Navigation und Service

Elektromagnetische Felder

Mobilfunk, WLAN & Co. - SAR-Werte von Handys - Stromnetz - Haushaltsgeräte & Elektroinstallationen

Elektromagnetische Felder

INTERPHONE-Studie findet kein erhöhtes Tumorrisiko durch Handynutzung – BfS rät weiterhin zur Vorsorge

Interphone-Studie

Untersuchte Tumorarten
  • Hirntumorarten Gliom, Meningeom
  • Tumor des Hörnervs
  • Tumoren der Ohrspeicheldrüse
Ergebnis
  • Kein erhöhtes Risiko für die untersuchten Tumorarten
  • Weiterer Forschungsbedarf für Langzeitnutzung und mögliche Auswirkungen auf Kinder
Vorsorge

In den Jahren 2010 und 2011 wurden erste zusammengefasste Ergebnisse aus der INTERPHONE-Studie über mögliche Langzeitfolgen der Mobilfunknutzung veröffentlicht. Der Auswertung zufolge konnte kein erhöhtes Risiko für Hirntumoren oder Tumoren des Hörnervs durch Handynutzung nachgewiesen werden. Damit bestätigt die Studie die Ergebnisse des Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramms, das vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) durchgeführt wurde. Es hatte gezeigt, dass es innerhalb der gültigen Grenzwerte keine Hinweise auf eine schädigende Wirkung des Mobilfunks gibt.

Die vorliegenden Studien können jedoch nicht alle offenen Fragen hinsichtlich der Langzeitnutzung des Mobilfunks beantworten. Das BfS sieht daher – wie auch die Autoren der INTERPHONE-Studie – weiterhin Forschungsbedarf für die Langzeitnutzung und für mögliche Auswirkungen auf Kinder. Das BfS empfiehlt als Vorsorgemaßnahme, die individuelle Strahlenbelastung so gering wie möglich zu halten. Dazu hat das BfS Empfehlungen im Internet veröffentlicht.

Die INTERPHONE-Studie

Die INTERPHONE-Studie wurde im Jahr 2000 von der International Agency for Research on Cancer (IARC) initiiert, um mögliche Risiken für die Entstehung von Tumoren durch den Gebrauch von Mobiltelefonen zu ermitteln.

An der INTERPHONE-Studie beteiligten sich weltweit 13 Länder. Die Studie wurde größtenteils aus öffentlichen Mitteln finanziert. Etwa 29 Prozent der Mittel stammten von der Mobilfunkindustrie, die aber keinerlei Einfluss auf das Studiendesign und die Ergebnisse hatte. Deutschland beteiligte sich unter anderem im Rahmen des Deutschen Mobilfunk-Forschungsprogramms.

Untersuchte Tumoren

Da die elektromagnetischen Felder des Mobiltelefons vor allem das Gewebe der Kopfregion betreffen, lag der Fokus der Studie auf den vier Tumorarten

  • Gliom (Hirntumor, der vom Stützgewebe des Zentralnervensystems ausgeht),
  • Meningeom (Hirntumor, der von der Hirnhaut ausgeht),
  • Akustikusneurinom (Tumor des Hörnervs) und
  • Tumoren der Ohrspeicheldrüse.

Veröffentlichung von Teilergebnissen

Schon vor 2004 wurden nationale Studien veröffentlicht, die Teilergebnisse der INTERPHONE-Studie darstellen. Eine Liste dieser Publikationen findet sich im Anhang 3 des Abschlussberichts der IARC über die INTERPHONE-Studie.

Zusammenfassende Auswertung der Daten aus allen 13 Ländern

Ergebnisse zu den Hirntumoren Gliom und Meningeom

Ergebnisse zum Akustikusneurinom

Ergebnisse zu Tumoren der Ohrspeicheldrüse

  • Wegen der geringen Fallzahl in den teilnehmenden Ländern musste auf eine zusammengefasste Auswertung bei Tumoren der Ohrspeicheldrüse verzichtet werden.

Ergebnisse

Insgesamt kein erhöhtes Gliom- und Meningeom-Risiko

In den epidemiologischen Fall-Kontroll-Studien, die in der INTERPHONE-Studie zusammengefasst wurden, wurden 2.708 Patienten mit einem Gliom und 2.409 Patienten mit einem Meningeom sowie jeweils angepasste Kontrollpersonen berücksichtigt. Der Gebrauch von Mobiltelefonen wurde mit Hilfe standardisierter Interviews erfragt. Die Auswertung aller Daten zeigte kein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Hirntumors aufgrund der Nutzung eines Handys. Bei einzelnen Untergruppen war das Risiko sogar erniedrigt. Auch für Langzeitnutzer, bei denen der Beginn der Handynutzung mehr als zehn Jahre zurücklag, zeigte sich kein erhöhtes Risiko für einen der beiden Hirntumoren.

Insgesamt kein erhöhtes Risiko für Akustikusneurinome

In den zusammengefassten Daten der INTERPHONE-Studie wurden auch 1.105 Patienten mit Tumoren des Hörnervs sowie jeweils angepasste Kontrollpersonen berücksichtigt. Auch hier wurde der Gebrauch von Mobiltelefonen mit Hilfe standardisierter Interviews erfragt. Die Auswertung aller Daten zeigte ebenfalls kein erhöhtes Risiko für die Entstehung eines Akustikusneurinoms aufgrund von Handynutzung. Dieses Ergebnis galt auch für Langzeitnutzer.

Unklare Ergebnisse bei sehr intensiver Handynutzung

Bei Nutzern von Mobiltelefonen, bei denen sich aus den Befragungen eine Gesamtnutzungsdauer von mehr als 1.640 Stunden abschätzen ließ, wurde sowohl für Gliome als auch für Akustikusneurinome ein statistisch signifikant erhöhtes Risiko errechnet. Für das Meningeom wurde bei intensiver Handynutzung ein erhöhtes, aber nicht statistisch signifikantes Risiko beobachtet. Bei den intensiven Handynutzern zeigten sich die Gliome eher in den Hirnregionen, die sich nahe am Ohr befinden und auf der Seite des Kopfes, die als bevorzugte Seite zum Telefonieren angegeben wurde. Eine biologisch-medizinische Erklärung für diese Beobachtungen gibt es nicht. Bei den Befragungen der Mobiltelefonnutzer mit der höchsten Gesamtnutzungsdauer erhielten die Wissenschaftler außerdem nicht nachvollziehbare Antworten zur Nutzungshäufigkeit, die die Ergebnisse dieses Teils der Studie fraglich erscheinen lassen. Andere Ursachen für die Beobachtungen sind daher nicht auszuschließen.

Bewertung des BfS: Weiterführende Forschung zur Langzeitnutzung und zur Nutzung durch Kinder notwendig

Die Ergebnisse der INTERPHONE-Studie bestätigen die bisherigen Bewertungen möglicher gesundheitlicher Risiken des Mobilfunks sowie die Empfehlungen zur Vorsorge des BfS. So wurde bereits im Abschlussbericht zum Deutschen Mobilfunk Forschungsprogramm festgestellt, dass die möglichen Auswirkungen einer intensiven und lang andauernden Handynutzung noch nicht ausreichend erforscht und zu einer abschließenden Bewertung weitere Untersuchungen erforderlich sind. Forschungsbedarf besteht weiterhin bei Kindern, da sie empfindlicher sein könnten und wesentlich länger als die heutigen Erwachsenen Handys nutzen werden. Zudem ist bei der Bewertung der Ergebnisse zu berücksichtigen, dass zwar seit Jahren die Strahlungswerte der Handys sinken, aber der Umfang der Handynutzung deutlich zunimmt und sich die Art der Nutzung ändert, das heißt neue Mobiltelefone werden nicht mehr nur zum Telefonieren genutzt.

Aktuelle Forschungsvorhaben: MOBI-KIDS und COSMOS

Der weitere Forschungsbedarf wird derzeit international in zwei Untersuchungen realisiert:

  • In der internationalen MOBI-KIDS-Studie werden die Auswirkungen der Handy-Nutzung auf junge Menschen zwischen 10 und 24 Jahren untersucht. Im Rahmen eines UFOPLAN-Vorhabens, beteiligen sich das Bundesumweltministerium und das BfS an dieser Studie.
  • Die COSMOS-Studie (Cohort Study on Mobile Communications) ist eine epidemiologische Langzeitstudie, die ebenfalls mögliche Auswirkungen einer Handynutzung untersucht. Sie wird in Großbritannien, Dänemark, Schweden, Finnland und den Niederlanden durchgeführt und bezieht auch andere mögliche Erkrankungen außer Hirntumoren mit ein. Die Höhe der Belastung durch hochfrequente Strahlung soll durch eine genaue Erfassung von Häufigkeit und Dauer der Telefonate ermittelt werden.

Vorsorgeempfehlungen des BfS weiterhin sinnvoll und notwendig

Obwohl die Ergebnisse der INTERPHONE-Studie generell kein erhöhtes Risiko für Hirntumoren oder Tumoren des Hörnervs durch langandauernden Gebrauch von Mobiltelefonen zeigt, bleiben Unsicherheiten bei intensiver Handynutzung und bei möglichen Auswirkungen auf Kinder. Die Vorsorgeempfehlungen des BfS zur Nutzung von Mobiltelefonen sind daher nach wie vor sinnvoll und notwendig. Insbesondere sollte die Nutzung von Handys durch Kinder auf das Notwendigste beschränkt bleiben.

Stand: 27.11.2018

Wie bewerten Sie diesen Artikel?

© Bundesamt für Strahlenschutz