Navigation und Service

Ionisierende Strahlung

Umweltradioaktivität - Medizin - Beruflicher Strahlenschutz - Nuklear-spezifische Gefahrenabwehr

Ionisierende Strahlung

Der berufliche Strahlenschutz auf internationaler Ebene

Ein effektiver und zukunftsorientierter beruflicher Strahlenschutz muss sich über die Landesgrenzen hinaus engagieren. Deshalb wirkt das Strahlenschutzregister auch auf internationaler Ebene an der Weiterentwicklung des beruflichen Strahlenschutzes mit.

Ein Stichwort ist hier die Harmonisierung der beruflichen Strahlenschutzüberwachung in Europa. Die Strahlenschutzgrundnormen der Europäischen Kommission gelten für alle europäischen Mitgliedsstaaten. Weil immer mehr Erwerbstätige, die beruflich ionisierender Strahlung ausgesetzt sind, ihren Arbeitsplatz innerhalb Europas wechseln, muss auch ein grenzüberschreitender beruflicher Strahlenschutz sichergestellt werden.

Das Strahlenschutzregister beteiligt sich deshalb an Arbeitsgruppen und Projekten für die Europäische Union. Es unterstützt mit seinem Erfahrungshintergrund die internationalen Strahlenschutzorganisationen, z. B. den Wissenschaftlichen Ausschuss der Vereinten Nationen zur Untersuchung der Auswirkungen der atomaren Strahlung (UNSCEAR) bei der Optimierung der globalen Datenerhebungen zur beruflichen Strahlenbelastung. Außerdem leitet es seit vielen Jahren in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eine Expertengruppe, die sich mit den Auswirkungen der neuen Empfehlungen der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) und Zukunftsfragen des beruflichen Strahlenschutzes befasst.

Mitwirkung in internationalen Gremien und Projekten

Heads of European Radiological Protection Competent Authorities (HERCA) Arbeitsgruppe 1 (WG 1)

Die HERCA-Arbeitsgruppe 1 entwickelte eine Vorlage für einen harmonisierten europäischen Strahlenpass und einen Leitfaden für strahlenexponierte Arbeitnehmer, die in verschiedene europäische Länder reisen und dort als so genannte externe Arbeitskräfte strahlenschutzüberwachte Tätigkeiten ausüben. Der Europäische Strahlenpass stellt alle für den beruflichen Strahlenschutz relevanten Informationen (z. B. vorangegangene Strahlenbelastung, Schulung, gesundheitliche Eignung, etc.) eines Arbeitnehmers mehrsprachig und in einheitlicher Terminologie und Datenstruktur zusammen. Er dient als Muster für einen nationalen Strahlenpass und soll in den EU-Mitgliedstaaten verwendet werden. Der Strahlenpass kann entweder auf Papierbasis oder in elektronischer Form in einem nationalen Datensystem verwendet werden. HERCA / WG1 entwickelt in einem Pilotprojekt ein Strahlenpass-Informationssystem zum elektronischen Datenaustausch zwischen EU-Mitgliedstaaten.

European Study on Occupational Radiation Exposure (ESOREX)

Das BfS hat im Auftrag der Europäischen Kommission 1997 das ESOREX-Projekt (European Study on Occupational Radiation Exposure) ins Leben gerufen. Zahlreiche Forschungsvorhaben umfassten bis zu 30 europäische Länder, mit dem Ziel,

  • zu vergleichen, wie der berufliche Strahlenschutz in diesen Staaten organisiert ist,
  • über einen Zeitraum von zehn Jahren verlässliche und vergleichbare Daten zu erheben über die jährliche Strahlenexposition in den verschiedenen Arbeitsbereichen und Beschäftigungskategorien,
  • eine Plattform für Kontakte und den Erfahrungsaustausch zwischen den nationalen Dosisregistern in Europa und internationalen Organisationen zu schaffen.

Die Erhebungen zeigen die Entwicklung der beruflichen Strahlenbelastung vor beziehungsweise nach der Umsetzung der Richtlinie 96/29 EURATOM in nationales Recht. Sie lieferten außerdem wichtige Erkenntnisse für eine Harmonisierung der beruflichen Strahlenschutzüberwachung in Europa. Es wurden mehrere europäische Workshops mit den Verantwortlichen der jeweiligen nationalen Dosisregister durchgeführt. Diese Workshops leisteten Beiträge zum Aufbau eines europäischen Netzwerks der beruflichen Strahlenschutzüberwachung.

Die Projekte wurden unter wechselnder Federführung vom Strahlenschutzregister des BfS in enger Zusammenarbeit mit dem Staatlichen Amt für nukleare Sicherheit der Tschechischen Republik durchgeführt. Durch ESOREX verfügt das Strahlenschutzregister über wesentliche Informationen und Kontakte, die die berufliche Strahlenschutzüberwachung in 30 europäischen Ländern betreffen.

Im jüngsten ESOREX-Projekt wurde unter der Leitung des französischen Institut de Radioprotection et de Sûreté Nucléaire (IRSN) und unter Beteiligung des BfS die "ESOREX-Plattform" aufgebaut, ein Netzwerk und Datensystem mit Statistiken und Informationen zum beruflichen Strahlenschutz in Europa, das 2015 in Betrieb ging.

Expert Group on Occupational Exposure (EGOE)

Die internationale Arbeitsgruppe EGOE wurde 2006 vom Committee on Radiation Protection and Public Health (CRPPH) der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) eingerichtet. Sie hatte die Aufgabe, sich mit den Auswirkungen der neuen Empfehlungen der Internationalen Strahlenschutzkommission (ICRP) zu befassen und Antworten auf Zukunftsfragen des beruflichen Strahlenschutzes zu erarbeiten. Die Arbeit der EGOE umfasste mehrere Fallstudien und war eng mit dem "International Action Plan" der IAEA und der Entwicklung der neuen IAEA-Grundnormen verbunden. In der EGOE arbeiteten Experten aus ca. 30 OECD-Ländern, Beobachter der internationalen Organisationen (IAEA, ILO, ISOE und EG) und Berater. Die Arbeitsgruppe wurde bis 2014 vom Strahlenschutzregister des BfS geleitet.

UNSCEAR-Erhebungen

Das United Nations Scientific Committee on the Effects of Atomic Radiation (UNSCEAR) erhebt und analysiert auf globaler Ebene Dosisdaten und Trends zur Strahlenexposition von Bevölkerung, Arbeitnehmern und Patienten. Im Rahmen von ESOREX unterstützt das Strahlenschutzregister UNSCEAR bei der Harmonisierung und Verbesserung der Datenerhebungen auf dem beruflichen Sektor, um die Zuverlässigkeit der internationalen Dosisstatistiken zu erhöhen.

IAEA Technical Meeting Projects und International Action Plan

Das Strahlenschutzregister ist an Technical Meeting Projects (z.B. Management des Strahlenschutzes von Fremdarbeitern und Aufbau nationaler Dosisregister) sowie dem IAEA International Action Plan zur beruflichen Strahlenexposition (z. B. Strahlenschutzüberwachung von Flugzeugbesatzung aufgrund der kosmischen Strahlung) beteiligt.

Stand: 25.07.2016

© Bundesamt für Strahlenschutz