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Elektromagnetische Felder

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Elektromagnetische Felder

Bundesweite repräsentative Umfragen zur Ermittlung der Risikowahrnehmung im Bereich des Mobilfunks

Umfrage im Jahr 2013 und vergleichende Ergebnisse der Jahre 2003 bis 2006 und 2009

Mit der Befragung im Jahr 2013 wurde die Befragungsreihe weitergeführt, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) seit dem Jahr 2003 zunächst jährlich, dann in einem Abstand von einigen Jahren durchführen ließ.

Ziel war es, in bundesweit repräsentativen Telefonbefragungen die Risikowahrnehmung der Bevölkerung im Bereich Mobilfunk zu untersuchen. Durch vier Erhebungen im jährlichen Abstand von 2003 bis 2006 sowie Erhebungen in den Jahren 2009 und 2013 sollten mögliche Veränderungen in den verschiedenen Befragungsinhalten beleuchtet werden.

Im Zentrum der Befragungen standen die möglichen gesundheitlichen Befürchtungen und wahrgenommenen gesundheitlichen Beeinträchtigungen der Bevölkerung im Hinblick auf die hochfrequenten elektromagnetischen Felder (HF-EMF) des Mobilfunks. Darüber hinaus wurden verschiedene Parameter der Handynutzung, der Informationsstand, sowie die Kenntnis und Anwendung von Vorsorgemaßnahmen erhoben. In der Erhebung im Jahr 2013 wurden zusätzlich Kinder und Jugendliche separat über ihr Nutzungsverhalten befragt.

Methode

Bei der Erhebung im Jahr 2013 wurde erstmalig eine sogenannte Dual-Frame-Umfrage durchgeführt. Das heißt, es wurde sowohl eine reine Festnetzbefragung als auch eine reine Mobilfunkbefragung durchgeführt. Beide Befragungen wurden unter Berücksichtigung der statistischen Vorgaben gemeinsam ausgewertet.

In jeder der oben angeführten Umfragen wurden 2.500 Bürgerinnen und Bürger ab 14 Jahren über mögliche Gefahren der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks befragt.

Die durchschnittliche Interviewlänge betrug etwa 20 Minuten. Der Fragenkatalog hatte Kernfragen, die jährlich wiederholt und durch Schwerpunktthemen ergänzt wurden. Den jährlichen Erhebungen ging jeweils eine Testbefragung (Pretest) zur Überprüfung der Verständlichkeit der Fragen und der Länge des Interviews voraus.

Ergebnisse

Rahmenparameter der Mobilfunk-NutzungEinklappen / Ausklappen

Nutzungsverhalten in der Stichprobe

Im Vergleich der Befragungswellen (2003-2006, 2009 und 2013) konnte in der reinen Festnetzstichprobe keine Veränderung hinsichtlich der Nutzungsverbreitung der Handy- (80 Prozent) und schnurlosen Festnetztelefonie (87 Prozent) festgestellt werden. Die Mobilfunkstichprobe ergab signifikant höhere Nutzungswerte für die Handytelefonie (96 Prozent) und signifikant niedrigere Werte für die Festnetztelefonie mit Schnurlostelefonen (82 Prozent) im Vergleich zur Festnetzstichprobe.

In der Gesamtstichprobe nutzen 92 Prozent der Männer und 84 Prozent der Frauen das Handy. Die meisten Handynutzer finden sich im Alter zwischen 25 und 44 Jahren, hier nutzen nahezu 100 Prozent ein Handy.

Nicht-Nutzung

Hinter der Nicht-Nutzung von Handys steht in allen Befragungsjahren nicht zwingend eine Ablehnung dieses Kommunikationsmittels, sondern einfach ein mangelnder Bedarf. Einen Verzicht auf das Handy können sich selbst unter der Annahme eines Nachweises von gesundheitsschädigenden Einflüssen nur etwa die Hälfte der befragten Handynutzer vorstellen (mit Ausnahme der Umfrage 2009: hier waren es 62 Prozent).

Kenntnisse über den Standort einer Mobilfunk-Sendeanlage

Fast die Hälfte der Befragten kennt den Standort einer Mobilfunk-Sendeanlage im Umkreis von bis zu fünf Kilometern um die eigene Wohnung bzw. vermutet zumindest eine solche Sendeanlage in diesem Umkreis. Dabei ist sich nur etwa ein gutes Drittel aller Befragten sicher, eine Mobilfunk-Sendeanlage auf den ersten Blick erkennen zu können.

Nutzungsverhalten bei Kindern und Jugendlichen

22 Prozent der Kinder zwischen sechs und neun Jahren und 93 Prozent der zehn- bis dreizehnjährigen Kinder besitzen ein eigenes Handy, wobei nur zehn Prozent täglich damit telefonieren. 86 Prozent der befragten Jugendlichen (14 bis 17-jährige) besitzen ein Handy, davon 88 Prozent ein Smartphone. Telefonieren ist jedoch nicht die Hauptnutzung des Handys, die vielfältigen anderen Nutzungsmöglichkeiten wie Handyspiele, Musik hören, Fotografieren, Internet, SMS und soziale Medien überwiegen bei den Jugendlichen.

Besorgtheit und Beeinträchtigung der Bevölkerung durch die elektromagnetischen Felder des MobilfunksEinklappen / Ausklappen

Zeitlicher Verlauf der Veränderungen von Besorgtheit und Beeinträchtigung

Ohne nennenswerte Veränderung sind in den Jahren 2003 bis 2006, 2009 und 2013 die Anteile der Bevölkerung, die sich im Hinblick auf die hochfrequenten elektromagnetischen Felder des Mobilfunks als besorgt (etwa 30 Prozent) beschreiben. Als gesundheitlich beeinträchtigt beschrieben sich in den zurückliegenden Umfragen 2003-2006 etwa neun Prozent. In 2009 stieg diese Zahl leicht auf zehn Prozent an, sank jedoch in der aktuellen Umfrage auf sieben Prozent.

Besorgtheit wegen verschiedener gesundheitlicher Risiken im Vergleich

Befragung im Jahr 2013: Vergleich verschiedener Risikofaktoren Risikofaktoren im VergleichBefragung im Jahr 2013: Sorgen wegen möglicher gesundheitlicher Risiken im Vergleich (Risikofaktoren im nichtionisierenden Bereich sind grau unterlegt)

Über alle Befragungsjahre bleibt die Besorgnis wegen der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks weit unter dem Grad der Besorgnis wegen gentechnisch veränderter Lebensmittel, wegen des Verzehrs von Fleisch unbekannter Herkunft, einer möglichen gesundheitlichen Gefährdung durch Luftverschmutzung oder wegen Nebenwirkungen von Medikamenten.

Anhand unterschiedlicher Messgrößen hat sich gezeigt, dass Mobilfunk-Sendeanlagen insgesamt als bedrohlicher und als eher beeinträchtigend wahrgenommen werden als Handys oder Schnurlostelefone.

Sorglosigkeit

Der Anteil von Personen, der sich in der EMF-spezifischen Befragung gar keine Sorgen macht, weist in der aktuellen Umfrage 2013 den höchsten Wert im Vergleich der einzelnen Umfragen auf (31 Prozent). Zum Vergleich: in der generellen Befragung zu Risikofaktoren (siehe Abbildung) sind es sogar 36 Prozent, die sich wegen Mobilfunk gar keine Sorgen machen. Die Anteile von Personen, die sich gar keine Sorgen machen, sind signifikant höher in Ostdeutschland (39 Prozent), bei Personen mit niedrigem Bildungsniveau (36 Prozent) und bei alleinlebenden Personen (35 Prozent).

Logistisches Modell zur Besorgtheit

In einem statistischen Modell (logistische Regression), das in der aktuellen Auswertung vorliegt, wurden mögliche Einflussgrößen auf die Wahrscheinlichkeit unterersucht, ob Menschen wegen HF-EMF besorgt sind oder nicht. Besonders hoch ist die Wahrscheinlichkeit, zu den wegen HF-EMF Besorgten zu zählen, unter Personen mit höherem Schulabschluss, Personen mit hoher Informiertheit über das Thema elektromagnetische Felder des Mobilfunks, Personen mit steigender Anzahl von Beschwerden durch HF-EMF sowie Personen, die angeben, eine Mobilfunk-Sendeanlage in der unmittelbaren Wohnumgebung zu haben. Aufgrund der Wahrscheinlichkeit dieser Personengruppe wegen HF-EMF besorgt zu sein, sollte auf die Mitglieder dieser Gruppe in der Risikokommunikation des BfS ein besonderes Augenmerk gelegt werden.

Symptome bei der Beeinträchtigung

Kopfschmerzen, Schlafprobleme und allgemeines Unwohlsein in Form von Schlappheit zählen zu den häufigsten konkreten Beschwerden, die von Befragten in einen Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern gebracht werden. Allerdings kann die Mehrheit (etwa 52 Prozent) der nach Selbsteinschätzung durch HF-EMF Beeinträchtigten keine genauen gesundheitlichen Beschwerden benennen.

Informationsstand der Bevölkerung bezüglich der hochfrequenten Felder des MobilfunksEinklappen / Ausklappen

Informiertheit zu hochfrequenten Feldern allgemein

Bei der Befragung im Jahr 2013 gaben 36 Prozent der Befragten an, sich vor ihrer Befragung noch nie mit dem Thema elektromagnetische Felder des Mobilfunks befasst zu haben. 26 Prozent bezeichnen sich als "gar nicht" hierüber informiert. Nur elf Prozent haben sich vor der Befragung schon "viel" mit dem Thema beschäftigt, als "sehr gut" informiert bezeichnen sich fünf Prozent. Die Aufmerksamkeit für das Thema HF-EMF ist - gemessen an der hohen Nutzungsquote des Mobilfunks - als eher gering einzuschätzen und hat sich in den vergangenen Jahren verringert.

Kenntnis des SAR-Werts

Die Bedeutung des SAR-Werts (der spezifischen Absorptionsrate) insbesondere für den Kauf und Gebrauch von Handys und Smartphones ist nur 29 Prozent der Befragten bekannt (im Jahr 2009: 33 Prozent). Auch im Vergleich über die letzten Jahre seit 2003 ist die Bekanntheit des SAR-Wertes nicht gestiegen. Zur verhältnismäßig niedrigen Bekanntheit des SAR-Wertes kommt die geringe handlungsleitende Wirkung dieses Merkmals: Im Jahr 2013 haben 20 Prozent derer, die den SAR-Wert kennen, angegeben, sich bei einer Entscheidung über die Anschaffung eines Handys schon einmal am SAR-Wert orientiert zu haben. Von allen Befragten geben sechs Prozent an, dass Sie beim Kauf eines neuen Handys auf den SAR-Wert achten. Von den 25 bis 34-Jährigen nannten sogar neun Prozent den SAR-Wert spontan als wichtigen Aspekt für den Handy-Neukauf haben. Damit hat der SAR-Wert in dieser Gruppe die größte Bedeutung.

VorsorgeverhaltenEinklappen / Ausklappen

Vorsorge zum Schutz gegen mögliche oder vermutete Wirkungen der HF-EMF des Mobilfunks ist im gesamten Befragungszeitraum für acht von zehn Befragten kein relevantes Thema; sie ziehen solche Maßnahmen weder in Erwägung noch führen sie diese durch. Eine oder einer von zehn Befragten hat über Vorsorgemaßnahmen nachgedacht und sechs von hundert Befragten haben bereits Maßnahmen ergriffen. Diese sechs Prozent nennen neben Maßnahmen, die sich auf das Handy beziehen eine ganze Reihe weiterer Verhaltensweisen: angefangen von der Abschirmung über den bewussten Gebrauch von elektrischen Geräten bis hin zum politischen Engagement.

Empfehlungen zur Handynutzung, die darauf abzielen, die Stärke der einwirkenden hochfrequenten Felder zu verringern und die Dauer der Strahlenbelastung zu verkürzen, besitzen in der Bevölkerung einen sehr unterschiedlichen Bekanntheitsgrad. Am bekanntesten sind die Empfehlungen, auf das Handytelefonat zugunsten des Festnetzes zu verzichten, Gespräche mit dem Handy kurz zu halten sowie die Empfehlung zur Verwendung einer Freisprechanlage mit Außenantenne im Auto und von Head-Sets. Nur bei gutem Empfang mit dem Handy zu telefonieren, ist als Vorsorgemaßnahme beispielsweise weitgehend unbekannt.

Fazit

Die Befragungsreihe zur Risikowahrnehmung im Bereich des Mobilfunks in der Bevölkerung zeigt eine hohe Konstanz über viele Befragungsinhalte hinweg. Bezogen auf die Gesamtgesellschaft ist somit das Thema Mobilfunk weiterhin relevant.

Die Daten geben Aufschluss über die Rolle des Mobilfunks im Vergleich zur Risikowahrnehmung in Bezug auf verschiedene andere mögliche und nachgewiesene Gesundheitsrisiken, sowie über die Ausprägung und die Entwicklung verschiedener Parameter der Risikowahrnehmung über die Zeit hinweg.

Die Ergebnisse dienen damit dem BfS als wichtige Grundlage für die Ausrichtung der Öffentlichkeitsarbeit und für weitere Aktivitäten zur Risikokommunikation (zum Beispiel im Kontakt mit verschiedenen Stakeholdern und Interessensgruppen, in Gesprächen mit der Öffentlichkeit zu Risiko und Risikowahrnehmung, bei gesundheitsbezogenen Fragen der Bevölkerung oder bei Fragen zur Bekanntheit und Nutzung des SAR-Wertes als Kaufentscheidung), sowie als Ausgangspunkt für weitere gezielte Erhebungen und Analysen zu dieser Thematik.

Historie

Bereits im Herbst 2001 hatte das BfS bei der I+G Gesundheitsforschung München (heute: TNS Healthcare) die erste repräsentative Telefon-Umfrage in Auftrag gegeben. Mit deren Hilfe sollte ermittelt werden, welcher Anteil der Bevölkerung sich Sorgen um mögliche gesundheitliche Risiken durch die elektromagnetischen Felder des Mobilfunks macht, beziehungsweise bereits konkrete Beeinträchtigungen darauf zurückführt.

Die jährlichen Befragungen 2003-2006 wurden im Rahmen des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms durchgeführt. Der im Jahr 2001 eingesetzte Fragebogen wurde für die Befragungsreihe 2013 überarbeitet.

Stand: 07.11.2018

© Bundesamt für Strahlenschutz