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Ionisierende Strahlung

Umweltradioaktivität - Medizin - Beruflicher Strahlenschutz - Nuklear-spezifische Gefahrenabwehr

Ionisierende Strahlung

Nutzen und Risiko der Röntgendiagnostik

Die Röntgendiagnostik wird vom Arzt eingesetzt, wenn mit anderen Verfahren wie Labor-, Ultraschall- oder endoskopischen Untersuchungen keine eindeutige Diagnose zu erhalten ist. Mit der Röntgendiagnostik wird oft erst die Diagnose ermöglicht oder erhärtet beziehungsweise der Befund präzisiert.

Welche Bedeutung die Röntgendiagnostik für den einzelnen Patienten haben kann, zeigen einige Beispiele:

  • Sichere Diagnose eines Knochenbruchs und Kontrolle der richtigen Einrichtung des Bruchs
  • Abklärung einer Kopfverletzung nach einem Unfall bei Verdacht auf Gehirnerschütterung oder Blutungen innerhalb des Schädels
  • Rechtzeitige Diagnose von Gefäßverengungen zum Beispiel der Herzkranzgefäße mittels Angiographie und damit Senkung des Herzinfarktrisikos durch Anwendung einer geeigneten Intervention, zum Beispiel einer Aufdehnung des verengten Gefäßes unter Durchleuchtungskontrolle
  • Brustkrebsfrüherkennung bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren im Rahmen des Mammographie-Screening-Programms

Strahlenrisiko

Jede Röntgenuntersuchung ist mit einem gewissen – wenn auch geringen – Strahlenrisiko verbunden. Bei der Abschätzung des Strahlenrisikos ist es üblich, von einem proportionalen Zusammenhang zwischen Dosis und Krebsrisiko auszugehen – auch für ganz geringe Dosiswerte, für die sich allerdings keine sicheren Angaben zum Strahlenrisiko machen lassen. Im Sinne des praktischen Strahlenschutzes nimmt man somit für den niedrigen Dosisbereich vorsorglich an, dass Gesundheitsschäden möglich sind, obgleich sie wegen ihrer geringen Wahrscheinlichkeit nicht unmittelbar nachweisbar sind.

In den meisten Fällen werden Röntgenuntersuchungen mit sehr niedrigen Dosen durchgeführt. Werden zusätzliche, also strahlenbedingte Krebsfälle infolge dieser Untersuchungen abgeschätzt, so handelt es sich somit nicht um tatsächlich beobachtbare, sondern um hypothetische Fälle.

Jede Röntgenuntersuchung muss gewissenhaft gerechtfertigt werden. Man spricht von einer rechtfertigenden Indikation, wenn von einer fachkundigen Ärztin / einem fachkundigen Arzt eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung durchgeführt wurde. Ist zudem gewährleistet, dass die Dosis durch qualitätssichernde Maßnahmen minimiert wurde, so überwiegt für den einzelnen Patienten der Nutzen der Röntgenuntersuchung das damit einhergehende Strahlenrisiko.

Wie kann die medizinische Strahlenexposition in Deutschland verringert werden?

  • Die meisten Untersuchungsarten in der Röntgen- und in der nuklearmedizinischen Diagnostik sind standardisiert. Jede dieser Untersuchungsarten ist nach den Grundsätzen des Strahlenschutzes zu optimieren. Da eine Anwendung von Dosisgrenzwerten den diagnostischen Nutzen einschränken könnte, wird derzeit international empfohlen, für medizinische Expositionen keine Dosisgrenzwerte zu verwenden. Gleichwohl sind Ärztinnen und Ärzte verpflichtet, jede einzelne Untersuchung so durchzuführen, dass die Strahlenexposition für den Patienten so gering wie möglich ist. Als Richtwerte werden vom Bundesamt für Strahlenschutz Diagnostische Referenzwerte veröffentlicht, die bei Standarduntersuchungen bei normalgewichtigen Patienten in der Regel nicht überschritten werden sollten.
  • In der Röntgenverordnung ist festgelegt, dass jede individuelle Strahlenanwendung ärztlich gerechtfertigt sein muss (rechtfertigende Indikation), das heißt, dass Nutzen und Strahlenrisiko sorgfältig abgewogen werden müssen. Dabei sind Ärztinnen und Ärzte auch verpflichtet, Verfahren mit geringerer oder keiner Strahlenexposition zu berücksichtigen. Hierzu gehören zum Beispiel die Magnetresonanztomographie und die Ultraschalluntersuchung. Patientinnen und Patienten sollten gezielt nachfragen, warum eine Röntgen- oder nuklearmedizinische Untersuchung notwendig ist und ob alternative Diagnoseverfahren eingesetzt werden können.
  • Ärztliche Praxen oder Institutionen, in denen Röntgenuntersuchungen durchgeführt werden, sind verpflichtet, Röntgenpässe bereit zu halten und den Patientinnen und Patienten anzubieten. Der Röntgenpass ist ein wichtiges Instrument, um unnötige Wiederholungsuntersuchungen zu vermeiden und Vergleichsmöglichkeiten mit vorherigen Aufnahmen zu schaffen.
Stand: 23.03.2016

© Bundesamt für Strahlenschutz