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Ionisierende Strahlung

Umweltradioaktivität - Medizin - Beruflicher Strahlenschutz - Nuklear-spezifische Gefahrenabwehr

Ionisierende Strahlung

5. Internationaler Workshop zur Ursachenforschung für Leukämie bei Kindern

Krebs kann spontan entstehen, kann aber auch durch genetische Prädisposition, Lebensstil (vor allem Ernährung) und umweltbedingte (chemische, physikalische oder biologische) Einflüsse induziert werden. Für viele Tumorarten sind umweltbedingte Risikofaktoren seit langem bekannt (z.B. Lungenkrebs durch Zigarettenrauch, Hautkrebs durch UV, Genitaltumore durch Tumorviren). Demgegenüber ist der Kenntnisstand zu den umweltbedingten Risikofaktoren für Leukämien im Kindesalter unbefriedigend und durch geringe Fortschritte gekennzeichnet.

In epidemiologischen Studien konnten jedoch konsistent statistische Zusammenhänge von Leukämien im Kindesalter sowohl mit schwacher ionisierender als auch mit schwacher nichtionisierender Strahlung beobachtet werden. Die Ergebnisse sind aber kausal und nach dem Stand der Wissenschaft bisher nicht erklärbar. Deshalb nahm das BfS diese wissenschaftlichen Ergebnisse zum Anlass, sich intensiv um die Erforschung der Ursachen für Leukämien im Kindesalter zu bemühen.

Der wissenschaftliche Fortschritt zur Ursachenforschung für Leukämie bei Kindern soll kontinuierlich verfolgt werden. Dazu veranstaltete das BfS vom 14. bis 16. November 2016 einen öffentlichen internationalen Workshop.

Themen des Workshops

  • Ionisierende Strahlung und Leukämierisiko bei Kindern
  • Magnetfelder und Leukämierisiko bei Kindern
  • Prädisposition
  • Epidemiologie
  • Epigenetik und Umwelt
  • Immunsystem
  • Mechanismen
  • Tiermodelle

Die Veranstaltung richtete sich an interessierte Wissenschaftler, wie Kinderärzte, Epidemiologen, Biologen, Strahlenforscher u.a. sowie an Vertreter deutscher, europäischer und internationaler Behörden und Verbände (z.B. BMUB, BfS, WHO, ICNIRP). Der Workshop wurde im Auftrag des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) durchgeführt vom Bundesamt für Strahlenschutz.

BfS als Initiator für internationalen Austausch bei der Ursachenerforschung

Um neue Wege zur Klärung der komplexen Ursachen von Leukämien bei Kindern zu finden, wurde bisher in ca. zweijährigem Abstand eine Reihe von internationalen Workshops organisiert.

  • Im Mai 2008 führte das BfS zusammen mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung (ICNIRP) in Berlin einen internationalen Workshop zu den bekannten Risikofaktoren für Leukämien im Kindesalter durch.
  • Auf der Grundlage des Berliner Workshops wurde im Juli 2010 ein mit internationalen Experten besetztes BfS-Fachgespräch durchgeführt mit dem Ziel, eine strategische, interdisziplinäre Forschungsagenda zu erarbeiten (Ziegelberger et al., Blood Cancer Journal (2011))
  • Im Juni des Jahres 2012 fand in Bombon bei Paris eine weitere Tagung zu dieser Thematik statt, die - unter der Schirmherrschaft von MELODI (Multidisciplinary European Low Dose Initiative) - von der französischen Strahlenschutzbehörde IRSN (Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire) gemeinsam mit dem BfS organisiert wurde. Unter anderem wurde die beim BfS-Fachgespräch im Juli 2010 erarbeitete Forschungsagenda vorgestellt und fortgeschrieben (Laurier et al., J Radiol Prot. 2014).
  • 2013 wurde ein Fachgespräch mit den internationalen Experten und Forschungsnehmern zur Diskussion der Pilotprojekte durchgeführt.

Pilotprojekte

Auf Basis der Forschungsagenda hat das BfS im Jahr 2011 einige der Themenschwerpunkte aufgegriffen und im Rahmen des UFOPLANs entsprechende Pilotprojekte initiiert. Fünf Pilotprojekte wurden 2012-2013 durchgeführt und im Dezember 2013 auf einem BfS-Fachgespräch vorgestellt und mit weiteren eingeladenen Experten im Kontext zum aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand diskutiert.

Stand: 30.11.2016

© Bundesamt für Strahlenschutz