Navigation und Service

Nukleare Entsorgung

Alle Informationen zu diesem Thema finden Sie auf www.bfe.bund.de und www.bge.de

Nukleare Entsorgung

Abfallprognosen

  • Das BfS erstellt Prognosen für die zukünftig anfallenden Mengen von radioaktiven Abfällen unter Einbeziehung der Abfallverursacher.
  • Dabei werden die unterschiedlichen Abfallarten (Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung, Wärme entwickelnde Abfälle) berücksichtigt.

Um ein Endlager planen zu können, muss das zukünftige Abfallaufkommen prognostiziert werden. Hierfür sind Informationen notwendig über

  1. den aktuellen Bestand der radioaktiven Abfälle:
    Das BfS ermittelt jährlich den Bestand an radioaktiven Abfällen bei den Abfallverursachern (Kernkraftwerke, Kerntechnische Industrie, etc.) und Landessammelstellen in Deutschland. In Landessammelstellen lagern die Bundesländer die in ihrem Gebiet anfallenden radioaktiven Abfälle aus Industrie, Forschung und zu geringen Anteilen aus der Medizin.
  2. die zu erwartenden zukünftig anfallenden Mengen radioaktiver Abfälle:
    Das BfS erstellt Prognosen für die zukünftig anfallenden Mengen von radioaktiven Abfällen unter Einbeziehung der Abfallverursacher. Bei der Prognostizierung der zukünftigen Abfallmengen sind verschiedene Randbedingungen zu berücksichtigen. Zur Ermittlung des voraussichtlichen jährlichen Anfalls an Abfällen aus dem Betrieb und dem Rückbau von Kernkraftwerken wären dies:

    • die Anzahl der in Betrieb befindlichen kerntechnischen Anlagen (Kernkraftwerke, Forschungsreaktoren, etc.),
    • die Anzahl der stillgelegten kerntechnischen Anlagen,
    • die Betriebslaufzeiten der in Betrieb befindlichen Anlagen (zur Hochrechnung der jährlich anfallenden Mengen).

Bei den Abfallprognosen werden die unterschiedlichen Abfallarten (Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung, Wärme entwickelnde Abfälle) berücksichtigt.

Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung

Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung

Radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung sollen in Deutschland in Schacht Konrad eingelagert werden, der derzeit zum Endlager umgerüstet wird. Auf Basis der von den Abfallverursachern übermittelten Informationen schätzt das BfS, dass bis zum Jahr 2050 zirka 297.000 Kubikmeter radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung anfallen werden, die in Schacht Konrad einzulagern sind. Dabei entfallen

  • 63 % der Abfälle auf die Kernkraftwerke der Energieversorgungsunternehmen und die kerntechnische Industrie und
  • 37 % auf die Einrichtungen der Öffentlichen Hand.

Der Öffentlichen Hand werden alle Anlagen zugeordnet, die vom Bund und/oder den Ländern finanziert werden (einschließlich der Kernkraftwerke Greifswald und Rheinsberg) sowie das Europäische Institut für Transurane (ITU) in Karlsruhe und 11 Landessammelstellen.

Prognostizierter Gesamtanfall radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung im Zeitverlauf Prognostizierter Gesamtanfall radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung im ZeitverlaufPrognostizierter Gesamtanfall radioaktiver Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung im Zeitverlauf

Nach 2050 sind noch rund 8.000 Kubikmeter radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung zu erwarten.

Nach den derzeitigen Abschätzungen werden alle Ablieferer zusammen

  • bis zum Jahr 2050 insgesamt zirka 297.000 Kubikmeter,
  • bis zum Jahr 2080 insgesamt zirka 305.000 Kubikmeter

Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung produziert haben. Das Abfallvolumen bezieht sich dabei auf das endzulagernde Volumen, das heißt, radioaktive Abfälle in für das Endlager Konrad zugelassenen Behältern (Bruttovolumen, also das Volumen der Behälter gemäß deren Außenabmessungen).

Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle

Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle

Wärme entwickelnde radioaktive Abfälle sind durch hohe Aktivitätskonzentrationen und damit hohe Zerfallswärmeleistungen gekennzeichnet.

Abgebrannte Brennelemente

Für die Prognose des zu erwartenden Aufkommens radioaktiver Abfälle ist unter anderem das am 6. August 2011 in Kraft getretene geänderte Atomgesetz (AtG) von Bedeutung, das die Berechtigung zum Leistungsbetrieb eines Kernkraftwerks zeitlich begrenzt. Das bedeutet, dass auch die Menge endzulagernder radioaktiver Abfälle erheblich begrenzt wird. So können unter anderem die endzulagernden abgebrannten Brennelemente wesentlich genauer prognostiziert werden als bei einem nicht zeitlich begrenzten Leistungsbetrieb. 

Insgesamt wird bei der Betrachtung der abgebrannten Brennelemente bis Ende 2022 mit etwa 10.500 Tonnen Schwermetall aus den Leistungsreaktoren gerechnet, die in der Bundesrepublik Deutschland endgelagert werden müssen, nachdem sie zunächst in etwa 1.100 (CASTOR-)Behältern zwischengelagert wurden. Hinzu kommt eine Menge von 10 bis 12 Tonnen Schwermetall aus dem Betrieb von Versuchs-, Demonstrations- und Forschungsreaktoren.

Endzulagernde radioaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung

Neben den abgebrannten Brennelementen müssen noch weitere Wärme entwickelnde Abfälle endgelagert werden. Dies betrifft zum Beispiel die Abfälle, die aus zur Wiederaufarbeitung von abgebrannten Brennelementen, in La Hague (Frankreich), Sellafield (Großbritannien) und Karlsruhe entstehen bzw. entstanden.

Die folgende Tabelle gibt eine Übersicht über den Gesamtanfall endzulagernder wärmeentwickelnder radioaktiver Abfälle:

Gesamtanfall endzulagernder Wärme entwickelnder radioaktiver Abfälle aus der Wiederaufarbeitung
Wärme entwickelnde radioaktive AbfälleKokillenBehälter
Hochradioaktive verglaste Abfälle aus Frankreich (CSD-V)3.024  108
Mittelradioaktive verglaste Abfälle aus Frankreich (CSD-B) 1405
Hochdruckkompaktierte mittelradioaktive Abfälle aus Frankreich (CSD-C) 4.104152
Hochradioaktive verglaste Abfälle aus dem Vereinigten Königreich (UK-HAW) 57121
Hochradioaktive Abfälle aus der Wiederaufarbeitung in Karlsruhe (HAW-WAK) 1405
Gesamtsumme7.979291

Bei der Wiederaufarbeitung wird das Schwermetall (Uran, Plutonium) aus den abgebrannten Brennelementen herausgelöst und wiederverwendet. Die übrig gebliebenen Wärme entwickelnden radioaktiven Abfälle (Spaltprodukte, Strukturteile) werden in Kokillen an den Abfallverursacher zurückgeliefert. Es werden 7.979 Kokillen (ca. 291 Behälter) erwartet, die zum Teil noch in die Bundesrepublik Deutschland zurück transportiert werden müssen.

Als Vertragspartei des „Gemeinsamen Übereinkommens über die Sicherheit der Behandlung abgebrannter Brennelemente und über die Sicherheit der Behandlung radioaktiver Abfälle“ erstellt die Bundesrepublik Deutschland regelmäßig Berichte. Gemäß dem aktuellen Bericht 2015 (Kap. D.4.1) kann für das Jahr 2080 ein Endlagervolumen von mindestens 27.000 Kubikmetern abgeschätzt werden. Diese Schätzung erfolgt unter Berücksichtigung der Endlagerung in POLLUX-Behältern. Der POLLUX-Behälter ist ein dickwandiger metallischer Spezialbehälter für die Endlagerung bestrahlter Brennelemente aus Kernkraftwerken.

Zum Vergleich des Endlagervolumens: Eine etwa 3,8 Meter hohe Halle mit der Grundfläche eines Bundesliga-Fußballfeldes hätte ebenfalls ein Volumen von ungefähr 27.000 Kubikmetern.

Nationales Entsorgungsprogramm

Zusätzlich zu den hier aufgeführten prognostizierten Abfallmengen sind im Nationalen Entsorgungsprogramm (NaPro) des Bundesumweltministeriums derzeitige Schätzungen zur Abfallmenge aus der Schachtanlage Asse II berücksichtigt. Die in der Schachtanlage Asse II eingelagerten Abfälle sollen zurückgeholt werden, es wird von einem Volumen in einer Größenordnung von 200.000 Kubikmeter ausgegangen.

Des Weiteren ist in der Schätzung im NaPro auch eine Menge von zirka 100.000 Kubikmeter von Abfällen aus der Urananreicherung vorsorglich eingeplant, die entsorgt werden müssen, sofern diese nicht verwertet werden.

Stand: 20.12.2016

Neuordnung der Organisationsstruktur im Endlagerbereich und Strahlenschutz

Nach gesetzlichen Veränderungen im Bereich Endlagerung und des Strahlenschutzes konzentriert sich das BfS auf die staatlichen Aufgaben des Strahlenschutzes, etwa im Bereich des nuklearen Notfallschutzes, der medizinischen Forschung, des Mobilfunks, des UV-Schutzes oder der Messnetze für Radioaktivität in der Umwelt.

Die Betreiberaufgaben für die Schachtanlage Asse, das Endlager Konrad und das Endlager Morsleben sowie für das Bergwerk Gorleben sind am 25. April 2017 auf die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) übertragen worden. Die Verantwortung für die Projekte lag bis dato beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Andere Themen im Bereich nukleare Entsorgung - wie Transportgenehmigungen oder die Genehmigung von Zwischenlagern für hochradioaktive Abfälle, bearbeitet seit 2016 das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Die Weichen für den Betreiberwechsel und die organisatorischen Veränderungen stellte das "Gesetz zur Neuordnung der Organisationsstruktur im Bereich der Endlagerung", das am 30. Juli 2016 in Kraft trat.

© Bundesamt für Strahlenschutz