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Was ist radiologischer Notfallschutz?

Textfassung des Videos "Was ist radiologischer Notfallschutz"

Notfallschutz heißt, dass wir alle Vorbereitungen treffen, um bei einem Unfall, also einer Freisetzung von großen Mengen Radioaktivität in die Umwelt, die Dosis für die Menschen beschränken und soweit wie möglich auch minimieren können.

Im Notfallschutz gibt es die Katastrophenschutzmaßnahmen. Das ist erstmal die Evakuierung als sehr einschneidende Maßnahme. Die etwas weniger drastische Maßnahme wäre das Verbleiben im Haus, Türen und Fenster schließen. Und die dritte Maßnahme, ganz wichtig für Kinder, Jugendliche und Schwangere, ist die Einnahme von Jodtabletten. Als Viertes gibt es dann noch die ganzen Maßnahmen im landwirtschaftlichen Bereich, um zu verhindern, dass über die Nahrungskette die Radioaktivität über die Nahrung in den Menschen gelangt.

Die Entwicklung des Notfallschutzes ist gekennzeichnet durch Tschernobyl und Fukushima. Tschernobyl war der Startschuss für unser sogenanntes integriertes Mess- und Informationssystem. Das heißt, wir haben die Umweltüberwachung flächendeckend ausgedehnt. Wir überwachen die Radioaktivität in der Luft, im Boden, im Wasser, in der Nahrungskette, Futtermittel und so weiter und so fort. Das heißt, heutzutage sind wir natürlich viel besser aufgestellt, um gerade bei solchen Ereignissen ein umfassendes Bild zu geben und auch entsprechende Maßnahmen dann empfehlen zu können.

Fukushima hat uns dazu veranlasst, den ganzen Notfallschutz nochmal zu überdenken und auf den Prüfstand zu stellen. Der wichtigste Punkt ist natürlich, dass das Ereignis in Fukushima in einem Reaktor passiert ist, der von seiner Bauart vergleichbar ist mit den europäischen Reaktoren.

Die wichtigste Konsequenz, die wir erstmal für den Notfallschutz gezogen haben war, dass wir die ganzen Planungen an einem schwersten Unfall ausrichten. Dass wir da nicht sagen, bestimmte Ereignisse sind so unwahrscheinlich, dass wir sie nicht planen müssen. Was physikalisch möglich ist, das planen wir auch.

Wir haben entsprechende Szenarien wie Fukushima durchgerechnet. Wir haben das auf verschiedene Wetterlagen und Standorte soweit durchgerechnet, dass wir dann im Schluss auch zu dem Ergebnis kamen, dass die Planungsradien für Katastrophenschutzmaßnahmen erheblich auszuweiten sind.

Mit dem Abschalten der Kernkraftwerke im Inland ist es ja nicht getan. Damit ist die Radioaktivität nicht aus der Welt. Es gibt im Ausland immer noch Kernkraftwerke und Kernkraftwerke sind auch nicht die einzigen Quellen für Radioaktivität, die in die Umwelt freigesetzt werden könnte. Die Konsequenz ist, dass wir, egal, ob wir jetzt selber Kernkraftwerke betreiben oder nicht, hier ein flächendeckendes Messnetz brauchen, um die Umwelt auf Radioaktivität zu überwachen und im Ereignisfall geeignete Schutzmaßnahmen empfehlen zu können.

Fukushima hat uns auch gezeigt, dass es nicht damit getan ist, die Menschen von der Strahlung zu schützen. Wenn man evakuiert, dann muss man auch einen Plan haben, wie die Leute wieder zurückkommen. Die Rückkehr zu normalen Lebensverhältnissen ist ein ganz wichtiger Punkt, der auch im Notfallschutz geplant werden muss. Das ist eine sehr komplexe gesellschaftliche Aufgabe. Wir als Strahlenschützer müssen dann auch kommunizieren, wo die Menschen wieder sicher wohnen können. Das ist im Moment auch international das große Thema.

Strahlenschutz nach einem Notfall eben nicht nur für die Menschen, sondern auch mit den Menschen.

Stand: 24.03.2015

© Bundesamt für Strahlenschutz