Navigation und Service

Ionisierende Strahlung

Umweltradioaktivität - Medizin - Beruflicher Strahlenschutz - Nuklear-spezifische Gefahrenabwehr

Ionisierende Strahlung

Messübung 2016 in der Ukraine

Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) hat vom 26. bis zum 29. September 2016 zusammen mit der ukrainischen Atomaufsichtsbehörde (State Nuclear Regulatory Inspectorate of Ukraine) eine Messübung in der 30-Kilometer-Zone um das Kernkraftwerk in Tschernobyl (Ukraine) durchgeführt. Dabei wurde das BfS auch von der Staatsagentur für die Verwaltung des Sperrgebiets und dem Tschernobyl-Zentrum für nukleare Sicherheit, radioaktiven Abfall und Radioökologie unterstützt.

Neben dem Training der Messung von Radioaktivität unter besonderen Bedingungen leistete die Messübung einen Beitrag zur Aktualisierung der Beschreibung der radiologischen Lage rund um das Kernkraftwerk Tschernobyl.

Vom 26. bis zum 29. September 2016 führten Beschäftigte des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zusammen mit Mitarbeitern der ukrainischen Atomaufsichtsbehörde (State Nuclear Regulatory Inspectorate of Ukraine) eine Messübung in der 30-Kilometer-Zone um das Kernkraftwerk in Tschernobyl (Ukraine) durch. Dabei fanden Messungen in den Gebieten Kapachi, Buryakovka sowie in der Stadt Prypjat statt. Die Messteams des BfS setzen sich aus 26 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aus den sechs BfS-Standorten zusammen.

30-Kilometer-Zone des Reaktors Tschernobyl mit eingeblendetem Messgebiet (Rechteck) und Lage der zwei Messfelder Kapachi und Buryakovka 30-Kilometer-Zone des Reaktors30-Kilometer-Zone des Reaktors Tschernobyl mit eingeblendetem Messgebiet (Rechteck) und Lage der zwei Messfelder Kapachi und Buryakovka Quelle: OpenStreetMap; QGIS 2016

Was war das Ziel der Messübungen?

Zum einen trainierten die Beteiligten, Radioaktivität unter besonderen Bedingungen zu messen. Zum anderen leistete die Messübung einen Beitrag dazu, die  Beschreibung der radiologischen Lage in der 30-Kilometer-Zone rund um das Kernkraftwerk Tschernobyl zu aktualisieren. Weitere Ziele der Messübung waren

  • die Durchführung von Vergleichsmessungen mit unterschiedlichen Messsystemen,
  • die praktische Aus- und Weiterbildung von Personal für den Einsatz unter Bedingungen mit erhöhter ionisierender Strahlung,
  • der realitätsnahe Einsatz mit Schutzausrüstung im kontaminierten Bereich,
  • die länderübergreifende Zusammenarbeit bei der Messung sowie der gemeinsamen wissenschaftliche Auswertung der Daten.

Wie lief die Messübung ab und was wurde gemessen?

An der Übung nahmen vier BfS-Teams mit In-situ-Messfahrzeugen, sechs BfS-Teams mit ODL-Messfahrzeugen, ein BfS-Team mit einem luftgestützten Messsystem (UAV) sowie mehrere Messteams der ukrainischen Seite teil. Dabei wurde bei In-Situ-Messungen (eigentlich "In-situ-Gammaspektrometrie") die Aktivität auf der Bodenoberfläche und bei ODL-Messungen die Höhe der Gammastrahlung aus der Umgebung bestimmt. Je nach Messaufgabe schlossen sich die Messteams zu Messgruppen zusammen. Ergänzend wurden Messungen mit dem UAV durchgeführt.

Verlassenes Gebäude in Prypjat (bei Tschernobyl) Verlassenes Gebäude in PrypjatVerlassenes Gebäude des Prypjat- Hafens

Die Messungen im Einzelnen

  • gemeinsame Flächenmessung aller Messteams zur Ermittlung der Ortsdosisleistung (ODL) und der Bodenkontamination (In-situ Messung) in zwei Gebieten bei Kapachi und Buryakovka
  • großräumige radiologische Erkundung in fünf unterschiedlichen Gebieten rund um das Kernkraftwerk Tschernobyl, bei der die Messgruppen unabhängig voneinander agierten
  • Radiologische Erkundung im urbanen Bereich mit fahrzeug- und rucksackgestützten ODL-Systemen und In-situ-Messungen

Um aussagen zu können, wie sehr ein Messfahrzeug die Strahlung abschirmt (Abschirmfaktor), wurde an einer geeigneten Stelle jeweils eine Messung im Messfahrzeug und eine Vergleichsmessung außerhalb des Fahrzeugs durchgeführt. Die Kenntnis der dabei ermittelten Abschirmfaktoren ist von grundlegendem Interesse für die Interpretationen der Messergebnisse fahrzeuggestützter Systeme.

Während der gesamten Übung wurden die Teams vor Ort durch Mitarbeiter des BfS in Deutschland unterstützt. 

Erste Überprüfung und Auswertung der Messdaten

Am letzten Tag des Aufenthalts fand eine erste Auswertung der Daten vor Ort statt. Dabei konnte sowohl die Zusammenarbeit mit den ukrainischen Experten als auch die Unterstützung durch Mitarbeiter des BfS in Deutschland im internationalen Einsatz erprobt werden.

Bestand während der Messübung Gefahr für die Messteams?

Warnschilder in der Sonne vor einer Werkstatt Warnschilder vor einer WerkstattWerkstatt für Warnschilder für die Sperrzone

Die Übung fand unter Aufsicht der ukrainischen Atomaufsichtsbehörde statt, d.h., alle Übungsteilnehmer unterlagen dem örtlichen Strahlenschutz, der von ukrainischer Seite organisiert wird. Während der Messübung wurde eine ODL von typischerweise 2 bis maximal 50 Mikrosievert pro Stunde auf der Erkundungsroute (Fahrzeug oder zu Fuß) gemessen. Lokal begrenzt wurden Bereiche mit Werten von bis zu 200 Mikrosievert pro Stunde gemieden. Zum Vergleich: die ODL in Deutschland beträgt in der Regel zwischen 0,05 und 0,25 Mikrosievert pro Stunde und die Dosisleistung in einem Verkehrsflugzeug auf Reisehöhe bis zu 11 Mikrosievert pro Stunde.

Beim Verlassen der Sperrzone wurden die Fahrzeuge auf mögliche Kontaminationen überprüft. Transportvorschriften und Vorschriften der deutschen Strahlenschutzverordnung wurden während der gesamten Übung und während der Vor- und Nachbereitungszeit eingehalten.

Stand: 24.08.2017

© Bundesamt für Strahlenschutz