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Kerntechnik

Kerntechnische Anlagen - Meldepflichtige Ereignisse - Stilllegung - Nukleare Unfälle

Kerntechnik

Reststoff- und Abfallmanagement bei der Stilllegung

Bei der Stilllegung von kerntechnischen Anlagen fallen radioaktive Reststoffe sowie ausgebaute oder abgebaute radioaktive Anlagenteile an, die gemäß § 9a Atomgesetz entweder schadlos verwertet (zum Beispiel durch Freigabe oder Wiederverwendung in einer anderen nach Atom- oder Strahlenschutzrecht genehmigten Anlage) oder als radioaktiver Abfall geordnet beseitigt werden müssen. Nur wenige Prozent der Gesamtmasse des Kontrollbereiches eines Kernkraftwerkes müssen als radioaktiver Abfall entsorgt werden.

Die bisherigen Erfahrungen bei Stilllegungsprojekten zeigen, dass zwischen der endgültigen Abschaltung und dem Beginn des Abbaus von stärker kontaminierten oder aktivierten Anlagenteilen, aus dem der größte Teil der anfallenden radioaktiven Abfälle resultiert, ein Zeitraum von mehreren Jahren vergeht. So begann im Falle des im Jahr 2005 abgeschalteten und seit 2008 in Stilllegung befindlichen Kernkraftwerkes Obrigheim der Abbau von Anlagenteilen innerhalb des Kontrollbereiches gut 6 Jahre nach der endgültigen Abschaltung. Im Falle des im Jahr 2003 abgeschalteten und seit 2005 in Stilllegung befindlichen Kernkraftwerkes Stade begann der Abbau stark kontaminierter oder aktivierter Anlagenteile ca. 5 Jahre nach der endgültigen Abschaltung.

Freigabe

Die Freigabe ist ein Verwaltungsakt, der die Entlassung aus der atomrechtlichen Überwachung bewirkt. Sie ist in der Strahlenschutzverordnung im § 29 sowie in den Anlagen III und IV geregelt.

Freimessanlage zur chargenweisen Freimessung von Reststoffen aus der Stilllegung des Kernkraftwerks Greifswald Freimessanlage GreifswaldFreimessanlage zur chargenweisen Freimessung von Reststoffen aus der Stilllegung des Kernkraftwerks Greifswald (KGR) Quelle: EWN GmbH

Uneingeschränkte Freigabe

Bei der uneingeschränkten Freigabe werden die Reststoffe durch einen Verwaltungsakt der jeweils zuständigen Behörde aus der atomrechtlichen Überwachung entlassen und können danach uneingeschränkt wiederverwendet, verwertet oder wie gewöhnlicher Abfall entsorgt werden.

Stoffe können nur dann uneingeschränkt freigegeben werden, wenn durch Messungen nachgewiesen wurde, dass sie die in der Strahlenschutzverordnung festgelegten Freigabewerte für die uneingeschränkte Freigabe einhalten. Das bedeutet, dass durch ihre Freigabe für Einzelpersonen der Bevölkerung nur eine effektive Dosis im Bereich von zehn Mikrosievert im Kalenderjahr auftreten kann.

Zweckgerichtete Freigabe

Eine weitere Freigabeoption ist die zweckgerichtete Freigabe. Hierbei handelt es sich um Reststoffe, die einer konventionellen Deponie oder Verbrennungsanlage zugeführt werden, wenn sie die im § 29 Strahlenschutzverordnung hierfür festgelegten Freigabewerte nicht überschreiten.

Die zweckgerichtete Freigabe beinhaltet die Freigabe von festen Stoffen zur Beseitigung, von flüssigen Stoffen zur Beseitigung, von Gebäuden zum Abriss und von Metallschrott zur Rezyklierung in einem konventionellen Schmelzbetrieb.

Darüber hinaus kann kontaminierter Metallschrott in einer Schmelzanlage mit atomrechtlicher Genehmigung radiologisch kontrolliert eingeschmolzen werden, wenn die Freigabewerte der Strahlenschutzverordnung zur zweckgerichteten Freigabe überschritten werden.

Entsorgung als radioaktiver Abfall

Nicht wiederverwertbare und nicht freigebbare Materialien müssen als radioaktive Abfälle entsorgt werden. Bei der Stilllegung eines Kernkraftwerkes wird mit konditionierten Stilllegungsabfällen in der Größenordnung von 5.000 Kubikmeter gerechnet. Bei den Stilllegungsabfällen handelt es sich um Abfälle mit vernachlässigbarer Wärmeentwicklung. Die Abfälle müssen so lange zwischengelagert werden, bis für schwach- und mittelradioaktive Abfälle das Endlager Konrad zur Verfügung steht. Dies geschieht in der Regel in einem Zwischenlager am Standort der Anlage.

Bevor die anfallenden radioaktiven Abfälle in ein Zwischen- oder Endlager abgeliefert werden, müssen sie entsprechend behandelt (konditioniert) werden. Feste Abfälle werden zum Beispiel kompaktiert. Flüssige Abfälle werden in feste Produkte überführt, etwa durch Eintrocknung / Eindampfung oder Zementierung. Beim Transport der konditionierten Abfälle in ein Zwischenlager sind die gesetzlichen verkehrsrechtlichen Bestimmungen zu beachten. Zur Beförderung sind für alle radioaktiven Stoffe spezielle Transportbehälter und Verpackungen zu verwenden.

Das BfS ermittelt jedes Jahr den Bestand an radioaktiven Reststoffen und gibt für die Zukunft erwartete Abfallmengen und Prognosen bekannt.

Reaktordruckbehälter des Kernkraftwerks Rheinsberg bei der Einlagerung im Zwischenlager Nord Reaktordruckbehälter RheinsbergReaktordruckbehälter des Kernkraftwerks Rheinsberg bei der Einlagerung im Zwischenlager Nord (ZLN) Quelle: EWN GmbH

Abklinglagerung

Bei der Abklinglagerung werden Stoffe für einen längeren Zeitraum gelagert. Durch den radioaktiven Zerfall sinkt die Aktivität dieser Stoffe.

Die Abklinglagerung wird zum Beispiel für zerlegten Metallschrott, aber auch für unzerlegte Großkomponenten wie Reaktordruckbehälter oder Dampferzeuger praktiziert. Durch das Abklingen der Aktivität dieser Großkomponenten wird eine vereinfachte Behandlung zu einem späteren Zeitpunkt sowie eine Verringerung der Mengen radioaktiven Abfalls angestrebt, da durch das Abklingen der Aktivität ggf. auch eine Freigabe erfolgen kann.

Das Zwischenlager Nord (ZLN) der Energiewerke Nord GmbH wird unter anderem als Lager für die Abklinglagerung der bei Stilllegung und Abbau anfallenden radioaktiven Reststoffe und Abfälle genutzt.

Stand: 11.10.2016

Übergang der Fachaufgaben von BfS auf das BfE

Am 30.07.2016 ist das "Gesetz zur Neuordnung der Organisationsstruktur im Bereich der Endlagerung" in Kraft getreten. Es sieht vor, die staatlichen Aufgaben der Aufsicht und Genehmigung im Bereich der Kerntechnik, der Zwischenlagerung, der Standortauswahl und der Endlagerüberwachung mehrheitlich in einer neuen Behörde zu bündeln, dem Bundesamt für kerntechnische Entsorgungssicherheit (BfE).

Mit Inkrafttreten des Gesetzes wurden die entsprechenden Fachaufgaben des BfS auf das BfE übertragen. Damit das BfE sofort arbeitsfähig ist, unterstützt das BfS das BfE für eine Übergangszeit.

Die Internetseiten werden derzeit gemeinsam von BfS und BfE überarbeitet. In dieser Zeit finden Sie alle Informationen zu den Themen Kerntechnische Sicherheit, Nukleare Entsorgung und Endlagerüberwachung weiterhin auf den Internetseiten des BfS.

© Bundesamt für Strahlenschutz