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Ionisierende Strahlung

Umweltradioaktivität - Medizin - Beruflicher Strahlenschutz - Nuklear-spezifische Gefahrenabwehr

Ionisierende Strahlung

Internationale Konferenz zum Strahlenschutz in der Medizin der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA)

Vom 3. bis 7. Dezember 2012 fand in Bonn die "Internationale Konferenz zum Strahlenschutz in der Medizin" der Internationalen Atomenergie-Behörde (IAEA) statt. Gastgeber dieser Konferenz war die Bundesregierung, vertreten durch das Bundesumweltministerium.

Die Konferenz fand in den Räumen des ehemaligen Deutschen Bundestages im World Conference Center Bonn (WCCB) statt. Das Bundesumweltministerium organisierte begleitend zur Konferenz eine Fachausstellung in den Räumlichkeiten des WCCB, in der Hersteller ihre Produkte zum Strahlenschutz in der Medizin präsentieren konnten.

Schutz von Patienten und medizinischem Personal

Der durch den medizinischen Einsatz von ionisierender Strahlung entstehende gesundheitliche Nutzen für den Menschen wird allgemein anerkannt und geschätzt. So sind die Computertomographie und die Anwendung radioaktiver Stoffe aus der modernen Medizin in Industrieländern nicht mehr wegzudenken.

Viele Länder der Dritten Welt verfügen allerdings heute noch nicht über diese modernen Verfahren medizinischer Strahlenanwendungen. Dennoch steigt die Strahlenexposition der Weltbevölkerung rapide an und das fast ausschließlich aufgrund moderner Verfahren der Anwendung ionisierender Strahlung in der Medizin. Es besteht daher eine kontinuierliche Notwendigkeit, Patienten und medizinisches Personal vor unnötiger und unbeabsichtigter Strahlenexposition zu schützen.

Schutz vor unnötiger Strahlenexposition

Unnötige Expositionen von Patienten können dann entstehen, wenn ein medizinisches Verfahren

  • zur Erreichung eines bestimmten Ziels ungeeignet ist,
  • im individuellen Fall nicht gerechtfertigt ist oder
  • für die konkrete Situation nicht angemessen optimiert wurde.

Es wird zunehmend deutlich, dass viele medizinische Verfahren mit ionisierender Strahlung mit unzureichender Rechtfertigung und Optimierung durchgeführt werden, was bedeutet, dass ein nicht unerheblicher Teil der Strahlenexpositionen aufgrund von medizinischen Anwendungen unnötig ist. Das dadurch entstehende, nicht zu vernachlässigende Risiko für die Weltbevölkerung könnte durch angemessene Maßnahmen des Strahlenschutzes vermieden werden.

Schutz vor unbeabsichtigter Strahlenexposition

Unbeabsichtigte Expositionen von Patienten und medizinischem Personal können durch

  • unsicheres Design oder
  • fehlerhaften Gebrauch von medizinischer Technik

entstehen. In den vergangenen Jahren gab es in verschiedenen Ländern etliche Berichte von Unfällen im Zusammenhang mit der Anwendung von ionisierender Strahlung in der Medizin, die in der Therapie entweder zu Über- oder Unterdosierungen bei einer großen Zahl von Patienten führte. Vorgaben für eine verbesserte Qualitätssicherung und/oder Schulung von Personal sind wichtige Instrumente zur Vermeidung derartiger Unfälle.

Anstrengungen im medizinischen Strahlenschutz bündeln

Die Anzahl beruflich strahlenexponierter Personen ist in der Medizin höher als in jedem anderen beruflichen Bereich, wobei die individuelle berufliche Exposition abhängig vom Einsatzgebiet sehr stark variiert. So gibt es bestimmte Anwendungen, die zu erheblichen Dosen führen können, so dass hier die Ausbildung des medizinischen Personals in Strahlenschutzfragen dauerhaft eine hohe Bedeutung hat.

Die vergangenen Jahre haben auch gezeigt, dass Fragen der Kommunikation mit Patienten und Patientenorganisationen zum medizinischen Strahlenschutz immer bedeutsamer werden. Ebenso wichtig ist der offene Wissensaustausch über Unfälle mit medizinischen Strahlenquellen, zum Beispiel durch entsprechende Meldesysteme.

Angesichts dieser Themen und zukünftiger Trends und Entwicklungen war es das Ziel der Konferenz, die im nächsten Jahrzehnt bevorstehenden Anstrengungen auf diesem Gebiet zu bündeln und die zukünftige internationale Arbeit im medizinischen Strahlenschutz zu verbessern.

Ziele der Konferenz

Die Konferenz befasste sich mit Aspekten des Strahlenschutzes bei der Anwendung von ionisierender Strahlung und radioaktiven Stoffen in der Medizin. Insbesondere werden folgende Ziele angestrebt:

  • Aufzeigen von Lücken in den derzeitigen Strahlenschutzkonzepten in der Medizin.
  • Identifizierung von Instrumenten zur Verbesserung des Strahlenschutzes in der Medizin.
  • Schaffung eines Überblicks über die Fortschritte, Herausforderungen und Möglichkeiten auf dem Gebiet des Strahlenschutzes in der Medizin.
  • Beurteilung der Auswirkungen des internationalen Aktionsplans zum Strahlenschutz der Patienten mit dem Ziel, neue internationale Empfehlungen vorzubereiten, die neuere Entwicklungen berücksichtigen.

Liste der Themen

Sowohl akademische als auch praxisorientierte Studien und Vorträge wurden unter folgenden Themenbereichen im Rahmen von "Topical Sessions" und Diskussionsrunden behandelt:

  • Diagnostische Bildgebung und Optimierung,
  • Diagnostische Bildgebung und Rechtfertigung,
  • Strahlenschutz des Patienten bei interventionellen Verfahren,
  • Beruflicher Strahlenschutz des medizinischen Personals,
  • Schutz von Patienten, Pflegepersonal, Betreuungspersonen und der Bevölkerung in der Nuklearmedizin,
  • Patientenschutz in der Strahlentherapie,
  • Strahlenschutz von Patienten bei anderen medizinischen Anwendungen,
  • Medizinische Aspekte im Zusammenhang mit Strahlenunfällen,
  • Sicherheitsausbildung und -training,
  • Sicherheit und Strahlenschutz aus Sicht des Patienten,
  • Aspekte rund um radiologisches Gesundheitsscreening,
  • Strahlenschutz bei Kindern und Schwangeren,
  • Rolle der Hersteller beim Patientenschutz,
  • Themen für zukünftige Forschungs- und Entwicklungsarbeiten.

Bonner Aktionsplan

Zu den zuvor genannten Themen konnte ein Überblick über die Fortschritte, Herausforderungen und Möglichkeiten auf dem Gebiet des Strahlenschutzes in der Medizin geschaffen werden. Lücken in den derzeitigen Strahlenschutzkonzepten wurden aufgezeigt sowie Instrumente zur Verbesserung des Strahlenschutzes identifiziert. Daraus wurde unter der Leitung des Konferenzpräsidenten Dr. Wolfgang Weiss ein Aktionsplan mit Maßnahmen entwickelt, durch deren Umsetzung unnötige und unbeabsichtigte Expositionen und das dadurch entstehende, nicht zu vernachlässigende Risiko für die Bevölkerung erheblich verringert werden könnten. Die Ergebnisse der Konferenz wurden für den Aktionsplan in zehn Handlungsfelder zur wesentlichen Verbesserung des Strahlenschutzes in der Medizin zusammengefasst.

Tagungsband der Konferenz

Die IAEA hat den Tagungsband der Konferenz veröffentlicht. Er kann in Papierform bestellt (kostenpflichtig) oder als PDF-Datei kostenlos heruntergeladen werden.

Stand: 12.05.2017

© Bundesamt für Strahlenschutz