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Ionisierende Strahlung

Umweltradioaktivität - Medizin - Beruflicher Strahlenschutz - Nuklear-spezifische Gefahrenabwehr

Ionisierende Strahlung

Bewältigung psychosozialer Probleme bei einer Reaktorkatastrophe

  • Nukleare Unfälle können bei der betroffenen Bevölkerung zu psychosozialen Problemen führen.
  • Gründe dafür können Evakuierung, soziale Ausgrenzung oder Unsicherheit über gesundheitliche Folgen sein.
  • Die Minimierung psychosozialer Probleme muss in das Notfallmanagement für nukleare Unfälle aufgenommen werden.

Bei Naturkatastrophen, wie zum Beispiel schweren Erdbeben oder Überschwemmungen, ist die betroffene Bevölkerung einer hohen psychischen Belastung ausgesetzt. Dies gilt auch für katastrophale nukleare Unfälle, wie in Tschernobyl oder Fukushima. Notfallmaßnahmen wie Evakuierung, Umsiedlung oder Dekontaminationsmaßnahmen sind gravierende Eingriffe in das Leben der Betroffenen, die deren körperliches, seelisches und soziales Wohlergehen erheblich beeinträchtigen.

Verunsicherung macht krank

Psychosoziale Folgen treten unabhängig von der tatsächlichen Strahlenbelastung und den damit möglichen gesundheitlichen Folgen auf. Das „Durchleben“ der Notfallmaßnahmen, fehlende bzw. unverständliche Information und mangelhafte Kommunikation können Ängste hervorrufen. Auch ist eine soziale Ausgrenzung der umgesiedelten Personen in ihrer neunen Umgebung als Folge der Strahlenbelastung möglich. Diese Belastungen führen bei vielen Betroffenen zu psychischen Erkrankungen.

Ionisierende Strahlung lässt sich mit menschlichen Sinnen nicht erfassen und Radioaktivität ist für Laien ein schwer einschätzbares Risiko. In der Folge sind Betroffene oftmals stark verunsichert, was die Höhe der Exposition und mögliche gesundheitliche Folgen angeht.

Sicherheit durch gesicherte Informationen

Umso wichtiger ist es, dem Informationsbedürfnis der Betroffenen gerecht zu werden und gesicherte Informationen gut zugänglich über Internet, Presse und Fernsehen bereitzustellen. Bei der schnellen Verbreitung von Informationen kommt den sozialen Medien eine immer größere Bedeutung zu. Gleichzeitig ist hier das Potenzial für Verunsicherung besonders groß, wenn Informationen ungeprüft durch eine Vielzahl unterschiedlicher Akteure verbreitet werden.

Forschung zu psychosozialen Problemen nach nuklearen Unfällen

Die Forschungen zu den Reaktorkatastrophen von Tschernobyl und Fukushima haben gezeigt, dass sich Verunsicherung und Angstzustände signifikant auf den Gesundheitszustand vieler Betroffener auswirken.

Inzwischen liegen wissenschaftliche Erkenntnisse zu den psychosozialen Folgen nach (nuklearen) Katastrophen vor, die jedoch noch keinen Eingang in die Planungen für den radiologischen Notfallschutz gefunden haben. Bisher leiten sich die Schutzmaßnahmen allein aus den möglichen physischen Folgen einer Strahlenbelastung ab.

Ergänzung des Notfallschutzes um psychologische Aspekte

Das soll sich ändern. Auf internationaler Ebene arbeiten die zuständigen Behörden und Organisationen daran, psychosoziale Folgeerscheinungen in die Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung einzubeziehen. Physische und psychologische Folgen werden dabei zusammen betrachtet.

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Kommunikation möglicher negativer Auswirkungen von Risikotechnologien, der sogenannten Risikokommunikation. Durch die Vermittlung von Sachkenntnissen soll Vertrauen in Expertenwissen aufgebaut und damit Ängste reduziert werden. Dieses Vorgehen soll dazu beitragen, in einem Notfall Panikreaktion zu verhindern und damit negative psychische Auswirkungen zu verringern.

Ein weiterer Aspekt ist die Qualifizierung des Personals, das in einem Katastrophenfall vor Ort eingesetzt wird. Neben der Sachkenntnis über die gesundheitlichen Aspekte ist es von hoher Bedeutung, die Betroffenen intensiv zu betreuen, ihr Sicherheitsempfinden zu stärken und auf ihre persönlichen Bedürfnisse einzugehen.

Workshop: Berücksichtigung psychosozialer Folgeerscheinungen

In Deutschland sollen die Kenntnisse von psychosozialen Folgeerscheinungen durch nukleare Unfälle in die Planungen zum radiologischen Notfallschutz integriert werden. Als ersten Schritt veranstaltete das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) zusammen mit dem Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) und dem Centre for Security and Society der Universität Freiburg den interdisziplinären Workshop „Bewältigung von psychosozialen Problemen und Kommunikationskonzepte im nuklearen Notfallschutz“. Dort diskutierten Behördenvertreter, Katastrophenschutzbeauftragte und Wissenschaftler/-innen dieses Thema.

Stand: 15.12.2016

© Bundesamt für Strahlenschutz