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Ionisierende Strahlung

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Ionisierende Strahlung

Online-Tagebuch: Messübung Tschernobyl 2016

In-Situ-Messung in der verlassenen Stadt Prypjat, UkraineMessung mit einem In-Situ-Messgerät in der verlassenen Stadt Prypjat, Ukraine

Üben für den Ernstfall: Dr. Daniel Esch ist Physiker beim Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Er berichtete für uns von einer Messübung, die das BfS vom 26. bis zum 29. September 2016 zusammen mit der ukrainischen Atomaufsichtsbehörde (State Nuclear Regulatory Inspectorate of Ukraine) in der 30-Kilometer-Zone um das Kernkraftwerk in Tschernobyl, Ukraine, durchgeführt hat.

Was war das Ziel der Übung? Wo wurde gemessen und wie lief die Übung ab? Lesen Sie dazu mehr: Messübung 2016 in der Ukraine.

4. Oktober 2016: Fazit

Alle Teams und alle Fahrzeuge sind wohlbehalten an die verschiedenen Standorte zurückgekehrt. Hinter uns liegen (je nach Standort) 3.000 bis 4.000 Kilometer Fahrtstrecke, endlose Stunden Aufenthalt beim Grenzübertritt und 10 ereignisreiche Tage während der Messübung. Mein elektronisches Personendosimeter (EPD) zeigt eine Dosis von 30 Mikrosievert an, etwas weniger als ein Flug von Frankfurt (Main) nach New York durch die kosmische Höhenstrahlung mit sich bringt.

Heute steht für uns in Salzgitter die Nachmessung mit dem Ganzkörperzähler an, um möglicherweise während des Aufenthalts in der Sperrzone aufgenommene (inkorporierte) Aktivität zu ermitteln. Das Ergebnis zeigt jedoch keine Unterschiede zu der Messung die vor der Messübung durchgeführt wurde und so kann eine Inkorporation von radioaktiven Stoffen in diesem Zeitraum ausgeschlossen werden.

Abschließend kann ich zur Notfallschutzübung 2016 sagen, dass sich der hohe Aufwand gelohnt hat. Die Übung war für alle lehrreich, die Zusammenarbeit mit den Experten und den Behörden der Ukraine hat sehr gut funktioniert, und alle Teams waren äußerst engagiert. Durch das Arbeiten in kontaminierten Gebieten und bei der Anwesenheit hoher Strahlungsfelder konnten wir wertvolle Erfahrungen für den radiologischen Notfallschutz in Deutschland sammeln.

1. Oktober 2016: Wir sind zurück

Nach fünf Nächten im Doppelzimmer mit Gemeinschaftsbadezimmer auf dem Flur ist es im Hotel in Chelm ein ungewohnter Luxus ein ganzes Zimmer mit Bad zur alleinigen Verfügung zu haben.

Die Rückfahrt durch Polen verläuft reibungslos, so dass die ersten Fahrzeuge gegen 18 Uhr in der Dienststelle des BfS in Berlin-Karlshorst eintreffen. Bei nassem und unfreundlichem Wetter warten wir auf die letzten Fahrzeuge um die Ausrüstung und das persönliche Gepäck für die Rückkehr zu den verschiedenen Standorten umzuladen. Anschließend treffen wir uns im Hörsaal der Dienststelle zu einer letzten Besprechung.

Das erste Resümee der Übung fällt durchweg positiv aus. Bis auf das Fahrzeug, das auf der Hinfahrt in Chelm zurück bleiben musste, gab es keine ernsthaften Ausfälle von Personal oder Ausrüstung und wir konnten viele wertvolle Erfahrungen sammeln.

30. September 2016: Es geht nach Hause

Gleich nach dem Aufwachen erfahren wir, dass unser Voraus-Team an der ukrainisch-polnischen Grenze geschlagene 11 Stunden für die Einreise in die EU benötigt hat. Erst um halb eins sind die Kollegen im Hotel angekommen. Die Aussicht darauf, dass uns am Abend ähnliches bevorsteht, drückt etwas aufs Gemüt.

Nachdem alles gepackt und die Fahrzeuge beladen sind, starten wir kurz nach acht in Richtung Heimat. Am Kontrollpunkt zum Verlassen der Sperrzone werden unsere Fahrzeuge ein letztes Mal auf mögliche Kontaminationen untersucht.

10 Uhr: Endlich eine gute Nachricht aus Polen. Das defekte Fahrzeug ist erfolgreich von Chelm nach Lublin transportiert worden und wird bis zum Nachmittag wieder fahrbereit sein.

Gegen 16 Uhr erreichen wir die ukrainisch-polnische Grenze.

Einfache Häuser am Wegesrand Tschernobyl-Messübung 2016: Letzte ImpressionenLetzte Impressionen: Vorbei an einfachen Häusern

Etwa drei Stunden später passieren wir den ukrainischen Zoll und überqueren danach den Grenzfluss Bug. An der polnischen Grenzkontrolle angekommen haben wir Glück: Die dortigen Beamten beschränken sich auf wenige Formalitäten. Schon nach einer halben Stunde befinden wir uns wieder auf EU-Boden.

Kurze Zeit später können wir im Hotel auf die gelungene Übung, das glückliche Passieren der Grenze sowie die erfolgreiche Reparatur des Fahrzeugs anstoßen und ein letztes gemeinsames Abendessen einnehmen.

29. September 2016: Der letzte Übungstag

Am Morgen des letzten Übungstages brechen eine Kollegin und ein Kollege um acht Uhr mit einem PKW in Richtung Polen auf. Sie sollen sich dort um das zurückgelassene Fahrzeug kümmern, damit wir es auf unserer Rückfahrt am Samstag nach Berlin mitnehmen können.

Für die anderen geht es heute in das Gebiet um Buryakovka, das eigentlich für den Nachmittag des ersten Tages vorgesehen war. Hier wollen wir am Vormittag Vergleichsmessungen mit den verschiedenen InSitu-Gammaspektrometern durchführen.

An dieser Stelle zeigt das Messgerät 7 Mikrosivert pro Stunde Tschernobyl-Messübung 2016:  Messgerät zur Messung der OrtsdosisleistungDas Messgerät ist immer zur Hand. Hier zeigt das Messgerät 7 Mikrosivert pro Stunde an.

In der Nähe befindet sich ein großes Feld mit einem deutlichen Gradienten in der dort vorhanden Gamma-ODL, d.h. die Gamma-ODL nimmt von einer Seite zur anderen Seite des Feldes von etwa 7 auf unter 3 Mikrosievert pro Stunde kontinuierlich ab. Dieses Feld soll von einer Gruppe mit ODL-Messgeräten in einem Raster abgeschritten werden, um eine radiologische Charakterisierung des Feldes und damit des Gradienten zu erhalten.

Am Mittag besuchen wir gemeinsam das Tschernobyl-Informationszentrum direkt am Reaktor, wo wir anhand eines sehr detaillierten Modells des havarierten Reaktors einen eindrucksvollen Vortrag über den Ablauf des Unglücks und die noch immer andauernden Anstrengungen zur Beseitigung der Auswirkungen hören.

Nach dem Mittagessen beginnen wir mit den ersten Vorbereitungen für die Abreise aus dem Sperrgebiet. Wir entfernen die in den Fahrzeugen angebrachten Schutzfolien und Abdeckungen. Nachdem wir uns messtechnisch von deren Kontaminationsfreiheit überzeugt haben, werden sie entsorgt. Anschließen begeben wir uns zur zentralen Kontaminationskontrollstelle in Tschernobyl, wo unsere Fahrzeuge gründlich auf mögliche Kontaminationen überprüft werden. Es gibt keine Auffälligkeiten und so können wir alle zurück zum Hotel fahren.

Die Teilnehmer der Messübung vor dem Reaktor Tschernobyl-Messübung 2016: Gruppenbild der Mannschaft vor dem ReaktorEin letztes Gruppenbild - im Hintergrund der havarierte Reaktor

Am Abend werden dort die ersten Ergebnisse der Übung von der Übungsleitung in einer Präsentation zusammengefasst und dargestellt. Damit geht der letzte Übungstag zu Ende und die Abreise steht für den nächsten Morgen bevor. Bevor wir an diesem Abend zu Bett gehen, erfahren wir, dass das vorausgeschickte Team immer noch an der ukrainisch-polnischen Grenze festsitzt.

28. September 2016: Zur Messung nach Prypjat

Der dritte Tag unserer Übung führt uns in die verlassene Stadt Prypjat, die wenige Tage nach dem Unfall im Kernkraftwerk Tschernobyl evakuiert wurde und seitdem von der Natur zurückerobert wird. Hier soll insbesondere das Messen im urbanen Gelände geübt werden.

Tribünen des ehemaligen Stadions in der Stadt Prypjat Tschernobyl-Messübung 2016: Ehemaliges Stadion in der verlassenen Stadt PrypjatTribünen des ehemaligen Stadions in der verlassenen Stadt Prypjat

Zwischen leerstehenden Hochhäusern sind mehrere Vergleichsmessepunkte für die In-Situ-Gammaspektrometer vorbereitet, die nacheinander vermessen werden sollen. Für die ODL Teams ist eine radiologische Erkundung auf dem Jahrmarktgelände sowie im ehemaligen Stadion der Stadt vorgesehen. Während der Vergnügungspark immer noch gut zu erkennen ist (es gibt hier Überreste eines Riesenrades, eines Karussells und einiger anderer Fahrgeschäfte), ist das Stadion als solches nicht mehr zu erkennen. Erst beim Anblick der verwitterten Tribüne realisiere ich, dass wir uns schon im Stadion befinden.

Am Nachmittag steht das Messen in persönlicher Schutzausrüstung (PSA) auf dem Programm. Auf einem merklich kontaminierten Gelände am Rande von Prypjat führen wir gammaspektroskopische Messungen und ODL-Erkundungen in PSA durch.

Auf einem provisorisch errichteten Fahrweg aus Holzbohlen können hier an einer Stelle mit Strahlungswerten über 30 Mikrosievert pro Stunde am Boden die Abschirmfaktoren der verschiedenen Fahrzeuge bestimmt werden, in dem die Gamma-ODL innerhalb und außerhalb eines Fahrzeugs gemessen wird. Auch heute werden die Messungen am Boden durch eine Flugdrohne unterstützt.

Die Teilnehmer der Messübung in persönlicher Schutzausrüstung Tschernobyl-Messübung 2016: Gruppenbild in SchutzausrüstungGruppenbild in persönlicher Schutzausrüstung

Nach dem Ablegen der Schutzausrüstung kehren wir alle müde und erschöpft zu unserem Hotel zurück, wo wir von den ukrainischen Kollegen zum Abendessen mit vielerlei landestypischen Spezialitäten (eingelegtes Gemüse, luftgetrocknetes Schweinefleisch und Süßigkeiten) überrascht werden.

27. September 2016: Radiologische Erkundung rund um das Kraftwerk Tschernobyl

Nach einem leckeren ukrainischen Frühstück, bestehend aus Schinkenomelette, Brot und süßen, gefüllten Eierpfannkuchen, versuche ich den Bericht des letzten Tages zu verschicken. Die Internetverbindung im Hotel ist jedoch nicht sehr stabil, daher gelingt mir der Versand erst nach unserer Rückkehr am Abend.

Unsere heutige Aufgabe unterscheidet sich grundlegend von der des letzten Tages. Während gestern alle Messteams gemeinsam auf einem einzigen großen Feld an der radiologischen Charakterisierung arbeiteten, werden heute Messgruppen aus mehreren Teams gebildet. Diese Gruppen sollen unabhängig voneinander, eine radiologische Erkundung in weiten Teilen der inneren Sperrzone (10-Kilometer-Radius um den Reaktor) durchführen. An vorgegebenen Punkten, entlang der jeweils zugeteilten Route, sollen die Gruppen ausführliche Messungen durchführen. Ich bin heute mit der Messgruppe 3 (bestehend aus einem In-Situ- und einem ODL-Team sowie einem ukrainischen Begleiter) unterwegs.

Kurz nach dem Start zeigt sich, dass wir heute in Gebieten mit deutlich höheren Strahlungswerten unterwegs sind, denn schon nach kurzer Zeit steigt die Anzeige für die Gamma-ODL im Fahrzeug zeitweilig auf bis zu 10 Mikrosievert pro Stunde an. An den einzelnen Messpunkten werden außerhalb des Fahrzeugs sogar Werte bis zu 30 Mikrosievert pro Stunde erreicht.

Messung der Radioaktivität in der Sperrzone rund um das havarierte Kernkraftwerk Tschernobyl mit zwei verschiedenen Typen von Gammaspektrometern – im Vordergrund warnt ein Schild vor erhöhter Radioaktivität Tschernobyl-Messübung 2016: Messung der Radioaktivität in der SperrzoneMessung der Radioaktivität in der Sperrzone rund um das havarierte Kernkraftwerk Tschernobyl mit zwei verschiedenen Typen von Gammaspektrometern

Da die ersten Messpunkte nicht allzu weit vom Kernkraftwerk entfernt liegen, können wir auch heute wieder in der Kantine Nummer 19 zu Mittag essen. Gleich im Anschluss ergibt sich für uns die Gelegenheit, einen Blick aus nächster Nähe auf den havarierten Reaktorblock und den im Bau befindlichen Sarkophag zu werfen. Obwohl die Anzeigewerte für die Gamma-ODL hier unter 3 Mikrosievert pro Stunde und damit deutlich unter den Maximalwerten auf unserer heutigen Messroute liegen, spürt man an hier etwas von der Symbolik dieses Ortes.

Danach führt uns unsere Route weiter vom Reaktor weg in Bereiche, in denen die Strahlungswerte teilweise nicht viel höher als in Deutschland sind. Als wir am Ende des Tages das Hotel erreichen, bin ich ziemlich erschöpft und mein elektronisches Dosimeter zeigt einen Wert von 9 Mikrosievert an, das ist etwas weniger als die Dosis, die man auf einem Flug von Deutschland zu den Kanarischen Inseln durch die kosmische Höhenstrahlung erhält.

26. September 2016: Die ersten Messungen     

Radiologische Charakterisierung des Messfeldes unter Einsatz einer Flugdrohne Tschernobyl-Messübung 2016: Einsatz einer FlugdrohneEinsatz einer Flugdrohne zur radiologischen Charakterisierung des Messfeldes

Da wir durch die lange Anreise erst weit nach Mitternacht im Bett waren, hatte die Übungsleitung schon in der Nacht beschlossen, den ersten Tag des Messprogramms erst um neun Uhr zu beginnen. Dies bedeutet jedoch, dass wahrscheinlich nicht alle für heute vorgesehenen Messaufgaben bearbeitet werden können.

Am Morgen starten wir in Richtung des ersten Messfeldes bei Kapachi. Während die Gamma-ODL am Eingang zur Sperrzone und auf den Straßen bisher meist unterhalb von 0,1 Mikrosievert pro Stunde lag, steigt sie während der Fahrt immer wieder auf Werte von bis zu 1 Mikrosievert pro Stunde an. (Zum Vergleich: Die ODL in Deutschland beträgt in der Regel zwischen 0,05 und 0,25 Mikrosievert pro Stunde.)

Am Messfeld in Sichtweite des havarierten Kernkraftwerks Tschernobyl angekommen, werden die Messgeräte aufgebaut und eingeschaltet. Den Rest des Vormittags arbeiten wir gemeinsam mit den ukrainischen Kollegen an der radiologischen Charakterisierung des Messfeldes. Dabei kommen sowohl In-Situ-Gammaspektrometer, ODL-Messgeräte und eine Flugdrohne zum Einsatz. Zusätzlich nehmen zwei Kollegen in Schutzanzügen Bodenproben zur genauen Ermittlung des Cäsium-137 Tiefenprofils.

Unser Mittagessen nehmen wir in der Stolowaja (Kantine) Nummer 19 zu uns. Vor dem Betreten werden alle Teammitglieder in einem Ganzkörperkontaminationsmonitor auf mögliche Kontaminationen untersucht.

Untersuchung im Ganzkörperkontaminationsmonitor Tschernobyl-Messübung 2016: Untersuchung im GanzkörperkontaminationsmonitorUntersuchung im Ganzkörperkontaminationsmonitor am Eingang zur Kantine des havarierten Kraftwerks in Tschernobyl. So kann sichergestellt werden, dass keine kontaminierten Personen die Kantine betreten.

Nach dem Mittagessen kehren wir zum Messfeld zurück, um die Charakterisierung  fortzusetzen. Die höchsten ODL-Werte am heutigen Tag betragen etwas über 2 Mikrosievert pro Stunde. An einem Kontrollpunkt wird vor der Rückkehr zum Hotel an allen Personen eine erneute Kontaminationskontrolle durchgeführt. Zusätzlich werden hier auch die Fahrzeuge überprüft.

25. September 2016: Grenzverkehr

Am Morgen entscheiden wir, das ausgefallene Fahrzeug in Polen reparieren zu lassen und erst auf der Rückfahrt wieder mitzunehmen. Die beiden Kollegen verteilen sich mit ihrer Ausrüstung auf die übrigen Fahrzeuge und wir starten mit wenigen Minuten Verspätung um 7:40 Uhr.

Nach etwa 20 Kilometern erreichen wir die Grenze, wo wir uns erwartungsvoll in die Reihe der Wartenden einordnen. Als wir sechs Stunden und zahllose Formalitäten später den Grenzübergang auf der ukrainischen Seite verlassen können, liegen noch über sieben Stunden Fahrt durch die Ukraine bis zu unserem Hotel in Tschernobyl vor uns.

Warnschild am Eingang in die 30-Kilometer-Zone rund um das Kernkraftwerk in Tschernobyl Tschernobyl-Messübung 2016: Warnschild am Eingang in die 30-Kilometer-ZoneWarnschild am Eingang zur Sperrzone rund um das havarierte Kernkraftwerk Tschernobyl - das unautorisierte Betreten der Zone ist verboten.

Gegen Mitternacht erreichen wir den Kontrollpunkt am Eingang zur Sperrzone. Hier werden wir sehnsüchtig von den Wachposten erwartet (wir dürfen nur aufgrund einer Sondergenehmigung passieren, denn normalerweise wird der Kontrollpunkt um 20 Uhr geschlossen und ein Eintritt in die Zone ist dann nicht mehr möglich). Erschöpft und müde können wir um ein Uhr endlich unsere Zimmer beziehen, um uns von diesem langen Tag zu erholen.

24. September 2016: Ein früher Start und ein spätes Problem

Früh am Samstagmorgen in Berlin-Karlshorst: Um 7:30 Uhr sind alle Teams versammelt und ein paar Minuten später fahren wir los. Die Fahrt führt uns heute ins etwa 800 Kilometer entfernte Chelm unweit der polnisch-ukrainischen Grenze. Der heutige Tag wird für einen ausführlichen Test der mobilen ODL-Geräte genutzt. Während der Fahrt werden Messdaten aufgezeichnet und an die Kollegen in Freiburg übermittelt.

Ein Fahrzeug wird abgeschleppt Tschernobyl-Messübung 2016: Ein Fahrzeug wird abgeschlepptAnkunft in Chelm - ein Fahrzeug schafft es nicht mehr alleine

Als die ersten Teams bereits im Hotel in Chelm angekommen sind, gibt es einen Dämpfer. Ein Fahrzeug hat eine Panne und wird voraussichtlich nicht weiter eingesetzt werden können. Bis spät am Abend sitzen wir im Hotel zusammen und besprechen das weitere Vorgehen. Aufgrund des straffen Zeitplans der Übung können wir nicht warten, bis der Wagen in einer Werkstatt repariert wird.

23. September 2016: Jetzt geht es los

Heute wird es ernst. Die letzten Vorbereitungen sind abgeschlossen und alle Teams treffen nach und nach mit ihren Fahrzeugen in der Dienststelle des BfS in Berlin-Karlshorst ein, um nach einer letzten Übernachtung in Deutschland gemeinsam in Richtung Osten zu starten. Bevor hier die erste Einsatzbesprechung stattfindet, haben die Kollegen aus Freiburg schon mehr als 800 Kilometer zurückgelegt. In den nächsten beiden Tagen werden es noch fast 1400 Kilometer mehr werden, bevor wir am Sonntag die Sperrzone um das Kernkraftwerk Tschernobyl erreichen.

Kurz nach 17 Uhr ist es dann soweit: Fast alle Teams sind angekommen. Die wichtigsten Details für die morgige Fahrt durch Polen werden besprochen. Zwischendurch nutzen wir die letzten Sonnenstrahlen für ein Gruppenfoto der Teilnehmer.

22. September 2016: Letzte Vorbereitungen

Daniel Esch im Gespräch mit Johannes Kaufmann, Reporter Daniel Esch im Gespräch mit Johannes Kaufmann, ReporterDaniel Esch (rechts) im Gespräch mit Johannes Kaufmann, Reporter; im Hintergrund ist ein BfS-Messfahrzeug zu sehen

Morgen geht es endlich los, und meine Anspannung steigt. Ich frage mich, ob ich alle notwendigen Sachen zusammen habe, oder ob ich noch etwas besorgen muss?

Zusätzlich war heute Vormittag ein Reporter einer regionalen Tageszeitung da, der von der Tschernobyl-Messübung berichten möchte. An dem in Salzgitter stationierten Messfahrzeug habe ich ihm die Messtechnik und das sonstige Equipment gezeigt und er konnte Aufnahmen machen. Die Vorbereitung auf das Gespräch war nochmal eine gute Möglichkeit für mich, den Ablauf der Übung und alle Vorbereitungen durchzugehen.

21. September 2016: Was erwartet uns vor Ort?

Etwas mehr als 30 Jahre sind seit der Reaktorkatastrophe im Kernkraftwerk Tschernobyl vergangen, bei der große Mengen an radioaktivem Material in die Umgebung freigesetzt wurden. Auch wenn auf den meisten Flächen heute die Ortsdosisleistung (ODL) bis zu 10 Mikrosievert pro Stunde (das entspricht der Dosisleistung in einem Verkehrsflugzeug in 10.000 Metern Höhe) beträgt, muss an einigen Stellen mit sehr viel höheren Strahlungswerten von bis zu 200 Mikrosievert pro Stunde und mehr gerechnet werden. Daher unterliegt der Aufenthalt in der Sperrzone auch heute noch strengen Auflagen.

Während des Aufenthalts ist lange Kleidung vorgeschrieben, die den Körper maximal bedeckt. Es ist u.a. verboten im Freien zu essen oder Gegenstände zu berühren, um die Gefahr einer Inkorporation oder Kontamination zu minimieren. Selbst das Laufen auf dem Boden abseits der Fahrwege ist im Normalfall untersagt. Umso bemerkenswerter ist es, dass heute sogar Urlaubsreisen in die Sperrzone angeboten und auch durchgeführt werden.

19. September 2016: Wir sind gut vorbereitet

Person zur Untersuchung in einem Ganzkörperzähler Ganzkörperzähler BerlinGanzkörperzähler des BfS am Standort Berlin; zwei Germaniumdetektoren (ober- und unterhalb der Liege) scannen die zu messende Person, um eine eventuelle Inkorporation feststellen zu können. Zu sehen sind die beiden Stickstoffgefäße (große "Töpfe" oben und unten) und der Detektor oben (schmaler Aluminiumzylinder über der Person)

Die geplante Messübung in Tschernobyl, die Anfang des Jahres als grobe Planung vorlag, nahm in den vergangenen Wochen und Monaten immer mehr Gestalt an. Eine Übung dieser Größenordnung (es nehmen 26 Beschäftigte des BfS mit 13 Fahrzeugen teil sowie drei bis vier ukrainische Messteams) in über 1.000 Kilometern Entfernung erfordert ein erhebliches Maß an Vorbereitung und Planung. Dutzende Besprechungen und Videokonferenzen sowie hunderte von Telefonaten zwischen den Standorten Freiburg, Salzgitter, Neuherberg, Bonn, Rendsburg und Berlin liegen inzwischen hinter uns.

Neben den allgemein notwendigen Dingen müssen bei einer Fahrt in die Sperrzone um Tschernobyl zusätzliche Aspekte des Strahlenschutzes sowie der allgemeinen Arbeitssicherheit beachtet werden. Für die Übungsteilnehmer gab es eine spezielle arbeitsmedizinische Untersuchung inklusive Impfberatung sowie eine Messung der im Körper vorhandenen Radioaktivität mit einem sogenannten Ganzkörperzähler. Mit einer zweiten Messung nach der Rückkehr kann dann sicher ausgeschlossen werden, dass es während der Übung zu einer Aufnahme von Radioaktivität in den Körper kam.

Stand: 31.08.2017

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