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Ionisierende Strahlung

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Ionisierende Strahlung

Das Mammographie-Screening-Programm in Deutschland

zwei Mammographie-Aufnahmen nebeneinander Röntgen-Mammographie (Screening)Röntgen-Mammographieaufnahme Quelle: Dr. med. H. Junkermann

Brustkrebs stellt mit jährlich ca. 70.000 Neuerkrankungen die häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland dar. Trotz großer Fortschritte im Bereich der Brustkrebs-Therapie sterben jährlich etwa 17.000 Frauen an den Folgen dieser Erkrankung.

Zur Diagnose von Brustkrebs gibt es – nach Erheben der Vorgeschichte einer Patientin (Anamnese) sowie nach Betrachten und Abtasten der Brust durch die Ärztin oder den Arzt – drei bildgebende Verfahren:

Die Röntgen-Mammographie (kurz: Mammographie) ist insbesondere bei älteren Frauen (nach der Menopause) die Methode der Wahl. Ultraschall und MRT werden speziell auch bei jüngeren Frauen oder als wichtige Ergänzungsuntersuchung – zur Abklärung eines auffälligen Mammographie-Befundes – eingesetzt.

Die Möglichkeiten einer Prävention, also einer Vermeidung von Brustkrebs beispielsweise durch eine gesundheitsbewusste Lebensweise, sind sehr eingeschränkt. Daher kommt der Früherkennung von Brustkrebs ein hoher Stellenwert zu. Dabei sollen bösartige Tumoren bereits in einem möglichst frühen Stadium erkannt werden, in dem diese noch nicht zu ertasten sind; die Heilungsaussichten sind in diesem Stadium noch sehr gut. Als effektivste Methode zur Früherkennung von Brustkrebs bei Frauen zwischen 50 und 69 Jahren gilt gegenwärtig die Mammographie (siehe Abbildung).

Ziel eines Mammographie-Screening-Programms (MSP)

Durch qualitätsgesicherte, in regelmäßigen Abständen durchgeführte Mammographie-Untersuchungen soll langfristig die Brustkrebs-Sterblichkeit (Brustkrebs-Mortalitätsrate) gesenkt werden. Die Belastung durch die dabei zum Einsatz kommende Röntgenstrahlung soll so gering wie möglich sein.

Vorarbeiten für ein MSP in Deutschland

Ab dem Jahr 2001 erprobten die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Spitzenverbände der Krankenkassen im Rahmen von regional begrenzten Modellprojekten die Rahmenbedingungen für ein Mammographie-Screening. Aufgrund positiver Zwischenergebnisse hat der Deutsche Bundestag im Jahr 2002 beschlossen, ein MSP unter Beachtung der strengen Europäischen Leitlinien flächendeckend einzuführen.

In der Folge mussten hierfür die rechtlichen Regelungen (Änderung der Krebsfrüherkennungsrichtlinie und der Bundesmantelverträge) geschaffen werden. Bei der Erarbeitung dieser Regelungen waren neben KBV, Krankenkassen und Bundesgesundheitsministerium (BMG) auch das Bundesumweltministerium (BMUB) und das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) vertreten. BMUB und BfS haben sich hierbei für hohe Qualitätsstandards insbesondere auch in Bezug auf den Strahlenschutz eingesetzt.

Das deutsche MSP

Schema der Struktur des Screening-Programms Screening-Programm StrukturStruktur des Mammographie-Screening-Programms in Deutschland Quelle: Qualitätsbericht 2005-2007, herausgegeben von der Kooperationsgemeinschaft Mammographie

Zur schrittweisen Einführung des MSP wurde 2003 die Kooperationsgemeinschaft Mammographie (KoopG) gegründet. Die Abbildung 2 gibt einen Überblick über die Struktur des MSP in Deutschland.
Im Jahr 2005 wurde die erste Screening-Einheit (SE) zertifiziert und konnte ihren Betrieb aufnehmen. Jede SE wird von einem oder zwei Programmverantwortlichen Ärzten (PVA) geleitet und kann aus mehreren Standorten, den "Mammographie-Einheiten" (ME), bestehen. Im Jahr 2009 hat die letzte der insgesamt 94 Screening-Einheiten ihren Betrieb aufgenommen.

Der qualitätsgesicherte Untersuchungsablauf innerhalb des MSP ist detailliert in den dafür geschaffenen Regelungen vorgegeben; Grundlage waren die strengen Europäischen Leitlinien:

  • Alle Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren ohne klinischen Verdacht einer Brustkrebserkrankung werden alle zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen. Mit dem Einladungsschreiben erhalten die Frauen einen standardisierten Anamnesebogen, der vor der Untersuchung auszufüllen ist.
  • In der SE werden dann die Mammographie-Aufnahmen erstellt, wobei sowohl das medizinisch-technische Personal als auch die Gerätetechnik der Mammographie-Systeme hohe Qualitätsanforderungen erfüllen müssen.
  • Diese Aufnahmen werden von zwei Ärzten mit einer Berufserfahrung von jeweils mindestens 5.000 Mammographie-Befundungen pro Jahr unabhängig voneinander befundet ("Doppelbefundung"). Im Falle von abweichenden Ergebnissen beurteilt eine sogenannte "Konsensuskonferenz" die Aufnahmen unter Einbeziehung des PVA abschließend.
  • Sollte eine weitere Abklärung notwendig sein, so erfolgt im ersten Schritt eine klinische sowie bildgebende Untersuchung. Besteht nach dieser Untersuchung weiterhin der Verdacht auf eine Krebserkrankung, wird im zweiten Schritt eine "minimal-invasive Biopsie" durchgeführt, das heißt, eine Gewebeprobe wird möglichst schonend entnommen und untersucht.

    Ablaufplan des Screenings Ablauf Screening-KetteAblauf der Screening-Kette Quelle: Qualitätsbericht 2005-2007, herausgegeben von der Kooperationsgemeinschaft Mammographie

Das hohe Qualitätsniveau entlang der gesamten "Screening-Kette" (siehe Abbildung) wird unter anderem dadurch sichergestellt, dass

  • die Screening-Einheiten in regelmäßigen Abständen neu zertifiziert werden,
  • alle am Screening beteiligten Personen regelmäßig an Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen teilnehmen,
  • einheitliche Protokolle für die Erstellung der Mammographien sowie die gegebenenfalls notwendige Wiedereinbestellung von Frauen und nachfolgende Abklärungsdiagnostik existieren und
  • das Programm regelmäßig bewertet wird (Programmevaluation).

Regelmäßige Überprüfung und Auswertung des MSP

Gemäß der Krebsfrüherkennungsrichtlinie wird das MSP zur Prozess- und Ergebnisqualität regelmäßig überprüft und ausgewertet. Die europäischen Leitlinien geben hierzu bestimmte Kenngrößen vor, zum Beispiel

  • Teilnahmerate
  • Wie oft konnte der Brustkrebs mit dem Screening-Programm entdeckt werden?
  • Anteil von kleinen, lokal begrenzten Karzinomen (so genannten "duktalen Karzinomen in situ" (DCIS)) beziehungsweise größeren invasiven Karzinomen

Die Ergebnisse werden in Qualitäts- und Evaluationsberichten in regelmäßigen Abständen zusammengefasst. Diese Berichte können auf der Homepage der Kooperationsgemeinschaft Mammographie eingesehen werden.

Das übergeordnete Ziel des MSP ist die nachhaltige Verringerung der Brustkrebsmortalität. Im Rahmen eines Forschungsvorhabens soll auch für das deutsche Programm untersucht werden, ob dieses Ziel erreicht wird. An der Finanzierung dieser Mortalitätsevaluation beteiligen sich das Bundesumweltministerium, das Bundesministerium für Gesundheit sowie die Kooperationsgemeinschaft Mammographie. Federführender Forschungsnehmer ist die Universität Münster. Zurzeit wird zunächst im Rahmen einer Machbarkeitsstudie geprüft, ob und gegebenenfalls auf welche Weise in Deutschland eine Evaluation der Brustkrebsmortalität realisiert werden kann. Die Machbarkeitsstudie begann im Juli 2012 mit einer Laufzeit von zwei Jahren. An diese schließt sich seit Januar 2015 eine erweiterte Machbarkeitsphase über 1,5 Jahre an.

Stand: 26.04.2017

© Bundesamt für Strahlenschutz