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Ionisierende Strahlung

Umweltradioaktivität - Medizin - Beruflicher Strahlenschutz - Nuklear-spezifische Gefahrenabwehr

Ionisierende Strahlung

Strahlenbelastung durch natürliche Radionuklide im Trinkwasser

Das Bundesamt für Strahlenschutz führte im Auftrag des Bundesumweltministerium eine umfangreiche Untersuchung zur Bestimmung der durch natürliche Radionuklide im Trinkwasser hervorgerufenen Strahlenexposition durch. Dazu veröffentlichte das BfS im Jahr 2009 die Studie "Strahlenexposition durch natürliche Radionuklide im Trinkwasser in der Bundesrepublik Deutschland".

In einer vom BfS geleiteten fachübergreifenden Arbeitsgruppe aus Vertretern von Ministerien, Landesmessstellen, analytischen Laboratorien und Trinkwasserverbänden wurde zwischen 2009 und 2012 ein Leitfaden zur Untersuchung und Bewertung von Radioaktivität im Trinkwasser erarbeitet, der die bestehenden Anforderungen auf empfehlender Basis konkretisiert.

Die wesentlichen fachlichen Empfehlungen des Leitfadens finden sich auch auf europäischer Ebene in der Richtlinie 2013/51/EURATOM.

Der Bundesrat stimmte der dritten Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) am 06. November 2015 zu und setzte damit die europäische Richtlinie in nationales Recht um.

BfS-Messprogramm

582 Trinkwasserproben aus weiten Teilen des Bundesgebiets darunter

  • große Wasserversorgungsanlagen aus Ballungsräumen
  • Wasser aus Gebieten mit erhöhter natürlicher Radioaktivität

Untersuchung Aktivitätskonzentration

  • Gesamt-Alpha
  • Uran-238*
  • Radium-226
  • Radium-228
  • Blei-210
  • Polonium-210
  • Radon-222

* bei Konzentration über 10 Millibecquerel pro Liter zusätzlich Uran-234 und -235

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) führte im Auftrag des Bundesumweltministeriums eine umfangreiche Untersuchung zur Bestimmung der durch natürliche Radionuklide im Trinkwasser hervorgerufenen Strahlenexposition durch und veröffentlichte diese im Jahr 2009 in der Studie "Strahlenexposition durch natürliche Radionuklide im Trinkwasser in der Bundesrepublik Deutschland". Für Deutschland wie auch für andere europäische Länder fehlten bis dahin aufgrund des hohen analytischen Aufwandes solcher Untersuchungen ausreichend belastbare Daten über den Gehalt natürlicher Radionuklide in Trinkwässern.

BfS-Untersuchung erfasst große Teile der Bundesrepublik

Das BfS legte damit erstmals eine aussagekräftige Übersicht über die Strahlenexposition der Bevölkerung durch natürliche Radionuklide im Trinkwasser in der Bundesrepublik vor. Untersucht wurden 582 Trinkwasserproben. Mit der Untersuchung wurden große Teile des Bundesgebiets erfasst. Zur Untersuchung von Trinkwässern in Ballungsgebieten wurden vorwiegend größere Wasserversorgungsanlagen beprobt. Die Proben repräsentieren in solchen Gebieten zum Teil Trinkwässer, die von mehreren Millionen Menschen genutzt werden. Zusätzlich wurden zur Erfassung der oberen Aktivitätsbereiche gezielt Trinkwässer und Rohwässer von Wasserversorgungsanlagen in Gebieten mit erhöhter natürlicher Radioaktivität der Bundesländer Bayern, Sachsen, Baden-Württemberg, Thüringen, Rheinland-Pfalz und Sachsen-Anhalt untersucht. Aufgrund dieser Herangehensweise sind die gewonnenen Daten repräsentativ im Sinne der Aufgabenstellung.

Sämtliche Wässer wurden auf ihre Gesamt-Alpha-Aktivitätskonzentration sowie auf die Aktivitätskonzentrationen von Uran-238, Radium-226, Radium-228, Blei-210, Polonium-210 und Radon-222 untersucht. Lagen die Uran-238-Aktivitätskonzentrationen oberhalb von 10 Millibecquerel pro Liter, wurden zusätzlich die beiden Uranisotope Uran-234 und Uran-235 alphaspektrometrisch bestimmt. Auf die Bestimmung der Thoriumisotope wurde mit Ausnahme einiger Wässern mit erhöhten Radium-228-Aktivitätskonzentrationen verzichtet.

Ergebnis: Geringfügiger Beitrag zur jährlichen Strahlenexposition durch Trinkwasser

Als wesentliches Ergebnis dieser Studie ist festzustellen, dass das Trinkwasser in Deutschland nur geringfügig zur gesamten mittleren jährlichen Strahlenexposition aus natürlichen Quellen von 2,1 Millisievert beiträgt. Das BfS hat in der Studie vor dem Hintergrund der bis 2013 fehlenden spezifischen Regelungen im Bereich des Trinkwassers unterschiedliche Bewertungsansätze zugrunde gelegt. Die aus den Daten mit den Berechnungsgrundlagen der deutschen Strahlenschutzverordnung bestimmten mittleren Werte der Strahlenexposition (Ingestionsdosis) liegen für den Erwachsenen bei etwa 0,009 Millisievert pro Jahr, für den Säugling bei etwa 0,05 Millisievert pro Jahr. Die Schwankungsbreite der Aktivitätskonzentrationen und der ermittelten Strahlenexpositionen ist allerdings beträchtlich. In Einzelfällen können daher aus Vorsorgegründen Maßnahmen zur Reduzierung der Aktivitätskonzentrationen angezeigt sein.

Studie: neue Qualität bei der Beurteilung der Strahlenexposition

Aufgrund des Umfangs der Messungen im Gesamtgebiet der Bundesrepublik sowie der erstmaligen Einbeziehung aller dosisrelevanten Radionuklide und gleichzeitiger Verbesserung der Nachweisgrenzen ist mit dieser Studie eine neue Qualität bei der Beurteilung der Strahlenexposition durch Radionuklide beim Verzehr von Trinkwasser erreicht worden. Sie bildete damit eine Grundlage für Entscheidungen zu Fragen der Ermittlung und Bewertung der natürlichen Radioaktivität und der Strahlenexposition durch den Verzehr von Trinkwasser einschließlich der Festlegung geeigneter Überwachungsstrategien unter Einbeziehung dosisbezogener maximaler Aktivitätskonzentrationen für die relevanten Radionuklide.

Rechtlich verbindliche Vorgaben für die Beurteilung der Strahlenexposition durch Radionuklide beim Verzehr von Trinkwasser einschließlich notwendiger Vorgaben für die Dosisermittlung, die eine Messung und Überwachung der Radioaktivität im Trinkwasser erst möglich machen, existierten bislang nicht. Zwar legt die EU-Trinkwasserrichtlinie von 1998 unter anderem Richtwerte für die Aktivitätskonzentration von Tritium von 100 Bequerel pro Liter und für die Gesamtrichtdosis von 0,1 Millisievert pro Jahr fest, die auch mit der Trinkwasserverordnung von 2001 in das deutsche Recht umgesetzt wurden.

Um die Einhaltung dieser Richtwerte kontrollieren zu können, fehlten jedoch konkretisierende Festlegungen unter anderem zu den zu berücksichtigenden Radionukliden und den Verzehrsraten für Trinkwasser.

Fachübergreifende Arbeitsgruppe unter Leitung des BfS erstellt Leitfaden

In einer vom BfS geleiteten fachübergreifenden Arbeitsgruppe aus Vertretern von Ministerien, Landesmessstellen, analytischen Laboratorien und Trinkwasserverbänden wurde zwischen 2009 und 2012 ein Leitfaden zur Untersuchung und Bewertung von Radioaktivität im Trinkwasser erarbeitet, der die bestehenden Anforderungen auf empfehlender Basis konkretisiert.

Die wesentlichen fachlichen Empfehlungen des Leitfadens finden sich auch auf europäischer Ebene in der Richtlinie 2013/51/EURATOM.

November 2015: Mit der 3. Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung Richtlinien in nationales Recht umgesetzt

Mit der Richtlinie 2013/51/EURATOM hat der Rat der Europäischen Union Anforderungen an den Schutz der Gesundheit der Bevölkerung hinsichtlich radioaktiver Stoffe im Trinkwasser festgelegt und die EU-Mitgliedsstaaten verpflichtet, die Richtlinie bis zum 28. November 2015 in nationales Recht umzusetzen.

In Deutschland erfolgte die Umsetzung mit der Dritten Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung (TrinkwV) vom 18. November 2015.

Die Anforderungen an Trinkwasser in Bezug auf radioaktive Stoffe werden in der Dritten Verordnung zur Änderung der Trinkwasserverordnung in der neuen Anlage 3a zusammengefasst. Entsprechend der EURATOM-Richtlinie werden Parameterwerte für die Richtdosis (0,1 Millisievert pro Jahr für die erwachsene Referenzperson) sowie die Aktivitätskonzentrationen von Radon-222 und Tritium (jeweils 100 Becquerel pro Liter) vorgegeben und die Untersuchungsstrategie konkretisiert.

Anforderungen für die praktische Umsetzung

Für die praktische Umsetzung werden die Anforderungen an die Probenahme, die Untersuchungsstellen, die Untersuchungsverfahren und die Untersuchungshäufigkeiten benannt. Für die dosisrelevanten Radionuklide werden Referenzaktivitätskonzentrationen angegeben, anhand derer die Unterschreitung der Richtdosis überprüft werden kann.

Diese Instrumente sind die Grundlage, um in Einzelfällen Maßnahmen zur Reduzierung von radioaktiven Stoffen im Trinkwasser anordnen zu können und damit zum Schutz der menschlichen Gesundheit die Qualität des Trinkwassers im Hinblick auf den Gehalt an radioaktiven Stoffen sicher zu stellen. Da in Deutschland eine regelmäßige behördliche Überwachung der künstlichen Radioaktivität in der Umwelt stattfindet, sind Untersuchungen des Trinkwassers im Hinblick auf diese Radionuklide in der Regel nicht erforderlich.

Stand: 17.03.2016

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