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Nukleare Entsorgung

Alle Informationen zu diesem Thema finden Sie auf www.bfe.bund.de und www.bge.de

Nukleare Entsorgung

Abfallbestand

Radioaktive Abfälle werden für die Endlagerung und die Zwischenlagerung entsprechend den jeweiligen Anforderungen behandelt ("konditioniert"). Unter Konditionierung ist dabei die Herstellung von Abfallgebinden durch Verarbeitung und/oder Verpackung von radioaktivem Abfall zu verstehen.

Radioaktive Abfälle: Datenbasis

Das BfS ermittelt jährlich den Bestand an radioaktiven Abfällen bei den Abfallverursachern bzw. Landessammelstellen in Deutschland.

Darüber hinaus erstellt das BfS Prognosen für den zukünftigen Anfall von radioaktiven Abfällen. Die Prognosedaten werden von den Abfallverursachern übermittelt.

Die genaue Verteilung der Abfallmengen auf die Abfallverursacher steht erst dann fest, wenn alle Abfälle für das Endlager konditioniert und freigegeben sind. Die endgültigen Kosten für die Abfallverursacher bemessen sich an dem tatsächlichen endzulagernden Abfallgebindevolumen, nicht an der Prognose.

Abfall-Kategorien

Für die Darstellung des aktuellen Bestandes an radioaktiven Abfällen wird der konditionierte und unkonditionierte Abfall kategorisiert.

Unkonditionierte Abfälle

Das Kategoriensystem unterscheidet den unkonditionierten Abfallbestand in

  • RA – Rohabfälle
    (Unverarbeitete, teilweise vorsortierte, radioaktive Abfälle in der Form, wie sie entstanden sind.)
  • VA - Vorbehandelte Abfälle
    (Radioaktive Rohabfälle, die zum Beispiel zur Volumenverminderung vorbehandelt wurden, und für die weitere Behandlungsschritte vorgesehen sind.)

Diese Kategorien werden als Massen (in Tonnen) angegeben.

Konditionierte Abfälle

Die bereits konditionierten Abfälle werden hinsichtlich ihres Behandlungsstatus und ihres Entsorgungszieles (Endlager Konrad oder anderes Endlager) betrachtet und als Volumen (in Kubikmetern) angegeben. Die Abfälle werden entweder in Innenbehältern, die dann in einen Konradbehälter eingesetzt werden, oder direkt in einem Konradbehälter verpackt. Sie werden wie folgt kategorisiert:

  • P1 - Abfallprodukte in Innenbehältern
    Innenbehälter sind Behälter zur Aufnahme von Abfallprodukten - wie zum Beispiel 200-Liter-Fässer - die in einem standardisierten Konradbehälter (Abfallbehälter) eingesetzt werden. Die Abfallprodukte werden in der Regel nach qualifizierten Verfahren hergestellt, sind jedoch noch nicht abschließend produktkontrolliert. Das bedeutet, sie dürfen noch nicht in das Endlager Konrad oder ein anderes Endlager eingelagert werden, weil der jeweilige Abfallbesitzer dazu noch das festgelegte Nachweisverfahren führen muss, dass er alle Bestimmungen eingehalten hat. Diese Abfälle müssen außerdem noch in zugelassene Endlagerbehälter verpackt werden.
  • P2 - Produktkontrollierte Abfallprodukte
    In Innenbehältern verpackte Abfallprodukte gelten als produktkontrolliert, wenn sie ein qualifiziertes, durch die Produktkontrolle begleitetes und testiertes Konditionierungsverfahren durchlaufen haben, das heißt, sie haben nachgewiesen, dass sie die geltenden Endlagerungsbedingungen einhalten. Die in Innenbehältern verpackten Abfallprodukte müssen noch in zugelassene Endlagerbehälter verpackt werden.
  • G1 - Abfallprodukte in Konradbehältern
    Konradbehälter sind standardisierte, für das Endlager Konrad vorgesehene Abfallbehälter (mit oder ohne Innenbehälter). Die Abfallprodukte für Konradbehälter werden in der Regel nach qualifizierten Verfahren hergestellt, sind jedoch noch nicht abschließend für das Endlager Konrad produktkontrolliert.
  • G2 - Produktkontrollierte Abfallgebinde
    Produktkontrollierte Abfallgebinde sind Abfallprodukte in Konradbehältern (mit oder ohne Innenbehälter), deren Produktkontrolle abgeschlossen ist und deren Einhaltung der Endlagerungsbedingungen für das Endlager Konrad kontrolliert und dokumentiert wurde. Das BfS hat die Endlagerfähigkeit bestätigt.

Die Unterscheidung nach dem Entsorgungsziel (Endlager Konrad oder anderes Endlager) erfolgt erst, wenn die Abfälle eine entsprechende Konditionierung erfahren haben, das heißt, wenn der Abfall in einem Innenbehälter oder Konradbehälter vorliegt.

Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung (Bestand am 31.12.2015)

Die folgende Tabelle gibt den Bestand an Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung zum 31.12.2015 an.

Zusammengefasste Daten der Bestandserhebung am 31.12.2015 (ohne abgebrannte Brennelemente)
KategorieUnkonditionierte Abfälle
(als Masse in Tonnen angegeben)
Für das Endlager Konrad konditionierte Abfälle
(als Volumen in Kubikmetern angegeben)
Nicht konradgängig konditionierte Abfälle
(als Volumen in Kubikmetern angegeben)
Rohabfälle11.617
vorbehandelte Abfälle9.442
Abfälle in Innenbehältern (P1)14.257144
Produktkontrollierte
Abfallprodukte (P2)
2.3630
Abfälle in Konradbehältern (G1)98.8831
Produktkontrollierte Abfallgebinde
in Konradbehältern (G2)
2.9360
Summe21.059118.440145

Insgesamt existiert bei den Abfallverursachern am 31.12.2015 ein Bestand von 21.059 Tonnen an Rohabfällen und vorbehandelten Abfällen. Von den 118.585 Kubikmetern konditionierter Abfälle entfallen

  • 16.764 Kubikmeter auf Abfälle in Innenbehältern (P1 und P2).
    Davon sind 2.363 Kubikmeter mindestens radiologisch überprüft (= produktkontrolliert, P2).
  • 101.821 Kubikmeter auf Abfälle in Konradbehältern (G1 und G2).
    Davon sind 2.936 Kubikmeter derzeit zum Abruf zur Endlagerung in Konrad geeignet (= vollständig produktkontrolliert, G2).

145 Kubikmeter des Gesamtbestandes an radioaktiven Abfällen können nach Angaben der Abfallverursacher nach derzeitigem Stand nicht im Endlager Konrad eingelagert werden, da diese die Endlagerungsbedingungen bislang nicht erfüllen.

Abfallbestand nach Verursachergruppen

Der derzeitige Abfallbestand an konditionierten radioaktiven Abfällen der Kategorie P1 bis G2 mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung lässt sich unterschiedlichen Verursachergruppen zuordnen und teilt sich wie folgt auf:

Aufteilung des Bestandes an radioaktiven Abfällen der Kategorie P1 bis G2 (konditionierte Abfälle) mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung nach Verursachergruppen am 31.12.2015, Gesamtvolumen: 118.585 Kubikmeter Konditionierte radioaktive Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung nach Verursachergruppen am 31.12.2015Aufteilung des Bestandes an radioaktiven Abfällen der Kategorie P1 bis G2 (konditionierte Abfälle) mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung nach Verursachergruppen am 31.12.2015, Gesamtvolumen: 118.585 Kubikmeter

Abfallbestand nach Kostenträgern 

Dargestellt werden kann auch, welche Abfälle der Öffentlichen Hand gehören beziehungsweise für welche der Staat die Verantwortung und Kosten trägt. Nachfolgend werden die Abfallvolumina für

  • die Öffentliche Hand,
  • die Landessammelstellen,
  • die Energieversorgungsunternehmen (EVU) und
  • die kerntechnische Industrie

dargestellt. Der Öffentlichen Hand werden alle Anlagen zugeordnet, die vom Bund und/oder den Ländern finanziert werden, sowie das Europäische Institut für Transurane (ITU) in Karlsruhe, das von der EU finanziert wird.

Der Bestand an konditionierten radioaktiven Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung ergibt Ende 2015 folgende Verteilung:

Aufteilung des Bestandes an radioaktiven Abfällen der Kategorie P1 bis G2 (konditionierte Abfälle) mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung auf Öffentliche Hand und Private am 31.12.2015, Gesamtvolumen: 118.585 Kubikmeter Aufteilung des Bestandes an radioaktiven Abfällen mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung auf Öffentliche Hand und Private am 31.12.2015Aufteilung des Bestandes an radioaktiven Abfällen der Kategorie P1 bis G2 (konditionierte Abfälle) mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung auf Öffentliche Hand und Private am 31.12.2015, Gesamtvolumen: 118.585 Kubikmeter

Da in diesem Bestand nicht die zukünftig aus dem Rückbau von Kernkraftwerken anfallenden radioaktiven Abfälle enthalten sind, stammt der größte Anteil der Abfälle derzeit aus der Öffentlichen Hand. Die Verteilung wird sich in der Zukunft stark verändern, da in den Kernkraftwerken noch ein bedeutender Anteil an radioaktiven Abfällen entstehen wird.

Bestand an wärmeentwickelnden Abfällen

Der vorhandene Bestand an wärmeentwickelnden konditionierten Abfällen zum 31.12.2015 umfasst 577 Kubikmeter konditionierter Abfälle. Der überwiegende Anteil hiervon stammt aus den bisher zurückgeführten Abfällen aus der Wiederaufarbeitung der abgebrannten Brennelemente. Die in den Bestandserhebungen bis 31.12.2012 aufgelisteten Zwischenprodukte des Thorium-Hochtemperaturreaktors Hamm-Uentrop (THTR) sind in den Angaben zu Versuchs-, Demonstrations- und Forschungsreaktoren  enthalten.

Wärmeentwickelnde Abfälle in Form bestrahlter Brennelemente aus Kernkraftwerken

Gemäß den Angaben der jährlich durchgeführten Erhebung der Gesellschaft für Anlagen und Reaktorsicherheit mbH (GRS) zur Entsorgung abgebrannter Brennelemente sind bis zum 31.12.2015 in Deutschland 15.302 Tonnen Schwermetall in Form von bestrahlten Brennelementen angefallen (bis 2014 waren es 15.047 Tonnen Schwermetall), davon rund 255 Tonnen Schwermetall im Jahr 2015. Hierin enthalten sind bestrahlte Brennelemente aus

  • den in Betrieb befindlichen
  • den endgültig abgeschalteten und
  • den in Stilllegung befindlichen

Kernkraftwerken, die über Leistungsreaktoren mit mehr als 50 Megawatt Leistung verfügen.

Von der bis Ende 2015 angefallenen Gesamtmenge wurden bis zum 1. Juli 2005 zirka 6.662 Tonnen Schwermetall an

abgegeben sowie in sonstigen Anlagen im europäischen Ausland entsorgt.

Wärmeentwickelnde Abfälle in Form bestrahlter Brennelemente aus Versuchs-, Demonstrations- und Forschungsreaktoren

Zusätzlich sind in Deutschland in der Vergangenheit zirka 190 Tonnen Schwermetall in Form von bestrahlten Brennelementen aus Versuchs- und Demonstrationsreaktoren angefallen. Davon wurden 180 Tonnen Schwermetall wiederaufgearbeitet.

Die Menge bestrahlter Brennelemente aus Forschungsreaktoren liegt bei unter einer Tonne Schwermetall (Siehe hierzu unter anderem Tabelle L-17 des Berichtes über das "Gemeinsame Übereinkommen über die Sicherheit der Behandlung abgebrannter Brennelemente und über die Sicherheit der Behandlung radioaktiver Abfälle", Bericht der Bundesrepublik Deutschland für die fünfte Überprüfungskonferenz im Mai 2015).

Hintergrund: Kategorisierung und Strahlenschutzverordnung

Gemäß Strahlenschutzverordnung (StrlSchV) unterscheidet man zwischen

  • Rohabfällen,
  • Zwischenprodukten sowie
  • Abfällen, die bereits in einem Zustand sind, der eine Endlagerung nach einer gegebenenfalls noch erforderlichen Verpackung in die entsprechenden Endlagerbehälter erlaubt (konditionierte Abfälle).

Mit der Richtlinie 2011/70/ EURATOM hat die EU eine neue Berichterstattungspflicht eingeführt. Diese hat das Bundesumweltministerium (BMUB) mit einem Bericht zum Nationalen Entsorgungsprogramm umgesetzt.

Im Zuge der Berichterstellung für das BMUB hat das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) seine bisherige jährliche Bestandserhebung angepasst:

  • Der Abfall wird mithilfe eines neues Kategoriensystems stärker differenziert,
  • beim Entsorgungsziel wird zwischen Endlager Konrad und einem anderen Endlager unterschieden und
  • neben dem Abfall-Volumen wird auch die Masse des Abfalls angegeben.

Einen Vergleich der beiden Kategoriensysteme zeigt die nachfolgende Tabelle:

Vergleich der beiden Kategoriensysteme
AbfallklassenRohabfälleZwischenprodukteKonditionierte Abfälle
Rohabfällex
vorbehandelte Abfällexx
Abfälle in Innenbehältern (P1)xx
Produktkontrollierte
Abfallprodukte (P2)
x
Abfälle in Konradbehältern (G1)xx
Produktkontrollierte Abfallgebinde
in Konradbehältern (G2)
x

Radioaktiver Abfall kann zum Beispiel entweder gemäß StrlSchV als unbehandelter Reststoff oder nach der neuen Kategorisierung als Rohabfall oder vorbehandelter Abfall eingestuft werden. Die aufgezeigte Beziehungsstruktur ist für die Mehrheit der Abfälle gültig, kann in Einzelfällen aber auch davon abweichen. Die BfS-Bestandserhebung erfasst derzeit noch beide Kategoriensysteme.

Stand: 28.02.2017

Neuordnung der Organisationsstruktur im Endlagerbereich und Strahlenschutz

Nach gesetzlichen Veränderungen im Bereich Endlagerung und des Strahlenschutzes konzentriert sich das BfS auf die staatlichen Aufgaben des Strahlenschutzes, etwa im Bereich des nuklearen Notfallschutzes, der medizinischen Forschung, des Mobilfunks, des UV-Schutzes oder der Messnetze für Radioaktivität in der Umwelt.

Die Betreiberaufgaben für die Schachtanlage Asse, das Endlager Konrad und das Endlager Morsleben sowie für das Bergwerk Gorleben sind am 25. April 2017 auf die Bundesgesellschaft für Endlagerung mbH (BGE) übertragen worden. Die Verantwortung für die Projekte lag bis dato beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS).

Andere Themen im Bereich nukleare Entsorgung - wie Transportgenehmigungen oder die Genehmigung von Zwischenlagern für hochradioaktive Abfälle, bearbeitet seit 2016 das Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE). Die Weichen für den Betreiberwechsel und die organisatorischen Veränderungen stellte das "Gesetz zur Neuordnung der Organisationsstruktur im Bereich der Endlagerung", das am 30. Juli 2016 in Kraft trat.

© Bundesamt für Strahlenschutz