zum einen dringt täglich Wasser in das Bergwerk. Zum anderen ist nach jahrzehntelangem Salzabbau die Stabilität beeinträchtigt. Durch die vielen Hohlräume kommt es zu Verformungen und damit zu Rissbildungen im Gestein. Neue Wasserzutrittswege können entstehen. Im schlimmsten Fall könnte sich der Wasserzutritt derart entwickeln, dass die Anlage "absäuft" und aufgegeben werden muss.

Das BfS ist seit 2009 für den Betrieb der Schachtanlage Asse verantwortlich. Gleich zu Beginn ließ die Bundesbehörde untersuchen, wie sich das Bergwerk möglichst sicher stilllegen lässt. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass sich die gesetzlich verankerten Schutzziele nach derzeitigem Kenntnisstand nur über die Rückholung der eingelagerten Abfälle erreichen lassen.

Um die Abfälle bergen zu können, sind vor allem folgende Maßnahmen erforderlich:

  • Der Bau eines zusätzlichen Bergungsschachtes,
  • der Bau eines oberirdischen Zwischenlagers,
  • Ausbau und Anpassung der Notfallplanung, um einerseits die Wahrscheinlichkeit eines "Absaufens" der Grube zu verringern und andererseits mögliche Schäden für Mensch und Umwelt nach dem "Absaufen" zu reduzieren,
  • laufende Sanierungsarbeiten des Bergwerkes, um die Arbeitssicherheit der Bergleute zu gewährleisten.

Die Rückholung von radioaktiven Abfällen aus einem stark sanierungsbedürftigen Bergwerk ist weltweit einmalig. Das Projekt greift weder auf Vorlagen noch Vorbilder zurück. Karten des Bergwerks (sogenannte Risswerke) und Annahmen des vorherigen Betreibers z.B. über die Struktur des Untergrundes erwiesen sich oft als nicht oder nicht mehr zutreffend. Um notwendige Arbeitssicherheiten und Planungsgrundlagen schaffen zu können, führt das BfS deshalb parallel zur Rückholungsplanung eine Reihe von Erkundungsarbeiten durch:

  • Mess- und Bohrprogramme zur Erkundung des Untergrundes, unter anderem für den zusätzlichen Bergungsschacht und zur Verbesserung der Notfallvorsorge,
  • Erkundungsbohrungen an den Einlagerungskammern, um notwendige Erkenntnisse für die Planung der Rückholung zu gewinnen.

Gorleben

Bergwerk Gorleben

Die Arbeiten zur Erkundung des Standortes Gorleben als mögliches Endlager für wärmeentwickelnde radioaktive Abfälle begannen am 17. April 1979. Nach einer Erkundung des Standorts von über Tage erfolgte 1983 seitens der zuständigen Physikalisch-Technischen Bundesanstalt (PTB) die Empfehlung an die Bundesregierung, die untertägige Erkundung des Salzstockes in Angriff zu nehmen. Im Juli 1983 stimmte die Bundesregierung der Erkundung zu. Nach vorbereitenden Arbeiten begann die untertägige Erkundung im Oktober 1986. Am 1. Oktober 2000 wurde die untertägige Erkundung für drei bis zehn Jahre (Moratorium) unterbrochen. Dieser Zeitraum sollte zur zügigen Klärung konzeptioneller und sicherheitstechnischer Fragestellungen zur Endlagerung genutzt werden.

Das Moratorium zur Erkundung des Salzstocks Gorleben wurde von der Bundesregierung zum 1. Oktober 2010 aufgehoben. Ein Erkundungsschwerpunkt der wieder aufgenommenen Erkundungsarbeiten lag darin, Vorkommen von Salzlösungen als Reste des Zechsteinmeeres und Kohlenwasserstoffe im Salzgebirge sowie mögliche Wegsamkeiten zu untersuchen und sicherheitlich zu bewerten. Zum anderen sollte die genaue Lage des Anhydritgesteins ermittelt werden, das eine potenzielle Wegsamkeit für Lösungen darstellt.

Am 30. November 2012 gab der damalige Bundesumweltminister Peter Altmaier bekannt, dass die Erkundungsarbeiten im Bergwerk Gorleben bis zur Bundestagswahl im September 2013 ruhen. Mit Inkrafttreten des Standortauswahlgesetzes am 27. Juli 2013 wurde die Erkundung des Bergwerks Gorleben beendet. Es ist aber so lange offen zu halten, wie der Standort Gorleben nicht im Standortauswahlverfahren ausgeschlossen wird.

Am 29. Juli 2014 verständigten sich der Bund und das Land Niedersachsen darauf, dass das in Betrieb gehaltene Grubengebäude bis auf ein Minimum reduziert wird. Der bisherige Erkundungsbereich 1 wird, wie einige Teile des Infrastrukturbereiches, außer Betrieb genommen. Die obertägigen Sicherungsanlagen werden in Abstimmung mit den niedersächsischen Polizeibehörden weitgehend zurückgebaut.

Stand: 17.03.2017

Neuordnung der Organisationsstruktur im Endlagerbereich und Strahlenschutz

Nach gesetzlichen Veränderungen im Bereich Endlagerung und des Strahlenschutzes konzentriert sich das BfS auf die staatlichen Aufgaben des Strahlenschutzes, etwa im Bereich des nuklearen Notfallschutzes, der medizinischen Forschung, des Mobilfunks, des UV-Schutzes oder der Messnetze für Radioaktivität in der Umwelt.

Die Betreiberaufgaben für die Schachtanlage Asse, das Endlager Konrad und das Endlager Morsleben sowie für das Bergwerk Gorleben sind am 25. April 2017 auf die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) übertragen worden. Die Verantwortung für die Projekte lag bis dato beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Andere Themen im Bereich nukleare Entsorgung - wie Transportgenehmigungen oder die Genehmigung von Zwischenlagern für hochradioaktive Abfälle, bearbeitet seit 2016 das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Die Weichen für den Betreiberwechsel und die organisatorischen Veränderungen stellte das "Gesetz zur Neuordnung der Organisationsstruktur im Bereich der Endlagerung", das am 30. Juli 2016 in Kraft trat.

© Bundesamt für Strahlenschutz