Navigation und Service

Ionisierende Strahlung

Umweltradioaktivität - Medizin - Beruflicher Strahlenschutz - Nuklear-spezifische Gefahrenabwehr

Ionisierende Strahlung

Epidemiologie strahlenbedingter Erkrankungen

Die Epidemiologie (von griech. epi "auf, über", demos "Volk", logos "Lehre") ist eine wissenschaftliche Disziplin, die sich mit der Verteilung von Krankheiten in einer Bevölkerung (deskriptive oder beschreibende Epidemiologie) und mit den Faktoren beschäftigt, die diese Verteilung beeinflussen (analytische Epidemiologie).

Die Strahlenepidemiologie untersucht insbesondere mögliche Zusammenhänge zwischen ionisierender Strahlung (beispielsweise aufgrund von medizinischen Röntgenuntersuchungen, Bestrahlungen oder der Höhenstrahlung bei Langstreckenflügen) oder nichtionisierender Strahlung (beispielsweise der Strahlung von Mobiltelefonen, Mobilfunkmasten oder von elektrischen und magnetischen Feldern um Hochspannungsleitungen) und dem Risiko, an Krebs oder zum Beispiel grauem Star oder Herz-Kreislauferkrankungen zu erkranken.

Welche Methoden verwendet die Epidemiologie?

Aus ethischen und praktischen Gründen ist es im Allgemeinen nicht möglich, die gesundheitlichen Auswirkungen von Strahlung auf den Menschen mit experimentellen Studien unter kontrollierten Bedingungen zu untersuchen. Daher werden epidemiologische Studien durchgeführt.

Hierbei handelt es sich um reine Beobachtungsstudien. Die Studien erlauben eine direkte Untersuchung des Risikos für den Menschen sowie eine Quantifizierung der Höhe des Risikos. Die wichtigsten Arten epidemiologischer Studien sind Kohortenstudien und Fall-Kontroll-Studien. Insgesamt unterscheidet man vier Haupttypen epidemiologischer Studien:

KohortenstudieEinklappen / Ausklappen

Bei einer Kohortenstudie werden Personen ausgewählt, die einem Risikofaktor in unterschiedlichem Ausmaß ausgesetzt sind, und über einen längeren Beobachtungszeitraum untersucht. Die Fragestellung einer Kohortenstudie ist beispielsweise, ob bei höher exponierten Personen bestimmte Erkrankungen häufiger auftreten als bei weniger oder nicht exponierten Personen.

Ein Beispiel für eine Kohortenstudie ist die vom BfS durchgeführte deutsche Uranbergarbeiter-Studie, mit 60.000 ehemaligen Bergarbeitern der Wismut. In dieser Studie wird das Krebsrisiko in Abhängigkeit von einer früheren Strahlenexposition im Uranerzbergbau untersucht.

Fall-Kontroll-StudieEinklappen / Ausklappen

Fall-Kontroll-Studien gehen von der Erkrankung aus und fragen nach der vorausgehenden Exposition. Es wird untersucht, ob erkrankte Personen häufiger beziehungsweise höher exponiert waren als vergleichbare nicht erkrankte Personen. Dazu werden zunächst Personen mit der zu untersuchenden Krankheit in einer definierten Bevölkerungsgruppe bestimmt. Weil nur die erkrankten Personen („Fälle“) und die vergleichbaren nicht erkrankten Personen („Kontrollen“) untersucht werden, können Fall-Kontroll-Studien mit bedeutend kleineren Personenzahlen durchgeführt werden als Kohortenstudien.

Fall-Kontroll-Studien können auch in Kohortenstudien eingebettet sein, um für spezielle Untergruppen einer Kohorte eine umfangreichere Datensammlung durchzuführen.

Ein Beispiel ist die vom BfS in Auftrag gegebene "KiKK-Studie". In ihr wurden Kinder, die in Deutschland in der Umgebung eines deutschen Kernkraftwerks wohnen und an Leukämie oder Krebs erkrankt sind, mit nicht erkrankten Kindern gleichen Alters und Geschlechts verglichen, die in der gleichen Region wohnen. Es wurde untersucht, ob erkrankte Kinder (Fälle) näher an einem Kernkraftwerk wohnen als zugeordnete Kontrollkinder.

QuerschnittsstudieEinklappen / Ausklappen

hIn einer Querschnittsstudie werden Bestrahlung (z. B. die gemessene Exposition gegenüber den elektromagnetischen Feldern von Mobilfunkbasisstationen) und die zu untersuchende Erkrankung (z. B. Schlafstörungen oder Kopfschmerzen) zeitgleich erhoben und in Beziehung zueinander gesetzt.

Diese Studien sind nur bei relativ häufigen Erkrankungen sinnvoll und im Allgemeinen nur zur Bildung von Hypothesen geeignet.

Ökologische StudieEinklappen / Ausklappen

Unter "ökologischen" Studien versteht man Studien, die nicht einzelne Individuen untersuchen, sondern räumlich oder zeitlich zusammengefasste Daten (z. B. die Erkrankungshäufigkeit und das Einwirken von Strahlung auf einen Organismus - die Strahlenexposition - in einem bestimmten Gebiet) verwenden und damit den Zusammenhang zwischen Bestrahlung und Erkrankung untersuchen. Ökologische Studien sind fehleranfällig, weil angenommen wird, dass sich die untersuchten Gruppen nur hinsichtlich des interessierenden Risikofaktors (z. B. Strahlung) unterscheiden, nicht aber hinsichtlich anderer Risikofaktoren (z. B. Rauchen). Sie können zwar Hinweise auf mögliche Ursachen geben, sind aber grundsätzlich für Risikoabschätzungen ungeeignet.

Ein Beispiel ist der deutschlandweite Vergleich von Lungenkrebssterberate und Radonkonzentration in Wohnungen: Der bedeutendste Risikofaktor für Lungenkrebs ist das Rauchen. Werden die regional durchaus unterschiedlichen Bevölkerungsanteile von Rauchern in einer solchen Untersuchung nicht berücksichtigt, können verfälschte Ergebnisse in Bezug auf Radon und Lungenkrebs entstehen.

Epidemiologische Studien des BfS

Im Bereich der ionisierenden Strahlung führt das BfS eine große Kohortenstudie zu Effekten ionisierender Strahlung bei ehemaligen Bergarbeitern der WISMUT SDAG der DDR durch. Desweiteren gab das BfS eine Studie zu Kinderkrebs in der Umgebung von Kernkraftwerken (KiKK-Studie) in Auftrag.

Im Bereich der nichtionisierenden Strahlung wurden vom BfS im Rahmen des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms eine Vielzahl epidemiologischer Studien zu möglichen Auswirkungen von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern auf die Gesundheit initiiert und gefördert.

Weitere aktuelle Forschungsvorhaben finden Sie im Forschungsprogramm des BfS (2013–2017).

Stand: 07.10.2016

© Bundesamt für Strahlenschutz