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Elektromagnetische Felder

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Elektromagnetische Felder

Risikowahrnehmung der Öffentlichkeit zur Mobilfunktechnologie

Diskussionen über mögliche gesundheitliche Risiken durch hochfrequente elektromagnetische Felder, zum Beispiel in der Umgebung von Rundfunk- und Fernsehsendern, finden bereits seit Jahrzehnten statt. Der rasante Ausbau der Mobilfunknetze zu Beginn des neuen Jahrtausends und die zum Teil widersprüchlichen Meldungen zu gesundheitlichen Wirkungen in Fernsehen, Rundfunk und Presse führten in der Öffentlichkeit zu einer Diskussion über die möglichen Risiken der Mobilfunktechnologie.

Nutzen und Akzeptanz der Mobilfunktechnologie

Die Mobilfunktechnologie ist gekennzeichnet durch eine hohe Akzeptanz in großen Teilen der Bevölkerung. Einige Bevölkerungsgruppen nutzen das Mobiltelefon inzwischen bereits deutlich mehr als das Festnetztelefon.

Einer Befragung zufolge, die das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) in Auftrag gegeben hat, nutzten im Jahr 2013 80 Prozent der Deutschen über 14 Jahre ein Mobilfunkgerät, mit dem sie unter anderem telefonierten. Das tatsächliche Ausmaß der Smartphone- und Handynutzung ist dabei von Person zu Person und in verschiedenen Altersgruppen sehr unterschiedlich. Ausführliche Informationen hierzu sind in den Berichten über die Umfragen zu Mobilfunk 2003 bis 2006, 2009 und 2013 zu finden. Smartphones und Handys sind in der Bevölkerung zu wichtigen Alltagsgegenständen geworden, mit denen Familienleben, Arbeit und Freizeit organisiert werden.

Diskussionen um die möglichen Risiken des Mobilfunks

Bei der Diskussion um mögliche gesundheitsbeeinträchtigende Wirkungen der hochfrequenten elektromagnetischen Felder des Mobilfunks spielen mögliche Auswirkungen auf Kinder und Jugendliche eine besondere Rolle. Sie könnten auf Umwelteinflüsse empfindlicher reagieren als Erwachsene und deshalb aus Gründen der Vorsorge besonders berücksichtigt werden.

In Debatten wird eine Vielzahl tatsächlicher oder vermuteter Risikofaktoren diskutiert - fundierte Informationen, Vermutungen und festgeprägte Überzeugungen prallen hier aufeinander. Extreme Positionen dramatisieren entweder ein mögliches Risiko oder verneinen es vollständig. Auch die Meinungen über gesundheitliche Wirkungen der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks sind sehr unterschiedlich.

Neben den gesundheitlichen Risiken geht es zum Beispiel um die Grundlagen der deutschen Immissionsschutz-Grenzwerte oder das komplexe Feld des Ineinandergreifens von Politik, Mobilfunkbetreibern und Strahlenschutzgremien.

Kenntnisse der Bevölkerung in Wissenschaft und Technik

Verschiedene Untersuchungen haben eine grundlegende Kritik der Öffentlichkeit aufgezeigt. Die Öffentlichkeit fühlt sich über die verschiedenen Teilbereiche des Themas "Mobilfunk" schlecht informiert. So hat sie zum Beispiel wenig Verständnis für die Diskussionen unter Wissenschaftlern über Qualität und Bedeutung einzelner Studien zu biologischen Wirkungen hochfrequenter Felder und interpretiert diese oft als bewusstes Zurückhalten wichtiger Ergebnisse. Die bestehenden wissenschaftlichen Unsicherheiten über die biologischen Wirkungen der elektromagnetischen Felder des Mobilfunks werden oft als Beweis der Schädlichkeit interpretiert.

Für das Verständnis der Mobilfunktechnologie benötigt man ein hohes Maß an physikalischen und technischen Vorkenntnissen. Schwierigkeiten beim sachlichen Dialog mit der Öffentlichkeit sind auf das Fehlen dieser Vorkenntnisse in der Bevölkerung zurückzuführen. Hinzu kommt, dass die häufig emotional geprägte Argumentation der Bevölkerung einer sehr sachlichen Kommunikation von Vertretern von Behörden, Kommunen oder Mobilfunknetzbetreibern gegenübersteht.

Auch die Frage, ob Vorsorgemaßnahmen erforderlich sind und wenn ja, welche Maßnahmen sinnvoll und notwendig sind, wird in der Bevölkerung, der Politik, in den Behörden, in den Medien und von verschiedenen Interessengruppen unterschiedlich diskutiert.

Dazu kommt die Verunsicherung der Bevölkerung, inwieweit Medienberichte richtig sind und die Frage, welchen Aussagen über wissenschaftliche Erkenntnisse man Glauben schenken kann. Das BfS hat daher in einem Forschungsvorhaben Leitfäden für die Beurteilung von Medienberichten sowie von wissenschaftlichen Publikationen in Form von Fragenkatalogen erstellen lassen.

Proteste in der Bevölkerung

In den vergangenen Jahren kam es immer wieder zu Protesten gegen einzelne Sendeanlagen. Anlässe waren unter anderem die Errichtung von Sendeanlagen für den digitalen Behördenfunk BOS und die Einführung des neuen Mobilfunkstandards LTE (Long-Term Evolution).

Als wichtiges Argument gegen die Sendeanlagen wird die starke und dauerhafte Exposition durch die elektromagnetischen Felder der Anlagen vorgebracht. Dieser Dauerexposition fühlen sich Teile der Bevölkerung "ausgesetzt". Man könne ihr nicht entkommen. Wohingegen sich jeder einzelne selbst entscheiden könne, ob er ein Smartphone oder Handy benutzt und die damit verbundene Strahlenbelastung in Kauf nimmt.

Zudem wurde das Vorgehen der Mobilfunkbetreiber bei der Errichtung neuer Mobilfunkanlagen häufig kritisiert. Besonders in den ersten Jahren des Mobilfunknetzausbaus herrschte das Gefühl vor, dass Antennen in "Nacht- und Nebel-Aktionen" errichtet und bisweilen sogar getarnt werden. Sendeanlagen würden den Menschen "einfach vor die Nase gesetzt", ohne Bürgerinnen und Bürger zu beteiligen.

Selbstverpflichtung der Mobilfunknetzbetreiber: Verbesserung von Information und Kommunikation

Aufgrund des starken öffentlichen Drucks werden die Forderungen nach einer Verbesserung der Information der Öffentlichkeit und der engen Einbindung der Kommunen in Diskussions- und Entscheidungsfindungsprozesse seit einigen Jahren stärker bei der Netzplanung und -realisierung berücksichtigt (siehe Selbstverpflichtung der Mobilfunkbetreiber).

Zielgruppengerechte Informationen nötig

Um Informationen über den Mobilfunk zielgruppengerecht bereitstellen zu können, hatte das BfS mehrere Studien in Auftrag gegeben. Die Studien beschäftigten sich mit der Frage, wie die Bevölkerung den Mobilfunk wahrnimmt und welches Informationsbedürfnis sie hat. Es zeigte sich zum Beispiel, dass sich verschiedene Zielgruppen über ihre jeweils spezifische Einstellung zum Mobilfunk hinaus auch durch weitere Merkmale unterscheiden – wie zum Beispiel ihr Informationsverhalten, die Persönlichkeitsstruktur, allgemeine Risikoeinstellung, Vertrauen in den Staat und soziodemografische Merkmale wie zum Beispiel das Alter. Die Ergebnisse dieser Studien und die dazu gehörigen Bewertungen des BfS finden Sie unter Zielgruppenanalyse zur differenzierten Information und im Abschlussbericht auf den Seiten des Deutschen Mobilfunkforschungsprogramms (DMF).

Zur näheren Beschreibung der Wahrnehmung und Sorgen der Bevölkerung im Zusammenhang mit dem Mobilfunk gab das BfS in den Jahren 2003 bis 2006 sowie in den Jahren 2009 und 2013 repräsentative Umfragen in Auftrag. Hier wurden verschiedenen Faktoren untersucht, die für den Umgang mit dem Thema Mobilfunk in der Öffentlichkeit eine Rolle spielen. Ebenso wurde deren Entwicklung über die Zeit beobachtet. Die Abschlussberichte geben einen detaillierten Einblick in die Befragungsergebnisse.

Elektrosensibilität

Personen, die gesundheitliche Beschwerden auf das Vorhandensein elektrischer und magnetischer Felder zurückführen, bezeichnen sich zum Teil selbst als "elektrosensibel". Das Phänomen der Elektrosensibilität gibt es schon seit vielen Jahren, wobei die Beschwerden zunächst auf die niederfrequenten Felder des Haushaltsstroms zurückgeführt wurden. Seit dem starken Ausbau der Mobilfunknetze zu Beginn der Jahrtausendwende werden auch die hochfrequenten elektromagnetischen Felder als mögliche Ursachen genannt.

Zukünftige Forschung

Zahlreiche Studien kamen zu dem Ergebnis, dass verschiedene Faktoren in den Bereichen Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Verhaltensreaktion die individuelle und gesellschaftliche Bedeutung eines Themas beeinflussen.

Es ist davon auszugehen, dass es auch in Zukunft Konfliktpotential bei der Errichtung von Sendeanlagen geben wird. Nach wie vor bestehen Diskrepanzen zwischen den von Teilen der Bevölkerung befürchteten Risiken und den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung. Daher werden die Themen der Risikowahrnehmung und der Risikokommunikation im Zusammenhang mit dem Mobilfunk weiterhin Gegenstand der Forschung sein.

Die Forschungsergebnisse sind Grundlage für die Weiterentwicklung praktischer Konzepte, die bei der Optimierung der Risikokommunikation des BfS im Sinne einer umfassenden und objektiven Information der Öffentlichkeit umgesetzt werden können.

Stand: 20.02.2017

© Bundesamt für Strahlenschutz