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Der Kernwaffenteststopp-Vertrag (CTBT) und seine Umsetzung

  • Der umfassende Kernwaffenteststopp-Vertrag (CTBT) ist eines der zentralen internationalen Abkommen zur Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen.
  • Der CTBT wurde 1996 zur Unterzeichnung ausgelegt. Er enthält eine Liste mit 44 Staaten (sog. Annex 2-Staaten), die den Vertrag ratifizieren müssen, bevor er in Kraft tritt.
  • Bis heute fehlen von diesen 44 Staaten drei Länder, die den Vertrag vor Inkrafttreten unterzeichnen und ratifizieren müssen sowie fünf Länder, die zwar unterschrieben, jedoch noch nicht ratifiziert haben.
  • Obwohl der CTBT noch nicht in Kraft getreten ist, wird bereits heute ein weltweites Messnetz zu Überwachung des Teststopps aufgebaut und erfolgreich betrieben.

Der umfassende Kernwaffenteststopp-Vertrag (engl. Comprehensive Nuclear-Test-Ban Treaty, CTBT) ist eines der zentralen internationalen Abkommen zur Verhinderung der Weiterverbreitung von Kernwaffen. Obwohl er noch nicht in Kraft getreten ist, wird bereits heute ein weltweites Messnetz zu Überwachung des Teststopps aufgebaut und erfolgreich betrieben.

weltweit durchgeführte Kernwaffenversuche 1945 bis 2016 Anzahl KernwaffentestsAnzahl der weltweit durchgeführten Kernwaffen-Versuche bis 2016

Beginn der Kernwaffentests und partieller Teststopp-Vertrag

Mit dem sog. "Trinity"-Test am 16. Juli 1945 in den USA wurde zum ersten Mal in der Menschheitsgeschichte eine Nuklearwaffe gezündet. Einen Monat später erfolgte der erste militärische Einsatz durch die Abwürfe von der Nuklearwaffen über Hiroshima und Nagasaki am Ende des zweiten Weltkrieges. Trotz früher Überlegungen zu einer internationalen Kontrolle von spaltbarem Material für den Bau von Kernwaffen erlangten weitere Nationen die Fähigkeit zur Herstellung dieser Waffen (Sowjetunion: 1949, Vereinigtes Königreich: 1952).

In den 1950er Jahren begannen die USA und die Sowjetunion mit dem Testen von sogenannter thermonuklearen Waffen (umgangssprachlich "Wasserstoffbomben"), die eine höhere Sprengkraft besitzen und entsprechend größere Mengen an radioaktivem Fallout produzieren. Unter anderem führte die Kritik an diesen Tests dazu, dass sich 1963 die USA, die Sowjetunion und das Vereinigte Königreich über ein Verbot von Tests in der Atmosphäre, unter Wasser und im Weltraum verständigten.

Dies wurde in einem internationalen Vertrag, dem partiellen Teststopp-Vertrag niedergelegt (engl. Partial Nuclear Test-Ban Treaty, PTBT). Frankreich (erster Test 1960) und China (erster Test 1964) unterschrieben diesen Vertrag jedoch nicht und führten noch bis 1980 Kernwaffentests in der Atmosphäre durch.

Vom partiellen zum umfassenden Teststopp

Weltkarte mit Messstationen Internationales Messnetz IMSDas Internationale Messnetz IMS Quelle: CTBTO

Die Unterzeichnerstaaten des PTBT hielten sich an die Vertragsregeln, wodurch die Zahl der atmosphärischen (oberirdischen) Tests, und der damit verbundene radioaktive Fallout verringert werden konnte. Die Gesamtzahl aller Atomwaffen-Tests verringerte sich jedoch nicht, sie wurden jetzt nur mehrheitlich unter der Erdoberfläche durchgeführt. Bis heute wurden über 2000 Kernwaffentests gezählt.

Auf diplomatischer Ebene wurde nach dem Inkrafttreten des PTBT über einen umfassenden Teststoppvertrag diskutiert und 1976 die sog. "Group of Scientific Experts" (GSE) eingerichtet. Ihre Aufgabe war es zu klären, ob und wie die Einhaltung eines solchen Vertrages geprüft werden kann. Ein verlässliches Verifikationssystem ist eine entscheidende Voraussetzung dafür, dass sich Staaten völkerrechtlich an ein Verbot binden. Über die Möglichkeiten und Grenzen der Verifikation (wissenschaftliche Nachweisführung) liefen die Meinungen zunächst weit auseinander.

Es dauerte bis zum Ende des Kalten Krieges, bis formelle Verhandlungen bei den Vereinten Nationen in der Conference on Disarmament aufgenommen wurde. Die Beratungen, an denen auch Experten des BfS maßgeblich beteiligt waren, konnten bereits zwei Jahre später abgeschlossen und der CTBT 1996 zur Unterzeichnung ausgelegt werden.

Die Verhandlungsparteien wollten jedoch sicherstellen, dass die Unterzeichner des Vertrages erst dann bindende Verpflichtungen eingehen, wenn alle Staaten mit nukleartechnischen Einrichtungen – und damit der theoretischen Fähigkeit zum Kernwaffenbau - beigetreten sind. Daher enthält das Dokument eine Liste mit 44 Staaten (sog. Annex 2-Staaten), die den Vertrag ratifizieren müssen, bevor er in Kraft tritt.

Der Kernwaffenteststopp-Vertrag und seine Umsetzung

Bis heute fehlen von diesen 44 Staaten drei, die den Vertrag vor Inkrafttreten unterzeichnen und ratifizieren müssen (Indien, Nordkorea, Pakistan) sowie fünf Länder, die zwar unterschrieben, jedoch noch nicht ratifiziert haben (Ägypten, China, Iran, Israel, USA).

Wenn dieser Zeitpunkt erreicht wird, muss die Verifikation der Verbotsnorm sofort möglich sein. Daher wurde in Wien die sogenannte Vorbereitende Kommission für den CTBT gegründet, deren Aufgabe insbesondere der Aufbau eines internationalen Monitoring-Netzwerks mit 337 Messstationen ist. Mit Hilfe dieses Messnetzes kann die Vertragseinhaltung verlässlich überwacht werden kann.

Daneben bereitet die CTBTO Vor-Ort-Inspektionen konzeptionell vor, entwickelt dafür Messmethoden und führt Übungen durch.

Stand: 08.05.2017

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