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Ionisierende Strahlung

Umweltradioaktivität - Medizin - Beruflicher Strahlenschutz - Nuklear-spezifische Gefahrenabwehr

Ionisierende Strahlung

Polonium-210: Gesundheitliche Bewertung

Glossareintrag Radionuklid

Ein Radionuklid ist ein instabiles Nuklid, das spontan ohne äußere Einwirkung unter Aussendung energiereicher (ionisierender) Strahlung in ein anderes Nuklid zerfällt. Zurzeit sind über 3.300 verschiedene Nuklide bekannt, die sich auf die 118 zurzeit bekannten Elemente verteilen. Von diesen Nukliden sind über 3.000 Nuklide instabil und radioaktiv.

Glossareintrag Inkorporation

Allgemein: Aufnahme in den Körper - Speziell: Aufnahme radioaktiver Stoffe in den menschlichen Körper.

In der Natur entsteht Polonium-210 durch den radioaktiven Zerfall von Uran-238. Es ist ein radioaktives Metall, das sich in chemischen Reaktionen ähnlich wie Wismut verhält. Künstlich kann man Polonium herstellen, indem man im Kernreaktor Wismut mit Neutronen beschießt.

Polonium kommt in geringsten Mengen (etwa 60 Becquerel) auch von Natur aus im menschlichen Körper vor.

Verwendung

Verwendet wird Polonium-210

  • in Kombination mit Beryllium als Neutronenquelle,
  • in hochempfindlichen optischen und mechanischen Messgeräten zur Elimination statischer Aufladungen und
  • als thermoelektrische Batterie in der Raumfahrt.

Physikalische Eigenschaften und Wege der Aufnahme in den menschlichen Körper

Polonium-210 hat eine physikalische Halbwertszeit von 138 Tagen. Es emittiert beim radioaktiven Zerfall Alphateilchen. Alphateilchen haben eine nur sehr geringe Eindringtiefe in Gewebe (weniger als 0,1 Millimeter). Eine Gesundheitsgefährdung durch das radioaktive Polonium kann daher nur eintreten, wenn das Radionuklid in den Körper aufgenommen wird (Inkorporation). Dies kann geschehen

Eine nennenswerte Aufnahme über die Haut kann nur erfolgen, wenn die Hautoberfläche durch Verletzungen oder Erkrankungen verändert ist.

Gesundheitliche Wirkungen

Polonium-210 besitzt eine hohe Radiotoxizität. Wenn Polonium-210 in den Körper gelangt, kann es in Abhängigkeit von der aufgenommenen Menge unterschiedliche Wirkungen hervorrufen. Führt die aufgenommene Menge Polonium zu einer Strahlendosis von mehr als 1 Sievert, so können akute Erkrankungen bis zum Tod auftreten. Bereits die Aufnahme von etwa 0,1 Mikrogramm Polonium-210 kann innerhalb von wenigen Tagen zum Tod führen.

Polonium-210 verbleibt mit einer biologischen Halbwertszeit von etwa 50 Tagen im Körper. Das heißt: Nach dieser Zeit befindet sich noch 50 Prozent der aufgenommenen Poloniummenge im Körper. Die Poloniummenge im Körper nimmt mit jeder Halbwertszeit entsprechend weiter ab.

Nachweismöglichkeiten

Weil durch Polonium-210 nur Alphastrahlung ausgesendet wird, kann es nicht mit einem Ganzkörperzähler nachgewiesen werden. Für den Nachweis einer Inkorporation ist es notwendig Stuhl- oder Urinproben zu untersuchen. In Urinproben ist der Nachweis einfacher als in Stuhlproben. Die Nachweisgrenze für Polonium-210 im Urin liegt bei ca. 0,5 Millibecquerel pro Liter.

Wurde eine Menge an Polonium-210 in den Körper aufgenommen, die zu einer tödlichen Dosis führt, liegt die Aktivität im Urin bis zu 50 Tage lang um einen Faktor von etwa einer Million über der Nachweisgrenze. Daraus folgt, dass es bereits weit unterhalb gesundheitsrelevanter Auswirkungen möglich ist, Polonium im Körper nachzuweisen.

Stand: 04.12.2015

© Bundesamt für Strahlenschutz