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Kerntechnik

Kerntechnische Anlagen - Meldepflichtige Ereignisse - Stilllegung - Nukleare Unfälle

Kerntechnik

Außerbetriebnahme und Stilllegung kerntechnischer Anlagen

Nicht nur Leistungsreaktoren werden am Ende ihrer Betriebszeit stillgelegt, sondern auch andere Arten von kerntechnischen Anlagen mit einer Genehmigung nach § 7 Atomgesetz, wie Prototyp- und Forschungsreaktoren sowie Anlagen der nuklearen Ver- und Entsorgung. Je nach Typ und Zweck der Anlage können erhebliche Unterschiede bezüglich der Art und Menge der in der Anlage vorhandenen Radionuklide auftreten. Kerntechnische Anlagen können entweder direkt nach ihrer Abschaltung abgebaut oder zunächst für einige Jahre sicher eingeschlossen werden, um vor dem nachfolgenden Abbau eine Reduzierung des Aktivitätsinventars durch radioaktiven Zerfall zu erreichen (sicherer Einschluss).

Nachbetriebsphase

Nach der endgültigen Abschaltung eines Kernkraftwerkes schließt sich die mehrjährige Nachbetriebsphase an, während der Maßnahmen zur Vorbereitung der Stilllegung durchgeführt werden können. Die Maßnahmen in der Nachbetriebsphase sind durch die Betriebsgenehmigung des Kernkraftwerkes abgedeckt.

Stilllegungsstrategien

Bei der Stilllegung wird in Deutschland zwischen zwei grundlegenden Stilllegungsstrategien unterschieden. Beim direkten Abbau wird eine kerntechnische Anlage abgebaut und aus der atomrechtlichen Überwachung entlassen. Beim sicheren Einschluss wird eine kerntechnische Anlage für einen längeren Zeitraum in einen praktisch wartungsfreien Zustand überführt, wobei der endgültige Abbau und die Entlassung aus der atomrechtlichen Überwachung auf einen späteren Zeitraum verschoben wird.

Technische Aspekte

In Deutschland liegen aus den bisherigen Arbeiten zur Stilllegung von kerntechnischen Anlagen vielfältige Erfahrungen vor. Dieses gilt zum Beispiel für die Dekontaminations- und Abbautechniken sowie für den Strahlenschutz.

Internationaler Informationsaustausch

Verschiedene internationale Organisationen wie die Internationale Atomenergie-Behörde (IAEA) mit Sitz in Wien, die in Paris ansässige Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) oder aber auch im europäischen Raum die Europäische Kommission (EC) und die Western European Nuclear Regulators' Association (WENRA) haben stilllegungsspezifische Programme zum Informationsaustausch aufgesetzt.

Luftbild des Kernkraftwerkes GreifswaldQuelle: EWN GmbH

Stilllegung

Nach der endgültigen Abschaltung einer kerntechnischen Anlage schließt sich die Nachbetriebsphase an, während der Arbeiten zur Vorbereitung der Stilllegung durchgeführt werden. Die sich an die Nachbetriebsphase anschließende Stilllegung einer kerntechnischen Anlage erfordert ein umfassendes Genehmigungsverfahren, welches insbesondere Aspekte des Strahlenschutzes und mögliche Auswirkungen auf die Umwelt mit einschließt.

Lagerkapazitäten

Wenn kerntechnische Anlagen stillgelegt und abgebaut werden, fallen radioaktive Reststoffe und Abfälle an. Deren Lagerung wird bereits bei der Planung der Stilllegung bedacht. Ausreichende Lagerkapazitäten optimieren den Rückbauprozess. Je nach Zweck und Dauer der Lagerung können verschiedene Lagertypen errichtet werden. Lagerkapazitäten für die Reststoffe und Abfälle aus Stilllegungsprojekten sind unabhängig von einem bereitstehenden Endlager erforderlich und werden auch nach einer Inbetriebnahme des Endlagers Konrad erforderlich sein.

Rechtliche Aspekte

Alle Aspekte der friedlichen Nutzung der Kernenergie werden in Deutschland im Atomgesetz geregelt, das auch die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Stilllegung von kerntechnischen Anlagen vorgibt.

Reststoff- und Abfallmanagement

Bei der Stilllegung von kerntechnischen Anlagen fallen radioaktive Reststoffe sowie ausgebaute oder abgebaute radioaktive Anlagenteile an, die gemäß § 9a Atomgesetz entweder schadlos verwertet (z. B. durch Freigabe oder Wiederverwendung in einer anderen nach Atom- oder Strahlenschutzrecht genehmigten Anlage) oder als radioaktiver Abfall geordnet beseitigt werden müssen. Für diese Reststoffe und Abfälle gibt es unterschiedliche Entsorgungswege.

© Bundesamt für Strahlenschutz