Navigation und Service

Ionisierende Strahlung

Umweltradioaktivität - Medizin - Beruflicher Strahlenschutz - Nuklear-spezifische Gefahrenabwehr

Ionisierende Strahlung

Notfallschutz-Analyse nach Fukushima: Konsequenzen für Deutschland

Notfallschutz-Analyse: Konsequenzen für Deutschland Notfallschutz-AnalyseStrahlenbelastung durch die Direktstrahlung radioaktiver Stoffe in der Luft und am Boden sowie durch die Inhalation von radioaktiven Stoffen für ein Fallbeispiel für das Kernkraftwerk Grohnde, mit Freisetzungsbeginn am 1. November 2011. Die roten Kreise mit Unterteilung in Sektoren kennzeichnen die bisherigen Notfallschutz-Planungszonen mit einem Radius von 25 Kilometer - äußerer Kreis, 10 Kilometer - mittlerer Kreis, 2 Kilometer - innerer Kreis.

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) beschäftigte sich nach dem Unfall in Fukushima mit der Frage, welche Auswirkungen ein Unfall in einem deutschen Kernkraftwerk mit einem ähnlichen Verlauf wie in Fukushima in Deutschland hätte (BfS-Bericht-SW-11/12). Diese Untersuchung wurde zwischen Herbst 2012 und Ende 2013 mit mehr als 5000 weiteren Fallbeispielen fortgeführt. Der ausführliche Bericht (BfS-Bericht BfS-SCHR-55/14) erschien Ende Februar 2015.

Simulation von Unfällen in deutschen Kernkraftwerken

Die Untersuchungen des BfS zu möglichen Auswirkungen von schweren Kernkraftwerks-Unfällen in Deutschland wurden mit dem Computersimulationsprogramm RODOS durchgeführt. Berücksichtigt wurden dabei lang anhaltende Freisetzungen, die bisher nicht im Zentrum der Planungen standen. Für die vertiefte und systematische Untersuchung wurden drei verschiedene Kernkraftwerke in Deutschland (Unterweser, Grohnde und Philippsburg) ausgewählt. Sie repräsentieren verschiedene Geländeformen wie Berge, Täler, flaches Land (orographische Lagen) und klimatische Zonen.

Rechnungen mit spezifischen Freisetzungsszenarien und Wetterlagen

Als Freisetzungsszenarien mit unterschiedlichen Quelltermen wurden schwere Unfälle mit Kernschmelze unterstellt. Diese wären in die höchsten Kategorien 5, 6 und 7 nach der international gebräuchlichen INES-Skala zur Bewertung nuklearer und radiologischer Ereignisse einzuordnen. Auf der Basis dieser Freisetzungen und mit realen meteorologischen Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) wurden Berechnungen für einen frei gewählten Zeitraum über 365 Tage (November 2011 bis Oktober 2012) durchgeführt.

Aufgrund der großen Zahl an Ergebnissen aus über 5.000 Einzelrechnungen steht damit eine gesicherte Grundlage für Aussagen zu möglichen radiologischen Auswirkungen zur Verfügung.

Ergebnisse

Für etwa 1.100 Fallbeispiele wurde die höchste Unfall-Kategorie INES 7 angenommen. Aus der Auswertung aller Berechnungen ergeben sich folgende wesentliche Erkenntnisse:

  • Akute Strahlenschäden können durch eine schnelle Evakuierung – das heißt noch vor Beginn der Freisetzung – im Umkreis von etwa 5 Kilometer von der Anlage vermieden werden.
  • Bis zu einer Entfernung von zirka 20 Kilometer muss mit dem Überschreiten der Eingreifrichtwerte für Evakuierung und der Einnahme von Jodtabletten gerechnet werden.
  • Bis zu einer Entfernung von etwa 100 Kilometer können die Eingreifrichtwerte für "Aufenthalt in Gebäuden" erreicht werden.
  • Die Durchführung der Jodblockade für Kinder und Jugendliche sowie Schwangere kann in Entfernungen bis mindestens 200 Kilometer von der Anlage in Ausbreitungsrichtung notwendig werden.

Die genannten Ergebnisse des BfS sind direkt in eine neue Empfehlung der SSK eingeflossen, die eine Ausweitung der bisherigen Planungszonen für den Notfallschutz in der Umgebung von Kernkraftwerken empfiehlt. Diese wurden vom Bundesumweltministerium (BMUB) den Länderbehörden zur weiteren Planung weitergeleitet.

Die Planungsradien sollen wie folgt ausgedehnt werden:

  • für Evakuierung von bisher 10 Kilometer auf 20 Kilometer Umkreis,
  • für die Maßnahme "Verbleiben im Haus" von 10 Kilometer auf 100 Kilometer,
  • für die Verteilung von Jodtabletten an Erwachsene von 25 Kilometer auf 100 Kilometer,
  • für die Verteilung von Jodtabletten an Kinder, Jugendliche und Schwangere von 100 Kilometer auf das gesamte Bundesgebiet.

Auch außerhalb der angegeben Planungsradien können in seltenen Fällen Schutzmaßnahmen erforderlich werden, diese würden bei einem kerntechnischen Unfall nach Bedarf zusätzlich eingeleitet.

Stand: 14.07.2017

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

© Bundesamt für Strahlenschutz