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Ionisierende Strahlung

Umweltradioaktivität - Medizin - Beruflicher Strahlenschutz - Nuklear-spezifische Gefahrenabwehr

Ionisierende Strahlung

Messung der Strahlenbelastung im Notfall

Um die aktuelle radiologische Lage festzustellen, werden in einem Notfall umgehend flächendeckende Messungen durchgeführt. Hierzu ist ein "Intensivmessprogramm" festgelegt.

Deutschlandkarte mit Ausbreitung radioaktiver Wolke IMIS Simulation SchadstoffwolkeSimulierte Momentaufnahme der Gamma-Ortsdosisleistung (ODL) während der Ausbreitung einer radioaktiven Wolke; das ODL-Messsystem liefert im Intensivbetrieb Nettodarstellungen im Zehn-Minuten-Takt.

Während Durchzugs einer radioaktiven Wolke:
Messnetze im Einsatz

Wichtigstes Hilfsmittel in der Phase während des Durchzugs einer radioaktiven Wolke sind die automatischen Messnetze

  • des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) zur Ermittlung der äußeren Strahlenbelastung (Ortsdosisleistung, ODL ) und
  • des Deutschen Wetterdienstes (DWD) zur nuklidspezifischen Bestimmung der Radionuklidkonzentration in der Luft.

Bei einem Unfall werden die Messergebnisse der ODL von zirka 1.800 Standorten im Zehn-Minuten-Rhythmus abgerufen. Dadurch können die Ausbreitung einer radioaktiven Schadstoffwolke quasi online verfolgt und die betroffenen Gebiete sehr schnell eingegrenzt werden (siehe Abbildung).

Parallel dazu liefern die 50 Stationen des Luftmessnetzes des Deutschen Wetterdienstes die Aktivitäten radioaktiver Stoffe in der Luft im Zwei-Stunden-Takt.

Beide Messungen sind die Grundlage für die Abschätzung der äußeren Strahlenbelastung und der Dosis durch Einatmen radioaktiver Stoffe. Diese Größen sind die Basis für die in der Frühphase relevanten Entscheidungen über die Maßnahmen Evakuierung, Verbleiben im Haus und Einnahme von Jodtabletten.

Nach Durchzug der Wolke: Ablagerung am Boden

Nach Durchzug der Wolke sind Übersichtskarten zu erstellen, die die Kontamination der Umwelt zeigen und die geeignet sind, die weiteren Messstrategien und Maßnahmestrategien zu optimieren. Zur Erstellung dieser Karten dienen vor allem die ODL-Messungen und die In-situ-Messungen, mit denen die Höhe der Radionuklidablagerungen am Boden analysiert wird. Für die Messung kleinräumiger, inhomogener Ablagerungen stehen mit Hubschraubern und Messfahrzeugen mobile Einheiten zur Verfügung.

Messschwerpunkt landwirtschaftliche Produkte

Nachdem die radioaktive Wolke durchgezogen ist, liegt ein Hauptaugenmerk auf der Vermarktungsfähigkeit von Lebensmitteln. Entsprechend werden die Landesmessstellen den Schwerpunkt ihrer Messungen zunächst auf die repräsentativen Umweltmedien Blattgemüse, Milch und Gras und danach auf erntereife Produkte richten. Verdichtungen dieser Messungen wird es in Gegenden geben, in denen die Aktivitäten im Bereich der EU-Grenzwerte liegen.

Das Intensivmessprogramm geht mit der Zeit schrittweise wieder in das Routinemessprogramm über. Dieser Übergang erfolgt nicht gleichmäßig für alle Umweltbereiche. Vielmehr richtet sich die Frequenz und Dauer der intensiven Probenentnahme und Messungen danach,

  • wie sich die radioaktive Belastung verteilt und
  • wie stark die einzelnen Medien betroffen sind.

Intensive Messungen werden in dieser Phase noch in Bereichen durchgeführt, in denen noch erhöhte Aktivitätskonzentrationen auftreten können, wie zum Beispiel in der Milch bei einer Winterfütterung mit kontaminiertem Heu.

Stand: 03.11.2016

© Bundesamt für Strahlenschutz